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Erziehung in Hermann Hesses "Glasperlenspiel"

Title: Erziehung in Hermann Hesses "Glasperlenspiel"

Diploma Thesis , 2004 , 43 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Lajos Kovács (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

In meiner Arbeit möchte ich mich mit den pädagogischen Gedanken im Hermann Hesses Werk „Das Glasperlenspiel” beschäftigen. In erster Linie untersuche ich die Rolle und Bedeutung der Erziehung, dann die daraus folgenden praxisbezogenen Erziehungsansätze.
„Das Glasperlenspiel” ist kein Werk mit rein pädagogischer Intention, wie z.B. das Früwerk „Unterm Rad” oder „Unterbrochene Schulstunde”. Diese Frühwerke haben die Schulerziehung und deren Grenzen als Hauptthema. Hesses Spätwerk enthält ein Gedankenkomplex. Es beschäftigt sich mit mehreren Hauptthemen, wie z.B. Geschichte, Musik, Schule, fernöstlicher Glaubensvorstellungen, Zeitkritik u.ä., und kann aufgefasst werden als eine Ausreifung der Hauptprobleme, ein Breviarium Hesses Lebenswerkes. Wir konzentrieren also auf die Erziehung und die damit zusammenhängenden Probleme.
Erziehung ist zu unserer Zeit wieder großer Bedeutung. In der Gesellschaft, im Schulalltag tauchen immer wieder heikle Fragen auf: Wie sollte man die nachkommenden Generationen richtig erziehen; ob das ganze, traditionelle Schulsystem diesem Ziel entspricht oder man andere Wege suchen soll – solche zeigen uns die alternativen Schulen europaweit.
Hesse beschäftigt dieser Bereich, auch weil er die negative Auswirkungen eines einseitigen, traditionellen Schulsystems lebens- und hautnah erfuhr, auch weil er selber Erzieher war, und nicht zuletzt weil er im „Glasperlenspiel” in der Tradition des deutschen Bildungsromans steht.
Das Glasperlenspiel ist Hesses Alterswerk, das u.a. nach H. Esselborn-Krumbiegel (1996: 17) alle wichtige Motive früherer Werke aufnimmt. So sehe ich in seinem Roman eine Fülle pädagogischer Gedanken, die uns - heutigen Lesern, Lehrern und Erziehern – keineswegs bloß utopistische Ideen überliefert, sondern – wie wir sehen werden – eine praktische und lebensnahe Pädagogie, nicht auf Grund wissenschaftlicher Abhandlungen aus dem Bereich der Erziehungswissenschaft, sondern eigene, literarisch geformte, und m.E. wohlgeformte, brauchbare pädagogische Gedanken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Stand der Forschung

2. Hintergründe

3. Erziehung bei Goethe – Novalis – Mann

3.1. Bildung und Erziehung

3.2. Erziehung bei Goethe

3.3. Bindung an die Romantik

3.4. Der Kollege und Freund

4. Perspektive der Erziehung im Glasperlenspiel

4.1. Institutionelle Erziehung

4.2. Die „pädagogische Provinz”

4.3. Das Menschenbild als Grundsätzliches

4.4. Der Lehrer als Meister, Diener und Opfer

4.5. Der Schüler als Individuum

4.6. Die Rolle der Musik und Meditation

4.7. Die fiktiven Lebensläufe als pädagogische Übungen

5. Excurs

6. Pflichtlektüre?

6.1. Die Begegnung

6.2. Lebensläufe

7. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung der Erziehung in Hermann Hesses Spätwerk „Das Glasperlenspiel“. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie pädagogische Gedanken in literarischer Form vermittelt werden und welche praxisbezogenen Erziehungsansätze daraus für heutige Erziehende abgeleitet werden können.

  • Analyse der Erziehungskonzepte in Hesses „Glasperlenspiel“
  • Intertextuelle Bezüge zu Goethe, Novalis und Thomas Mann
  • Kritische Betrachtung der institutionellen Bildung in Kastalien
  • Die Bedeutung von Musik und Meditation für den Bildungsprozess
  • Didaktische Möglichkeiten des Werkes für den Schulunterricht

Auszug aus dem Buch

4.4. Der Lehrer als Meister, Diener und Opfer

Was und wer ist eigentlich der Lehrer? Die Frage wurde schon mehrmals aus mehreren Gesichtspunkten beantwortet. Wir wollen nur darauf hinweisen, dass es zu Hesses Schulzeit ein autoritäres Lehrerbild alltäglich war, nach dem der Lehrer – ganz bildhaft auf einem Katheder, also höher als die Kinder – alles bestimmt, was die Zöglinge folgen und gehorchen sollen. Heutzutage wirkt noch diese Auffassung und konnte – nach meiner Erfahrungen – noch nicht völlig ausgeschaltet werden.

Nicht nur Hesse (in destillierter Form im „Unterm Rad”), sondern die schöngeistige Literatur des 20. Jahrhunderts beschäftigte diese Frage. U.a. Erich Maria Remarque, der die Machtposition des Lehrers als eine teuflisches Macht im Werk „Im Westen nichts Neues” darstellt, die eine ganze Generation in die Tod treibt (mehr dazu Müller-Reinholz 2001).

Die todbringende Frucht dieser Lehrerbildes bleibt leitmotivisch im Hesses Lebenswerk – trotz einigen guten Erfahrungen, zu denen er Rektor Bauer zählte, der die Schüler altersgerecht behandelte und die schwierige Unterrichtsgegenstände beibrachte (vgl. Zeller 1996: 20). Auch wenn er ein neutrales Schulbild im „Glasperlenspiel” errichtet, bleiben die Lehrer gesichtslose Personen, die bloß Glieder eines Gebäudes, namenslose Staatsbeamter Kastaliens sind.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Arbeit führt in die pädagogische Thematik von Hesses Werk ein und begründet die Relevanz der Untersuchung im Kontext heutiger erziehungswissenschaftlicher Fragestellungen.

1. Stand der Forschung: Dieser Abschnitt beleuchtet die polarisierte Rezeption von Hesses Werk in der Literaturkritik und ordnet verschiedene Meinungsbilder ein.

2. Hintergründe: Hier werden die biographischen und historischen Kontexte dargelegt, die Hesses kritische Auseinandersetzung mit Erziehung und Schulsystemen maßgeblich beeinflusst haben.

3. Erziehung bei Goethe – Novalis – Mann: Es wird der geistesgeschichtliche Rahmen untersucht, wobei die Einflüsse der Klassik und Romantik auf Hesses Verständnis von Bildung und Erziehung analysiert werden.

4. Perspektive der Erziehung im Glasperlenspiel: Dies ist das Hauptkapitel, das die verschiedenen Facetten der Erziehung in Kastalien, vom Lehrerbild bis hin zur Rolle der Musik, detailliert untersucht.

5. Excurs: Hier werden zeitgenössische Bezüge und die Symbolik des „Glasperlenspiels“ sowie des Kastalien-Ordens reflektiert.

6. Pflichtlektüre?: Dieses Kapitel diskutiert die pädagogische Eignung und didaktische Aufbereitung des Romans für den schulischen Unterricht.

7. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse zur pädagogischen Nutzbarkeit des „Glasperlenspiels“ und einer persönlichen Reflexion.

Schlüsselwörter

Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel, Erziehung, Bildung, Bildungsroman, Kastalien, Lehrer-Schüler-Beziehung, Musik, Meditation, Joseph Knecht, Pädagogik, Literaturdidaktik, Idealismus, Individualität, Lebensläufe

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die pädagogischen Gedanken und Erziehungsansätze in Hermann Hesses Spätwerk „Das Glasperlenspiel“.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themen umfassen das Lehrerbild, den Bildungsweg des Individuums, die Rolle der Musik und Meditation sowie die Kritik an starren, institutionellen Schulsystemen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hesse literarisch lebensnahe pädagogische Prinzipien vermittelt und ob diese als Alternative zu traditionellen Erziehungsmodellen dienen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text mit biographischen Dokumenten, intertextuellen Bezügen und erziehungswissenschaftlichen Fachdiskursen verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Erziehungsstruktur in Kastalien, das Menschenbild bei Hesse, die Gestaltung der Meister-Schüler-Beziehung sowie die Bedeutung der fiktiven Lebensläufe für den Bildungsprozess analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Pädagogik, Bildungsideal, Ganzheitlichkeit, Hermeneutik und die dialektische Auseinandersetzung zwischen Geist und Welt.

Inwiefern spielt der historische Kontext für Hesse eine Rolle?

Die Arbeit betont, dass Hesses Kastalien als utopischer Gegenpol zum Totalitarismus und zur nationalsozialistischen Diktatur zu verstehen ist.

Warum wird der Protagonist Joseph Knecht als idealer Erzieher dargestellt?

Er repräsentiert das Ideal, da er den Zögling nicht durch Macht oder Drill führt, sondern durch seine Persönlichkeit und die gemeinsame Suche nach Wahrheit und Harmonie.

Wie bewertet der Autor die didaktische Eignung des Buches für Schulen?

Der Autor sieht das Werk aufgrund seiner Komplexität als eher für die Oberstufe oder Hochschule geeignet an, empfiehlt jedoch, einzelne Textpassagen didaktisch aufzubereiten.

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Details

Title
Erziehung in Hermann Hesses "Glasperlenspiel"
College
Kodolanyi Janos University of Applied Sciences
Grade
sehr gut
Author
Lajos Kovács (Author)
Publication Year
2004
Pages
43
Catalog Number
V53936
ISBN (eBook)
9783638492515
ISBN (Book)
9783640128006
Language
German
Tags
Erziehung Hermann Hesses Glasperlenspiel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lajos Kovács (Author), 2004, Erziehung in Hermann Hesses "Glasperlenspiel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53936
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