Wenn zwei der mächtigsten Akteure der europäischen Geschichte, das Papsttum und Karl, später Karl der Große, sich gegen einen gemeinsamen Gegner vereinen, so ist es leicht vorherzusehen, wer diesen Krieg gewinnen wird. Interessant wird dieser Krieg aber vor allem auch durch eine Besonderheit. Desiderius, der gemeinsame Gegner von Karl und Papst Hadrian I., stand wenige Jahre zuvor noch in einem guten Verhältnis zu seinen beiden Gegnern. Wie kam es dazu, dass sich die ehemals Verbündeten gemeinsam gegen Desiderius verschworen? Wie bei eigentlich jedem Krieg prallten auch bei diesem Krieg verschiedene Interessen aufeinander. Doch wessen Interessen waren für Karl ausschlaggebend, um gegen die Langobarden in den Krieg zu ziehen? Seine eigenen oder die Interessen des Papstes?
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Karls Vorfahren und seine frühen Beziehungen zum Papsttum
2.1 Karl als Patricius romanorum
3. Der Konflikt zwischen Desiderius und dem Papsttum
3.1 Das Hilfegesuch Papst Hadrians I.
3.2 Hadrians Interessen im Langobardenreich
4. Karls Interessen
4.1 Karls Interessen im Langobardenreich
4.2. Karls Interessen über das Langobardenreich hinaus
5. Die Eroberung des Langobardenreichs
5.1 Die Nachwirkungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss von Papst Hadrian I. auf den Langobardenfeldzug Karls des Großen in den Jahren 773 und 774. Dabei wird analysiert, inwieweit Karls militärisches Handeln durch religiös motivierte Hilferufe des Papstes oder durch seine eigenen machtpolitischen Interessen in Italien geleitet war.
- Analyse der karolingisch-päpstlichen Beziehungen und der Funktion des Patricius romanorum.
- Untersuchung der Konfliktfelder zwischen dem Langobardenkönig Desiderius und dem Papsttum.
- Erörterung der persönlichen Interessen Karls an einer Schwächung der Langobarden und der Beseitigung unliebsamer Familienkonkurrenten.
- Auswertung zeitgenössischer Quellen wie der fränkischen Reichsannalen und des Codex epistolaris Carolinus.
- Beurteilung der machtpolitischen und religiösen Motivation hinter dem militärischen Eingreifen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Hadrians Interessen im Langobardenreich
Machtpolitisch und geografisch gesehen hatte das Papsttum besonders stark unter dem Untergang des weströmischen Reiches gelitten21. Unterstand das Papsttum bis zum Untergang Westroms dem militärischen Schutz Roms, so ging dieser Schutz um 500 n.Chr. verloren22. Seitdem war das Papsttum, das durchaus machtpolitische und geografische Interessen hatte, auf militärische Hilfe fremder Staaten angewiesen. Wie sein Vorgänger Stephan II. als Oberhaupt der christlichen Kirche strebte also auch Hadrian danach, Besitztümer und Land für die römische Kirche zu gewinnen23. Dementsprechend stark muss es Hadrian gestört haben, dass die in der Pippinischen Schenkung versprochenen Gebiete aufgrund der langobardischen Besatzung24 nicht tatsächlich eingenommen werden konnten. Es erklärt sich von selbst, dass Hadrian sich an Karl, den Sohn des Ausstellers der Schenkung, wandte, der obendrein ja bereits zum Schutzherrn der Römer gesalbt worden war.
Des Weiteren störte es Hadrian, dass die Langobarden immer mehr an Macht in Italien gewannen und immer näher an Rom heranrückten25. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Reichsannalen erzählen, Karl solle gegen die Langobarden zum Schutz der Kirche in den Krieg ziehen26. Da es aber keine Überlieferungen von einem etwaigen Krieg zwischen Langobarden und der Kirche gibt, ist davon auszugehen, Hadrian habe die wachsende Macht und Ausbreitung Desiderius´ als Bedrohung empfunden27. Diese Bedrohung wollte er durch Karl vom Hals geschafft haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Ausgangslage der Beziehung zwischen Karl und Papst Hadrian I. ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Beweggründe für den Langobardenfeldzug.
2. Karls Vorfahren und seine frühen Beziehungen zum Papsttum: Das Kapitel beleuchtet die historische Abhängigkeit der Karolinger von der päpstlichen Anerkennung zur Legitimierung ihrer Herrschaft.
2.1 Karl als Patricius romanorum: Hier wird die Rolle Karls als Schutzherr der Römer analysiert, die ihn in eine militärische Verantwortung gegenüber der Kirche nahm.
3. Der Konflikt zwischen Desiderius und dem Papsttum: Dieses Kapitel beschreibt die wachsenden Spannungen zwischen dem Langobardenkönig Desiderius und dem Papst sowie die daraus resultierende Gefahr für den Kirchenstaat.
3.1 Das Hilfegesuch Papst Hadrians I.: Untersuchung der diplomatischen Einladung Karls nach Italien durch den Papst und wie diese in den fränkischen Quellen dargestellt wird.
3.2 Hadrians Interessen im Langobardenreich: Analyse der politisch-geografischen Ambitionen Hadrians, insbesondere der Rückgewinnung von Gebieten der Pippinischen Schenkung.
4. Karls Interessen: In diesem Kapitel werden die eigenen, teils machtpolitischen Interessen Karls jenseits des päpstlichen Hilferufs beleuchtet.
4.1 Karls Interessen im Langobardenreich: Diskussion über Karls Wunsch zur Ausdehnung seines Machtbereichs und die Beseitigung konkurrierender Familienansprüche.
4.2. Karls Interessen über das Langobardenreich hinaus: Erörterung der jenseitsorientierten Motivationen Karls und der Absicherung seiner Position vor dem jüngsten Gericht.
5. Die Eroberung des Langobardenreichs: Beschreibung des militärischen Sieges über die Langobarden und der symbolischen Akte Karls während des Feldzugs.
5.1 Die Nachwirkungen: Untersuchung der Folgen des Sieges für das Machtgefüge in Italien und die diplomatische Kommunikation im Nachgang zum Krieg.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Einflusses Hadrians I. und die Erkenntnis, dass Karls Feldzug eine Kombination aus eigener Interessenverfolgung und päpstlicher Unterstützung war.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Hadrian I., Langobardenfeldzug, Desiderius, Papsttum, Pippinische Schenkung, Patricius romanorum, Reichsannalen, Machtpolitik, Codex epistolaris Carolinus, Einhard, Fränkisches Reich, Kirchenstaat, Mittelalter, Herrschaftslegitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe des Langobardenfeldzugs Karls des Großen (773/774) und analysiert, inwieweit Papst Hadrian I. diesen Krieg durch seine Bitten beeinflusst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit dem Verhältnis zwischen dem fränkischen Herrscher und dem Papsttum, den machtpolitischen Interessen Karls in Italien sowie der religiösen Legitimation von Kriegen im frühen Mittelalter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welchen Einfluss hatte Papst Hadrian I. auf den Langobardenfeldzug Karls des Großen? Es wird geklärt, ob Karl von egoistischen Motiven oder vom Hilferuf des Papstes getrieben wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primäre Quellen wie die fränkischen Reichsannalen und den Codex epistolaris Carolinus auswertet und mit aktueller Forschungsliteratur in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Vorbeziehungen zwischen den Karolingern und dem Papsttum, die Konfliktanalyse mit Desiderius, die spezifischen Interessen beider Akteure sowie den Ablauf und die Nachwirkungen der Eroberung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind: Karl der Große, Hadrian I., Langobarden, Papsttum, Patricius romanorum und machtpolitische Interessen.
Warum war der Titel "Patricius romanorum" so entscheidend für den Verlauf der Geschichte?
Der Titel verpflichtete Karl dazu, als Schutzherr der römischen Kirche militärisch zu intervenieren. Er schuf eine Funktionsbindung, die das Papsttum nutzte, um Karl im Bedarfsfall zur Hilfe zu rufen.
Wie unterscheidet sich Karl in seinem Auftreten gegenüber dem Papst von seinem Vater Pippin?
Während Pippin durch das Küssen der Füße des Papstes Unterordnung zeigte, begegnete Karl dem Papst während seines Besuchs in Rom auf Augenhöhe, was ein neues Selbstverständnis als gleichwertiger Herrscher verdeutlicht.
Welche Rolle spielten die Söhne Karlmanns für Karls Entscheidung, Desiderius zu bekämpfen?
Die Forderung des Desiderius, die Söhne des verstorbenen Bruders Karlmann zu salben, stellte eine direkte Bedrohung für Karls Machtanspruch dar. Ihre Beseitigung war daher ein essenzielles eigenes Interesse Karls.
- Citar trabajo
- Tobi Fröhlich (Autor), 2018, Karl der Große und das Papsttum. Welchen Einfluss hatte Hadrian I. auf Karls Langobardenfeldzug?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537690