Die Funktion der Medien und deren Auswirkungen auf die Figuren in Lutz Hübners Jugenddrama "Creeps"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ANALYSE DES DRAMAS

3. FIGURENANALYSE

4. ROLLE DER MUSIK

5. SPRACHE DER FIGUREN

6. SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

„M F G, wir lieben euch, see you on TV!“1

Kaum ein anderes Thema ist bei Jugendlichen so präsent wie das der Medien. In einem Zeitalter, in dem jeder zu jederzeit berühmt werden kann und die Berührungen mit Fernsehshows und Identifikationsfiguren immer früher stattfindet, ist der Wunsch nach Anerkennung in der Gesellschaft aktueller denn je. Lutz Hübners Jugendstück Creeps greift dieses Thema auf und schildert kritisch den zwischenmenschlichen Umgang in der Medienwelt und beleuchtet die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit dieser Generation. Das Stück entstand als Auftragsarbeit des Schauspielhauses in Hamburg und wurde am 1. April 2000 zum ersten Mal aufgeführt. In dem Jugenddrama geht es um die drei Kandidatinnen einer Castingshow, welche die Sehnsucht haben, selbst einmal im Rampenlicht einer Fernsehshow zu stehen und so die Opfer der gewissenlosen Medienwelt werden.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Stellenwert der Medien bei Jugendlichen und beantwortet die Frage: Welche Rolle spielt das Thema „Medien“ in Hübners Jugenddrama Creeps ? Um der Beantwortung gerecht zu werden, werden zunächst die Figuren analysiert, um auf das durch die Handlungen und Äußerungen dargestellte Thema genauer eingehen zu können. Wichtig hierbei ist die Wirkung der Sprache der Figuren, sowie die Rolle der Musik innerhalb des Dramas.

2. Analyse des Dramas

Das Drama Creeps wurde von Lutz Hübner nicht in klassischen Akten und Szenen geschrieben, sondern es wurde als ein durchgängiges Stück verfasst. Trotzdem lassen sich einzelne Sequenzen des Dramas in die Gliederungsbegriffe des Dramenaufbaus einteilen.2 In dem Prolog werden die Mädchen mit ihrem Erscheinungsbild und Eigenschaften vorgestellt, in dem drauffolgenden erregenden Moment schaltet sich die Stimme des Offvoice an und den Höhe- und Wendepunkt des Dramas stellt die Ohrfeige von Maren dar. Die Endsequenzen sind der Moment der letzten Spannung, als die Stimmen aus dem Off über die Kandidatinnen lästern und das Drama endet in der Katastrophe mit der Vorstellung des vollendeten Trailers.[3 ]

Um die Leitfrage angemessen beantworten zu können, ist es zunächst einmal wichtig, die Personen im Drama zu analysieren, da die gespielten Menschen mit ihren Eigenschaften und Handlungen das Thema Medien in der Gesellschaft widerspiegeln. Aus diesem Grund wird zunächst die Frage geklärt, ob es sich um Figuren, Personen oder Charaktere handelt, um richtige Fachtermini verwenden zu können. Benedikt Jeßing schreibt in seinem Werk „Dramenanalyse- eine Einführung“: „Person ist [...] ein Konzept von menschlicher Individualität und sollte einem begrifflich genauen Sprachgebrauch zur Bezeichnung lebender und historischer, also echter Menschen vorbehalten bleiben.“ [4 ] Da in dem Werk Hübners mit fiktiven Menschen gearbeitet wird, kann bei der Analyse des Dramas nicht von Personen gesprochen werden. In dem Drama Creeps decken sich erzählte Zeit und Erzählzeit in einem linearen Verlauf, welcher, gesteuert durch die Dialoge, zu einem Höhepunkt verläuft.

Wichtig ist ebenfalls die Betrachtung des Begriffes Charakter. Der Begriff Charakter wird differenziert verwendet. Zum einen wird der Begriff zur Beschreibung eines Wesens von einem Menschen verwendet, zum anderen wird sich hierbei ausschließlich auf unveränderliche Merkmale Bezug genommen, ohne die gegenwärtigen Gefühle genauer zu beschreiben. In moderner Literatur wird dieser Begriff anstelle des Grundlegenden zum deskriptiven Darstellen des Individuellen verwendet.5 Um Konflikte im Drama mithilfe der dargestellten Menschen analysieren zu können, ist der Begriff Figur prädestiniert.

„Der Begriff bezeichnet damit trennscharf die fiktive, von einem Autor geschaffene Gestalt, also eine Kunst-Person, die in einer Bühnenhandlung [...] eine Person zu sein scheint, aber als Handlungsträger im Rahmen fiktionaler, also literarischer Handlungsentwürfe als erfunden sichtbar bleibt.“[6 ]

Unsere Aufmerksamkeit gilt also per Definition den Figuren und den damit ausgeführten Handlungen im Drama Hübners. Ihre Beweggründe und der Bezug zum Thema Medien gilt es im nachfolgendem Abschnitt zu untersuchen. Hierfür wird sich zunächst auf die Eigenschaften der Figuren Bezug genommen, um deren Handlungen nachzuvollziehen, da diese wiederum das Handeln von Mitakteuren beeinflussen.

3. Figurenanalyse

Die erste eingeführte Figur ist die sechzehnjährige Petra Kowalski. Sie wohnt mit ihrem älteren Bruder Ernst und ihrem Vater in einer Vier- Raum- Wohnung in Chemnitz- Neustadt und spricht mit einer sächsischen Sprachmelodie.7 Über den finanziellen Status der Familie gibt ihre Aussage „ Papa schläft länger, seit er nicht mehr raus muss.8 Auskunft, sowie „ Um zwei nach Hause. Oder drei. Papa ist meistens noch wach. Konnie und er trinken noch einen zusammen. Kann dauern.“ [9 ] Ihr Vater ist in der Lage, nachts mit Petras Freund zu trinken und hat keine Verpflichtung morgens früh aufzustehen. Durch diese Aussagen kann angenommen werden, dass er erwerbslos ist und die Familie über ein geringes Einkommen verfügt. Über ihren Bildungsstand wird nur wenig preisgegeben. Lediglich über ihre schlechten Englischkenntnisse in Aussagen wie „ Why do you think you do the job here good ?“ 10 oder das falsch Aussprechen des Wortes Love Parade „ spricht es loov pared aus11 erfährt der Leser, dass sie noch nicht in großen Maße mit Englisch in Berührung gekommen ist.

Sie hat den Wunsch, eine Zeit lang aus ihrem gewohnten Umfeld auszubrechen um neue Erfahrungen sammeln zu können.12 Jedoch ist sie in ihren Entscheidungen sehr unsicher: „ Ich weiß auch nicht, ob ich mich Westen wohl fühle, klingt blöd“ [13 ]. Trotz ihres Verlangens, einmal mehr von der Welt zu sehen, ist sie stark an ihre Heimat gebunden. Sie reagiert sehr wütend als der Moderator Arno Chemnitz angreift und verteidigt ihre Heimatstadt. 14 Als sie über ihre Zukunft spricht, wird deutlich, dass sie sehr genügsam und mit ihrem Leben insgesamt zufrieden ist. Deutlich wird dies, als Petra ihren Wunsch über eine Lehrstelle als Hotelfachfrau äußert, aber kein geeignetes Angebot findet. Sie macht daraufhin deutlich, dass sie auch mit einem Job in der kaufmännischen Branche zufrieden wäre. Sie ist harmoniebedürftig und kümmert sich um ihre Mitmenschen. Als es zum Eklat zwischen ihren Konkurrentinnen Maren und Lilly kommt, versucht sie den Streit aufzulösen und beide wieder miteinander zu versöhnen.[15 ]

Ihr Hauptbeweggrund für die Bewerbung bei dem Casting ist der Wunsch, für eine Weile ihr strukturiertes Leben zu verlassen und etwas Neues zu erleben. „Aber mal was anderes als Charlie Chaplin oder Big Apple, obwohl das klasse ist mit der Clique, die sind alle in Ordnung, also geht die Welt nicht unter, wenn das nicht klappt, ich weiß auch nicht [...]“ [16 ] Hier wird ersichtlich, dass sie nicht vollends von ihrer Idee überzeugt ist und Unsicherheit gegenüber ihren eigenen Wünschen empfindet.

Die zweite Bewerberin für das Casting ist Maren Terbuyken. Sie ist siebzehn Jahre alt und wohnt mit ihrer Mutter zusammen in Hamm. Als ihre Hobbys nennt sie bei der Vorstellung ihrer eigenen Person das Theaterspielen und Lesen.17 Außerdem interessiert sie sich für den Umweltschutz, was auch an ihren vorgegebenen Kleidungsstücken ersichtlich wird.18 Das Stück erfährt ein erregendes Moment, als Maren unter dem Druck, den sie erfährt, zusammenbricht und Lilly eine Ohrfeige gibt. Dieser Ausbruch steht im Widerspruch zu der zuvor zurückhaltenden Persönlichkeit, welche der Leser bis zu diesem Zeitpunkt in Maren sieht. Sie traut sich zunächst nicht, sich nach ihrem ersten Versuch der Anmoderation, sich zu einem zweiten Versuch durchzuringen. Ihre Bitte um eine weitere Moderation wird von Arno einige Male zurückgewiesen, was sie zunächst akzeptiert. [19 ]

„Aber gerade klingelt ihr Handy, Mami fragt, welche Farbe das Taxi haben soll, das sie gleich zur Kosmetikberatung bringen wird. Also warten wir noch ein bisschen auf die Tipps, wie man das Großhirn am geschmackvollsten mit Geldscheinen tapezieren kann.“20 Erst als Maren mit dieser Anmoderation Lilly zu provozieren versucht, wird ersichtlich, wie sehr sie sich gezwungen fühlt den Job zu bekommen. Der Grund für Marens Bewerbung ist das schlechte Gewissen gegenüber ihrer Mutter. „Mit meiner Mutter [...] die allen erzählt hat [...] meine Maren ist doch nicht die blöde Nuss, die in der Schule durchrasselt und die man zum Schulpsychologen schicken muss.“21 Sie möchte ihre Mutter stolz auf sie machen, da diese für sie „alles aufgegeben hat, damit sie mich durchkriegt.“22 Marens Persönlichkeit und ihre Liebe zur Umwelt, sowie ihr Äußeres, stehen im Konflikt zu ihrer Bewerbung bei einer Fernsehshow, in der es um popkulturelle Inhalte geht. Auf Lillys Frage, wieso sie sich bei dieser Show beworben hat, weiß Maren zunächst keine Antwort.23 Ebenso widersprüchlich ist ihr Verhalten, nachdem sie hoch emotional ihren Song vorgesungen hat, den Kassettenrecorder wieder beherrscht und ruhig einzupacken.24 Sie will jede Chance auf möglichst viele Minuten im Fokus des Bewerbungsgespräches nutzen. Als Arno sie konkret anspricht, reagiert sie jedoch nicht.25 Dieses Verhalten macht deutlich, wie dringend Maren ihre Familie stolz auf sich machen und sich selbst etwas beweisen will. Jedoch gesteht sie sich nicht ein, dass ein Moderationsjob bei einer Fernsehshow für sie der falsche Weg zu ihrem Ziel ist.

Die dritte Bewerberin trägt den Namen Lilly Marie Teetz. In ihren ersten Zeilen wird dem Leser deutlich, dass sie sich deutlich von den anderen Bewerberinnen abhebt. „Haben die euch das in der Verwaltung nicht gesagt? Klar nicht, echte Wichser.“ 26 Sie ist abgeklärter und vorlauter als Maren und Petra, jedoch ändert sie sich im Laufe des Dramas. Die siebzehnjährige kommt aus Hamburg27 und ist die Tochter eines Art Directors. Bei der Vorstellung ihrer eigenen Person zählt sie Mode und Musik als ihre Hobbies auf.28 Sie möchte die anderen Mädchen ihre Überlegenheit spüren lassen und gibt nach außen hin den Anschein, eine schonungslose Businessfrau zu sein: „Petra, hör mal, halblang, ja? [...] Ich weiß ja nicht, wie das bei euch drüben läuft, aber so munter vordrängeln ist nicht. Wir können das auch auf die harte Tour machen.“ 29 Als Lilly und Maren streiten, sagt Lilly ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer was sie denkt und bringt das Drama durch diese Provokation zur Eskalation.

[...]


1 Offvoice von Arno, in: Hübner, Lutz: Creeps- Ein Jugendtheaterstück. Mit Materialien, Klett Verlag, Stuttgart, 2009, S. 48

2 Vgl. Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse, Siebte Auflage, J.B. Metzler Verlag, Stuttgart, 2009, S.130

3 Vgl. Rogge, Ina: And dont forget: the world is waiting for you! - Jugendliche als Superstars und Marketingobjekte: Lutz Hübers Theaterstück Creeps. In: Praxis Deutsch. Zeitschrift für den Deutschunterricht, Ausgabe 181, Friedrich Verlag, 2003, S. 27

4 Jeßing, Benedikt: Dramenanalyse- Eine Einführung, Erich Schmidt Verlag, Berlin, 2015, S. 32

5 Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse, Siebte Auflage, J.B. Metzler Verlag, Stuttgart, 2009, S. 90

6 Jeßing, Benedikt: Dramenanalyse- Eine Einführung, Erich Schmidt, Verlag, Berlin 2015, S. 33

7 Vgl. Hübner, Lutz: Creeps- Ein Jugendtheaterstück. Mit Materialien, Klett Verlag, Stuttgart, 2009, S. 34

8 Ebd. S.34

9 Ebd. S. 35

10 Ebd. S. 27

11 Ebd. S. 20

12 Ebd. S. 31

13 Ebd. S. 31

14 Ebd. S. 37

15 Vgl. Hübner, Lutz: Creeps- Ein Jugendtheaterstück. Mit Materialien, Klett Verlag, Stuttgart, 2009, S. 29

16 Ebd. S. 31

17 Ebd. S. 13

18 Ebd. S. 16

19 Ebd. S. 13

20 Ebd. S. 22

21 Ebd. S. 39

22 Vgl. Hübner, Lutz: Creeps- Ein Jugendtheaterstück. Mit Materialien, Klett Verlag, Stuttgart, 2009, S. 40

23 Ebd. S. 25

24 Ebd. S. 34

25 Ebd. S. 22

26 Ebd. S. 8

27 Ebd. S. 18

28 Ebd. S. 26

29 Ebd. S. 17

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Funktion der Medien und deren Auswirkungen auf die Figuren in Lutz Hübners Jugenddrama "Creeps"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V537972
ISBN (eBook)
9783346144584
ISBN (Buch)
9783346144591
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktion, medien, auswirkungen, figuren, lutz, hübners, jugenddrama, creeps
Arbeit zitieren
Lisa Paaske (Autor:in), 2019, Die Funktion der Medien und deren Auswirkungen auf die Figuren in Lutz Hübners Jugenddrama "Creeps", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537972

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