Diese Arbeit geht der Frage nach, warum sich die eigentlich grausame Gestalt des Vampirs so häufig in Kinder- Jugendbüchern auftaucht. Die zu prüfende Hypothese ist, dass Kinder, wie Erwachsene, großes Interesse an Übernatürlichen haben und somit die Figur des Vampirs in der Kinder- und Jugendliteratur abgeschwächt wird.
Um diese Hypothese zu untersuchen, wird zuerst auf die Entstehung des Vampir-Mythos eingegangen. Warum glaubten die Menschen früher an Vampire? Woher kam dieser Mythos und welche Charakterzüge und Eigenschaften hatte der ursprüngliche Vampir? Es wird auf damalige dokumentierte Fälle Bezug genommen und auf die frühe Literatur, in der erstmals Vampire vorkamen. Ist das Bild des historischen Vampirs erläutert, so wird danach auf die Entmythologisierung in Kinderbüchern eingegangen. Dabei wird sich größtenteils auf die Figur des Vampirs beschränkt.
Im zweiten Teil dieser Arbeit wird mit drei Bänden der Bücherreihe "Der kleine Vampir", geschrieben von Angela Sommer-Bodenburg und erstmals 1979 veröffentlicht, gearbeitet. Ein Augenmerk wird auf die Ebene der Histoire gelegt, um die Charaktereigenschaften der Figuren zu analysieren, sodass diese Eigenschaften im Nachhinein mit denen des geschichtlichen Vampirs verglichen werden können. Durch diesen Vergleich soll sich die eingangs aufgestellte Hypothese bestätigen oder widerlegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Vampir-Mythos
2.1 Entstehung
2.2 Registrierte Fälle
2.3 Literatur über Vampire
2.3.1 Typische Merkmale der Vampire
3 Entmythologisierung in Kinderbüchern
3.1 Vampire im Buch Der kleine Vampir
3.2 Vergleich: Der kleine Vampir zum Vampirmythos
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hypothese, dass die Figur des Vampirs in der Kinder- und Jugendliteratur durch eine Verharmlosung und Umdeutung ihrer klassischen Merkmale entmythologisiert wird, um sie als Identifikationsfigur für kindliche Entwicklungsprozesse nutzbar zu machen.
- Historische Herleitung des Vampir-Mythos und dessen kulturelle Bedeutung.
- Analyse der Entmythologisierung und Verharmlosung in der Kinderliteratur.
- Detaillierte Charakterisierung der Vampirfiguren aus der Reihe "Der kleine Vampir".
- Vergleichende Gegenüberstellung des historischen Vampirbildes mit der modernen Kinderbuchfigur.
- Untersuchung der Rolle des Vampirs als "Entwicklungshelfer" für den Protagonisten Anton.
Auszug aus dem Buch
3.1 Vampire im Buch Der kleine Vampir
Im Folgendem werden die Figuren aus dem Buch Der kleine Vampir, verfasst von Angela Sommer-Bodenburg und erstmals 1979 erschienen, charakterisiert. Ein Augenmerk wird auf den Vampir Rüdiger gelegt und wie dieser im Verhältnis zu Anton steht. Benutzt wird der erste, achte und 16. Band der Reihe. Die Bücher handeln von der Freundschaft zwischen dem Menschenkind Anton und dem Vampir Rüdiger.
Rüdiger der Grässliche von Schlotterstein gehört zu den acht Vampiren der Sippe von Schlotterstein (vgl. Sommer-Bodenburg Bd. 1, 37). Er ist eigentlich über 150 Jahre alt, ist aber in dem Alter von Anton zum Vampir geworden. Trotzdem ist er ein wenig kleiner (vgl. ebd. Bd. 1, 10). Tagsüber schläft er in seinem Sarg (vgl. ebd. Bd. 1, 10), welcher mit schwarzen Samt und einem schwarzen Kissen ausgelegt ist (vgl. ebd. Bd. 1, 42). Der Sarg steht in der Familiengruft, die einen Eingang und einen Notausgang besitzt (vgl. ebd. Bd. 1, 37f.), damit der Friedhofswärter Geiermeier sie nicht tötet. Der Vampirjäger fungiert hier als Feind. Dieser tötete schon Rüdigers Onkel Theodor mit einem Holzpflock durch das Herz (vgl. ebd. Bd. 1, 11) und beseitigen kann man diesen Wärter nicht, da er immer Knoblauch isst (vgl. ebd. Bd. 1, 36).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein und stellt die Hypothese auf, dass Vampire in Kinderbüchern verharmlost werden, um als abenteuerliche Identifikationsfiguren zu dienen.
2 Der Vampir-Mythos: Dieses Kapitel erläutert die historischen Ursprünge des Vampirglaubens, dokumentierte Vorfälle und die literarische Entwicklung der Vampirfigur bis hin zur klassischen Dracula-Schablone.
3 Entmythologisierung in Kinderbüchern: Hier wird die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur analysiert und dargestellt, wie das Vampirmotiv als Projektionsfläche für Ängste und Wünsche in kindgerechte Erzählmodelle integriert wird.
4 Fazit: Das Fazit bestätigt die Hypothese teilweise und kommt zu dem Schluss, dass im Buch "Der kleine Vampir" eine bewusste Entmythologisierung stattfindet, um den Protagonisten in seiner persönlichen Entwicklung zu unterstützen.
Schlüsselwörter
Vampir-Mythos, Entmythologisierung, Kinderliteratur, Der kleine Vampir, Angela Sommer-Bodenburg, Verharmlosung, Identifikationsfigur, Entwicklungsprozess, Grusel, Dracula, Schlotterstein, phantastische Literatur, All-Ages-Literatur, Symbolik, Blutsauger.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Transformation des Vampir-Mythos in der Kinderliteratur, speziell am Beispiel der Buchreihe "Der kleine Vampir".
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die historische Entstehung des Vampirmythos, die Entwicklung spezifischer Kinderliteratur sowie die narrative Funktion fantastischer Wesen als Begleiter in Entwicklungsprozessen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, warum und wie die Figur des Vampirs in Kinderbüchern verharmlost wird und ob dies zur Entmythologisierung des klassischen Horrorwesens führt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie einen komparativen Vergleich zwischen dem historischen Vampir-Mythos und den Figuren aus den Werken von Angela Sommer-Bodenburg.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Charakterisierung der Vampirfamilie von Schlotterstein und die Dynamik der Freundschaft zwischen dem Menschenkind Anton und dem Vampir Rüdiger.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Entmythologisierung, Verharmlosung, Kinder- und Jugendliteratur, Entwicklungshelfer und die spezifische Figur des kleinen Vampirs.
Wie unterscheidet sich Rüdiger von Schlotterstein vom klassischen Vampir?
Rüdiger weist trotz seiner über 150 Jahre kindliche Züge auf, hat Ängste wie Furcht vor der Dunkelheit und fungiert als loyaler Freund statt als bedrohliches Monster.
Welche Rolle spielt die Familie des Protagonisten Anton in der Analyse?
Die Familie Antons wird als restriktive Instanz dargestellt, während die Vampirfreunde ihm dabei helfen, sich von dieser zu distanzieren und eigene Ängste zu überwinden.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Entmythologisierung im Buch "Der kleine Vampir"? Ein Vergleich zum Vampir-Mythos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538557