In dieser Arbeit soll der Fokus auf der Bevölkerungsentwicklung Äthiopiens, eines unter vielen subsaharischen "least developed countries", liegen. Dabei sollen wichtige demographische Trends thematisiert und deren ursächliche Hintergründe beleuchtet werden.
Im Hinblick auf entwicklungspolitische Maßnahmen soll herausgestellt werden, wo man in diesem Teufelskreis aus Unterentwicklung und Überbevölkerung ansetzen sollte. Ist die Pille, das heißt bevölkerungspolitische Maßnahmen im weitesten Sinne, die beste Entwicklung? Oder ist Entwicklung, das heißt soziale und ökonomische Entwicklung der Bevölkerung, die beste Pille und damit treibende Kraft im Fertilitätsrückgang?
Leider reicht der Umfang dieser Arbeit jedoch bei weitem nicht aus, um auf eine Vielzahl bevölkerungspolitischer und anderer entwicklungspolitischer Maßnahmen einzugehen. Es sollen hier exemplarische Wege aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Bevölkerungsentwicklung
2.1 Weltweite Bevölkerungsentwicklung im Rückblick und in Zukunft
2.2 Regional unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung
2.3 Bevölkerungsentwicklung Äthiopiens
2.3.1 Bevölkerungszahlen
2.3.2 Regionale Bevölkerungsverteilung
2.3.3 Altersstruktur in Äthiopien
3. Wie entsteht Bevölkerungswachstum?
3.1 Aktueller Trend: Fertilitätsrückgang
3.2 Fertilitätstrends in Äthiopien
3.2.1 Ursachen hoher Fertilitätsraten in Äthiopien
3.2.2 Kinderreichtum als Segen
3.2.3 Der Status der Frau in Äthiopien
3.2.4 Heiratsverhalten
3.3 Auswirkungen des Bevölkerungswachstums
4. Entwicklungspolitische Lösungsansätze
4.1 „Die Pille als beste Entwicklung“?
4.1.1 Staats- und auslandsfinanzierte „Pillen“
4.1.2 Reproductive Health - Maßnahmen in Äthiopien
4.2 „Entwicklung als beste Pille“?
5. Pille oder Entwicklung?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die demografische Entwicklung Äthiopiens und untersucht kritisch das Spannungsfeld zwischen bevölkerungspolitischen Maßnahmen (Verhütung) und sozioökonomischer Entwicklung als Treibkräfte für einen Fertilitätsrückgang.
- Demografische Trends und Bevölkerungswachstum in Äthiopien
- Sozioökonomische Faktoren und Fertilität
- Status der Frau und Heiratsverhalten als Einflussgrößen
- Die Rolle von Familienplanungsprogrammen (Reproductive Health)
- Bildung und wirtschaftliche Entwicklung als Alternative/Ergänzung zur Geburtenkontrolle
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Kinderreichtum als Segen
Religiöse und soziale Wertvorstellungen beeinflussen gerade in den meist sehr von Traditionen geprägten Entwicklungsländern die Bewertung von Kinderreichtum, der dort weithin als Segen verstanden wird. So ist im subsaharischen Afrika eine Frau, die viele Kinder zur Welt gebracht hat, gesellschaftlich höher angesehen als kinderlose Frauen, die gemeinhin gesellschaftlicher Ächtung ausgesetzt waren und teilweise noch sind (vgl. CALDWELL & CALDWELL (1997): 25f). Als göttlicher Segen sind Kinder schicksalsgesandt. Obwohl ein Großteil der afrikanischen Bevölkerung heutzutage dem Christentum oder Islam angehört, sind auch Einflüsse des traditionellen Ahnenglaubens erhalten geblieben. Dieser erfordert die Zeugung möglichst zahlreicher Nachkommen, um verstorbenen Vorfahren Ehre zu erweisen und die eigene Stammlinie zu erhalten. Auch der durch den Sohn durchgeführte Beerdigungsritus, der dem Vater einen Übergang ins Reich seiner Ahnen ermöglichen soll, lässt auf die Wichtigkeit vor allem männlicher Nachkommen schließen (vgl. CALDWELL & CALDWELL (1997): 24). Aufgrund der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit in Äthiopien, die gegenwärtig bei 69 je 1.000 Einwohnern respektive 109 je 1000 Einwohnern (vgl. UNDP (2010): 200) liegt, werden um drohender Kinderlosigkeit zu entgehen, tendenziell mehr Kinder gezeugt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung thematisiert das globale Bevölkerungswachstum und leitet zur spezifischen Fragestellung über, ob bevölkerungspolitische Maßnahmen oder sozioökonomische Entwicklung in Äthiopien effizienter wirken.
2. Bevölkerungsentwicklung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über historische und zukünftige globale Bevölkerungstrends sowie die spezifische demografische Situation und Altersstruktur in Äthiopien.
3. Wie entsteht Bevölkerungswachstum?: Hier werden die theoretischen Grundlagen des natürlichen Bevölkerungswachstums sowie die spezifischen Fertilitätstrends, Ursachen und soziokulturellen Hintergründe in Äthiopien detailliert beleuchtet.
4. Entwicklungspolitische Lösungsansätze: Es werden zwei Strategien gegenübergestellt: zum einen bevölkerungspolitische Ansätze wie Familienplanung und Reproductive Health, zum anderen der Fokus auf Bildung und sozioökonomische Entwicklung.
5. Pille oder Entwicklung?: Das Fazit stellt fest, dass keine der beiden Strategien allein ausreicht und eine ausgewogene Mischung aus Familienplanung und wirtschaftsfördernden Maßnahmen notwendig ist.
Schlüsselwörter
Bevölkerungswachstum, Äthiopien, Fertilitätsrate, Familienplanung, Reproductive Health, Empowerment der Frau, demografische Entwicklung, Entwicklungszusammenarbeit, Kinderreichtum, Bildungsförderung, Kontrazeption, Subsistenzwirtschaft, demografische Dividende, sozioökonomische Entwicklung, Lebensstandard.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der rasanten Bevölkerungsentwicklung in Äthiopien und untersucht, welche Strategien – direkte Geburtenkontrolle oder allgemeine sozioökonomische Entwicklung – am effektivsten dazu beitragen können, das Wachstum zu beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen demografische Analysen, die Rolle der Frau in der Gesellschaft, traditionelle Wertvorstellungen zu Kinderreichtum sowie die Wirksamkeit entwicklungspolitischer Lösungsansätze.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob bevölkerungspolitische Maßnahmen (die "Pille") oder die soziale und ökonomische Entwicklung ("Entwicklung") die treibende Kraft für einen notwendigen Fertilitätsrückgang in Äthiopien darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse, kombiniert mit der Auswertung demografischer Daten und Statistiken internationaler Organisationen wie UNDP, World Bank und des Population Reference Bureau.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die demografischen Trends analysiert, gefolgt von einer Untersuchung der Ursachen hoher Fertilitätsraten (u.a. Bildungsstand der Frau, Heiratsalter) und einer anschließenden Bewertung konkreter entwicklungspolitischer Ansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Bevölkerungswachstum, Fertilitätsrate, Empowerment der Frau, Reproductive Health und Bildung bilden das Kernvokabular der Analyse.
Warum wird in Äthiopien trotz bekannter Verhütungsmethoden oft nicht verhütet?
Obwohl das Wissen um Verhütung hoch ist, verhindern soziale Normen, die Abhängigkeit der Frau vom Ehemann und ein hoher ökonomischer Wert von Kindern oft die tatsächliche Anwendung, wie die Arbeit durch Daten des EDHS belegt.
Welche Rolle spielt die Bildung für das Bevölkerungswachstum in Äthiopien?
Bildung wird als Schlüsselfaktor identifiziert, da sie das Selbstbewusstsein und die Entscheidungsmacht der Frauen stärkt und dadurch oft zu einem bewussteren Umgang mit der Familiengröße führt.
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- Jana Raue (Author), 2011, Bevölkerungsentwicklung in Äthiopien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538829