In der Arbeit wird anhand Beispiele die Entwicklung der Movierung in drei verschiedenen, zeitlich aufeinanderfolgenden Wörterbüchern untersucht. Zu Beginn wird dafür der Begriff der Genusmarkierung erklärt und zwei Arten dessen kurz vorgestellt, um später auf die Entwicklung zurückzukommen.
Frauen wurden früher und werden auch heute noch als das schwächere Geschlecht angesehen. Sie müssen mehr Leistung erbringen, um die gleiche Anerkennung zu bekommen wie Männer. Dies schlägt sich auch auf die Sprache und deren Grammatik nieder.
Nach dem Tod des spanischen Diktators Francisco Franco und der darauffolgenden Demokratisierungswelle in den 1970er Jahren entwickelten sich Schritt für Schritt in Spanien Frauenrechtsbewegungen, die für die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts in der Gesellschaft und der Politik kämpfen. Egal ob Wahlrecht, Zugang zum Studium oder das Recht auf Ehescheidungen: wenn damit schon gekämpft werden muss, dann steht die (feministische) Linguistik hinten an.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Genusmarkierung
2.1 Definition
2.2 Movierung als Form der Genusmarkierung
3. Genuszuweisung
4. Die Entwicklung der Movierung im einsprachigen spanischen Wörterbuch
4.1 Personen- und Tierbezeichnungen
4.2 Berufsbezeichnungen
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Movierung (die Bildung femininer Pendants zu maskulinen Personen- oder Tierbezeichnungen) in verschiedenen spanischen Wörterbüchern über einen Zeitraum von 1984 bis 2011, um festzustellen, inwieweit sich die lexikografische Darstellung und Definition weiblicher Formen im Zuge gesellschaftlicher Emanzipationsprozesse verändert hat.
- Grundlagen der Genusmarkierung und Genuszuweisung im Spanischen
- Verfahren der Movierung (Suffixe, Komposita, Suppletion)
- Analyse von Personen- und Tierbezeichnungen in drei ausgewählten Wörterbüchern
- Untersuchung von Berufsbezeichnungen im Kontext der Feminisierung
- Rolle der Real Academia Española (RAE) im sprachlichen Wandel
Auszug aus dem Buch
2.2 Movierung als Form der Genusmarkierung
Franz Rainer definiert Movierung als „Bildung femininer Pendants zu maskulinen Basen, die Personen oder Tiere bezeichnen“13. Es werden demzufolge neue, feminine Varianten von bestehenden, maskulinen Personen- oder Tierbezeichnungen abgeleitet. Bei der Movierung stimmen género und sexo überein. Das grammatische Geschlecht wird dabei dem biologischen Geschlecht angepasst. Dieses Verfahren ist beispielsweise im Deutschen und Spanischen oft zu sehen, weniger jedoch im Französischen.14
Bei der Movierung gibt es verschiedene Verfahren, um das weibliche Gegenstück zu bilden. Hierbei muss lediglich betrachtet werden, dass die unterschiedlichen Verfahren oft je nach geographischer Lage verschieden verwendet werden.15 Bei der Tierbezeichnung wird nur eine Movierung vorgenommen, wenn der Geschlechtsunterschied bei den Tieren erkennbar, beziehungsweise von Wichtigkeit in Biologie und Natur ist.16
Rainer teilt die Verfahren der Movierung in „produktiv“ und „unproduktiv“. Unter Produktiv zählt er dabei die häufigste Movierung im Spanischen mithilfe des Suffixes -a (hermano/hermana) und die Komposita (ministro-mujer). Als unproduktiv zählt er zum einen die Suppletion (auch „sustantivos heterónimos“17 genannt) und zum anderen fünf weitere verschiedene Suffixe. Von Suppletion ist die Rede, wenn das feminine Pendant ein komplett anderes Wort ist (hombre/mujer oder toro/vaca). Suppletive Formen blockieren dabei die entsprechenden regelmäßigen Ableitungen (tora). Die fünf Suffixe sind -esa (baron/barones), -ina (héroe/heroína), -isa (sacerdote/sacerdotisa), -iza (robalo/robaliza) -triz (actor/actriz). Letztes Beispiel wird dabei von einer Affixsubstitution begleitet.18
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Frauenbewegung in Spanien und thematisiert die Benachteiligung des Weiblichen in der spanischen Sprache sowie die Relevanz der Untersuchung von Movierung in Wörterbüchern.
2. Genusmarkierung: Hier werden die linguistischen Grundlagen, insbesondere die Definition von Genus und Sexus im Spanischen sowie die verschiedenen Verfahren der Movierung nach Franz Rainer, erläutert.
3. Genuszuweisung: Dieses Kapitel behandelt die Regeln und Kriterien zur Zuweisung des maskulinen oder femininen Genus an Nomina, basierend auf phonologischen und semantischen Aspekten.
4. Die Entwicklung der Movierung im einsprachigen spanischen Wörterbuch: Der Hauptteil vergleicht die Lemmata und Definitionen dreier spanischer Wörterbücher (1984, 1996, 2011) anhand spezifischer Beispiele für Personen-, Tier- und Berufsbezeichnungen.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt die fortschreitende sprachliche Gleichstellung fest, betont jedoch, dass die institutionelle Lexikografie, insbesondere die RAE, den Wandel oft nur zögerlich abbildet.
Schlüsselwörter
Movierung, Genusmarkierung, Genuszuweisung, spanische Sprache, Lexikografie, Feministische Linguistik, Berufsbezeichnungen, Personenbezeichnungen, Suppletion, Suffixe, Real Academia Española, Sprachwandel, Gender, Wortbildung, Feminisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Darstellung femininer Sprachformen in spanischen einsprachigen Wörterbüchern zwischen 1984 und 2011 verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die morphologischen Verfahren der Movierung, die Genuszuweisung bei spanischen Nomina und die kritische Betrachtung der Wörterbuchdarstellungen im Kontext der gesellschaftlichen Frauenemanzipation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch den Vergleich ausgewählter Lemmata aufzuzeigen, ob und wie Wörterbücher mit der Entwicklung hin zu einer nicht-sexistischen Sprache umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Analyse von Wörterbucheinträgen vorgenommen, ergänzt durch die theoretische Einordnung der Movierungsverfahren nach linguistischen Standards.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der praktischen Untersuchung von Personen-, Tier- und Berufsbezeichnungen anhand von Beispielen in drei verschiedenen Wörterbüchern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Movierung, Genusmarkierung, spanische Lexikografie, Feminisierung und Sprachwandel.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in den drei untersuchten Wörterbüchern?
Während ältere Werke (z.B. RAE 1984) oft eine starke Trennung von maskulinen und femininen Lemmata oder abwertende Definitionen für feminine Formen aufweisen, zeigen neuere Werke eine stärkere Angleichung.
Welche Rolle spielt die Suppletion bei der Movierung?
Suppletion beschreibt die Verwendung komplett unterschiedlicher Wörter für männliche und weibliche Pendants (z.B. hombre/mujer), was laut Arbeit zu einer blockierenden Wirkung für regelmäßige Wortbildungen führen kann.
- Quote paper
- Luisa Petatz (Author), 2020, Die Entwicklung der Movierung im einsprachigen spanischen Wörterbuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537756