Dieser Essay soll anhand Charakter-Beschreibungen Theophrasts deren sozialgeschichtlichen Quellenwert analysieren und die verborgene Kritik und Gesellschaftsbilder der Bürger Athens in der klassischen Zeit aufdecken. Insbesondere der Aspekt der gesellschaftlichen Unterdrückung durch zum Beispiel Sklaverei und der Funktion der Aufteilung in Gruppierungen soll hierbei untersucht werden.
Die 'Charaktere' des griechischen Schriftstellers Theophrast zeigen bestimmte Eigenschaften herausstechender Charakterbilder, die sinnbildlich als Spiegel der attischen Gesellschaft fungieren. Die Frage, die in diesem Essay beantwortet werden soll, lautet, inwiefern Theophrasts Quelle als sozialgeschichtliche Quelle geeignet ist. Einige der Charakterbilder verweisen auf eine gezielte Gesellschaftskritik Theophrasts, welche beispielhaft durch die Überspitzte Darstellung der Charaktere das Bild einer teils verbrecherischen und egoistischen Gemeinschaft zeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. AUFBAU DER QUELLEN
3. DIE DARSTELLUNG DER CHARAKTERE
3.1 Der Abergläubische
3.2 Der Kleinliche
3.3 Der Geizige
3.4 Der Eitle
4. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den sozialgeschichtlichen Quellenwert der „Charaktere“ von Theophrast, um aufzuzeigen, inwiefern diese Texte als Spiegelbild der attischen Gesellschaft in der klassischen Zeit dienen und verborgene gesellschaftskritische Tendenzen offenbaren.
- Analyse der „Charaktere“ als sozialgeschichtliche Quelle
- Untersuchung von Gesellschaftskritik und Verhaltensmustern in der Antike
- Rolle des Oikos und patriarchale Machtstrukturen
- Die Darstellung von Sklaven und die Auswirkung ökonomischer Härte
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Geizige
Der Geizige müsste normalerweise auf dem ersten Blick dasselbe Profil wie der Kleinliche aufweisen, da Geiz zunächst auch mit geldlichen Belangen zu tun hätte. Theophrast hat jedoch trotz der großen Ähnlichkeit die beiden Charaktere klar differenziert. Der Geizige wird mit eigensüchtigen Motiven beschrieben, welche sich beispielsweise während eines gemeinsamen Mahls oder der möglichst gewinnbringenden Nutzung von Theaterplätzen manifestiert. Das Motiv seines Egoismus weitet sich hierbei ebenfalls auf seine Sklaven aus. Denn er schöpft ihre Funktion so sehr aus, dass er ihre Gesundheit und Leidensfähigkeit durch karge Mahlzeiten nicht beachtet und sie durch schwere Arbeiten beispiellos entmenschlicht. Das Resultat sind unmenschliche Arbeitsbedingungen, die zugunsten des tyrannischen Herrn geschaffen wurden.
Selbst Sklaven in seinem nicht unmittelbaren Umfeld werden instrumentalisiert, sodass sich der Egoismus selbst auf Bekannte ausbreitet und selbst diese sich beispielsweise nichts leihen dürfen und aufpassen müssen, dass der Geizige diese nicht ausnutzt. Insgesamt sind also durchaus trotz des gemeinsamen kargen Umgangs mit Geld und egoistischen Absichten Unterschiede zwischen den Kleinlichen und dem Geizigen zu konstatieren. Dennoch trifft das oben formulierte Zitat auf die Darstellung dieser beiden Charaktere zu. Die geschilderte Armut scheint durch die Härte der Patriarchen gefördert zu werden, indem die Sklaven auf ihre Funktion und nicht auf ihre Menschlichkeit reduziert werden. Die Vermutung, dass die Sklaven aufgrund ihrer desolaten Lage Diebstähle und Kriminalität anwenden, erscheint in dieser Konsequenz als logisch. Wenn z.B die Vorräte zugunsten des Geldbeutels des Geizigen gekürzt werden müssen, ist Verbrechen in sozusagen ein eigener Überlebensversuch gegen die Macht des Patriarchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Theophrast-Quelle ein und definiert das Ziel, den sozialgeschichtlichen Wert der Charakterbeschreibungen für die Analyse der athenischen Gesellschaft zu untersuchen.
2. AUFBAU DER QUELLEN: In diesem Kapitel wird die Struktur der Quellentexte analysiert, wobei der Fokus auf dem steckbriefartigen Aufbau und der subjektiven Erzählweise des Autors liegt.
3. DIE DARSTELLUNG DER CHARAKTERE: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Typen des Abergläubischen, Kleinlichen, Geizigen und Eitlen im Kontext religiöser und ökonomischer Verhältnisse.
4. FAZIT: Das Fazit resümiert, dass die Charaktere trotz ihrer Überspitzung Einblicke in Oikos-Strukturen und soziale Hierarchien gewähren und als staatskritische Quelle fungieren.
Schlüsselwörter
Theophrast, Athen, Klassische Zeit, Sozialgeschichte, Oikos, Charakterbilder, Gesellschaftskritik, Patriarchat, Sklaverei, Aberglaube, Kleinlichkeit, Geiz, Eitelkeit, Quellenwert, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die „Charaktere“ des antiken Schriftstellers Theophrast als historische Quelle, um zu verstehen, wie diese Texte die gesellschaftliche Realität im klassischen Athen widerspiegeln.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Mittelpunkt stehen soziale Strukturen innerhalb der athenischen Gesellschaft, insbesondere die Machtverhältnisse im Oikos, der Umgang mit Religion und ökonomische Verhaltensweisen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den sozialgeschichtlichen Wert der Charakterdarstellungen zu bewerten und die darin enthaltene Gesellschaftskritik Theophrasts offenzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Der Autor nutzt eine quellenanalytische Methode, indem er ausgewählte Textbeispiele Theophrasts interpretiert und mit historischen Thesen, etwa von Winfried Schmitz, vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Charaktere – den Abergläubischen, den Kleinlichen, den Geizigen und den Eitlen – und untersucht deren jeweiliges Handeln.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Sozialgeschichte, athenische Gesellschaft, Oikos, patriarchale Strukturen und antike Quellenkritik zusammenfassen.
Wie unterscheidet der Autor zwischen dem „Kleinlichen“ und dem „Geizigen“?
Während beide durch sparsames Verhalten geprägt sind, differenziert der Autor den Geizigen durch ein stärkeres egoistisches Motiv, das sich sogar auf die Entmenschlichung von Sklaven und Bekannten ausweitet.
Welche Rolle spielt die Religion bei der Figur des „Abergläubischen“?
Der Abergläubische zeigt eine paradoxe Religiosität, die von Angst vor dem Übernatürlichen geprägt ist und seinen Alltag durch religiös motivierte Fehlinterpretationen einschränkt.
Wie bewertet der Autor den Wert der Quelle für die moderne Geschichtsforschung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Quelle trotz ihrer Einseitigkeit und Überspitzung einen wertvollen, wenn auch subjektiven, Einblick in die internen Machtstrukturen des Oikos ermöglicht.
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- Lauritz Tufan (Author), 2018, Theophrasts Charakter-Beschreibungen. Eine kurze Suche nach verborgenen Gesellschaftsbildern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538573