Husserl sagt selbst, dass das phänomenologische Hauptthema die Intentionalität sei. Aufgrund dieser Aussage wird in dieser Arbeit näher untersucht, was Husserl unter Intentionalität versteht. Daher widmet sich diese Arbeit der Aufgabe, die Intentionalität in Husserls Phänomenologie genauer zu durchleuchten.
Es wird aufgezeigt, wovon die Phänomenologie handelt und wie sich dieser Begriff geschichtlich weiterentwickelt hat. Anschließend wird konkret auf Husserls Begriff der Phänomenologie eingegangen. Außerdem befasst sich die Arbeit mit Brentanos Verständnis von Intentionalität, da Husserl ein Schüler Brentanos war und den Begriff der Intentionalität von seinem damaligen Lehrer übernommen hat. Husserl war zwar eng mit Brentanos Theorien der Intentionalität vertraut, doch kritisierte und modifizierte er diese später.
Dann wird der Fokus dieser Arbeit skizziert - Husserls eigenes Konzept der Intentionalität. Dabei spielen die Aspekte der natürlichen Einstellung und ihre Einklammerung (Epoché), des phänomenologischen Residuums und der beiden Begriffe Noema und Noesis eine signifikante Rolle. Am Ende dieser Arbeit wird ein kurzes Fazit gezogen, welches alle genannten Punkte Revue passieren lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Phänomenologie vor und bei Edmund Husserl
2.1 Das Konzept der Phänomenologie und ihre Geschichte
2.2 Die Phänomenologie bei Husserl
3. Die Intentionalität bei Franz Brentano
4. Die Intentionalität bei Husserl
4.1 Allgemeines zum Konzept der Intentionalität bei Husserl
4.2 Natürliche Einstellung und ihre Einklammerung (Epoché)
4.3 Das „reine“ Bewusstsein als das phänomenologische Residuum
4.4 Noema und Noesis
4.5 Die Schichten des Noemas
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht den Begriff der Intentionalität im Kontext der Phänomenologie von Edmund Husserl, wobei insbesondere dessen Weiterentwicklung und kritische Abgrenzung gegenüber dem Intentionalitätsbegriff seines Lehrers Franz Brentano analysiert wird.
- Grundlagen und Geschichte des Phänomenologie-Begriffs
- Brentanos Verständnis der intentionalen Inexistenz
- Husserls Konzept der Epoché und der natürlichen Einstellung
- Die Korrelation von Noesis und Noema als Kern der Intentionalität
- Die noetisch-noematischen Strukturen des Bewusstseins
Auszug aus dem Buch
Die Schichten des Noemas
Im vorherigen Abschnitt wurden die Begriffe Noema und Noesis vorgestellt. Nun geht es einen Schritt weiter, denn Husserl differenziert das Noema als „volles“ Noema in drei unterschiedlichen Schichten. Diese Schichten sind um einen zentralen Kern, in anderen Worten um einen gegenständlichen Sinn, gruppiert. Diese drei Komponenten des Noemas sind folgende: der noematische Kern, der „noematische „Gegenstand schlechthin und der „Gegenstand im Wie seiner Bestimmtheiten“.
Die erste Komponente ist der noematische Kern, welcher den „Gegenstand im Wie seiner Bestimmtheit wieder[gibt]“. Hierbei handelt es sich aber nicht um „konkret vollständigen Kern des Noema[s]“, weshalb Husserl diese erste Komponente auch vorsichtig als noematischen Sinn bezeichnet. Jedes Noema hat nämlich seinen spezifischen Sinn. In dieser Schicht geht es um das „Wie“ eines Erlebnisses oder des Gegenstands. In anderen Worten geht es darum, wie ein Erlebnis oder ein Gegenstand beschafften ist. Es geht darum, ob es weich, bunt, hart, spitz, etc. ist.
Der zweite Bestandteil ist der noematische Gegenstand schlechthin. Husserl nennt diesen Bestandteil auch „Gegenstand im […] Wie seiner Gegebenheitsweisen“. Damit meint er die noematische Konkretion – in anderen Worten die Intensität, mit der ein Gegenstand wahrgenommen wird. Der Gegenstand kann beispielsweise klar bewusst / wahrgenommen, oder nur vage bewusst / wahrgenommen sein. Zusammen mit dem Kern des Noemas bildet der Gegenstand im Wie seiner Gegebenheitsweise die volle Konkretion des Noemas, bzw. den vollen Sinn.
Die dritte und somit letzte Schicht des Noemas ist der „Kern im Kern“, welcher auch als das „zentral noetische Element“, oder auch als das „pure X in Abstraktion von allen Prädikate[n]“ bezeichnet wird. Diese Schicht des Noemas ist nicht nur dafür zuständig, dass ein Gegenstand, auch nach mehrmaliger Ansicht, als derselbe Gegenstand erkannt wird, sondern auch dass zwei separate Akte, wie zum Beispiel Urteil und Erinnerung, die beide denselben „Gegenstand“ meinen, auch als diesen meinend erkannt werden. So haben zwei unterschiedliche Akte auch dementsprechend unterschiedliche Kerne, denn die Noemata sind in diesem Fall verschieden. Jedoch ist der Kern des Kerns so geformt, dass dem Subjekt bewusstwird, dass ein „Gegenstand“ mit beiden Akten gemeint ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Husserls Werk „Ideen I“ ein und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich des Intentionalitätsbegriffs.
2. Die Phänomenologie vor und bei Edmund Husserl: Dieses Kapitel erläutert begriffsgeschichtlich die Ursprünge der Phänomenologie und arbeitet Husserls spezifisches Verständnis als deskriptive Methode heraus.
3. Die Intentionalität bei Franz Brentano: Hier wird Brentanos Konzept der psychischen Phänomene und der intentionalen Inexistenz als historisches Fundament und Ausgangspunkt für Husserls eigene Theorie beleuchtet.
4. Die Intentionalität bei Husserl: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert Husserls Konzept der Intentionalität, inklusive der Epoché, des transzendentalen Bewusstseins sowie der noetisch-noematischen Korrelation.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede zwischen Brentano und Husserl zusammen und reflektiert kritisch über die Komplexität und Bedeutung der phänomenologischen Methode.
Schlüsselwörter
Intentionalität, Phänomenologie, Edmund Husserl, Franz Brentano, Noesis, Noema, Epoché, Bewusstsein, Erlebnisstrom, natürliche Einstellung, transzendentales Bewusstsein, deskriptive Methode, Subjekt-Objekt-Relation, Hylé, Morphé
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich dem Begriff der Intentionalität im Denken von Edmund Husserl, unter besonderer Berücksichtigung seines Hauptwerks „Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Phänomenologie, Brentanos Theorie der psychischen Phänomene sowie Husserls eigene, modifizierte Konzeption der Intentionalität im Rahmen seiner phänomenologischen Methode.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Husserl den Begriff der Intentionalität von seinem Lehrer Brentano übernahm, ihn jedoch durch kritische Analyse und methodische Neugestaltung zu einem zentralen, eigenständigen Pfeiler seiner Phänomenologie weiterentwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die deskriptive Methode der Phänomenologie, um die Strukturen intentionaler Erlebnisse freizulegen, wobei besonders die Methode der Einklammerung (Epoché) Anwendung findet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil steht Husserls Konzept der Intentionalität im Mittelpunkt. Behandelt werden dabei die natürliche Einstellung, die phänomenologische Reduktion sowie die noetisch-noematischen Strukturen des Bewusstseins.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Intentionalität, Noesis, Noema, Epoché, transzendentales Bewusstsein und deskriptive Methode gekennzeichnet.
Wie unterscheidet sich Husserls Verständnis von dem seines Lehrers Brentano?
Während Brentano den intendierten Gegenstand als immanenten Bewusstseinsinhalt sah, lehnt Husserl diese Ansicht ab und sieht in der Intentionalität den Schlüssel für die Selbsttranszendenz des Bewusstseins zur Welt hin. Zudem schließt Husserl bestimmte psychische Akte, wie Empfindungen, von seiner Definition der Intentionalität aus.
Was bedeutet die "Einklammerung" (Epoché) bei Husserl?
Die Epoché ist ein methodisches Verfahren, bei dem die natürliche Einstellung und die damit verbundenen Vorurteile oder Weltüberzeugungen ausgeklammert werden, um den Fokus rein auf die Struktur der Erlebnisse und das reine Bewusstsein zu richten.
Welche Funktion haben die Begriffe Noesis und Noema?
Noesis bezeichnet den Akt des Vermeinens (den Bewusstseinsvorgang), während Noema das Vermeinte (den Sinngehalt) darstellt. Beide bilden als unzertrennliche Korrelate das Herzstück von Husserls Intentionalitätstheorie.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Die Intentionalität. Im Kontext der Phänomenologie Edmund Husserls, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537862