Ambulant betreutes Wohnen für Senioren. Marketingkonzept mit den Schwerpunkten Preis- und Produktpolitik


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemsituation
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Situationsanalyse
2.1 Gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland
2.2 Gesellschaftliche Entwicklung im Kreis Wesel
2.3 Erwartungen und Wünsche älterer Menschen an Wohnen und Betreuung

3 Marketingstrategie

4 Marketingmix
4.1 Produktpolitik
4.1.1 Angebotsbeschreibung
4.1.2 Besonderheiten personenbezogener sozialer Dienstleistungen
4.2 Preispolitik

5 Fazit und Entwicklungsausblick

6 Literatur

1 Einleitung

1.1 Problemsituation

Die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen über 65 steigt. Waren es 2008 noch 16,7 Millionen Personen wird im Jahr 2030 mit 22,3 Millionen Menschen in dieser Altersklasse gerechnet.1

Diese Zielgruppe hat zunehmend den Wunsch, in der gewohnten Umgebung zu bleiben, denn die Bedeutung der eigenen Wohnung und dem bekannten Umfeld nehmen mit steigendem Alter zu.2

Gleichzeitig steigt die Anzahl der Menschen, die hilfs- und pflegebedürftig werden3 während die Möglichkeiten der Unterstützung innerhalb der Familien auf Grund von sich verändernden (Erwerbs)biografien weniger werden.

1.2 Zielsetzung

Die weiterhin steigende Lebenserwartung4 führt dazu, dass „die Alten“ als eine zunehmend große Gruppe auch zunehmend als Konsumenten von Dienstleistungen in Betracht kommen.

Ziel ist es, die älteren Menschen bei ihrem Wunsch nach selbstständigem Wohnen in der gewohnten Umgebung zu unterstützen.

Dazu soll ein ambulanter Dienst eingerichtet werden, der als kompetenter Ansprechpartner für alle anfallenden pflegerischen, hauswirtschaftlichen, sozialen und technischen Herausforderungen eine koordinatorische Aufgabe übernimmt.

Durch eine Vernetzung verschiedenster Hilfeleistungen soll dem alten Menschen eine einfach zu handhabende Struktur geschaffen werden, die ihm ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglicht.5

1.3 Vorgehensweise

Zunächst soll die Situation der älteren Menschen anhand der Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes zur demografischen Entwicklung und mit Hilfe des zweiten Altenberichtes des BMFSFJ*, der sich besonders mit dem Thema Wohnen im Alter beschäftigt, dargestellt werden.

Da das ambulant betreute Wohnen für alte Menschen an das ambulant betreute Wohnen für psychisch Kranke im Rahmen der Eingliederungshilfe von Kompass BeWo Wesel GbR (im Weiteren Kompass BeWo) angegliedert werden soll, folgt die Auswertung von demografischen und altenhilfespezifischen Daten für den Kreis Weisel.

Weiter werden die Wünsche und Anforderungen der alten Menschen an die zukünftige Wohn- und Betreuungssituation herausgearbeitet.

Im Folgenden wird die Marketingstrategie beschrieben.

Dazu wird die Zielsetzung und die Zielgruppe beschrieben und eine SWOT-Analyse durchgeführt sowie die Themen Marktfeld- Marktstimulierungs-, Marktsegmentierungs- und Marktarealstrategie bearbeitet.

Im Kapitel Marketingmix werden die Aspekte Produkt- und Preispolitik herausgearbeitet.

Dazu wird im Abschnitt Produktpolitik die Gestaltung des Angebotes beschrieben und die besonderen Merkmale personenbezogener sozialer Dienstleistungen herausgestellt und mit Bezug auf das Angebot bearbeitet.

Der Abschnitt Preispolitik beschäftigt sich mit Überlegungen, zu welchem Preis der Dienst angeboten werden kann.

Im darauffolgenden Fazit werden die ermittelten gesellschaftlichen Tendenzen mit den erarbeiteten Ergebnissen der Produkt und Preispolitik zusammengeführt und ein Ausblick gegeben.

2 Situationsanalyse

2.1 Gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland

Die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen über 65 steigt6. Ab 75 Jahren steigt die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich an. Der Anteil an Pflegebedürftigen liegt bei den 75-85 Jährigen bei 14%, bei den 85-90Jährigen bei 39% und bei den über 90Jährigen bei 65%.7 So gesehen stellt der Anteil der Pflegebedürftigen im Vergleich zu der Gesamtzahl der Alten Menschen einen relativ kleinen Teil dar.

Dennoch: Im Jahr 2030 werden 3,37 Millionen Menschen pflegebedürftig sein, der Großteil davon (alleinlebende) Hochbetagte.8

Die Tatsache, dass Einpersonenhaushalte dominieren und deren Zahl ansteigt9, legt nahe, dass auch alte Menschen zukünftig häufiger alleine wohnen und dadurch keine unmittelbare Unterstützung zum Ausgleich altersbedingter Schwierigkeiten in Form eines Partners zur Seite haben.

Eine rückläufige Geburtenzahl10 führt dazu, dass zukünftig weniger Menschen Arbeiten und in die Sozialversicherungen einzahlen als daraus versorgt werden. Diese Situation stellt den Staat vor die Herausforderung zukünftig Kosten einsparen und sich neuen Handlungsansätzen öffnen zu müssen.

Ändern werden sich auch die Familienstrukturen. Eine zunehmende späte Familiengründung11 führt dazu, dass die Menschen mittleren Lebensalters einer Doppelbelastung durch Pflege der Kinder und Pflege der Eltern ausgesetzt sind, neben der sie auch noch berufstätig sind.

Die Zahl kinderloser Frauen und Männer nimmt außerdem zu. „Blieben im frühe-ren Bundesgebiet nur etwa 13 % der 1945 geborenen Frauen und 15 % des Frau-enjahrgangs 1950 kinderlos, wird von den 1960 geborenen westdeutschen Frauen wahrscheinlich jede Vierte keine Kinder bekommen. Für den Jahrgang 1965 gibt es Schätzungen, wonach bis zu einem Drittel kinderlos bleiben wird. Heute ist daher bereits absehbar, daß das Hilfepotential innerhalb der Familien in den nächsten Jahren abnehmen wird“12.

2.2 Gesellschaftliche Entwicklung im Kreis Wesel

Die Zahl der Menschen im Kreis Wesel ist bis 2015 kontinuierlich gestiegen, seit dem leicht rückläufig. Lebten 1987 noch 427370 Menschen im Kreis sind es 2017 460666 Personen.13 Die Geburtenzahl ist im Kreis Wesel zwischen 2011 (3305) und 2017 (3864) leicht gestiegen.

Der leichte Bevölkerungsrückgang ist insbesondere auf eine steigende Zahl der Gestorbenen im Vergleich zu den Geborenen zurückzuführen. Die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen liegt bei -1687 Menschen (in 2017)14

Der Anteil der über 65jährigen liegt im Kreis Wesel bei 22,9% (105707 Personen). Die Zahl der über 50-60jährigen hat sich zwischen 1981 und 2017 fast verdoppelt. Gleiches gilt für die 60-70 und die über 75jährigen.15

In einer Bevölkerungsvorausberechnung durch Fortschreibung von Statistiken wird vorausgesagt, dass sich die Zahl der über 65jährigen von 99274 im Jahr 2014 auf voraussichtlich 145137 Personen im Jahr 2040 erhöhen wird.16

Im Kreis Wesel gibt es derzeit 50 Altenpflegeeinrichtungen mit insgesamt 4.699 Plätzen. 7 Solitäre Kurzzeitpflegeeinrichtungen mit insgesamt 81 Plätzen, 31 Tagespflegeeinrichtungen mit 466Plätzen sowie 69 ambulant tätige Pflegedienste.17

Im Vergleich mit den Statistiken der Vorjahre zeigt sich, dass die Zahl der Altenhilfeeinrichtungen (2013: 46 Einrichtungen/ 4314 Plätze) und insbesondere der ambulanten Pflegedienste (2013: 53 Dienste) stetig wächst.18

2.3 Erwartungen und Wünsche älterer Menschen an Wohnen und Betreuung

Für ältere Menschen steht das Wohnen im Mittelpunkt der alltäglichen Lebenserfahrung. Wohnen bedeutet Schutz, Geborgenheit, Ruhe und Gewohn-heit.19

„Mit zunehmendem Alter nimmt die Bedeutung der Wohnung und des engeren Wohnumfeldes in dem Maße zu wie der Bewegungsradius abnimmt.“20

Das Wohnumfeld spielt bei der Wahrnehmung der Selbstständigkeit im Alter eine große Rolle.21

Das Altwerden in der eigenen Wohnung (bei Bedarf mit Pflegedienst) ist der Wunsch der meisten Menschen (59% der 65-85Jährigen).22

Selbst wenn damit erhebliche Einschränkungen verbunden sind, wird versucht, den eigenen Haushalt so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Grund dafür ist auch nicht zuletzt ein deutlicher Mangel an Alternativen für betreutes, bezahlbares und selbstbestimmtes Wohnen.23

Auf Grund des teilweisen Wegfalls familiärer Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten wird die Einbindung in erweiterte soziale Netzwerke wie Freunde, Bekannte und Nachbarschaft immer wichtiger.24 Gerade auch deshalb ist der verbleib in der Wohnumgebung sinnvoll. So wird Vereinsamung vorgebeugt und es kann auf bekannte und gewachsene Sozialkontakte zurückgegriffen werden.

3 Marketingstrategie

Zielsetzung

Die Dienstleistung „ambulant betreutes Wohnen für alte Menschen“ soll in das Unternehmen Kompass BeWo integriert werden, dass bereits ambulant betreutes Wohnen für psychisch erkrankte Menschen anbietet. Das Unternehmen arbeitet gewinnorientiert und ist nicht gemeinnützig.

Zielgruppe

Das Angebot richtet sich an Personen, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen bereits eine Unterstützung bei der selbstständigen Lebensführung benötigten oder die Vorsorge treffen wollen.25

„Angehörige von Seniorinnen und Senioren […] sind eine eigene Zielgruppe, die vor allem unter dem Vorsorge- und Sicherheitsaspekt am Betreuten Wohnen zu Hause interessiert ist. Sie werden als Beteiligte an der Versorgung ihrer Eltern (oder sonstiger Angehöriger) beraten, unterstützt und entlastet.“26

Gründe für die Entscheidung für betreutes Wohnen zu Hause

- Hilfs- und/oder Pflegebedürftigkeit
- allgemeine Vorsorge für das Alter/ für den überlebenden Partner
- Wunsch nach Unabhängigkeit von den Angehörigen z.B. zur Entlastung der Angehörigen oder fehlende Angehörige die unterstützen könnten
- fehlende oder wenige Kontakte
- günstiger als stationäre Unterbringung
- flexible Anpassung der Hilfen27

SWOT-Analyse

Um das neue Angebot in Beziehung mit dem bestehenden Unternehmen zu setzen ist es sinnvoll zunächst eine SWOT-Analyse durchzuführen.

Durch die Analyse der Stärken und Schwächen wird „versucht herauszufinden, welche Aktivitäten eine Organisation unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftig zu erwartenden Ressourcensituation in Gang bringen sollte.“28

Die Analyse der Chancen und Risiken „dient dazu, allgemeine und besondere Chancen und Risiken des Marktes zu erkennen und für die strategische Planung des Sozialmarketings zu nutzen.“29

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die vorhandene Kompetenz zu und Vernetzung mit unterschiedlichen externen Diensten stellt eine gute Grundlage zur Variation des Angebotes für die neue Zielgruppe dar und das Angebot folgt dem Trend zur häuslichen Pflege.

Schwach ausgeprägt sind bei Kompass BeWo die Kompetenz im Bereich Pflege, was durch eine Auslagerung der Dienste an Kooperationspartner ausgeglichen werden kann.

Risikoreich ist, dass es für dieses Konzept noch keine Finanzierungsstruktur wie in der Eingliederungshilfe gibt. Dadurch ist aktuell vollkommen unklar, wie sich die Politik in diesen Bereichen mittel bis langfristig entscheiden wird ebenso ist bisher nicht klar wie sich die Rentenhöhe entwickeln wird.

Zu den im Wirtschafts-Marketing bekannten, erprobten, marktüblichen Strategien für das Marketing zählen Marktfeld-, Marktstimulierungs-, Marktsegmentierungs und Marktarealstrategien.30

[...]


1 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2011:8

2 Vgl. BMFSFJ 1998:IIIf

3 Vgl. BMFSFJ 1998:II

4 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2011:15

5 Vgl. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen 2007:9f * Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend

6 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2011:8

7 Vgl. Brücker/ Leitner in Bleck/ van Rießen/ Knopp Hrsg. 2018:21f

8 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2010:28 und Brücker/ Leitner in Bleck/ van Rießen/ Knopp Hrsg. 2018:22

9 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2011:28

10 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2011:10

11 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2011:29

12 BMFSFJ 1998:II

13 Vgl. Information und Technik Nordrhein-Westfalen Statistisches Landesamt 2019:5

14 Vgl. Information und Technik Nordrhein-Westfalen Statistisches Landesamt 2019:6

15 Vgl. Information und Technik Nordrhein-Westfalen Statistisches Landesamt 2019:8

16 Vgl. Information und Technik Nordrhein-Westfalen Statistisches Landesamt 2019:9

17 Vgl. Kreis Wesel 2018:10

18 Vgl. Kreis Wesel 2013

19 Vgl. BMFSFJ 1998:IIIf

20 BMFSFJ 1998:IIIf

21 Vgl. Beetz/ Wolter in van Rießen/ Bleck/ Knopp Hrsg. 2015:210

22 Vgl. BMFSFJ 2016:227

23 Vgl. Beetz/ Wolter in van Rießen/ Bleck/ Knopp Hrsg. 2015:210

24 Vgl. BMFSFJ 1998:II

25 Vgl. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen 2007:12

26 Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen 2007:13

27 Vgl. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen 2007:14

28 Birzele/Thieme 2007:86

29 Birzele/Thieme 2007:84

30 Vgl. Dahle/ Schrader/ Vogt 2003:71

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ambulant betreutes Wohnen für Senioren. Marketingkonzept mit den Schwerpunkten Preis- und Produktpolitik
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Veranstaltung
Marketing
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V538246
ISBN (eBook)
9783346153319
ISBN (Buch)
9783346153326
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ambulant, marketingkonzept, preis-, produktpolitik, schwerpunkten, senioren, wohnen
Arbeit zitieren
Anna Gathmann (Autor), 2020, Ambulant betreutes Wohnen für Senioren. Marketingkonzept mit den Schwerpunkten Preis- und Produktpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538246

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