Polarisierung von Meinungen durch computervermittelte Kommunikation?


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Computervermittelte Kommunikation (CvK)
2.1 Reduzierte Hinweisreize
2.2 Weitere Grundannahmen der CvK
2.3 Das Hyperpersonal Model
2.4 Anonymität im Netz
2.5 SIDE Model

3 Medien und Journalismus
3.1 Third Person Effect
3.2 Sleeper Effect

4 Die Filterblase

5 Fazit

III Literaturverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Aggregatoren sind universelle Filter der personalisierten Umweltwahrnehmung. (…) Aggregatoren stellen sicher, dass Nutzer möglichst nur mit Personen, Akteuren und aktuellen Inhalten Kontakt haben, für die sie sich interessieren und mit denen sie in enger Beziehung stehen. Gesellschaftsrelevanz ist dabei kein Kriterium. Alle anderen Inhalte werden aus dem Newsfeed oder dem ‚Gesichtsfeld‘ der Nutzer ferngehalten. Sie geraten in Filterblasen, die ihre Interessen dauerhaft reproduzieren.“ (Schweiger, 2017, S. 93)

Durch die Digitalisierung verändert sich die Art und Weise wie Menschen miteinander kommunizieren. Die Kommunikation über den Computer unterliegt eigenen Regeln (Döring, 2003). Dadurch kommt es auch zu einer Veränderung wie Informationen wahrgenommen und bewertet werden und wie die Bewertung der Nachrichten und des Journalismus erfolgt (Schweiger, 2017). Aber auch soziale Gefüge funktionieren anders über die neuen Wege der Kommunikation (Döring, 2003).

Diese Arbeit befasst sich mit der Frage: "Inwieweit trägt Computervermittelte Kommunikation zu einer Polarisierung von Meinungen bei?“

Zunächst werden zentralen Elemente der Computervermittelten Kommunikation vorgestellt. Es werden Probleme und Chancen dieser Art zu kommunizieren verdeutlicht. Anschließend wird aufgezeigt, welchen Effekt Anonymität innerhalb von Gruppen im Internet auf die Meinungsbildung hat und dies mit dem schwindenden Vertrauen in Nachrichten und den Journalismus verbunden. Zum Schluss wird der Effekt der Filterblase dargestellt und in einem Fazit das Thema nochmal in einen Gesamtzusammenhang gesetzt.

In der vorliegenden Arbeit wird durchgängig die männliche Form genutzt. Im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes sind diese Bezeichnungen jedoch geschlechtsunspezifisch zu betrachten.

2 Computervermittelte Kommunikation (CvK)

Um die Veränderung der Wahrnehmung von Medien und Meinungen durch die Digitalisierung verstehen zu können, müssen zunächst die Grundregeln Computervermittelter Kommunikation beschrieben werden. Die Computervermittelte Kommunikation (CvK) ist jede Art der Informationsweitergabe zwischen zwei oder mehr Menschen mithilfe von Computern. Gegenstand der Forschung in diesem Bereich sind das Verhalten, die Interaktion, die Reaktionen und das Erleben der Kommunikationspartner. Eine beispielhafte Fragestellung könnte sich darum drehen, ob introvertierte Menschen im Chat leichter mit anderen in einen kommunikativen Austausch kommen, als in der Realität mit jemanden ein echtes Gespräch zu beginnen. In der CvK finden sich Teile aus verschiedenen Wissenschaften wieder. Nicht nur die Psychologie, sondern auch Pädagogik, Kommunikationswissenschaft, Informatik und Ingenieurswissenschaft haben Überschneidungen mit der CvK (Trepte & Reinecke, 2012).

2.1 Reduzierte Hinweisreize

In der CvK wird generell von der Filtertheorie der Computervermittelten Kommunikation ausgegangen. Je nach Art der CvK entfallen Hinweisreize wie Mimik oder Gestik des Gegenübers, die es in der herkömmlichen Face-to-Face Kommunikation gegeben hätte (Döring, 2008a). Es kann nicht mehr erkannt werden, ob der Gesprächspartner beispielsweise erbleicht oder rot wird. Alle kleinen Details, die Menschen zur Gesamteinschätzung heranziehen, entfallen. Bei zeitversetzten Kommunikationswegen können Teilnehmer sehr lange an einer Antwort arbeiten, die dann trotzdem wie schnell hingeschrieben wirkt. Bei einem normalen Face-to-Face Gespräch würde so etwas sofort auffallen. Das muss allerdings nicht immer nachteilig sein. Ein Mensch, der sehr große Schwierigkeiten im Umgang mit anderen im echten Leben hat, weil er nie die richtigen Worte findet, kann das zu seinem Vorteil nutzen. In einem Forum kann diese Person lange überlegen, bevor sie eine Antwort verfasst (Trepte & Reinecke, 2012). Vorrangig widmet sich die CvK Forschung immer dem Vergleich zur herkömmlichen Face-to-Face Kommunikation. Es gibt keine andere Kommunikationsweise, die zum Vergleich herangezogen werden könnte. Dieses Problem wird als das Unterschiedsparadigma der CvK bezeichnet (Kiesler, Siegel, & McGuire, 1984).

2.2 Weitere Grundannahmen der CvK

Nicht nur die Hinweisreize durch Mimik und Gestik entfallen in der CvK, auch die Informationen über den sozialen Kontext. Diese als Lack of Social Context Cues bezeichnete Grundannahme stellt eine Weiterführung der Gedanken der reduzierten Hinweisreize dar (Kiesler, Siegel, & McGuire, 1984). In einem organisatorischen Umfeld, wie beispielsweise in einem IT-Projekt, gehen Individualität und Normativität verloren, wenn sich die Teammitglieder vorher nie begegnet sind. Es beginnt eine E-Mail Konversation, bei der die Teammitglieder nicht wissen wie alt und erfahren ihre Arbeitspartner sind. Dadurch könnte es vorkommen, dass junge unerfahrene Mitarbeiter mit Fachwörtern konfrontiert werden, die sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrung und ihres Alters nicht kennen können. Andersherum kann dieser Sachverhalt aber auch dafür sorgen, dass die Teammitglieder sich gegenseitig ausschließlich anhand der Qualität der erbrachten Gesprächsbeiträge und Leistungen beurteilen (Trepte & Reinecke, 2012).

Die Übergänge zwischen realer und virtueller Kommunikation können dabei durchaus fließend sein. Neuere Forschungsansätze ziehen in Betracht, dass auf einen anfänglich rein virtuellen Austausch auch ein reales Treffen folgen kann (Döring, 2010). Auch gibt es nicht nur Kommunikation zwischen Gesprächspartnern, die sich gegenseitig nicht kennen. Es wird davon ausgegangen, dass Personen, die sich regelmäßig real sehen ein anderes Verhältnis zu der CvK untereinander haben. Die Informativität des Mediums wird dadurch bestimmt, wie gut die Nutzer das Medium und sich gegenseitig kennen (Carlson & Zmud, 1994). Desto kompetenter also mit einem Medium umgegangen wird, desto reichhaltiger werden die Information sein, die daraus gezogen werden können. Medien, die medial reichhaltig sind, können die Wahrscheinlichkeit auf Mehrdeutigkeit, Unsicherheit und Missverständnisse geringer halten. Wenn die aufgewendete Zeit für einen kommunikativen Austausch so gering wie möglich und dabei die Informationsdichte so hoch wie möglich ist, ist das Medium besonders medial reichhaltig (Daft & Lengel, 1986). Dies wird im Media-Richness-Ansatz thematisiert, bei dem die Autoren beurteilen, ob das Medium eine individuelle Ansprache erlaubt, die Möglichkeit offen lässt sich in natürlicher Sprache auszudrücken, wie wahrscheinlich es ist direkt eine Antwort zu bekommen und wie viele Hinweisreize gegeben sind. Moderne Instant Messenger oder Videotelefonie dürften nach diesem Modell ein recht reichhaltiges Ergebnis erzielen. Eine E-Mail hingegen ein eher geringes (Trepte & Reinecke, 2012).

Allerdings kompensieren Menschen diese fehlenden Hinweisreize oft auch schon von selbst. Neuere Studien zeigen, dass bei einer Kommunikation untereinander, Menschen kompensatorisch die fehlenden Reize ersetzen können. Im Chat können Smileys, bei Voice over IP die Stimmlage Auskunft über Emotionen geben. Dies sorgt dafür, dass objektiv gering reichhaltige Medien in echt doch besser ausfallen, als vorher gedacht. Einfach nur, weil sich die User auf die Art der Kommunikation einstellen (Trepte & Reinecke, 2012).

2.3 Das Hyperpersonal Model

Wenn ein Sender in seiner Selbstdarstellung und der Empfänger mit seiner Art diese Selbstdarstellung selektiv wahrzunehmen in eine Wechselbeziehung treten, wird dies Hyperpsersonal Model genannt (Trepte & Reinecke, 2012).

Jede Aussage über die eigene Person, die nicht öffentlich bekannt ist, ist eine Selbstoffenbahrung. Durch die fehlenden Hinweisreize der virtuellen Kommunikation ist es einfacher ein bestimmtes Bild über die eigene Person zu suggerieren. Beim Schreiben können Dinge nachgeschlagen werden; es kann sich Zeit gelassen werden. Es entsteht ein nur bruchstückhafter Eindruck einer Person. Teilweise hat dieser auch nichts mehr mit der echten Person zu tun (Trepte & Reinecke, 2012). Trifft eine solche Aussage online auf einen Rezipienten, so wird er diese ebenfalls selektiv wahrnehmen. Sobald der Rezipient dann die Botschaft beantwortet, es also zu einer zweiseitigen Kommunikation kommt, wird die Beziehung hyperpersönlich. Die beiden Gesprächspartner kommunizieren mit einem hochstilisierten und dadurch simplifizierten Abbild der eigentlichen Person. Letztendlich ist es auch egal, ob der Sender anfangs die Absicht hatte die Wahrnehmung des Empfängers manipulieren zu wollen, alleine durch die bloße Benutzung von CvK wird die Botschaft so verändert, dass es zu einer selektiven Repräsentation des Senders kommt (Döring, 2003).

Ein Beispiel für eine solche hyperpersönliche Beziehung wäre ein Austausch über die Facebook Kommentare über ein politisches Thema. Der erste Nutzer, der seinen Kommentar hinterlässt, wird beim zweiten Nutzer einen gewissen Eindruck erzeugen; durch seine Wortwahl, durch seine Argumente und durch seine Positionierung in der Diskussion. Eventuell wird das Profilbild weitere Informationen über den ersten Nutzer bereithalten. Es entsteht ein einseitiges Bild, welches der zweite Nutzer nun selektiv wahrnimmt. Er kann in diesem Moment den Kommentar gut und das Bild als sympathisch empfinden, es kann aber auch sein, dass er genau das Gegenteil empfindet. Das Ganze kann natürlich nur solange funktionieren, wie sich die beiden Nutzer nicht im realen Leben begegnen. Dort wäre der Informationsaustausch aufgrund mehrfacher Hinweisreize deutlich komplexer. Würde der zweite Nutzer nun auf den Kommentar antworten und es würde eine hitzige Diskussion entstehen, schließt sich der Kreis. Beide Nutzer sehen sich als Feinde und projizieren in den jeweils anderen die eigenen Befürchtungen und Ahnungen (Döring, 2003).

2.4 Anonymität im Netz

Jeder Nutzer im Internet kann zu einem gewissen Grad selbst entscheiden als wen er sich ausgeben möchte. Ob er gewisse Aspekte seiner Persönlichkeit ausblendet, ein Pseudonym verwendet oder ganz anonym bleibt, kann er von Mal zu Mal selbst wählen (Döring, 2010).

Komplett anonym bleibt, wer gar nicht unterzeichnet oder einen Namen nur einmal verwendet und dann nie wieder. Die wahre Identität bleibt unerkannt und die Verfolgung von Posts im Internet wird unmöglich. Es zeichnet sich ab, dass anonyme Botschaften im Internet die Tendenz haben, von anderen Nutzern ignoriert zu werden. Wenn unter falschem Namen oder im Deckmantel der Anonymität provozierende oder beleidigende Bemerkungen gemacht werden, nimmt diese Tendenz noch stärker zu (Döring, 2010).

Wenn ein Internet Nutzer zwar seine echte Persönlichkeit nicht preisgeben möchte, aber trotzdem wiedererkannt werden will, wählt er ein Pseudonym. Mit einem Pseudonym ist es möglich nachzuverfolgen, welche Posts von derselben Person geschrieben wurden. Allerdings bleibt die echte Identität verschleiert. Pseudonyme gewinnen online an Glaubwürdigkeit, wenn sie lange und intensiv aktiv bleiben und dabei stringent dieselben Werte vertreten. Der Internet Nutzer versucht also nicht primär über Identität zu täuschen, sondern versucht sie nur zu schützen. Der Nutzer kann Freunden und Bekannten von seinem Pseudonym erzählen. Wie mit einem geheimen Passwort, können sie nun den Nutzer im Internet aufsuchen und seine Posts lesen. Für die anderen Nutzer im Internet bleibt seine wahre Identität aber weiterhin verborgen (Döring, 2010).

Pseudonyme werden manchmal auch genutzt, um im Internet Persönlichkeitseigenschaften auszuleben, die im realen Leben als heikel gelten. Manchmal sind auch gewisse Eigenschaften im persönlichen Umfeld unpassend. Das Pseudonym kann so eine Art alternatives Ich werden (Döring, 2010).

Auf Seiten von sozialen oder beruflichen Netzwerken stellen sich Nutzer meist identifizierbar mit echten Informationen dar. Damit sie von Freunden und Bekannten aus dem echten Leben gefunden werden können, listen sie persönliche Informationen über sich auf (Ellison, Steinfield, & Lampe, 2007).

Manchmal dient so ein Online Profil nicht nur dem Zwecke, von Personen aus dem echten Leben gefunden zu werden, sondern auch der Repräsentation. Beispielsweise bei Journalisten und Musikern gilt es als positiv sich und seine Arbeit im Internet zu präsentieren. Ein verfolgbarer Lebenslauf und der Nachweis der eigenen Projekte werden teilweise sogar vorausgesetzt (Döring, 2010).

2.5 SIDE Model

Im Social Model of De-Individuation Effects wird zwischen personaler und sozialer Identität eines Individuums unterschieden (Döring, 2008b). Das Modell soll eine Vorhersage ermöglichen, wie sich Menschen verhalten, wenn sie jeweils anonym oder identifizierbar mit anderen kommunizieren. Im Rahmen des Modells gibt es zwei determinierende Parameter. Erstens ob die personale oder soziale Identität salient ist und zweitens, ob die Person identifizierbar ist oder anonym. Wenn die soziale Identität einer Person salient, also bewusstgemacht ist, handelt die Person aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit im sozialen Gefüge. Solche Gruppen können Hautfarbe, Geschlecht oder Augenfarbe sein. Es wird die eigene Gruppe homogenisiert betrachtet. Wer In-Group ist, wird übermäßig ähnlich wahrgenommen. Andersherum verhält es sich mit allen anderen Gruppen. Menschen, die als Out-Group wahrgenommen werden, werden ebenfalls stereotypisiert (Trepte & Reinecke, 2012).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Polarisierung von Meinungen durch computervermittelte Kommunikation?
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg  (Fachbereich Wirtschaft & Medien)
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V538858
ISBN (eBook)
9783346149640
ISBN (Buch)
9783346149657
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reduzierte Hinweisreize, Hyperpersonal Model, Anonymität im Netz, SIDE Model, Third Person Effect, Sleeper Effect, Filterblase, Computervermittelte Kommunikation, CvK, Polarisierung, Verstärkung, Meinungen, Internet, öffentliche Medien, Face-to-Face, Unterschiedsparadigma
Arbeit zitieren
Lennard A. E. Kohn (Autor), 2017, Polarisierung von Meinungen durch computervermittelte Kommunikation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538858

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