Zu Platons "Kriton". War Sokrates' Tod eine Entscheidung gegen das Leben?


Hausarbeit, 2019

11 Seiten, Note: 2,0

Anna S. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kriton- der Fluchtplan
2.1 Von der Meinung der Menge
2.2 Recht-Leben bedeutet Gut-Leben

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Kriton und die Apologie gehören zu den frühen Werken Platons. Im Mittelpunkt steht hier Sokrates, der das Wissen seiner Gesprächspartner einer beständigen Prüfung unterzieht, um ihnen bewusst zu machen, dass ein Wissen nur dann wahrhaftig gilt, wenn der Betreffende es auch begründen kann. Dies ist die leitende Idee des sogenannten sokratischen Gesprächs, wahrhaftes Wissen zu begründen und Scheinwissen zu entlarven. Eben in dieser Aufgabe sieht sich Sokrates. Sokrates entscheidet sich für die Lebensweise des Philosophen und begibt sich auf die Suche nach der wahren Erkenntnis. Diese gedenkt er in Gesprächen mit anderen zu finden, jedoch macht er sich mit seiner Art und Weise einige Feinde. Dies ist dann letztlich der Grund dafür, dass er im Jahre 399. V. Chr. vor Gericht steht.

Sokrates wurde zum einen wegen Asebie (Gottlosigkeit) und zum anderen wegen Verderb der Jugend zum Tode verurteilt: ,, […]Sokrates handelt rechtswidrig, indem er die Götter, die der Staat anerkennt, nicht anerkennt und andere, neuartige göttliche (dämonische) Wesen einzuführen sucht; er handelt außerdem rechtswidrig, indem er die jungen Leute verdirbt. Strafantrag: der Tod “ (Kriton: S. 66, Z. 6-11). In seiner Verteidigungsrede plädiert Sokrates auf unschuldig und meint die Vorwürfe gegen ihn seien unbegründet. Während der gesamten Verhandlung habe Sokrates sich zwar verteidigt (aber auch nur weil es das Recht so vorsieht), aber er ist sich seiner Unschuld bewusst und lässt dies auch die Geschworenen und den Richter spüren. Er entschuldigt sich nicht, sondern: ,,[…] rechtfertigt […] sein Philosophieren durch den göttlichen Auftrag, von dem er sich durch Menschen nicht abbringen lassen dürfe, auch nicht um den Preis des Lebens“ (Kriton: S. 89, Z. 18-21). Diese kompromisslose Art der Verteidigung führt letztlich dazu, dass Sokrates zum Tode verurteilt wird.

Im Folgenden geht es um die Frage, warum Sokrates auf die Vollstreckung des ungerechten Urteils in Athen wartet, anstatt mit Hilfe seines Freundes Kriton die Flucht zu ergreifen. Obwohl Sokrates dem Tod hätte entgehen können, entschied er sich für den Tod. Zum einen hätte Sokrates dem Tod entgehen können, hätte er sich vor Gericht kooperativ und einsichtig gezeigt hätte, und zum anderen, indem er die Hilfe des Kriton angenommen hätte und geflüchtet wäre.

Warum die Flucht für Sokrates keine Option war, soll im weiteren Verlauf geklärt werden, aber vor allem, warum es dem guten Leben nach Sokrates widerspricht. Die Untersuchungen werden zeigen, dass Sokrates stets ein oberstes Ziel verfolgt.

2. Kriton- der Fluchtplan

Nachdem Sokrates also zum Tode verurteilt wurde, wartet er im Gefängnis auf die Vollstreckung des Urteils. Kriton eilt in den frühen Morgenstunden zu Sokrates, um ihn zur Flucht aus dem Gefängnis zu überreden. Kriton nennt zum einen die Möglichkeiten der Flucht, aber auch verschiedene Gründe die Sokrates überzeugen sollen.

Als Kriton die Gefängniszelle des Sokrates betritt, schläft dieser, und zwar seelenruhig. Kriton wacht über Sokrates und bewundert seine ausgeglichene Gemütsverfassung trotz des schweren Unglücks, aus diesem Grund möchte er ihn auch nicht aufwecken. Als Sokrates dann von alleine erwacht und er Kriton fragt, warum er ihn nicht schon eher geweckt hätte, antwortet dieser: ,,Nein bei Gott, Sokrates, ich möchte selber nicht soviel Grund zu Schlaflosigkeit und Kummer haben- doch bei dir wundere ich mich schon lange, wenn ich sehe, wie angenehm du schläfst. Und ich habe dich mit Bedacht nicht aufgeweckt, weil du´s so angenehm wie möglich haben solltest. Oft genug habe ich dich unser ganzes Leben lang auch früher schon deiner Haltung wegen für beneidenswert gehalten, doch am allermeisten tue ich´s jetzt bei dem Unglück, das dir bevorsteht: wie leicht und gelassen du es hinnimmst“ (Ebd. S. 39, Z. 16-24).

Hier wird einerseits die Sorge um den geliebten Freund deutlich, aber auch die Bewunderung ihm gegenüber. Kriton sorgt sich um seinen Freund und hat Angst ihn bald zu verlieren, aber er bewundert ihn dafür, dass er selbst in so einer Situation keine Angst vor dem Tod hat. Der Tod macht Sokrates keine Angst, weil er ihn nicht für ein Übel hält, im Gegenteil, er betrachtet die Angst vor dem Sterben im fortgeschrittenen Alter als unangemessen: ,,Es wäre ja auch sonderbar, Kriton, aufzubegehren, wenn man in solchem Alter endlich sterben muß“ (Ebd. S.39, Z. 25-26).

Der Grund warum aber Kriton in den frühen Morgenstunden zu Sokrates eilt, ist eine wichtige Nachricht, und zwar dass das Schiff aus Delos am gleichen Tag ankommen soll und das Sokrates dann am nächsten Tag sterben muss. Diese Botschaft nimmt Sokrates aber eher gleichgültig zur Kenntnis, denn ein Traum den er zuvor hatte, zeigte ihm einen anderen Todeszeitpunkt. Kriton wird bewusst, dass Sokrates in seiner Meinung, das ungerechte Urteil hinzunehmen, durch diesen prophetischen Traum bestärkt wird. Kriton gibt die Hoffnung, Sokrates von einer Flucht überzeugen zu können aber nicht auf; um ihn zu überzeugen führt er verschiedene Argumente auf.

2.1 Von der Meinung der Menge

Im Folgenden werde ich aber nicht alle Argumente des Kriton erläutern, sondern speziell auf das Argument von der Meinung der Menge eingehen. Zunächst erklärt Kiton, dass Sokrates Tod für ihn einerseits, der Verlust eines liebenswerten, unersetzbaren Freundes bedeuten würde, aber andererseits auch der Verlust seines (eigenen) guten Rufes: ,,Mir stößt ja, wenn du stirbst, nicht nur ein Unglück zu; denn abgesehen davon, daß ich eines Freundes verlustig gehe […] muß ich bei vielen, die mich und dich nicht genau kennen, die Meinung hervorrufen, daß ich, wiewohl imstande, dich zu retten […] untätig geblieben sei“ (Ebd. S. 41, Z. 1-7)

Kriton argumentiert hier mit der Meinung anderer, aber Sokrates meint, Kiton solle sich besser nicht um die Meinung anderer kümmern, denn diese habe keinen Wert: , ,Doch wozu, redlicher Kriton, sollen wir uns derart um die Meinung der Menge kümmern? Denn die wirklich vernünftigen Leute, auf die man Rücksicht nehmen muß, werden glauben, daß sich alles so zugetragen habe, wie es sich wirklich zugetragen hat“ (Ebd. S. 41, Z. 12-16). Sokrates verdeutlicht hier, dass er die Meinung der Menge für irrelevant hält, und dass ihn nicht interessiert, was die Menge über ihn denkt, weil er eben diese Menschen für unvernünftig hält. Sokrates ist davon überzeugt, dass die wirklich vernünftigen verstehen werden, warum er nicht geflüchtet ist.

Wichtig ist für Sokrates nicht die Meinung der Vielen, sondern die des Sachverständigen und dies verdeutlicht er anhand eines Beispiels: ,,Wird jemand, der Sport treibt, und zwar ernsthaft, jedermanns Lob und Tadel und Meinung beachten, oder nur die des einen, der Arzt und Sportlehrer ist?“ (Ebd. S. 45, Z. 6-8). Kriton gesteht ein, dass nur die Meinung des Sachverständigen zählt und dass die Meinung der Menge eher schädlich sei. Wenn der Sportler sich aber nicht an die Anweisungen des Sachverständigen hält, sondern an die der unwissenden Menge, dann ziehe das schlimme Folgen für den Leib nach sich (Ebd. S. 45).

Sokrates meint nun, dass es sich auch mit anderen Dingen so verhalte: ,,Verhält es sich nicht auch bei den anderen Dingen so, Kriton, damit wir nicht alles einzeln durchgehen müssen: beim Gerechten und Ungerechten, beim Häßlichen und Schönen, beim Guten und Schlechten, worüber wir jetzt nachdenken: sollen wir auf die Meinung der Menge hören und uns vor ihr fürchten oder auf die des einen, wenn jemand etwas davon versteht- vor dem man sich mehr schämen und fürchten muß als vor allen anderen? Und wenn wir dem nicht Folge leisten, dann ruinieren und schänden wir dasjenige, das durch das Gerechte gebessert und durch das Ungerechte zugrunde gerichtet wird“ (Ebd. S. 45, Z. 25-35).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Zu Platons "Kriton". War Sokrates' Tod eine Entscheidung gegen das Leben?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Philosophie)
Veranstaltung
Platons Kriton
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
11
Katalognummer
V538701
ISBN (eBook)
9783346140234
ISBN (Buch)
9783346140241
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Kriton, das Gute Leben, Seelenheil, Glück
Arbeit zitieren
Anna S. (Autor), 2019, Zu Platons "Kriton". War Sokrates' Tod eine Entscheidung gegen das Leben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538701

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