Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, warum Sokrates auf die Vollstreckung des ungerechten Urteils in Athen wartet, anstatt mit Hilfe seines Freundes Kriton die Flucht zu ergreifen. Obwohl Sokrates dem Tod hätte entgehen können, entschied er sich für den Tod. Zum einen hätte Sokrates dem Tod entgehen können, hätte er sich vor Gericht kooperativ und einsichtig gezeigt, und zum anderen, indem er die Hilfe des Kriton angenommen hätte und geflüchtet wäre. Warum die Flucht für Sokrates keine Option war, soll im weiteren Verlauf geklärt werden, aber vor allem, warum es dem guten Leben nach Sokrates widerspricht. Die Untersuchungen werden zeigen, dass Sokrates stets ein oberstes Ziel verfolgt.
Das Gespräch zwischen Sokrates und Kriton endet so, wie es letztlich nur enden kann. Bereits in der Apologie deutet sich an, dass Sokrates sich für seine Philosophie entscheidet und gegen das Leben. Das Verbot des Unrechttuns lässt das Argumentationsgerüst Kritons in einem Male zusammenfallen. In dem Moment, in dem Sokrates diese Prämisse in den Dialog bringt, scheint jegliche Argumentation Kritons hinfällig.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kriton- der Fluchtplan
2.1 Von der Meinung der Menge
2. 2 Recht-Leben bedeutet Gut-Leben
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen Motive hinter der Entscheidung des Sokrates, trotz der Möglichkeit zur Flucht das gegen ihn verhängte Todesurteil in Athen zu akzeptieren, und setzt dies in Bezug zu seinem zentralen Lebensziel: dem Streben nach einem guten, gerechten Leben.
- Die moralische Auseinandersetzung zwischen Sokrates und Kriton über die Flucht aus dem Gefängnis.
- Die kritische Reflexion über die Relevanz der Meinung der Menge im Vergleich zum Expertenwissen.
- Die zentrale Bedeutung der Seele und das absolute Gebot, niemals Unrecht zu tun.
- Der Zusammenhang zwischen einem gerechten Leben und dem Schutz des Seelenheils.
- Die Interpretation von Platons „Kriton“ als Zeugnis einer kompromisslosen philosophischen Lebensweise.
Auszug aus dem Buch
2. 2 Recht-Leben bedeutet Gut-Leben
Sokrates beginnt damit zu fragen, ob man in manchen Fällen Unrecht tun darf, oder ob es jederzeit zu vermeiden ist. Um diese Frage zu beantworten, beruft sich Sokrates auf Feststellungen aus früheren Gesprächen mit Kriton: „[…] Oder ist das Unrechttun unter keinen Umständen etwas Gutes oder Schönes, wie wir in der früheren Zeit schon oft übereinstimmend festgestellt haben? Oder sind alle unsere früheren Feststellungen in diesen wenigen Tagen zu nichts zerronnen […]?“ (Ebd. S. 48, Z. 3-7). Kriton kommt hier nicht umher, die Frage ob Unrecht tun jederzeit schlecht ist, mit ja zu beantworten. Daraus ergibt sich, dass auch erlittenes Unrecht nicht mit Unrecht vergolten werden darf, so Sokrates.
Dieses Argument ist für Sokrates der Ausgangspunkt für seine Argumentation. Sokrates fragt weiter: „[…] ich frage dich. Man stimmt mit jemandem darin überein, daß etwas gerecht ist: soll man sich daran halten, oder darf man sich trügerisch darüber hinwegsetzen? Kriton: Man soll sich daran halten“ (Ebd. S. 49, Z. 21-23). Obwohl die Stadt Sokrates zu Unrecht verurteilt hat, meint Sokrates weiter, dass es Unrecht wäre, diesem Unrecht mit Unrecht zu begegnen, weil er zuvor festgestellt hatte, das Unrecht niemals mit Unrecht zu vergelten ist. Wenn Sokrates nun fliehen würde, dann würde er entgegen der Gesetze und des Gemeinwesen der Stadt handeln, und wie bereits festgestellt, ist unrechtes Handeln niemals gestattet. Demgemäß stellt eine Flucht aber nicht nur eine Verletzung der geltenden Gesetze dar, sondern auch deren und des gesamten Staates Untergang.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Situation des Sokrates ein und erläutert seine kompromisslose Verteidigung sowie die Fragestellung, warum er das Todesurteil anstatt der Flucht akzeptierte.
2. Kriton- der Fluchtplan: In diesem Kapitel wird die Ankunft Kritons bei Sokrates geschildert, um ihn zur Flucht zu überreden, wobei der Fokus auf den ersten Argumenten und der Bewunderung für Sokrates’ Ruhe liegt.
2.1 Von der Meinung der Menge: Das Kapitel analysiert Sokrates' Haltung, die öffentliche Meinung und das Urteil der Mehrheit als für seine ethischen Entscheidungen irrelevant abzulehnen.
2. 2 Recht-Leben bedeutet Gut-Leben: Dieser Abschnitt erörtert die ethische Grundprämisse, dass niemals Unrecht begangen werden darf und dass ein gerechtes Leben für das Seelenheil entscheidend ist.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Sokrates' Entschluss für den Tod die konsequente Erfüllung seiner lebenslangen philosophischen Suche nach einem gerechten Leben darstellt.
Schlüsselwörter
Sokrates, Platon, Kriton, Philosophie, Gerechtigkeit, Unrecht, Seelenheil, Tod, Gefängnis, Flucht, ethische Prinzipien, antike Philosophie, Moral, Rechtsgehorsam, Lebensweise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den platonischen Dialog "Kriton" und untersucht die ethische Motivation des Sokrates, sein Todesurteil anzunehmen, anstatt mit Hilfe seines Freundes Kriton aus dem Gefängnis zu fliehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Unantastbarkeit der Gerechtigkeit, der moralischen Sorge um die Seele, der Bedeutung des Rechtsgehorsams und der kritischen Auseinandersetzung mit der Meinung der Masse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt die Frage, warum Flucht für Sokrates keine Option darstellt und weshalb er ein gerechtes Leben als Bedingung für ein "gutes" Leben über sein physisches Überleben stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die sich auf die Werke Platons (Kriton, Apologie) und ergänzende philosophische Literatur stützt, um Sokrates' Handlungsmaximen zu erschließen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Fluchtplans, die Kritik am Einfluss der öffentlichen Meinung und die philosophische Herleitung, warum Unrecht unter keinen Umständen mit Unrecht vergolten werden darf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Gerechtigkeit, Seelenheil, Sokratisches Gespräch, Moral, ethische Lebensführung und Rechtsgehorsam.
Warum hält Sokrates die Meinung der Menge für irrelevant?
Sokrates argumentiert, dass nicht die Masse, sondern nur der Sachverständige für Fragen des Rechts und der Moral maßgeblich ist, da Unwissenheit nur zu einer Zerrüttung der Seele führen kann.
Welche Rolle spielt die Seele im Vergleich zum Körper in der Argumentation?
Sokrates sieht die Seele als das höchste Gut des Menschen; eine moralisch falsche Entscheidung wie die Flucht würde die Seele schädigen, was er als ein weitaus größeres Übel betrachtet als den Tod des Körpers.
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- Anna S. (Autor), 2019, Zu Platons "Kriton". War Sokrates' Tod eine Entscheidung gegen das Leben?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538701