Die Entwicklung der Movierung im einsprachigen spanischen Wörterbuch


Hausarbeit, 2020

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Genusmarkierung
2 1 Definition
2.2 Movierung als Form der Genusmarkierung

3. Genuszuweisung

4. Die Entwicklung der Movierung im einsprachigen spanischen Wörterbuch
4 .1 Personen- und Tierbezeichnungen
4.2 Berufsbezeichnungen

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem Tod des spanischen Diktators Francisco Franco und der darauffolgenden Demokratisierungswelle in den 1970er Jahren entwickelten sich Schritt für Schritt in Spanien Frauenrechtsbewegungen, die für die Gleichberechtigung des weibli­chen Geschlechts in der Gesellschaft und der Politik kämpfen.1 Die Frauen hatten in Spanien mehr zu kämpfen als in anderen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder den USA, in denen es ebenfalls bereits einige Jahre zuvor Frauenbewegungen gab. Egal ob Wahlrecht, Zugang zum Studium oder das Recht auf Ehescheidungen: wenn damit schon gekämpft werden muss, dann steht die (feministische) Linguistik hinten an.2

Trotz der schweren Bedingungen bildete sich dank der Frauenbewegung 1983 das Instituto de la Mujer heraus. Bis 1988 war es Sache des Ministerio de Cultura, da­nach gehörte es dem Ministerio de Trabajo y Asuntos sociales an und seit 2008 untersteht es dem - im gleichen Jahr neu gegründeten - Gleichstellungsministerium der Secretaría Gereral de Políticas de Igualdad. Das Institut beschäftigt sich mit allen Fragen zum Thema Frauendiskriminierung und Gleichbehandlung der Ge­schlechter in der Gesellschaft, aber auch in der Sprache.3

Frauen wurden früher und werden auch heute noch als das schwächere Geschlecht angesehen. Sie müssen mehr Leistung erbringen, um die gleiche Anerkennung zu bekommen wie Männer - Stichwort ,Gläserne Decke‘. Dies schlägt sich auch auf die Sprache und deren Grammatik nieder. Das Wort für ,der Mensch‘ ist im Spani­schen el hombre, das beide Geschlechter (feminin und maskulin) repräsentiert . Diese Übersetzung steht jedoch gleichzeitig für das männliche Geschlecht „der Mann“ und ist auch vom grammatikalischen Geschlecht her rein männlich. Anhand dieses Wortes ist bereits die Vernachlässigung des Weiblichen in der spanischen Sprache deutlich nachzuweisen. Spanisch stellt hierbei aber keine Ausnahme bei den romanischen Sprachen dar. Das gleiche Phänomen ist im Französischen mit l'homme und im Italienischen mit l'uomno zu beobachten.4

Die neue gesellschaftliche Emanzipierung der Frau in der Arbeitswelt fordert nun auch für Berufsbezeichnungen weibliche Formen. Zwar sind immer mehr feminine Abwandlungen der maskulinen Vorgänger zu sehen (wie ich in Kapitel 4 genauer darlegen werde), jedoch werden diese immer wieder durch die andozentrische Er­setzungsregel geblockt. Diese sagt aus, „dass die maskulinen Personenbezeichnun­gen „neutral“ seien und stellvertretend für die Bezeichnung von Frauen verwendet werden können.“5.

In der vorliegenden Arbeit wird anhand weniger Beispiele die Entwicklung der Mo­vierung in drei verschiedenen, zeitlich aufeinanderfolgenden Wörterbüchern unter­sucht. Zu Beginn wird dafür der Begriff der Genusmarkierung erklärt und zwei Ar­ten dessen kurz vorgestellt, um später auf die Entwicklung zurückzukommen. Aus Platzgründen werden in dieser Arbeit lediglich die Nomina behandelt und auf die Berufsbezeichnungen nur kurz eingegangen.

2. Genusmarkierung

Da im Folgenden öfter die Termini ,Genus‘ und ,Sexus‘ fallen werden, werden diese kurz definieren. Genus (sp. genero) bezeichnet in der Sprachwissenschaft das grammatische Geschlecht.6 Das Spanische (und auch alle anderen romanischen Sprachen) besitzt ein „binäres Genussystem“7, mit den Geschlechtern maskulin und feminin. Das Spanische hat dafür den Artikel el als maskuline Markierung und la als feminine Markierung für das Nomen. Beispielsweise gibt es im Deutschen zu­sätzlich den sächlichen Artikel ,das‘. Zwar hat die spanische Sprache auch ein Wort, um das Sächliche auszudrücken (lo), jedoch wird dieser nicht als Artikel an­gesehen. Er wird oft verwendet, um die Stärke einer Aussage zu unterstreichen. Der Sexus (sp. sexo) hingegen drückt das biologische oder natürliche Geschlecht einer Person oder eines Tieres aus und zeigt damit, ob es männlich oder weiblich ist. Wenn es sich beim Nomen nicht um Tiere oder Personen handelt, denen durch ihre Biologie ein eindeutiges Geschlecht zuzuordnen ist, dann ist das Genus eine vorge­gebene Sache der Lexik, folgt keiner logischen Zuordnung und muss auswendig gelernt werden.8 In den Beispielen el hombre oder la mujer sind grammatisches und biologisches Geschlecht gleich.

Auch in der Einführung Introducción a la lingüística sincrónica wird der Term Ge­nus noch einmal recht deutlich definiert:

Categoría de nombres, pronombres y adjetivos. El género gramatical puede coincidir con el sexo (abuelo, abuela), pero también ser arbitrario (escuela, otoñ o). En los nombres de español, no siempre hay una correlación entre m./f. con las terminaciones -o/-a (la mano, la radio, el día, el poeta) y existen otras terminaciones (-ión, -e, etc.).9

Zu lesen ist, dass einerseits der Sexus mit dem Genus übereinstimmen kann, es an­dererseits aber nicht in allen Fällen davon abhängig ist.

2.1 Definition

Schon der erste griechische Grammatiker Protagoras (380 v. Chr.) erkannte den Sexus und postulierte, dass das Genus in Beziehung zum biologischen Geschlecht stehen muss.10 So erfolgt schon seit langer Zeit im Spanischen die Kennzeichnung des Genus durch die bereits oben genannten zwei Artikel el (maskulin) und la (fe­minin). Dies wird mit dem Begriff der Genusmarkierung definiert. Nicht nur die Artikel, sondern auch Allomorphe am Ende des Nomens verraten das Geschlecht. Warum das Wörtchen „oft“ hier mit Absicht hervorgehoben wird, wird im 3. Kapi­tel erklärt. Das Allomorph -a als femininer Marker und -o um das maskuline Ge­schlecht auszudrücken sind die typischsten.11 Beispiele dafür sind el apellido, el libro, la, silla und la casa. Diese Allomorphe und weitere sind auch bei anderen Wortarten, die dem Nomen zugeordnet sind, zu finden.12 Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich jedoch nur mit den Nomina.

2.2 Movierung als Form der Genusmarkierung

Franz Rainer definiert Movierung als „Bildung femininer Pendants zu maskulinen Basen, die Personen oder Tiere bezeichnen“13. Es werden demzufolge neue, femi­nine Varianten von bestehenden, maskulinen Personen- oder Tierbezeichnungen abgeleitet. Bei der Movierung stimmen género und sexo überein. Das grammatische Geschlecht wird dabei dem biologischen Geschlecht angepasst. Dieses Verfahren ist beispielsweise im Deutschen und Spanischen oft zu sehen, weniger jedoch im Französischen.14

Bei der Movierung gibt es verschiedene Verfahren, um das weibliche Gegenstück zu bilden. Hierbei muss lediglich betrachtet werden, dass die unterschiedlichen Verfahren oft je nach geographischer Lage verschieden verwendet werden.15 Bei der Tierbezeichnung wird nur eine Movierung vorgenommen, wenn der Ge­schlechtsunterschied bei den Tieren erkennbar, beziehungsweise von Wichtigkeit in Biologie und Natur ist.16

Rainer teilt die Verfahren der Movierung in „produktiv“ und „unproduktiv“. Unter Produktiv zählt er dabei die häufigste Movierung im Spanischen mithilfe des Suf­fixes -a (hermano/hermana) und die Komposita (ministro-mujer). Als unproduktiv zählt er zum einen die Suppletion (auch „ sustantivos heterónimos17 genannt) und zum anderen fünf weitere verschiedene Suffixe. Von Suppletion ist die Rede, wenn das feminine Pendant ein komplett anderes Wort ist (hombre/mujer oder toro/vaca). Suppletive Formen blockieren dabei die entsprechenden regelmäßigen Ableitungen (tora). Die fünf Suffixe sind -esa (baron/barones) , -ina (héroe/heroína) , -isa (sa- cerdote/sacerdotisa) , -iza (robalo/robaliza) -triz (actor/actriz). Letztes Beispiel wird dabei von einer Affixsubstitution begleitet.18

Hinzukommend zu den verschiedenen Verfahren von Franz Rainer bezieht sich Pe­ter Haase in seinem Buch19 zusätzlich auf die RAE. Diese führt noch die sustantivos comunes en cuanto al género kurz género común an. Das sind Abwandlungen, bei denen das Nomen in seiner Form gleichbleibt und sich nur der Artikel ändert. Davon sind oft Nomina betroffen, die auf -a (el/la artista) , -i (el/la maniquí) , -y (el/la yóquey) , -r (el/la mártir) , -s (el/la viejales) oder -t (el/la pívot) enden. Weiter werden auch die s ustantivos ambiguos en cuanto al género beschrieben. Sogenannte „ambigue Lexeme mit meist unbelebtem Referenzobjekt (el mar/la mar, el vodka/la vodka)“20.21

Abschließend ist zu sagen, dass die Genusmarkierung zeigt, welche Allomorphe mit hoher Wahrscheinlichkeit das Geschlecht des Nomens angeben. Die Movierung spezialisiert sich dabei auf die Bildung der femininen Ableitungen bei Personen und Tieren. Die Genusmarkierung legt damit den Grundstein der Genuszuweisung, wel­che nun untersucht, mit welcher Wahrscheinlichkeit die vorgegebenen Allomorphe bei ihrer Geschlechterzuordnung richtig sind.

3. Genuszuweisung

Mit Genuszuweisung ist die Zuweisung des maskulinen und femininen Artikels zum Nomen definiert. Damit ist zum Beispiel gemeint, dass auf -ez, -(t)ud und -dad endende Nomina hauptsächlich ein feminines Genus und Nomina, die auf -aje oder -or ein maskulines Genus aufweisen. Beispiele dafür sind la estupidez, la juventud, la novedad, el equipaje oder el valor. Bei der Substantivierung im Spanischen gilt, dass diese in der Regel ein maskulines Genus aufweisen: el querer, el si, el ahora.

[...]


1 Vgl. Ingrid Miethe, Europas Töchter, S. 119.

2 Vgl. Christine Bierbach, „Sprache und Geschlechter“, S. 276.

3 Vgl. Peter Hasse, Feminisierung im spanischen Sprachraum, S. 50.

4 Vgl. Christine Bierbach, „Sprache und Geschlechter“, S. 277.

5 Ingrid Samel, Einführung in die feministische Sprachwissenschaft, S. 57.

6 Vgl. ebd.

7 Konstanze Jungbluth, „Sprache und Geschlechter“, S. 341.

8 Konstanze Jungbluth, „Sprache und Geschlechter“, S. 58.

9 Simone Roggenbuck, Introducción a la linguistica sincrónica, S. 134.

10 Vgl. Elisabeth Burr, „Beschreibung und Normierung des Genus in frühen Grammatiken“, S. 17.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Brigitte Schwarze, Genus im Sprachvergleich, S. 98.

13 Franz Rainer , Spanische Wortbildungslehre, S. 209.

14 Vgl. Brigitte Schwarze, Genus im Sprachvergleich, S. 122.

15 Vgl. Peter Haase, Feminisierung im spanischen Sprachraum, S. 85.

16 Vgl. Franz Rainer , Spanische Wortbildungslehre, S. 209.

17 Peter Haase, Feminisierung im spanischen Sprachraum, S. 57.

18 Vgl. Franz Rainer , Spanische Wortbildungslehre, S. 210.

19 Peter Haase, Feminisierung im spanischen Sprachraum.

20 ebd. S. 57.

21 Vgl. Peter Haase, Feminisierung im spanischen Sprachraum, S. 56f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Movierung im einsprachigen spanischen Wörterbuch
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Romanistik)
Veranstaltung
Aufbaumodul Spanische Sprachwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V537756
ISBN (eBook)
9783346141811
ISBN (Buch)
9783346141828
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Movierung, Wörterbuch, spanisch, Sprachwissenschaft, Genusmarkierung, Genuszuweisung
Arbeit zitieren
Luisa Petatz (Autor), 2020, Die Entwicklung der Movierung im einsprachigen spanischen Wörterbuch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537756

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