Die Stellung von Frauen und Mädchen in der indischen Gesellschaft


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einführung

2 Die rechtliche Stellung indischer Frauen

3 Die Rolle der Religion

4 Kinderehen

5 Die Ehe – Mittelpunkt indischen Lebens

6 Witwenelend in Indien

7 Diskriminierung von Mädchen

8 Lösungsansätze zur Besserstellung indischer Frauen

9 Fazit

10 Quellenverzeichnis

1 Einführung

Das Geschlechterverhältnis, welches weltweit durchschnittlich etwa bei 1060 Frauen zu 1000 Männern (vgl. Reifeld (2000): 6) liegt, hat in Indien eine kontinuierliche Verschiebung zu Un-gunsten der Frauen erfahren. Die landesweite Geschlechterverteilung von 972 Frauen je 1000 Männer im Jahre 1901 (vgl. Stang (2002): 85) sank somit hundert Jahre später bis auf lediglich 927 Frauen je 1000 Männer (vgl. Reifeld (2000): 6). Doch weit über das ersichtliche zahlen-mäßige Ungleichgewicht der Geschlechterverteilung und das daraus resultierende Frauen-defizit hinaus, geben diese Zahlen Auskunft über eine geringe Wertschätzung der Frau. Eine Solche äußert sich unter anderem in der Praxis des selektiven Abtreibens weiblicher Föten oder in der systematischen Vernachlässigung junger Mädchen in Bezug auf Ernährung und Gesundheitsvorsorge, die nicht selten in einem frühen Tod resultieren.

Wie Indiens ehemalige Premierministerin Indira Ghandi (1975: 137 in Forbes (1996): 233) be-merkte, handelte es sich bei Frauen nicht nur um “the biggest oppressed minority in the world”, indische Frauen im Speziellen wären „handicapped from birth“ (Forbes (1996): 233).

Die heiligen Schriften des Hinduismus zeichnen auf den ersten Blick jedoch ein anderes Bild. In den Gesetzesbüchern des Manus (Manusmriti) heißt es: “Where women are revered, there the gods rejoice; but where they are not, no rite bears fruit.” (Manu 3.56. in Olivelle (2005): o.S. in Bruhn (2008): 57). Dabei sind in eben diesen religiösen Schriften die frauenfeindlichsten, wenn nicht auch widersprüchlichsten Regeln festgeschrieben, die das Wertesystem der indischen Gesellschaft bis in die Gegenwart beeinflussen und in einer weitverbreiteten Diskriminierung des weiblichen Geschlechts resultieren.

Jedoch ist die Frage nach dem Status der Frauen und Mädchen in der indischen Gesellschaft sehr komplex und von unterschiedlichen Faktoren abhängig, z.B. davon, ob sie Mutter eines Sohnes ist oder als Witwe ihren Mann verlor. Urvashi Butalia, Mitbegründerin des feminis-tischen Verlags Kali for Women, beschreibt Indien als „Land voller Gegensätze […], das in vielen Jahrhunderten gleichzeitig existiert“ (in Ehlers (2007): URL 1) und deutet somit auf die Schwierigkeit hin, bei all jenen regionalen Unterschieden in Bezug auf Kultur und Einflüssen der Moderne eine allgemeingültige Aussage zur Stellung indischer Frauen in der Gesellschaft zu treffen. In dieser Arbeit sollen daher grundlegende Tendenzen verbunden mit gelegent-lichen Verweisen auf Abweichungen ein Gesamtbild zur Lage der indischen Frau zeichnen, welches ob der angesprochen Vielschichtigkeit und Komplexität jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, sehr wohl jedoch einen Überblick ermöglichen soll.

2 Die rechtliche Stellung indischer Frauen

In der indischen Verfassung, die 1950, nach der Unabhängigkeit Indiens in Kraft trat und als eine der fortschrittlichsten weltweit gilt (vgl. Ehlers (2007): URL 1), ist das Recht auf Gleich-stellung aller Menschen, unabhängig von Religions-, Kasten- oder Geschlechtszugehörigkeit, fest verankert. Als fundamentales Recht wird dies bereits in der Präambel equality of status and opportunity festgeschrieben, weiterhin wird diese als „equal protection of the law, equal opportunity in public employment, [prohibition of] discrimination in public places“ (in Forbes (1996): 223) spezifiziert. Um die Gleichstellung der Frauen zu fördern, werden ihnen „fast in allen Lebensbereichen gleiche oder besondere Rechte“ (Reifeld (2000): 9) eingeräumt, wobei dem überarbeiteten und als Hindu-Code in einzelnen Gesetzen zwischen 1950 und 1955 ratifi-zierten Familienrecht besondere Bedeutung zukommt, da es Frauen neue Rechte in Bezug auf u.a. Scheidung und Erbe einräumen (vgl. Ehlers (2007): URL 1). Überdies werden zunehmend mehr explizite Gesetze zum Schutz der Frauenrechte erlassen, in Indien weitaus mehr als in vielen anderen Ländern (vgl. Ehlers (2007): URL 1). Aufgrund der kontinuierlichen Zunahme von Gewalttaten an Frauen, die sich von 2006 bis 2007 beispielsweise auf etwa 12.5 % beläuft (vgl. National Crime Records Bureau (2007): URL 2), erließ man The Protection of Women from Domestic Violence Act im Jahre 2006, welcher die Strafverfolgung häuslicher Gewalt vereinfachen sollte. Auch in Hinsicht auf politische Mitbestimmung garantiert die Verfassung eine Gleichstellung, denn mit Inkrafttreten der Verfassung erhielten indische Frauen das Wahlrecht sogar früher als beispielsweise Frauen in der Schweiz, denen es erst in den 1970er Jahren gewährt wurde (vgl. Ehlers (2007): URL 1). Zudem wurde 1993 eine Quotenregelung durchgesetzt, nach der bei Kommunalwahlen 33% der Sitze in den lokalen Panchayati an Frauen vergeben werden müssen (vgl. Reifeld (2000): 15).

Frauen in Indien können also nicht nur wählen, sie können sich auch zur Wahl stellen, sie waren und sind Ministerinnen, Botschafterinnen und auch Premierministerin (vgl. Forbes (1996): 229). Doch immer noch ist die Mehrheit der indischen Frauen “very far from enjoying the rights and opportunities guaran-teed to them by the Constitution” (Toward Equality (1974): 359 in Forbes 227), was auf eine ernstzunehmende Diskrepanz zwischen zugesicherten Rechten und der in der Realität bean-spruchten Rechte hindeutet. Hinduistische Traditionen wie Witwenverbrennung, weiblicher Infantizidmord, Kinderheirat, Mitgift und die Absprechung eines Erbrechtes für Frauen sind seit langem gesetzlich verboten und dennoch existieren sie weiterhin solange keine „assimilation of the law into the lifestyle of the people“ (Desouza (2007): 283), die einen nachhaltigen sozialen Wandel herbeiführen könnte, stattfindet.

3 Die Rolle der Religion

Religion als übergeordnete Einflussgröße auf die Traditionen einer Gesellschaft nimmt eine übergeordnete Rolle im täglichen Leben der Inder(innen) ein, in dem sie einen Orientierungs-punkt darstellt, an den sich die Menschen wenden können und von dem sie Vorgaben zu Ver-haltensweisen beziehen. Mendonca (1999: 415) weist außerdem darauf hin, dass „religiöse Traditionen […] zum Zwecke der Unterdrückung der Frau [funktionalisiert werden]“, indem die Internalisierung der in den Heiligen Schriften des Hinduismus festgeschriebenen Richt-linien für gesellschaftliche Normen vorangetrieben wird. Mit der Entstehung dieser religiösen Doktrinen wurde auch die Stellung der Frau im Laufe der Zeit unterminiert.

So gilt es als historisch gesichert, dass „an ancient time when women were held of high esteem [was] followed by a long period when their status declined“(Forbes (1996): 1). Dieses auch als “golden age” (Gatwood (1985): 15) bezeichnete Zeitalter der Induskultur, welches auf etwa 2300 bis 1750 v.Chr. (ebd.) datiert werden kann, war vor allem durch annähernde Gleich-stellung in der Bedeutsamkeit beider Geschlechter gekennzeichnet. Obwohl sich die damali-gen Verhältnisse aufgrund fehlender schriftlicher Zeugnisse schwer rekonstruieren lassen, so erlauben die archäologischen Funde von Statuen einer Muttergottheit den Rückschluss auf eine relativ hohe Wertschätzung der Frau und der Verehrung ihrer Fruchtbarkeit („popular fertility cult“ Tyler (1973): 33 in Gatwood (1985): 22). Bildung und Macht- bzw. Herrscher-positionen scheinen sowohl Männern als auch Frauen zugänglich gewesen zu sein. Ebenso vorstellbar war eine Frau auch in einem hohen religiösen Amt wie das des Priesters und be-stimmte Opferrituale waren lediglich von einer Frauenhand durchführbar (vgl. Walker (1968 ): 9 in Bruhn (2008): 12), ihre Rolle in den Ritualen war keine formale, sondern eine, die ihnen die-selben religiösen Privilegien zusprach wie ihren Ehemännern (Altekar (1962): 198 in Gatwood: 34). Hinweise auf eine matriarchalische Gesellschaftsordnung unterstützen weiterhin das Bild einer gleichgestellten, unabhängigen Indusfrau, die selbstbewusst auch von ihrem „right to grumble and protest“ (Upadhayaya (1974): 158 in Gatwood (1985): 32) Gebrauch machte.

Erst seit etwa 1000 v.Chr. (vgl. Altekar: 345 in Bruhn: 12) begann sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft aufgrund der Einflüsse der tausendjährigen Herrschaft der Arier allmählich zu verschlechtern. In dieser neuen stark patriarchalisch geprägten Gesellschaftsordnung fand nicht nur das Kastenwesen seinen Ursprung (vgl. Gatwood (1985): 30), sondern auch der Verlust des weiblichen Einflusses in der politischen und religiösen Sphäre. Diese Abnahme des Status der Frauen im späten Vedischen Zeitalter wird sichtbar anhand der eingebüßten „martial auto-nomy, meaning the right not to marry, to enter love marriages, to participate equally in ritual with one’s husband, and to make economic decisions“ (Gatwood (1985): 38), sowie anhand zu-nehmend mangelnder ehelicher Freiheiten wie Partizipation in der Öffentlichkeit oder Bil-dung (vgl. ebd.). Auch die Rolle der weiblichen Gottheiten wurde stark marginalisiert und ihre Bedeutung fast ausschließlich auf die Position an der Seite ihres Mannes reduziert, was Gatwood (1985: 39) auch als „spousification process in Hinduism“ beschreibt. Da „die Ent-wertung der Frau als Geschlechtswesen und ihre soziale, religiöse und ökonomische Verskla-vung […] am stärksten unter den Brahmanen ausgeprägt [waren]“ (Mies (1986): 17) und diese aufgrund ihrer Kastenzugehörigkeit den größten Einfluss auf die religiösen Schriften des Hinduismus hatten, zeichneten sich sehr bald in den religiösen Verhaltenskodices, den Dharmashastras, ein mysogynische Ansichten ab. Besonders die Manusmriti, die Gesetze des Manu, die einen Komplex aus religiös – sittlichen Normen darstellen, werden in Hinblick auf das darin entworfene höchst degradierende Bild der Frau häufig beispielhaft angeführt. Als Versinnbildlichung des Irdischen, Verderbenbringenden wurde sie diffamiert und als unreines und sündiges Wesen, welches mit seinen erotischen Reizen den Mann davon abhielt spiri-tuelle Reinheit zu erreichen, ausgegrenzt (vgl. Westphal (2006): 39). In den Dharmshastras des Manu als von Natur aus schwach und abhängig charakterisiert, soll sie ihr gesamtes Leben lang von Männern abhängig sein: In der Kindheit vom Vater, in der Jugend vom Ehemann und nach dessen Tod vom Sohn (Manu 5.148 in Bruhn (2008): 43) und somit „she must never seek to live independently”(ebd.). Ihrem Ehemann soll sie laut der heiligen Schrift eine pati-davata (dt.: Ehemann-Gott) sein und auch wenn dieser „aged, infirm, deformed, offen-sive, a drunkard, a gambler“ (Walker (1968): 605 in Bruhn (2008): 40) sei, muss seine Frau ihn immer wie einen Gott verehren (vgl. ebd.) und darf niemals ihren Ärger oder ihre Abneigung gegen ihn zeigen, nicht einmal, wenn er sie schlüge (vgl. Leslie (1989): 273 in Bruhn (2008): 43). Ihrer Unabhängigkeit wird mit dem Verbot eigenen Besitzes, denn sie selbst ist Eigentum ihres Mannes, entgegengewirkt. Untersagt ist ihr ebenfalls die Rezitation der heiligen Schrif-ten, denn „obedient service to [her] husband is the primary religious duty enjoined by sacred tradition for women“ (Leslie (1989):29 in Bruhn (2008): 39). Aus diesen Schriften wurden wiede-rum die unterwürfigsten Alltagsregeln abgeleitet, zu denen z.B. das zeitlich verzögerte Essen der von der Mahlzeit des Mannes übrig gebliebenen Reste oder auch die Regel, als Frau stets mit Abstand hinter seinem Mann auf der Straße zu laufen (vgl. Mendonca (1999): 417) oder während seiner Mensis den Kontakt mit anderen Menschen zu meiden, weil man diesen sonst ein aufwendiges Reinigungsritual zumuten würde. Viele solcher Vorschriften werden an die nächste weibliche Generation weitergegeben, die Diskriminierung perpetuiert sich, und nur durch den Einfluss der Moderne kann die Strenge dieser Regeln eventuell zu gegebener Zeit erweichen.

4 Kinderehen

Auch die muslimischen Invasionen ab dem 12. Jahrhundert n.Chr. sollen zur Degradierung der indischen Frau beigetragen haben, da „child marriage, prohibitions on widow remarriage, seclusion, and restrictions on female education […] as responses to the Muslim threat to women’s safety“ galten (ISR (1927): 56 in Forbes (1996): 16). Die Praxis sogenannter child marri-ages ist heutzutage besonders in nördlichen Bundesstaaten wie Uttar Pradesh und Rajasthan (vgl. Gans (1996): 169) nicht selten anzutreffen. Mädchen werden dabei möglichst vor der Puber-tät, wenn sie noch unbefleckt sind, in einer ersten Zeremonie vermählt, die zweite Hochzeits-zeremonie wird als Vollendung, garbhadhan, mit Geschlechtsreife durchgeführt (vgl. Forbes (1996): 85). Bis dahin verbleibt das Mädchen zumeist noch in ihrer leiblichen Familie und tritt dann als „very young daughter-in-law who [was] not old enough to have become wilful“ (Caldwell et al. 1982: 698 in Gans 1996: 164). Eine Vollstreckung des 1929 erlassenen Child Marriage Restraint Act, der das Mindestheiratsalter für Frauen bis 1978 kontinuierlich bis auf 18 Jahre anhob, fand jedoch nie wirklich statt, da einmal vollzogene Ehen, auch wenn sie sich nicht nach den Altersvorgaben richteten, dennoch vor dem Gesetz anerkannt wurden. Doch auch der daraufhin 2006 ratifizierte Prohibtion of Child Marriage Act zeigt nur begrenzte Wirkung, da viele Familien, anstatt sich gegen Traditionen zu stellen, die Entrichtung einer Geldbuße vorziehen.

5 Die Ehe – Mittelpunkt indischen Lebens

Als von herausragender zentraler Bedeutung im indischen Alltag gilt die Institution der Ehe, die als gesellschaftliche Pflicht der Frauen möglichst früh erfüllt werden sollte, da eine Frau ohne Ehemann als ein Niemand gilt, der keinen Lebenszweck zu erfüllen hat. Die frühe Verheiratung der Töchter als Vermeidung der Ehrverletzung der Familie wird in der Regel von Familienangehörigen arrangiert und richtet sich zumeist auch in heutiger Zeit noch nach der Kastenzugehörigkeit des Bräutigams. Obwohl es mittlerweile, besonders in der wohlha-benderen Mittel- und Oberschicht der Städte, einer Tochter auch erlaubt ist, einen für sie aus-gesuchten Heiratskandidaten abzulehnen, ist dies für den Großteil indischer Frauen meist weiterhin undenkbar. Diese jungen Frauen, die die von ihren Eltern zu entrichtende Mitgift als ungeheure Belastung der Familie verstehen, fühlen sich verpflichtet dazu, den ausgesuchten Mann anzunehmen und alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, damit die Ehe erfolg-reich verläuft. Obwohl die Forderung einer Mitgift, die als eines der größten Übel der indisch-en Gesellschaft und als eine der Ursachen für die Diskriminierung gegen Frauen gesehen wer-den kann, seit 1961 durch den Dowry Prohibition Act gesetzlich untersagt ist, existiert diese Praxis offiziell weiterhin als Austausch von Geschenken. Da es im Hinblick auf die vorherr-schenden gesellschaftlichen Normen als nahezu unvorstellbar erscheint, dass die Familie der Braut sich auf das geltende Recht beriefe und eine Mitgiftzahlung verweigerte (vgl. Reifeld (2000): 8), stellt Michaels (2004: 119 in Bruhn (2008): 32) fest, dass „legal attempts to stem the giving and taking of dowries have so far been unsuccessful”. Bei der Verheiratung einer Tochter und deren Umzug in den schwiegerelterlichen Haushalt verliert ihre Herkunftsfamilie somit nicht nur ein Mitglied der Familie und dessen Arbeitskraft, sondern auch ungeheure Summen an Geld, für deren Aufbringung nicht selten eine lebenslängliche Verschuldung bei privaten Geldverleihern notwendig ist. Zu früheren Zeiten jedoch sollte die zumeist aus wertvollem Schmuck bestehende Mitgift nicht nur als materielle Absicherung und somit der Ermöglichung einer gewissen Autonomie der Tochter in ihrem neuen Haushalt dienen, sondern sollte sie auch als „pre-mortem inheritance“ (Sutherland (1990): 86 in Bruhn (2008): 32) eine Entschädigung für ihr nicht vorhandenes Erbrecht darstellen. Im Kontrast dazu gilt die Ehe in heutiger Zeit als eine „wirtschaftliche Transaktion zwischen zwei Familien“ (Ehlers (2007): URL 1), aus der jedoch ausschließlich die Familie des Bräutigams von den reichen Ga-ben, die von Motorrädern über Fernseher bis hin zu sogar Autos reichen, profitiert. In einer kapitalistischen, materialistischen Moderne bedeutet Mitgift für sie „an instrument of status climbing“ (Bruhn (2008): 121). Weitere Mitgiftforderungen werden nicht selten noch zusätzlich nach der Hochzeit gestellt und eine Braut „whose […] dowry are inadequate by the standards of her mother-in-law and her sisters-in-law is penalised, and maltreated, and her relationship with her husband is seriously affected thereby” (Derret (1984): 183 in Bruhn (2008): 32). Diese Misshandlungen können jedoch auch in einem der jährlich 6000 angezeigten Mitgiftmorden (Ehlers (2007): URL 1) enden und dem Ehemann eine mitgiftträchtige Wiederheirat ermög-lichen. Die Dunkelziffer dieser Verbrechen, die weitaus höher geschätzt wird, und die stei-gende Tendenz der Vorfälle hat das Dowry Death Law von 1986 auf den Weg gebracht, nach dem bei Todesfall einer seit sieben oder weniger Jahren verheirateten Frau eine besondere Prüfung ihrer Todesumstände gefordert werden kann, um einen oft als Unfall oder Selbstmord kaschierten Mitgiftmord auszuschließen. Allein in Karnataka soll es indes mehr als 3000 An-zeigen auf Mitgiftmord geben, bei denen es nie zu einer Verurteilung gekommen ist. Seit 1979 habe man keinen einzigen Fall behandelt, gab die Tageszeitung Asian Age im Mai 2000 bekannt (vgl. Voykowitsch (2000): 74) und machte ein weiteres Mal auf die gegenwärtige Dis-krepanz von Rechtslage und Rechtsausführung der zuständigen Institutionen und sozialen Normen aufmerksam. Auch hat die indische Frau ein Recht auf Scheidung, doch wird ihr das Scheitern ihrer Ehe von der Gesellschaft als persönliches Versagen ausgelegt, woraufhin nicht nur sie selbst zur Ausgestoßenen wird, sondern Schande über ihre gesamte Familie bringt.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Stellung von Frauen und Mädchen in der indischen Gesellschaft
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Geographie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V538832
ISBN (eBook)
9783346153654
ISBN (Buch)
9783346153661
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indien, Mitgiftmord, Mädcheninfantizid, Kinderehe, Inderinnen, Gleichstellung, Empowerment, gesellschaftliche Traditionen, Südostasien, Gleichberechtigung, Geschlechterdiskriminierung, Diskriminierung, Unterdrückung, Frauendefizit
Arbeit zitieren
Jana Raue (Autor:in), 2010, Die Stellung von Frauen und Mädchen in der indischen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538832

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