Einflussfaktoren auf die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen


Seminararbeit, 2019
16 Seiten, Note: 2,3
Lukas Sieverding (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Wachsende Relevanz der Nachhaltigkeitsberichterstattung

2. Methodik zur Analyse der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung
2.1 Inhaltsanalyse
2.1 Stichprobenauswahl

3. Hypothesenentwicklung

4. Aktueller Stand der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland
4.1 Deskriptive Statistik
4.2 Multiple Regressionsanalyse

5. Diskussion und Würdigung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Wachsende Relevanz der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Während Wissenschaftler in ökologisch verantwortungsvoll wirtschaftenden Unternehmen die einzige Möglichkeit sehen, die Erderwärmung zu regulieren, glauben Shareholder an Überrenditen durch Green Investing: Spätestens zur Jahrtausendwende erreichte das Thema Nachhaltigkeit in Folge menschlich verursachter, globaler Umweltkatastrophen und eines wachsenden Bewusstseins über die Auswirkungen des Klimawandels die deutschen Großunternehmen.1 Um den gesellschaftlichen Interessen gerecht zu werden, ist nach EU- Verordnung 2014/95/EU seit 2017 jedes große börsennotierte Unternehmen der Europäischen Union mit mehr als 500 Beschäftigten verpflichtet, einen sogenannten nicht-finanziellen Bericht zu veröffentlichen, der bestimmte Informationen zum jeweiligen ethischen, sozialen und ökologischen Wirtschaften enthält.2

Während einige Unternehmen längst aufwendige Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen und deren Wert für das eigene Renommee erkannt haben, ist dies für andere Neuland. So veröffentlichten im Jahr 2019 beispielsweise 71% der M-DAX-Unternehmen einen gesonderten Nachhaltigkeitsbericht; 12% publizierten ausschließlich die nicht-finanzielle Erklärung, deren Bekanntmachung ihnen nach deutschem Recht in § 315b HGB als Umsetzung der neuen EU-Verordnung vorgeschrieben wird.

Es scheint also durchaus unterschiedliche Auffassungen über die Relevanz von Nachhaltigkeitsberichterstattung zu geben. Diese Projektarbeit hat das Ziel mithilfe einer multiplen Regressionsanalyse zu untersuchen, von welchen Einflussfaktoren die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen abhängen könnte.

2. Methodik zur Analyse der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung

In Kapitel 2 soll erörtert werden, wie die Seminararbeit im Allgemeinen aufgebaut ist, um das formulierte Ziel zu erreichen. In Kapitel 2.1 und 2.2 werden Basisstrukturen der Messung erläutert: Kapitel 2.1 soll einen Einblick darüber geben, wie die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen gemessen werden soll. Kapitel 2.2 erörtert, wie sich die für die Analyse verwendete Stichprobe genau zusammensetzt.

Anschließend gilt es zu untersuchen, welche Determinanten die nun definierte Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen beeinflussen könnten. Diese werden in Kapitel 3 hergeleitet und ergeben zusammen mit einem sogenannten Störterm die Regressionsgleichung. Es werden allgemeine, bestenfalls statistisch signifikante Muster gesucht, von denen die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung abhängen könnte.

In einer multiplen Regressionsanalyse wird in Kapitel 4 daraufhin untersucht, inwieweit Abhängigkeiten zwischen den hergeleiteten Determinanten und der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung bestehen und, ob diese durch ihre statistische Signifikanz möglicherweise Rückschlüsse auf die Gesamtpopulation zulassen. Im letzten Kapitel 5 werden die Ergebnisse kritisch hinterfragt und gewürdigt.

2.1 Inhaltsanalyse

Um die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen messen zu können, ist eine Inhaltsanalyse erforderlich.3 Es ist zu bestimmen, welche Berichtsinhalte von Unternehmen als Nachhaltigkeitsberichterstattung ausgelegt werden können. Hierzu zählen folgende drei Berichtsformen, welche dementsprechend in die Analyse mit einbezogen werden: Gesonderte Nachhaltigkeitsberichte, im Geschäftsbericht integrierte Nachhaltigkeitsberichte sowie nicht-finanzielle Erklärungen.4

Zunächst wird zur Ermittlung der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung des jeweiligen Unternehmens der am meisten spezifizierte, publizierte Bericht über Nachhaltigkeit herangezogen. Sofern ein Unternehmen also sowohl im Geschäftsbericht als auch in einem gesonderten Nachhaltigkeitsbericht über ethische, soziale oder ökologische Themen berichtet, wird nur letzterer herangezogen, da die im Geschäftsbericht enthaltenen Informationen einer Zusammenfassung der ausführlichen Informationen des gesonderten Nachhaltigkeitsberichtes dienen.

Des Weiteren werden vorrangig Berichte über jene Geschäftsjahre berücksichtigt, die im Jahr 2018 abgeschlossen wurden. Wenn jedoch für das Geschäftsjahr, welches im Jahr 2017 abgeschlossen wurde, ein gesonderter Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht wurde und für das in 2018 abgeschlossene Geschäftsjahr bisher ausschließlich eine nicht-finanzielle Erklärung erschien, wird der gesonderte Nachhaltigkeitsbericht für das in 2017 abgeschlossene Geschäftsjahr verwendet, da davon auszugehen ist, dass auch für das nächste Geschäftsjahr noch ein gesonderter Nachhaltigkeitsbericht erscheinen wird und man dem Unternehmen ansonsten nicht gerecht würde.

Um letztlich die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu messen, werden die Wörter der Berichte gezählt. Dies sichert eine hohe Präzision und ist weniger manipulierbar als beispielsweise das Zählen der Seiten.5 Es werden ausnahmslos alle Wörter der jeweiligen Berichterstattung mit einbezogen, um eine einheitliche Messung zu gewährleisten.

2.2 Stichprobenauswahl

In Kapitel 2.2 soll die theoretische Zusammensetzung der Stichprobe erläutert werden: Die untersuchte Stichprobe beinhaltet die Mitglieder des M-DAX‘. Dieser beinhaltet ca. 1/3 Industrieunternehmen und repräsentiert damit die mittelständisch sowie industriell geprägte deutsche Wirtschaft besser als andere Indizes, wie beispielsweise der DAX-30, der ca. i3% Industrieunternehmen enthält und ohnehin eine Nachhaltigkeitsberichterstattung von sehr hoher Quantität liefert, da er im absoluten Fokus der Öffentlichkeit steht.6

Jedoch können nicht alle M-DAX-Unternehmen für die Analyse berücksichtigt werden. So werden Unternehmen, die ausschließlich auf ihrer Internetpräsenz über nachhaltige Tätigkeiten berichten, ebenso wenig berücksichtigt wie Unternehmen, deren Nachhaltigkeitsberichterstattung in die Publikationen der Muttergesellschaften integriert wird. Eine klare Trennung relevanter und nicht relevanter Inhalte würde in diesen Fällen erschwert.

Des Weiteren werden keine englischen Berichte berücksichtigt, da sprachliche Unterschiede die Messung verzerrten. Englische Texte sind im Durchschnitt i5-20% kürzer als ihre deutschen Übersetzungen.7 Ebenso werden Unternehmen, zu denen keine Informationen zu den unabhängigen Variablen des Modells zu finden sind, nicht mit in die Analyse einbezogen.

Konkret setzt sich die Stichprobe wie folgt zusammen: Von den 60 M-DAX-Unternehmen berichten sieben nur in englischer Sprache, zwei Unternehmen berichten ausschließlich auf ihrer Internetpräsenz über ihre nachhaltigen Aktivitäten. Des Weiteren wird die Nachhaltigkeitsberichterstattung eines Unternehmens in den Konzernbericht der Muttergesellschaft integriert. Außerdem sind zu i3 Unternehmen keine Informationen zu einzelnen unabhängigen Variablen zu finden. Somit ergibt sich schlussendlich eine Stichprobengröße von n = 37.

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Ausprägungen der unabhängigen Variablen der Stichprobe:

Tabelle 1: Eigenschaften der unabhängigen Variablen des Modells, n = 37

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beachtlich ist, dass die Spanne der Mitarbeiterzahl von 5 bis 152.426 reicht. Im Mittel beschäftigen die Unternehmen der Stichprobe 16.866 Mitarbeiter. Ebenso bemerkenswert sind die Unterschiede beim CO2-Ausstoß. Während einige Unternehmen nur wenige Tausend Tonnen CO2 ausstoßen, sind andere für mehrere Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Ebenfalls groß sind die Differenzen beim EBIT der Unternehmen. Dieser erstreckt sich von -190 bis 2.828 Millionen Euro. Im Mittel erwirtschaften die Unternehmen einen EBIT von 605 Millionen Euro.

3. Hypothesenentwicklung

Nachdem in den Kapiteln 1 und 2 die Motivation und Zielsetzung, die Methodik sowie die Zusammensetzung der Stichprobe erläutert wurde, soll in Kapitel 3 die Herleitung der Regressionsgleichung erfolgen.

Zunächst liegt es nahe, dass Unternehmen, die eine gewisse Größe erreicht haben, mehr Berührungspunkte mit sozialen, ökologischen und ethischen Themen haben. So steigt mit der Mitarbeiterzahl auch die Anzahl der Betriebsratsmitglieder, die sich mit Mitarbeiterbelangen beschäftigen, welche wiederum öffentlich kommuniziert werden können.8 Andererseits gibt es Unternehmen, wie die Deutsche Euroshop, mit nur wenigen Mitarbeitern, in denen ebendiese Berichterstattung wenig zielführend wäre.Des Weiteren steigt mit der Mitarbeiterzahl auch der Flächenbedarf, der wiederum ökologische Folgen mit sich bringen könnte. Auch diese und deren Ausgleichsmaßnahmen des Unternehmens sind mögliche Themen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Außerdem könnte das öffentliche Interesse mit steigender Unternehmensgröße steigen. Auf den Punkt gebracht: Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr hat es zu berichten, weshalb die erste Nullhypothese wie folgt lautet:

H1: Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße und der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Ebenso ist anzunehmen, dass vor allem Unternehmen, die die nötigen finanziellen Ressourcen zur Verfügung haben, mehr Geld in nachhaltige Berichterstattung investieren als Unternehmen, die rote Zahlen schreiben. Zunächst hat ein Unternehmen sein Kerngeschäft und dessen Belegschaft zu sichern, bevor es Investitionen ins Ansehen tätigt. Da Nachhaltigkeitsberichte hauptsächlich Werbung für Kapitalgeber darstellen, liegt die Hypothese nah, dass vor allem Unternehmen mit steigendem Gewinn mehr über Nachhaltigkeit berichten.9 Somit lautet die zweite Nullhypothese folgendermaßen:

H2: Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Höhe des Gewinns/Verlusts und der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Ebenso entscheidend für die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung eines Unternehmens könnte die Menge der Treibhausgasemissionen sein, die es ausstößt. Produzierende Industrieunternehmen mit hohem CO2-Ausstoß könnten mehr Gegenmaßnahmen einleiten als Dienstleistungsunternehmen, deren Ausstoß von Treibhausgas gegen Null geht. Entsprechende Ausgleichsmaßnahmen schaffen berichtsfähige Inhalte. Ebenso wird das Interesse der Shareholder an nachhaltiger Berichterstattung durch erhöhten CO2-Ausstoß verstärkt. Somit kommt man zur Hypothese, dass Unternehmen mit steigendem CO2-Ausstoß eine erhöhte Nachhaltigkeitsberichterstattung vorweisen, weshalb die dritte Nullhypothese wie folgt lautet:

H3: Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Menge der Treibhausgasemissionen und der Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Ebenso gibt es heute diverse Leitlinien, an denen sich Unternehmen orientieren können, um eine Vergleichbarkeit zwischen der Nachhaltigkeitsberichterstattung verschiedener Unternehmen zu gewährleisten. Diese sollen die Behandlung relevanter Nachhaltigkeitsthemen innerhalb der Berichterstattung garantieren.10 Das verbreitetste Rahmenwerk stammt von der 1997 von einem UN-Umweltprogramm gegründeten Global Reporting Initiative (GRI).11 Deren Richtlinien haben sich in Deutschland 2018 beispielsweise alle M-DAX-Unternehmen angeschlossen, die ein Rahmenwerk verwenden und die neue EU-Verordnung zur nicht­finanziellen Berichtspflicht bereits umgesetzt hatten.12 Unterschiede in der Quantität der Berichterstattung könnten folglich daraus resultieren, ob mit den GRI-Standards ein Rahmenwerk angewandt wurde oder nicht, da die aufgegriffenen Themen abweichen und zudem unterschiedlich detailliert behandelt werden könnten. Da jedoch in der Stichprobe alle Unternehmen entweder kein Rahmenwerk oder die GRI-Standards verwenden und sich somit mit der Entscheidung für oder gegen ein Rahmenwerk bereits für viel oder wenig Nachhaltigkeitsberichterstattung entscheiden, ist dies keine Determinante, die in die Regressionsgleichung dieser Seminararbeit gehört.

Somit werden im Regressionsmodell dieser Seminararbeit folgende Variablen verwendet:

Tabelle 2: Definition der Variablen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insgesamt ergibt sich somit die folgende Regressionsgleichung, die nun für unsere Stichprobe getestet wird.

Formel 1: Hergeleitete Regressionsgleichung des Modells

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Augustine, S., Die Generation Y und Integrated Reporting, 2018, S.36-38.

2 Vgl . EUR-Lex, Richtlinie 2014/95/EU des europäischen Parlaments und des Rates, 2014, o.S.

3 Vgl. Krippendorf, Content Analysis, 2004, S.18.

4 Vgl. Kirchhoff, BDO, Nachhaltig gut berichten!, 2018, S.5.

5 Vgl. Milne und Adler, Exploring the Reliability of Social and Environmental Disclosures Content Analysis, 1999, S.243.

6 Vgl. Börse.de, Entwicklung DAX-Branchen, 2019, o.S.; Wallstreet Online, Indexzusammensetzung des M­DAX, 2019, o.S.

7 Vgl. Leginda, Übersetzungen & die Textlänge, 2019, o.S.

8 Vgl. Betriebsverfassungsgesetz, § 9 Zahl der Betriebsratsmitglieder, 2019, o.S.

9 Vgl. Herzig, C., Schaltegger, S., Nachhaltigkeit in der Unternehmensberichterstattung, 2003, S.4.

10 Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit, Global Reporting Initiative, 2019, o.S.

11 Vgl. Deloitte, Global Reporting Initiative, 2019, o.S.

12 Vgl. Kirchhoff, BDO, Nachhaltig gut berichten!, 20i8, S.6-7.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Einflussfaktoren auf die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V538994
ISBN (eBook)
9783346138071
ISBN (Buch)
9783346138088
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, M-Dax, Analyse, ESG, sozial, ökologisch, ethisch, SRI
Arbeit zitieren
Lukas Sieverding (Autor), 2019, Einflussfaktoren auf die Quantität der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538994

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