Diese Arbeit thematisiert das Medium Bilderbuch im Unterricht an der Grundschule. Vertiefter Gegenstand dieser Arbeit, mit praktischer Bezugnahme auf den Einsatz in der Grundschule, ist das Bilderbuch "Strandgut" von David Wiesner. Neben einer umfassenden Analyse wird ebenso der Einsatz dieses spezifischen Mediums im elementaren Unterricht beschrieben. Dem vorangestellt ist eine allgemeine theoretische Einbettung.
Mit dieser Vorgehensweise werden sowohl allgemeine Theorien der Literatursparte wie auch spezifizierte Aspekte des zentral gewählten Bilderbuchs behandelt. Auf dieser Grundlage ist eine praktische Umsetzung im Schulalltag in Form einer innovativen Literatureinheit mit Vertiefung herausgearbeitet und erläutert.
Das Bilderbuch "Strandgut" von David Wiesner handelt von einem Jungen, der mit seinen Eltern einen Tag am Strand verbringt. Während die Eltern hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sind, spielt der Junge an der Meereskante und entdeckt und erforscht allerhand Besonderheiten des natürlichen Schauplatzes. Zufällig findet er eine offensichtlich alte Unterwasserkamera. Nachdem geklärt ist, dass sie keinem der Anwesenden zuzuordnen ist, bringt der Protagonist den Film in der Kamera in Eigenregie zur Entwicklung. Das Resultat ist erstaunlich: Auf dem Film befinden sich etliche Fotos von mystisch-fantastischen Unterwasserwelten und eines, welches 11 Kinder zeigt, die offensichtlich alle nacheinander die Kamera gefunden und sich jeweils nach demselben Schema, das vorhergegangene Selbstporträt in der Hand haltend, aufgenommen haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Einbettung des Bilderbuches
2.1 Was macht ein Bilderbuch zum „Bilderbuch“ - ein Definitionsversuch
2.2 Das Bilderbuch im Wandel der Zeit – eine historische Betrachtung
2.3 Trends und Tendenzen in der zeitgenössischen Bilderbuchentwicklung
3. Strandgut – David Wiesner
3.1 Analyse nach den Kriterien von Michael Staiger (2011)
3.1.1 Narrative Dimension
3.1.2 Verbale Dimension
3.1.3 Intermodale Dimension
3.1.4 Bildliche Dimension
3.1.5 Typografische Dimension
3.1.6 Paratextuelle und materielle Dimension
3.2 Persönliche Ergänzung
4. Praktische Umsetzung im Kontext des elementaren Deutschunterrichts
4.1 Literatureinheit zu „Strandgut“
4.2 Aufgabe zur Perspektivenübernahme
5. Fazit
6. Literatur und Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Bilderbuch „Strandgut“ von David Wiesner durch eine fachwissenschaftliche Analyse theoretisch einzuordnen und didaktische Impulse für den Literaturunterricht im Elementarbereich und in der Grundschule abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit der narrativen und bildlichen Struktur des Mediums sowie dessen Potential für die Förderung kindlicher Neugierde und Naturwahrnehmung.
- Theoretische Grundlagen des Bilderbuchs und dessen historischer Wandel
- Strukturanalyse des Bilderbuchs „Strandgut“ nach Michael Staiger
- Die Bedeutung von Symbolik und Perspektive in der kindlichen Rezeption
- Praktische Entwürfe für eine Literatureinheit im schulischen Kontext
- Methoden zur Förderung der kreativen Perspektivenübernahme bei Grundschulkindern
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Narrative Dimension
Die Geschichte in David Wiesners “Strandgut” (vgl. 3.) wird fast ausschließlich auf bildlicher Ebene erzählt, woraus sich das Erzählkonzept des „Showing“ ergibt. Dabei ist der Leser größtenteils, als außenstehender Betrachter, sein eigener heterodiegetischer multiperspektivischer Erzähler, jedoch mit klarem Fokus auf dem Erleben und Erfahren des Protagonisten. Die Handlung wird in erster Linie von bildlich dargestellten Ereignissen, Aktionen der Zentralfigur und Beobachtungen getragen. Die Beobachtungen teilt sich der Leser in manchen Fällen mit dem Protagonisten und sieht quasi durch dessen Augen. Damit hat der Autor ein homodiegetisches Element geschaffen. Dieses ist vermehrt beim Spannungsaufbau und dem Höhepunkt der Geschichte, dem Fund der Unterwasserkamera und dem Entwickeln und Sichten der Fotografien, sowie in der enthaltenen Binnenerzählung über die Entdeckung des Geheimnisses und der Geschichte der Kamera (vgl. 3.; 3.2; 4.2) zu finden.
Auf die bildliche Erzählinstanz bezogen sind diese unmittelbar geteilten Darstellungen eher der Mimesis zuzuordnen, da sie die Beobachtungen des Jungen für den Betrachter immitieren, während die eigenen Beobachtungen des Lesers eher diegesischer Natur sind. Die Ereignisse sind in eine Rahmenerzählung eingebettet, die sich deutlich an einem einzigen Tag abspielt. Der „Tag am Strand“ beginnt bei deutlich dargestelltem Tageslicht und endet mit dem Einsetzen der Abenddämmerung. Die einzig exakte Zeitangabe ist bei Abgabe des Films zur Entwicklung zu erkennen: Hier wandert der Minutenzeiger von 13:43 Uhr auf 13:47 Uhr. Das Banner vor dem aufgesuchten Geschäft mit dem verbalsprachlich aufgedruckten Slogan „ONE HOUR PHOTO“ lässt uns darauf schließen, dass es bei Erhalt der entwickelten Aufnahmen und kurz vor der Rückkehr des Jungen an den Strand ca. 14:47 Uhr sein muss. In diesem Fall ergänzen sich die rare, intermedial integrierte schriftsprachliche Erzählinstanz und die bildlich Dargestellte sinnstiftend und sind somit homogen. Die in der Bilderreihe durch sechs Abbildungen dargestellte Wartezeit verdeutlicht das subjektiv sehr langsame Verstreichen der Stunde aufgrund der unzähmbaren Neugierde und Ungeduld des Jungen (Wiesner 2006, S. 10).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die persönliche Motivation der Autorin und steckt den Rahmen für die Analyse des Bilderbuchs „Strandgut“ sowie dessen didaktische Anwendung ab.
2. Theoretische Einbettung des Bilderbuches: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Bilderbuchs und skizziert dessen historische Entwicklung sowie aktuelle Trends und Tendenzen.
3. Strandgut – David Wiesner: Hier erfolgt eine detaillierte inhaltliche Vorstellung und eine systematische Analyse des Werks anhand der Dimensionen von Michael Staiger.
4. Praktische Umsetzung im Kontext des elementaren Deutschunterrichts: Das Kapitel überträgt die Analyseergebnisse in konkrete Unterrichtsvorschläge, darunter eine Literatureinheit und Ansätze zur Perspektivenübernahme.
5. Fazit: Der Autor fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das Bilderbuch als vielschichtiges, inspirierendes Medium für den schulischen Literaturunterricht.
6. Literatur und Quellen: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Bilderbuch, Strandgut, David Wiesner, Michael Staiger, Literaturunterricht, Narrative Dimension, Bildliche Gestaltung, Kindliche Wahrnehmung, Multimodalität, Perspektivenübernahme, Grundschule, Elementarbereich, Erzählkonzept, Symbolik, Medienkonvergenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Bilderbuch „Strandgut“ von David Wiesner mittels einer fachwissenschaftlichen Analyse und entwickelt didaktische Konzepte für den Einsatz des Buches im Unterricht.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung des Bilderbuchs, die detaillierte Analyse der narrativen und bildlichen Gestaltung sowie die praktische Anwendbarkeit im Bereich Literaturunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Merkmale des Werkes herauszuarbeiten und zu zeigen, wie Schüler durch innovative Literatureinheiten an eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Medium herangeführt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Analyse stützt sich maßgeblich auf das fünfdimensionale Modell der Bilderbuchanalyse von Michael Staiger.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Analyse der narrativen, bildlichen und typografischen Dimensionen des Werkes sowie eine didaktische Aufbereitung für den Schulalltag.
Was zeichnet die Arbeit in Bezug auf die Schlagworte aus?
Die Arbeit verknüpft Begriffe wie Multimodalität und kindliche Naturwahrnehmung mit praxisnahen Beispielen zur kreativen Arbeit mit Bilderbüchern.
Welche Rolle spielt die Unterwasserkamera im Buch?
Die Kamera fungiert als zentrales Symbol des Forschens, Entdeckens und der exklusiven kindlichen Wahrnehmung, die Erwachsenen oft verborgen bleibt.
Wie werden die Kinder auf den Fotos in der Binnenerzählung analysiert?
Die Kinderportraits werden als verwobene Fotoreihe gedeutet, die einen Sog erzeugen und die Vergänglichkeit sowie Einzigartigkeit kindlicher Erfahrungen symbolisieren.
Warum wird das Ende der Geschichte als melancholisch interpretiert?
Die Autorin deutet das Ende als eine Konkretisierung der Vergänglichkeit und der Unwiederbringlichkeit der Kindheit.
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- Beate Maria Weber (Autor), 2017, Das Medium Bilderbuch in der Grundschule. Fachwissenschaftliche Einbettung und didaktische Umsetzung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538175