Diese Arbeit befasst sich mit einer besonderen grammatikalischen Unterkategorie des Numerus, dem Dual. Die slawischen Sprachen sind zur Betrachtung des Duals besonders gut geeignet, da heute keine andere indoeuropäische Sprachgruppe mehr den Dual in diesem Ausmaß beinhaltet. Slowenisch ist eine der drei einzigen indoeuropäischen Sprachen, die noch eine zusätzliche Numeruskategorie bis heute erhalten haben. Der Dual ist ein obligatorischer Bestandteil des Slowenischen und wird auch in den verschiedenen Dialekten in unterschiedlichem Maße benutzt.
Im ersten Teil der Arbeit wird zunächst der Dual im Allgemeinen, sein geschichtlicher Hintergrund und räumlicher Umfang beschrieben. Infolgedessen wird auf das pragmatische und philosophische Gewicht des Duals hingewiesen und auf die einzigartige Möglichkeit, die Sprache mittels des Duals lebendiger und klarer zu illustrieren und zu strukturieren.
Im Folgenden wird spezifisch auf den Gebrauch des Duals im Slowenischen eingegangen und näher beschrieben. Es werden die einzelnen Formen des Duals in verschiedenen Wortarten analysiert und mit den entsprechenden Singular- und Pluralformen verglichen. Daraufhin wird der Gebrauch des Duals behandelt und gezeigt, dass alle anderen Wortarten mit dem dualen Nomen übereinstimmen.
Eine Aufgabe dieser Arbeit ist es zu untersuchen, warum Nomen, die natürlicherweise Paariges benennen, im Slowenischen den Plural verwenden anstatt den Dual. Da in mancher existierenden Literatur behauptet wird, dass der Dual im slowenischen fakultativ anwendbar sei, wird auf die Frage eingegangen, inwieweit dies der Fall ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Dual
2.1. Der räumliche Umfang und die historische Entwicklung des Duals
2.2. Der pragmatische und philosophische Wert des Duals
3. Der Dual im Slowenischen
3.1. Die Formen des Duals in der slowenischen Sprache
3.1.1. Die Personalpronomina
3.1.2. Die Substantive
3.1.3. Die Verben
3.1.4. Die Adjektive
3.1.5. Die Numeri
3.2. Der Gebrauch des Duals im Slowenischen
3.3. Kongruenz des Duals im Slowenischen
3.4. Die Frage der Optionalität des Duals im Slowenischen
3.4.1. Natürlicherweise Paariges benennende Nomen
3.5. Die Erhaltung und das Aussterben des Duals im Slowenischen
3.6. Unterschiede zwischen den Dialekten
3.6.1. Die Umgangssprache von Ljubljana und Umgebung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grammatikalische Kategorie des Duals mit einem besonderen Fokus auf die slowenische Sprache. Ziel ist es, die strukturellen Eigenschaften, den Gebrauch sowie das allmähliche Aussterben dieses Numerus in verschiedenen Dialekten zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob der Dual im Slowenischen als fakultativ oder obligatorisch einzustufen ist.
- Historische Entwicklung und räumlicher Umfang des Duals
- Pragmatische und philosophische Bedeutung der Zweizahl
- Morphologische Analyse des Duals in verschiedenen Wortarten
- Diskurs um die Optionalität des Duals und natürliche Paare
- Erhaltungstendenzen im Vergleich zu Dialektunterschieden
Auszug aus dem Buch
2.2. Der pragmatische und philosophische Wert des Duals
Wie Humboldt es so schön ausgedrückt hat: Die Sprache ist kein bloßes Verständigungsmittel, sondern der Abdruck des Geistes und der Weltansicht der Redenden (Humboldt 1828:20). Die Außenwelt und das Innere des Geistes werden also in den grammatischen Bau der Sprache übertragen. Humboldt hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, was den Dualis über sprachwissenschaftliches Erkenntnisinteresse hinaus interessant macht. Er hat über die Wahrnehmung und Empfindung der Zweiheit geschrieben und behauptet, dass ein unabänderlicher Dualismus im Wesen der Sprache, der Natur und des Menschen liegt. Tag und Nacht, Erde und Himmel, Sein und Nichtsein, Ich und Du, Mensch und Tier – diese bilaterale Symmetrie sei überall zu finden und ginge mit dem Dual in die Sprache über. Mit ihm gelingt die Verwandlung der Welt in Sprache mittels ihres grammatischen Baues. Der lebendige Eindruck der Sprache wird erhöht und deswegen sei der Dualis ein Luxus und Auswuchs der Sprache.
Auch der Slowene Lenček (1982) hat die pragmatische und poetische Seite des Duals untersucht. Die Sprecher haben die Möglichkeit, mit dem Dual besser Solidarität, Intimität und eine besondere emotionale Verbindung auszudrücken. Der Dual wird infolgedessen oft in der Liebesdichtung angewandt. Auch der slowenische Dichter Dane Zajc hat sich zu diesem Thema geäußert und behauptet, dass er bei einem Liebesgedicht in einer anderer Sprache (die keinen Dual hat) ebenso unbewusst im Dual denkt und fühlt wie im Slowenischen. Der Dual wird mit Intimität und Selbstbewusstsein verbunden, wogegen der Singular und Plural für das Alleinsein oder mit der ganzen Welt sein stehen. Diese Konnotationen sind ein Teil jedes Menschen, der sich im Dual äußert.
Es passiert oft, dass jemand bewusst nicht den Dual benutzt, um etwas Intimes geheimzuhalten oder etwas zu umgehen, wie etwa im Satz smo bili v kinu “wir waren im Kino” (Plural), anstatt der dualen Form sva bila v kinu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der grammatikalischen Kategorie des Duals sowie Darlegung der Forschungsfragen und der Zielsetzung der Arbeit.
2. Der Dual: Erörterung der allgemeinen Definition, der geschichtlichen Entwicklung, des räumlichen Verbreitungsgebiets sowie der philosophischen Bedeutung des Duals.
3. Der Dual im Slowenischen: Detaillierte Analyse der Formenbildung in verschiedenen Wortarten, der Kongruenzregeln und der soziolinguistischen Dynamik des Duals innerhalb der slowenischen Dialekte.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse, die die Obligatorik des Duals im Slowenischen unterstreicht und Tendenzen zur Pluralisierung aufzeigt.
Schlüsselwörter
Dual, Numerus, Slowenisch, Grammatik, Linguistik, Morphologie, Sprachwandel, Dialekte, Kongruenz, Sprachwissenschaft, Wilhelm von Humboldt, Pluralisierung, Wortarten, Dualismus, Sprachbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Dual, einer besonderen grammatikalischen Unterkategorie des Numerus, und analysiert deren Verwendung und strukturelle Einbettung im Slowenischen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit deckt die historische Entwicklung des Duals, seine pragmatischen Funktionen, die morphologische Analyse in verschiedenen Wortarten sowie das Phänomen der Pluralisierung in Dialekten ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist zu untersuchen, wie der Dual im Slowenischen gebildet wird, wie er gebraucht wird und ob er als fakultative oder obligatorische Kategorie betrachtet werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse der vorhandenen Fachliteratur und vergleicht diese mit spezifischen Beispielen aus der slowenischen Grammatik und der Umgangssprache.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Formenlehre des Duals, den Regeln der Kongruenz und einer Untersuchung zur Frage, warum der Dual in manchen Kontexten durch den Plural ersetzt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Dual, Numerus, Slowenisch, Morphologie, Sprachwandel und Dialektologie.
Warum ist das Slowenische für die Erforschung des Duals so relevant?
Das Slowenische ist eine der wenigen indoeuropäischen Sprachen, die den Dual bis heute als obligatorischen Bestandteil und in allen Wortarten lebendig erhalten hat.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung bezüglich der "Optionalität" des Duals?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Dual im Slowenischen entgegen mancher Literatur nicht fakultativ ist, sondern wie jedes andere Sprachelement regelkonform von Sprechern benutzt wird, wobei Ausnahmen lediglich bei spezifischen „natürlichen Paaren“ auftreten.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Der Dual mit besonderer Berücksichtigung des Slowenischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537685