Besonders in der Hochphase 2014-2016 hat sich die Terrorgruppe, die sich der Islamische Staat (IS) nennt, als eine Bedrohung dargestellt, die sich über die Grenzen Syriens und des Iraks ausgebreitet hat. Eine der Methoden, sich dieser Bedrohung entgegenzustellen, basiert auf Humor und ist in der arabischen Welt weiter verbreitet als anzunehmen.
Der Hauptteil der vorliegenden Arbeit befasst sich mit diesem Humor, der beinahe gänzlich als Satire gilt. Es werden ausgewählte satirische Werke, vor allem Cartoons und Videos, die sich gegen den IS richten, beschrieben und analysiert. Da Humor kaum ohne den Kontext der Gesellschaft, von der er ausgeht, verstanden werden kann, sind die dem Hauptteil vorangestellten Kapitel der Frage gewidmet, welche Rolle Humor und im Besonderen Satire generell in der arabischen Welt spielt. Als zweite Grundlage, um die satirischen Materialien zu verstehen, dient ein einleitendes Kapitel über die Entwicklung und Charakteristik des IS. Mit den grundlegenden Informationen über den Islamischen Staat und über den arabischen Humor sollte es leichtfallen, die Anti-IS-Satire als wirksame Waffe im immer noch bestehenden Krieg gegen den Terrorismus zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER ISLAMISCHE STAAT IM ÜBERBLICK
3 HUMOR, SATIRE UND SPOTT ALS HUMORISTISCHE SPIELARTEN
3.1 UNTERSCHEIDUNG UND KLASSIFIZIERUNG
3.2 SPRACHE ALS WERKZEUG DES HUMORS
4 HUMOR IN DER ARABISCHEN WELT
4.1 TRADITION DES HUMORS
4.2 CHARAKTERISTIKA DES ARABISCHEN HUMORS
4.3 HUMOR ALS MITTEL DER KRITIK UND DES WIDERSTANDS IN DER ARABISCHEN WELT
5 ARABISCHE HUMORISTISCHE MEDIEN GEGEN DEN ISLAMISCHEN STAAT
5.1 VIDEOS
5.1.1 Ḍāyiʿat aṭ-ṭāsa
5.1.2 Die Videoproduktionen von LBC - Bass Māt Waṭan und die Ktīr Salbī Show
5.2 CARTOONS
5.2.1 ʿImād Ḥaǧǧāǧ
5.2.2 ʿAbd Allāh Ǧābir
5.3 ANDERE MITTEL DER SATIRISCHEN BETRACHTUNG DES IS
5.4 AUSWERTUNG SPRACHLICHER UND BILDLICHER MERKMALE
5.5 INHALTLICHE AUSWERTUNG
5.6 ZIELE UND WIRKUNG
6 SCHLUSS
6.1 ZUSAMMENFASSUNG
6.2 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Humor und Satire als Mittel des Widerstands gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) im arabischsprachigen Raum. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, wie Humor, der explizit gegen den IS gerichtet ist, in dieser Kultur funktioniert, welche Strategien angewandt werden und inwieweit diese humoristischen Ausdrucksformen zur Kritik und Entlarvung der Ideologie des IS beitragen können.
- Analyse des Humors in der arabischen Welt unter Berücksichtigung historischer und kultureller Traditionen.
- Untersuchung verschiedener humoristischer Medienformate wie Videos, Cartoons und satirische Rechtsgutachten.
- Herausarbeitung sprachlicher Mittel und bildlicher Symbolik in der Anti-IS-Satire.
- Evaluation der Ziele und Wirkungsweisen dieser satirischen Auseinandersetzung.
- Betrachtung der Rolle von Autoren und Künstlern in einem politisch hochsensiblen und unterdrückerischen Umfeld.
Auszug aus dem Buch
3.2 Sprache als Werkzeug des Humors
Betrachtet man die Sprache als entscheidendes Element in der Vermittlung von Humor, sind natürlich gravierende Unterschiede festzustellen, ob der Humor oral geäußert wird oder in schriftlicher oder gezeichneter Form (zum Beispiel bei Cartoons oder den fatāwā Dāʿiš). Ebenso ist deutlich zwischen spontanem und geplantem, konstruiertem Humor zu unterscheiden. Da diesbezüglich in dieser Arbeit Formen von Humor im Vordergrund stehen, die durchaus konstruiert sind, soll nicht weiter auf Situationskomik oder spontane Witze eingegangen werden.
Die arabisch-islamische Kultur ist vor allem eine Kultur, in der die Sprache eine besondere Rolle spielt, die Religion, Gesellschaft, Politik und beinahe jeden Bereich des menschlichen Lebens stark beeinflusst. Das mag daher kommen, dass der Koran in seiner außerordentlich wichtigen Position vor allem als geschriebenes Buch den Wortlaut Gottes wiedergibt, damit quasi unantastbar ist und alles, was mit Sprache zu tun hat, so stark prägt. Das sprachliche Prestige des Korans wirkt sich insofern aus, dass die koranische Sprache als perfekt und unnachahmbar gilt. Das koranische Arabisch ist im Vergleich zu Dichtersprache, Mediensprache und den Dialekten die höchste Form der Sprache. Der arabisch-islamische Kulturraum, in dem der Koran eine so bedeutsame Rolle spielt, ist also in vieler Hinsicht vor allem durch Sprache und Schrift definiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Thema des arabischsprachigen Humors gegen den IS ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Funktionsweise dieser spezifischen Satire.
2 DER ISLAMISCHE STAAT IM ÜBERBLICK: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Übersicht über die Ideologie, Methoden und Entstehungsgeschichte des Islamischen Staates.
3 HUMOR, SATIRE UND SPOTT ALS HUMORISTISCHE SPIELARTEN: Es erfolgt eine definitorische Abgrenzung der verschiedenen humoristischen Spielarten sowie eine Analyse der Sprache als wichtigstes Werkzeug des Humors.
4 HUMOR IN DER ARABISCHEN WELT: Hier werden die Traditionen, Charakteristika und die historische Entwicklung des Humors im arabischen Kulturraum beleuchtet.
5 ARABISCHE HUMORISTISCHE MEDIEN GEGEN DEN ISLAMISCHEN STAAT: Das Hauptkapitel untersucht detailliert verschiedene satirische Medien wie Videos und Cartoons sowie deren sprachliche, bildliche und inhaltliche Merkmale und deren Ziele.
6 SCHLUSS: Die Zusammenfassung bündelt die Erkenntnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung und die Grenzen von Satire als Mittel des Widerstands.
Schlüsselwörter
Humor, Satire, Islamischer Staat, IS, Dāʿiš, Widerstand, arabische Welt, Politik, Propaganda, Karikatur, Video, Ideologiekritik, Sprache, Symbolik, Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Humor und Satire im arabischsprachigen Raum als Ausdrucksform von Widerstand und Kritik gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) eingesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des arabischen Humors, die Rolle der Sprache als Werkzeug der Satire sowie die Analyse spezifischer Medien wie Videos, Cartoons und Pseudo-Rechtsgutachten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Funktionsweise von Humor, der gegen den IS gerichtet ist, zu ergründen und aufzuzeigen, wie Satire zur Entlarvung der IS-Ideologie beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse von primärem Quellenmaterial (Videos, Cartoons, Texte) im Kontext politik- und kulturwissenschaftlicher Theorien zum Humor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Videos (z.B. der Serie "Ḍāyiʿat aṭ-ṭāsa") und Cartoons bekannter Künstler sowie der Auswertung ihrer sprachlichen und bildlichen Merkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören Humor, Satire, Islamischer Staat, Dāʿiš, politischer Widerstand, Medienkritik und Symbolik.
Warum verwenden die Satiriker den Namen "Dāʿiš" anstelle von "Islamischer Staat"?
Die Bezeichnung "Dāʿiš" wird von den Satirikern bewusst genutzt, um dem IS die Legitimität eines Staates abzusprechen, da der Begriff im Arabischen zudem mit negativen Konnotationen wie "zertreten" oder "überfahren" assoziiert wird.
Welche Rolle spielt die Sprache (Hocharabisch vs. Dialekt) in den satirischen Sketchen?
Die Verwendung von Hocharabisch durch IS-Mitglieder in Sketchen dient oft der Lächerlichmachung ihrer vermeintlichen theologischen Autorität, indem ein starker Kontrast zwischen dem hochsprachlichen Anspruch und der absurden oder brutalen Handlung erzeugt wird.
Welche Funktion hat die Farbe Schwarz in den untersuchten Karikaturen?
Schwarz dominiert als Farbe des Terrors, des Todes und der Finsternis und dient in den Cartoons dazu, beim Betrachter sofort negative Assoziationen zu wecken und eine kritische Distanz zum IS-Milieu aufzubauen.
- Citar trabajo
- Karoline Köster (Autor), 2016, Arabische Satire als Mittel des Widerstands gegen den Islamischen Staat, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538650