C. Julius Caesar schreibt als sein eigener Historiker, als ein Mann, der über den Gegenstand gut informierter ist und diesen Gegenstand aus kühler Distanz heraus darstellt.
Dafür verwendet er in den Commentarii überwiegend die dritte Person Singularis, wenn er von sich spricht - selbst Cicero sprach in einem bruchstückhaft erhaltenen Commentarius von sich in der dritten Person. Dies soll im folgenden Text untersucht werden.
J. E. Reijgwart argumentiert, dass es wirkt, als ob nicht Caesar persönlich spricht und schreibt, sondern vielmehr, als ob ein "Unbekannter" zwischen dem Autor und der historischen Figur Caesar eingeschoben wird, der die Rolle des Erzählers übernimmt. Die Erzählperspektive im Bellum Gallicum erscheint ambivalent, da sowohl heterodiegetische als auch homodiegetische Elemente des Erzählens vorhanden sind. Dies bedeutet, dass der Erzähler zuweilen mit der Handlungsperson Caesar identisch ist, sich dann aber wieder von ihr unterscheidet.
Obwohl Caesar seine subjektiven Gefühle und Werturteile zurückhält, um einen objektiven Erzählton beizubehalten, schreibt er dennoch als Miterlebender, der aktiv am Geschehen teilnimmt. Caesar verwandelt den Leser in mehr als nur einen passiven Beobachter der Ereignisse, sondern in einen aktiven Teilnehmer, indem er die Geschehnisse sowohl aus der Perspektive eines Miterlebenden als auch in historischer Genauigkeit darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Die erste Person Singularis in den Commentarii Belli Gallici
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erzähltechnischen Besonderheiten in C. Julius Caesars "Commentarii Belli Gallici", insbesondere die bewusste Verwendung der dritten Person Singularis anstelle der ersten Person zur Darstellung der eigenen Person und Taten. Es wird analysiert, wie diese Wahl der Darstellungsform dazu dient, Caesar als objektive, öffentliche Größe – den Prokonsul – zu etablieren und die Vermischung von privater Identität und politischem Amt zu vermeiden.
- Die narratologische Funktion des Erzählers im "Bellum Gallicum".
- Vergleich der Erzählweise mit den antiken Historikern Thukydides und Xenophon.
- Die Abgrenzung des "privaten Individuums" Caesar vom "öffentlichen Amtsträger".
- Die Wirkung der sprachlichen Distanzierung auf den Leser.
- Die Vermeidung des Personalpronomens "ego" als rhetorische Strategie.
Auszug aus dem Buch
Die erste Person Singularis in den Commentarii Belli Gallici
C. Julius Caesar schreibt als sein eigener Historiker, als ein Mann, der über den Gegenstand gut informierter ist und diesen Gegenstand aus kühler Distanz heraus darstellt. Dafür verwendet er in den Commentarii überwiegend die dritte Person Singularis, wenn er von sich spricht - selbst Cicero sprach in einem bruchstückhaft erhaltenen Commentarius von sich in der dritten Person. Nur in wenigen Fällen macht er von der ersten Person Plural Gebrauch. So schreibt er in 2,1,1, in dem er auf das Prooem Bezug nimmt ,,[...] Belgas, quam tertiam esse Gallilae partem dixeramus'', oder in 7,76,1 ,,Huius opera Commii, ut antea demonstravimus’’. Laut der Autorin J. E. Reijgwart wirke es so, als ob nicht Caesar sprechen und schreiben würde, sondern ,,als ob zwischen dem Autor und der Handlungsperson Caesar ein ‘Unbekannter’ eingeschoben würde, der die Funktion des Erzählens auf sich nimmt''.
Zudem schreibt sie, dass der Status des Erzählens im Bellum Gallicum ambivalent sei, da es sowohl heterodiegetische als auch homodiegetische Elemente des Erzählens vorhanden seien. Das bedeutet, dass der Erzähler mal mit der Handlungsperson identisch ist und sich dann aber wieder von ihr unterscheidet. Obwohl Caesars sein subjektives Gefühl und Urteil zurückdrängt, um einen objektiven Erzählton beizubehalten, schreibt er dennoch als Miterlebender, der an den Dingen beteiligt ist. Seine Gefühle äußert er z.B. in 1,53,6, wo er über die Befreiung des Procillus lebhafte Siegesfreude und Glück ausspricht ,,quae quidem res Caesari non minorem quam ipsa victoria voluptatem attulit [...]''.
Was außerdem auffällt ist, dass Caesar seinen einfachen und schlichten Erzählton mit lebendigen Schilderungen kombiniert, etwa von Schlachten und Räumen. So lässt er den Leser in 2,18,1 mit den Augen Caesars vom Kamm des Hügels hinab zum Fluss blicken ,,Loci natura erat haec […] collis ab summo aeqaliter declivis ad flumen Sabinem, qod spra nominavimus, vergebat''.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die erste Person Singularis in den Commentarii Belli Gallici: Der Abschnitt erläutert Caesars bewusste Entscheidung für die dritte Person Singularis als Erzählstrategie, um Distanz zu wahren und eine objektive Rolle als Prokonsul einzunehmen, statt als privates Individuum aufzutreten.
Schlüsselwörter
Caesar, Bellum Gallicum, Commentarii, Erzählperspektive, dritte Person Singularis, Historiographie, Thukydides, Xenophon, Prokonsul, politische Identität, narratologische Konstruktion, antike Literatur, Römisches Reich, personaleinheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der erzählerischen Gestaltung in Caesars "Bellum Gallicum", insbesondere mit dem bewussten Verzicht auf die erste Person Singularis bei der Darstellung eigener Handlungen.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, warum Caesar eine fiktive, distanzierte Erzählstimme wählt und wie er dadurch seine Rolle als öffentlicher Magistrat von seiner privaten Identität trennt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer philologischen und narratologischen Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung wissenschaftlicher Sekundärliteratur zu antiken Historikern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Identität des Erzählers, den Vergleich mit antiken Autoren wie Thukydides und Xenophon sowie die rhetorische Wirkung der "Personaleinheit" zwischen Caesar und dem römischen Volk.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit Thukydides und Xenophon?
Der Vergleich dient dazu, Caesars eigene Darstellungsform im Kontext der antiken Historiographie einzuordnen und zu zeigen, dass seine Entscheidung für die dritte Person eine bewusste, stilisierte Wahl war.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Erzählperspektive", "Prokonsul", "Commentarii" und "objektive Größe" charakterisiert.
Warum verwendet Caesar nicht das Personalpronomen "ego"?
Laut der Arbeit wäre die Verwendung von "ego" (ich) als zu anmaßend empfunden worden, da Caesar nicht als Privatperson, sondern als Vertreter des Staates handelte.
Inwiefern bleibt der Erzähler im "Bellum Gallicum" ein "Schatten"?
Der Erzähler bleibt laut Autor eine philologische Konstruktion ohne greifbare Identität, da Caesar die direkte Vermittlung durch seine eigene Person vermeiden möchte.
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- Anonym (Autor), 2012, Commentarii Belli Gallici. Die erste Person Singularis, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538767