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Hegemonie unter den Bedingungen gesellschaftlicher Pluralisierung

Die radikaldemokratische Perspektive von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe in der Kritik

Titre: Hegemonie unter den Bedingungen gesellschaftlicher Pluralisierung

Thèse de Master , 2018 , 63 Pages , Note: 2.1

Autor:in: David Breitwieser Alfaro (Auteur)

Politique - Théorie politique et Histoire des idées politiques
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Die vorliegende Arbeit beginnt zunächst mit einer Zusammenfassung der politischen Theorie der beiden Autoren Ernesto Laclau und Chantal Mouffe. Dabei wird auf verschiedene Aspekte ihrer Theorie eingegangen um eine begriffliche Grundlage zu schaffen. Neben einer Darstellung der theoretischen Vordenker wird vor allem auf das Konzept der Hegemonie als Diskurstheorie und Einheit der Differenz eingegangen. Zentrale Begriffe ihrer Theorie wie Äquivalenz und Antagonismus stehen hierbei im Fokus. Der Antagonismus nimmt für die Autoren eine paradoxe Rolle ein, da er sowohl diskursblockierende als auch konstituierende Instanz ist.

Den Hauptteil dieser Arbeit wird die Rekonstruktion der Kritik Karin Priesters an den Ausführungen der beiden Autoren bilden. Zunächst sollen dabei die Kernpunkte ihrer Kritik herausgearbeitet werden (Mystik, Gramsci sowie Populismus und Demokratie), um dadurch zu prüfen inwiefern ihr Vorwurf des theoretischen um sich selbst „Kreisens“ berechtigt ist.

An diese Kritik anlehnend werden Theorieansätze anderer Autoren, welche die Hegemonietheorie Laclaus und Mouffes ebenfalls einer kritischen Betrachtung unterziehen, dargestellt. Dazu wird zunächst der Verdacht Simon Critchleys untersucht, dass die Hegemonietheorie von Laclau und Mouffe ein normatives Defizit aufweise.

Seine Kritik fußt auf der Annahme, dass die normative Basis der radikalen Demokratie, die radikale demokratische Ehtik, sich aus dekonstruktivistischem Vorgehen ergibt. Die Potentiale der dekonstruktivistischen Ethik und deren Verantwortung werden allerdings von Laclau und Mouffe seiner Ansicht nach nicht ausreichend ausgeschöpft. Weiterhin wird Slavoj Žižek´s kritische Betrachtung zur Analyse herangezogen. Žižek geht in seinen Ausführungen besonders auf den Begriff der Universalität respektive den Begriffen Kontingenz und Hegemonie ein. Seine Kritik zielt darauf ab, dass Laclau zwar der Kontingenz politischer Kämpfe um Hegemonie Rechnung trage, die fundamentale Frage, wie das Terrain der kontingenten Kämpfe überhaupt zustande kommt, allerdings nicht mehr stellt.

Eine abschließende Gegenüberstellung der Kritiken der drei Autoren an der politischen Theorie Laclaus und Mouffes soll schließlich dazu beitragen das kritische Porträt zu „vervollständigen“.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Hegemonietheorie Ernesto Laclaus und Chantal Mouffes

II.I. Der Kontingenzgedanke Ernesto Laclaus

II.II. Artikulation und das Konzept des leeren Signifikanten

III. Die Kritik an der Hegemonietheorie

III.I. Karin Priester

III.I.I. Das mystische Verständnis von Hegemonie

III.I.II. Die Hegemonietheorie Antonio Gramscis

III.I.III. Populismus und Demokratie

III.I.IV Zwischenfazit

III.II. Simon Critchley und das normative Defizit

III.III. Slavoj Žižek und die Universalität

IV. Fazit

V. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krise der radikalen Linken. Das primäre Ziel besteht darin, die theoretischen Ansätze der Autoren zu rekonstruieren und durch die Auseinandersetzung mit den Kritiken von Karin Priester, Simon Critchley und Slavoj Žižek eine objektive Bewertung ihrer politischen Theorie vorzunehmen, um deren Eignung für aktuelle linke Reformprojekte zu prüfen.

  • Grundlagen der Hegemonie- und Diskurstheorie von Laclau und Mouffe
  • Analyse der poststrukturalistischen und postmarxistischen theoretischen Einflüsse
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem mystischen Rückbezug und der vermeintlichen ethischen Beliebigkeit
  • Untersuchung des Populismusbegriffs als strategisches Element radikaler Demokratie
  • Diskussion über das normative Defizit und die Frage nach universalen politischen Normen

Auszug aus dem Buch

II.I. Der Kontingenzgedanke Ernesto Laclaus

„Die einzig demokratische Gesellschaft ist eine, die permanent die Kontingenz ihrer eigenen Grundlagen offenlegt“ (Laclau 2013: 111)

Um den Kontigenz-Gedanken in Hegemonie und radikale Demokratie darzustellen, berufen sich Laclau und Mouffe auf Ansätze verschiedener Autoren. Der klassische Laclau´sche Gedanke einer demokratischen Ordnung, die nicht auf festem Grund „gebaut“ werden kann und somit die Kontingenz sozialer Verhältnisse im demokratischen Zusammenspiel anerkennt, wird bereits in Hegemonie und radikale Demokratie veröffentlicht. Der Begriff Kontingenz macht deutlich, dass die Grundlagen philosophischer und politischer Theorien nicht einfach gegeben sind, sondern durch Prozesse der Ein- und Ausschließung hervorgehen. Die entscheidende Frage ist demnach, was durch den theoretischen Schritt gewisse Grundlagen festzulegen, autorisiert und was ausgeschlossen bzw. verworfen wird (vgl. Butler 1993: 37). Diese Grundlagen sind stets notwendig, allerdings niemals fest und a priori gegeben. Vielmehr müssen diese Grundlagen immer wieder aufs Neue hergestellt und begründet werden. Politische Identitäten sind also immer nur vorläufig und ohne Letztbegründung und somit sind die Grundlagen des Politischen selbst kontingent und es bedarf einer ständigen Institutionalisierung, um diese zu stabilisieren (vgl. Butler 2013: XIVf.).

Laclau und Mouffe greifen dazu auf die unter dem Begriff des Poststrukturalismus verbuchten Theorien, wie die Dekonstruktion Jacques Derridas, Psychoanalytik Jacques Lacans und punktuell die Diskursanalyse Michel Foucaults zurück. Ernesto Laclau wendete sich in späteren Werken zur Dekonstruktion einer ganze Reihe traditioneller Konzepte der politischen Theorie wie Macht, Ordnung, Repräsentation, Emanzipation etc. zu (vgl. Marchart 2017: 5). Jacques Derrida eröffnete mit seiner Arbeit um den Begriff der philosophischen Dekonstruktion die Frage nach ihrer politischen Relevanz. Der Dekonstruktivismus kann einerseits als Teildisziplin der politischen Philosophie verstanden werden, andererseits hat er das Potenzial politische Praxen zu beeinflussen und zu konstituieren (vgl. Rüdiger 1996:18, Obracaj 2015: 13).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung verortet die Arbeit im Kontext einer krisengeschüttelten radikalen Linken und führt in die Hegemonietheorie von Laclau und Mouffe als Antwort auf die Dekonstruktion des klassischen Marxismus ein.

II. Die Hegemonietheorie Ernesto Laclaus und Chantal Mouffes: Dieses Kapitel erläutert die Grundpfeiler ihrer Theorie, insbesondere die Verschiebung der marxistischen Basis hin zu einem Verständnis des Politischen als kontingentem Resultat diskursiver Machtkämpfe.

III. Die Kritik an der Hegemonietheorie: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Vorwürfe Karin Priesters bezüglich eines mystischen Politikverständnisses, die Einflüsse von Gramsci und Sorel, sowie die kritischen Perspektiven von Simon Critchley zum normativen Defizit und Slavoj Žižek zur Universalitätsfrage.

IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Theorie von Laclau und Mouffe als linkes politisches Instrument trotz ihrer theoretischen Leerstellen und normativen Fragwürdigkeiten.

V. Ausblick: Der Ausblick diskutiert die Relevanz des Modells für heutige westliche Demokratien angesichts des Erstarkens rechtspopulistischer Kräfte und der Notwendigkeit einer agonistischen Öffentlichkeit.

Schlüsselwörter

Hegemonietheorie, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Radikale Demokratie, Postmarxismus, Kontingenz, Diskurstheorie, Antagonismus, Leerer Signifikant, Populismus, Agonismus, Karin Priester, Normatives Defizit, Politische Identität, Machtverhältnisse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe und untersucht deren theoretische Fundamente sowie die scharfe Kritik, die insbesondere die Politikwissenschaftlerin Karin Priester an den Autoren äußert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Dekonstruktion des Marxismus, die Rolle des Politischen, das Konzept des Populismus als demokratisches Gestaltungselement und die Frage, inwieweit die Theorie der beiden Autoren als Grundlage für linke Politik taugt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die kritische Rekonstruktion und Evaluation der Hegemonietheorie, um zu prüfen, ob die Ansätze von Laclau und Mouffe trotz theoretischer Inkonsistenzen und Kritikpunkten praktische Ansätze für eine radikale Demokratie bieten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine politiktheoretische Analyse, die auf der kritischen Rekonstruktion und Gegenüberstellung bestehender Fachliteratur und Primärquellen der poststrukturalistischen Theoriebildung basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Kritik von Karin Priester – insbesondere der Vorwurf der Mystik und der unsauberen Übernahme gramscianischer Begriffe –, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit Simon Critchleys normativer Kritik und Slavoj Žižeks Analyse zur Universalität.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hegemonie, Kontingenz, Diskurstheorie, leerer Signifikant, Agonismus und die Spannung zwischen Partikularität und Universalität charakterisiert.

Inwiefern spielt der Begriff der „Mystik“ eine Rolle in der Kritik von Karin Priester?

Priester kritisiert, dass Laclau und Mouffe ihre Theorie auf paradoxe, fast mystische Formulierungen stützen, um ein begriffliches Defizit zu kaschieren, statt eine klare ethische oder politische Trennung vorzunehmen.

Wie positioniert sich die Arbeit zur Frage nach einem Demokratiedefizit?

Die Arbeit führt die Debatte zwischen den Kritikern (die ein normatives Defizit feststellen) und den Autoren (die Offenheit als Stärke betrachten) zusammen und hinterfragt, ob die Theorie in der Praxis überhaupt zwischen demokratischen und undemokratischen Akten unterscheiden kann.

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Résumé des informations

Titre
Hegemonie unter den Bedingungen gesellschaftlicher Pluralisierung
Sous-titre
Die radikaldemokratische Perspektive von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe in der Kritik
Université
Technical University of Darmstadt  (Politikwissenschaft)
Note
2.1
Auteur
David Breitwieser Alfaro (Auteur)
Année de publication
2018
Pages
63
N° de catalogue
V537897
ISBN (ebook)
9783346136800
ISBN (Livre)
9783346136817
Langue
allemand
mots-clé
Hegemonie Radikale Demokratie Demokratietheorie Hegemonietheorie Chantal Mouffe Ernesto Laclau Antonio Gramsci Slavoj Zizek Karin Priester Demokratie Populismus
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Citation du texte
David Breitwieser Alfaro (Auteur), 2018, Hegemonie unter den Bedingungen gesellschaftlicher Pluralisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537897
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Extrait de  63  pages
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