Bildung für nachhaltige Entwicklung im Politikunterricht. Im Spannungsverhältnis zum Beutelsbacher Konsens


Hausarbeit, 2019

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundprinzipien politischer Bildung nach Sander

3. Beutelsbacher Konsens

4. Bildung für nachhaltige Entwicklung
4.1. Begriffserklärung: Nachhaltigkeit
4.2. Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung?
4.4 Aufgaben und Ziele von BNE

5. Spannungsverhältnis zwischen Bildung für nachhaltige Entwicklung und dem Beutelsbacher Konsens

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Globalisierung im Allgemeinen ist ein aktuelles Thema, welches vielfältige Themengebiete betrifft. Gerade in Bezug auf die Umwelt ist die weltweite Gesellschaft davon betroffen. Die Stichworte des Klimawandels und dessen Entgegenwirkungsstrategien der Nachhaltigkeit müsste jedem Bürger und jeder Bürgerin Deutschlands ein Begriff sein. Doch was genau wird darunter verstanden? Und noch wichtiger: Wie kann jeder Bürger und jede Bürgerin über diesen Themenbereich informiert und aufgeklärt werden? Die Schule ist eine der wenigen Institutionen, dessen Reichweite an jede Person der Gesellschaft reicht. Somit bietet sich eine Abhandlung der Themengebiete der Globalisierung als gute Möglichkeit an, zum einen Fachwissen zu übermitteln und zum anderen, den SchülerInnen eine Orientierung in diesem breitgefächertem Gebiet zu schaffen. Daran anknüpfend bietet es sich an, die SchülerInnen im Themengebiet der Nachhaltigkeit zu bilden.

Demonstrationen wie „Fridays for Future“, in denen SchülerInnen für mehr Klimaschutz streiken, werden durch Angstgefühle ausgelöst. Diese müssen in der Schule professionell aufgenommen und bearbeitet werden, um umweltschonendes Verhalten der SchülerInnen und der Gesellschaft zu generieren.

Fraglich hierbei sind die Grenzen, die bei der Umsetzung des Konzepts „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ an Schulen bestehen. Ein kritischer Blick auf die Befürchtungen bezüglich der Grenzen sowie deren Rechtfertigung ist notwendig.

Zentrales Element dieser Arbeit wird aus diesen Gründen das Thema der Integration des Konzepts von Bildung für nachhaltige Entwicklung an Schulen und unter anderem dem Politikunterricht und deren Hindernisse bzw. Grenzen sein.

Gezielt wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Verankerung des Konzepts „Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Politikunterricht im Spannungsverhältnis mit dem Beutelsbacher Konsens steht. Dafür wird die Arbeit in sechs Kapitel gegliedert: Um ein Fundament zur Beantwortung dieser Frage herzustellen, werden nach einer kurzen Einführung zunächst die drei Grundprinzipien politischer Bildung nach Sander vorgestellt. Anknüpfend daran wird der Beutelsbacher Konsens mit seinen Leitgedanken involviert. Daran wird die Thematik der Nachhaltigkeit angeschlossen. Um Verständnis über die Thematik aufzubauen, wird zunächst der Begriff definiert und anschließend das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie deren Ziele erklärt. Folglich werden die genannten Gliederungspunkte im Zusammenhang gebracht und die Grenzen der Verfolgung der Ziele von Bildung für nachhaltige Entwicklung werden anhand des Beutelsbacher Konsens diskutiert. Zum Abschluss wird die Arbeit mit einem Fazit abgerundet.

2. Grundprinzipien politischer Bildung nach Sander

Grundsätzlich kämpft die menschliche Gesellschaft mit der Entwicklung von Regelungen gemeinsamer Angelegenheiten und Probleme (vgl. Sander 2005, S. 13). Hierbei wird besonders viel Wert auf die Vermittlung der Organisation von Politik als Lernprozess an die kommenden Generationen gelegt. Die Aufgabe und das Ziel ist die so genannte politische Sozialisation. Diese beinhaltet die erfolgreiche Vermittlung von für die politische Ordnung als relevant erachteten „Werthaltungen, Einstellungen, Überzeugungen, Wissensbestände und Handlungsdispositionen (Sander 2005, S. 13).

Diese politische Integration lässt sich institutionell in der Schule als Ziel umsetzen (vgl. ebd. S. 14) . Die Umsetzung politischer Bildung geschieht dabei „in der Anpassung an bestehende Verhältnisse, sei es durch Wissensvermittlung, durch Verhaltenslehre oder durch Gesinnungsbildung.“ (Fischer 1973, S. 10). Beispielsweise wurde in der Zeit des Nationalsozialismus der Unterricht darauf ausgelegt, den SchülerInnen ein nationalistisches Weltbild zu vermitteln (vgl. Sander 2005, S. 15). Dieses Vorgehen wird als Herrschaftslegitimation beschrieben . Dabei wird das Ziel der Legitimation eines vorherrschenden politischen Zustands durch „politische Erziehung“ (Sander 2005, S. 15), mit der Absicht des individuellen Profits mächtiger Gruppen, verfolgt. Dadurch werden politische Oppositionen umgangen und die Historie manipuliert, um SchülerInnen eine bestimmte Sichtweise auf die Welt zu überzeugen (vgl. ebd. S. 15) .

Neben dem Ziel der Akzeptanz einer vorliegenden politischen Situation, herrscht auch der Zustand der Unzufriedenheit der aktuellen Situation und dem damit verknüpften Ziel einer Umerziehung in den Überzeugungen der SchülerInnen (Re-education) (vgl. ebd. S. 16). Dieses Grundmuster lässt sich mit dem Wort Mission beschreiben. Hierbei ist die Intention politischer Bildung den vorliegenden Zustand im Auftrag der Regierung durch Missionierung zu verbessern. Um an das Bespiel des Nationalismus und der zu dieser Zeit herrschenden Diktatur anzuknüpfen, wäre Herrschaftslegitimation die allgemeine Akzeptanz der Diktatur und im Gegensatz dazu Missionierung der Versuch einer Umerziehung des Volkes zur Akzeptanz der Demokratie.

Die Gemeinsamkeit der beiden genannten Grundmuster politischer Bildung besteht darin, dass die lehrende Person eine Wahrheit an die SchülerInnen vermitteln, die sie zu akzeptieren haben (vgl. ebd. S. 17).

Das dritte Grundmuster unterscheidet sich mit den beiden vorangegangen im Ziel der „eigenständigen Auseinandersetzung der Lernenden mit dem Wirklichkeitsbereich Politik (Sander 2005, S. 17). Bei dem Konzept der sog. Mündigkeit soll den SchülerInnen die Autonomie gewährt werden, sich eigenständig Meinungen, Urteile und Überzeugungen aneignen zu können (vgl. ebd. S. 17). Die Ergebnisvielfalt in politischen Kontroversen ist ein gewünschtes Ergebnis in politisch bildenden Lernsituationen.

Darüber hinaus führt letzteres Grundmuster zur Professionalisierung der politischen Bildung, da diese sich an wissenschaftliches Wissen und nicht auf weltanschauliche Überzeugungen lehnt (vgl. ebd.).

3. Beutelsbacher Konsens

Das im Gliederungspunkt 2 beschriebene Grundmuster Mündigkeit gewann geschichtlich betrachtet im Westen ab 1945 und im Osten ab 1989 an Bedeutung (vgl. ebd. S. 18). Der so genannte Beutelsbacher Konsens bestätigt dies (vgl. ebd.). Der Beutelsbacher Konsens ist das Ergebnis der im Jahre 1976 in Baden- Württemberg ausformulierten Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung (vgl. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg). Dieser bezieht sich auf den Politik- und Geschichtsunterricht an allen Schulformen und beinhaltet deren Standards, die in drei Leitgedanken gegliedert sind (vgl. ebd.):

„1. Überwältigungsverbot. Es ist nicht erlaubt, den Schüler - mit welchen Mitteln auch immer - im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der ,Gewinnung eines selbstständigen Urteils‘ (Minssen, W.S.) zu hindern. Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination ist aber unvermeidbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der - rundum akzeptierten - Zielvoraussetzung von der Mündigkeit des Schülers.
2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muß auch im Unterricht kontrovers erscheinen. [.]
3. Der Schüler muß in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen [...]“ (Wehling 1977, S. 179f.).

Das Ziel der Mündigkeit der SchülerInnen wird durch die Grundprinzipien des Beutelsbacher Konsens gefördert. Vor allem sind die ersten beiden Prinzipen Überwältigungsverbot und Kontroversitätsgebot miteinander verflochten (vgl. Sander 2004, S. 21). Diese beugen das Unterschlagen von Informationen oder Alternativen vor und generieren somit eine Vielfalt von Perspektiven. Folglich wird die Indoktrination umgangen (vgl. ebd.).

Darüber hinaus ist das Erreichen des Ziels der Mündigkeit der SchülerInnen mit Unterstützung des Beutelsbacher Konsens eine Voraussetzung für die Professionalisierung in der politischen Bildung (vgl. Sander 2005, S. 17). Das bedeutet, dass das Wissen der SchülerInnen auf der eigenen Weltanschauung und den angeeigneten Überzeugungen beruht (vgl. ebd.).

4. Bildung für nachhaltige Entwicklung

4.1. Begriffserklärung: Nachhaltigkeit

Ab Mitte der 1990er Jahre gewann die nachhaltige Entwicklung an Bedeutung und setze sich folglich als Leitbild durch (vgl. Overwien 2014, S. 379).

Der Brundtland-Bericht beschäftigt sich mit der globalen Umwelt und stellt fest, dass Umweltprobleme im Süden hauptsächlich auf nicht nachhaltiges Verhalten im Norden zurückzuführen sind. Demnach wird eine Strategie gebildet, die Entwicklung mit Umwelt kombiniert: „Sustainable development“ (vgl. ebd.). Dies wird mit „nachhaltige Entwicklung“ übersetzt und wie folgt definiert:

„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ (Hauff 1987, S. 46).

Hierbei wird mit dem Begriff „Bedürfnisse“ gemeint, dass die Grundbedürfnisse der der ärmeren Länder höhere Priorität zugeschrieben werden soll (vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit 2002). Durch die Mithilfe der Technologie und den sozialen Organisationen ausgeübten Beschränkungen wird eine nachhaltig zukunftsfähige Auswirkung auf die Umwelt erhofft (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Bildung für nachhaltige Entwicklung im Politikunterricht. Im Spannungsverhältnis zum Beutelsbacher Konsens
Hochschule
Universität Kassel
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V537712
ISBN (eBook)
9783346156488
ISBN (Buch)
9783346156495
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beutelsbacher, bildung, entwicklung, konsens, politikunterricht, spannungsverhältnis
Arbeit zitieren
Dilara Hizyeter (Autor), 2019, Bildung für nachhaltige Entwicklung im Politikunterricht. Im Spannungsverhältnis zum Beutelsbacher Konsens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537712

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