Diese Arbeit befasst sich mit einem Vergleich der grimmschen Tiermädchen mit anderen literarischen Gattungen.
Die Gattung der grimmschen Tiermärchen wirft einige Unklarheiten auf. Zum einen werden die Tiermärchen im Allgemeinen nicht immer in der Märchenforschung als eigene Gattung begriffen, und zum andere, definieren sich die Tiermärchen hauptsächlich durch Merkmale, die ausschließen einer anderen Gattung inhärent zu sein scheinen, statt durch Attribute, die die Zugehörigkeit zu ihrer Gattung bekräftigen.
Um diesem Themenkomplex auf den Grund zu gehen, beginnt die Hausarbeit mit einer Definition und Darstellung der Charakteristika der später in diesem Kontext relevanten Gattungen Märchen, Fabel, Schwank und Sage. Daraufhin präzisiert die Autorin ihre Ausführungen auf die Tiermärchen der Brüder Grimm. Anschließend werden die vier Tiermärchen der Brüder Grimm untersucht, insbesondere im Hinblick auf die Klasse Tiermärchen und die angrenzenden Gattungen Tierfabel, Tierschwank und Sage.
Nach einer eingehenden Gattungsinterpretation der vier genannten Märchen, folgt ein Resümee, welches die Schlussfolgerungen bezüglich der grimmschen Tiermärchen beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Gattungsdefinitionen
2.1 Gattung der Märchen
2.1.1 Definition
2.1.2 Allgemeines
2.1.3 Volksmärchen
2.1.4 Kunstmärchen
2.2 Gattung der Fabeln
2.2.1 Definition
2.2.2 Abgrenzung zu den Märchen
2.3. Gattung des Schwanks
2.3.1 Definition
2.3.2 Abgrenzung zu den Märchen
2.4 Gattung der Sagen
2.4.1 Definition
2.4.2 Abgrenzung zu den Märchen
3. Tiermärchen der Brüder Grimm
4. Vergleich der grimmschen Tiermärchen mit anderen Gattungen
4.1. Der Wolf und die sieben jungen Geißlein – Gattungsinterpretation
4.2 Katze und Maus in der Gesellschaft – Gattungsinterpretation
4.3 Das Lumpengesindel – Gattungsinterpretation
4.4 Die Scholle – Gattungsinterpretation
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattungszugehörigkeit der grimmschen Tiermärchen, da diese in der Forschung oft nicht eindeutig abgegrenzt werden. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Merkmale der Tiermärchen der Brüder Grimm durch einen Vergleich mit den Gattungen Märchen, Fabel, Schwank und Sage mittels exemplarischer Analysen herauszuarbeiten.
- Gattungsdefinitionen von Märchen, Fabel, Schwank und Sage.
- Differenzierung zwischen Volks- und Kunstmärchen.
- Kriterien für die Einordnung von Texten als Tiermärchen.
- Exemplarische Gattungsinterpretation ausgewählter Tiermärchen.
- Analyse fließender Gattungsgrenzen bei den Brüdern Grimm.
Auszug aus dem Buch
4.1. Der Wolf und die sieben jungen Geißlein – Gattungsinterpretation
In dem fünften Märchen der Brüder Grimm spielt, neben den Geißlein, auch der Wolf, der auch in anderen Märchen der Brüder Grimm, wie in „Rotkäppchen“, zutage tritt, eine wichtige Rolle. Er verkörperte schon in antiken Schriften das Böse und wurde nicht nur von schwächeren Tieren, auch von Menschen, schwer gefürchtet und als Feind angesehen.67
Der Wolf in dem Märchen „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“ handelt einerseits nach tierischen Instinkten, da er hungrig ist und etwas zu fressen braucht, so wie die anderen Vertreter des Tierreichs auch agieren, wenn sie auf Nahrungssuche sind. Andererseits kann man ihm aber auch menschliche Eigenschaften unterstellen. Er ist habgierig, was zwar in Hungersnot, ganz nach dem Grundsatz, dass der Stärkere überlebt, auch auf die Tierwelt zutrifft, aber darüber hinaus ist der Wolf auch noch listig. Die Heimtücke, die er an den Tag legt, ist eindeutig eine menschliche Eigenschaft, da sie von einem berechneten, gut durchdachten, statt von einem spontanen, instinktiven Tierverhalten zeugt. Schließlich musste der Wolf raffiniert genug sein, einen Trick anzuwenden um die Geißlein in die Irre zu führen. Aber nicht nur der Wolf, auch die Geißlein selber, weisen menschliche Verhaltensweisen auf. Der Plan der Mutter, die Gunst der Stunde zu nutzen, und dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden, deutet auch auf eine gewisse Pfiffigkeit hin. Das Geißlein, welches nicht gefressen wurde selbst, schaffte es aber auch den Wolf durch sein schlaues Versteck hinter das Licht zu führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Unklarheiten bei der Definition der Gattung Tiermärchen und legt das methodische Vorgehen der Arbeit dar.
2. Gattungsdefinitionen: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Gattungen Märchen, Fabel, Schwank und Sage und grenzt diese voneinander ab.
3. Tiermärchen der Brüder Grimm: Hier werden Kriterien erarbeitet, um Erzählungen aus der Sammlung der Brüder Grimm spezifisch als Tiermärchen zu identifizieren.
4. Vergleich der grimmschen Tiermärchen mit anderen Gattungen: In diesem Hauptteil werden exemplarisch vier Märchen detailliert auf ihre Gattungszugehörigkeit hin untersucht.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die Tiermärchen der Brüder Grimm oft fließende Gattungsgrenzen aufweisen und Tendenzen verschiedener Erzählformen vereinen.
Schlüsselwörter
Tiermärchen, Brüder Grimm, Gattung, Märchen, Fabel, Schwank, Sage, Volksmärchen, Gattungsinterpretation, Erzählstruktur, Tiergestalt, Literaturwissenschaft, Narrativik, Gattungsgrenzen, Kinder- und Hausmärchen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Gattung der Tiermärchen in der Sammlung der Brüder Grimm und der Schwierigkeit, diese eindeutig von verwandten Erzählgattungen abzugrenzen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die theoretische Bestimmung der Gattungen Märchen, Fabel, Schwank und Sage sowie deren gegenseitige Abgrenzung anhand literaturwissenschaftlicher Kriterien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Gattungsbestimmung von ausgewählten Tiermärchen der Brüder Grimm, um zu prüfen, ob sie sich strikt einer Kategorie zuordnen lassen oder Mischformen darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Gattungsinterpretation angewandt, bei der ausgewählte Märchen exemplarisch analysiert und mit Definitionen anderer Gattungen verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden vier spezifische Tiermärchen – „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“, „Katze und Maus in der Gesellschaft“, „Das Lumpengesindel“ und „Die Scholle“ – detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Tiermärchen, Gattungsgrenzen, Brüder Grimm, Fabel, Sage, Schwank und Gattungsinterpretation.
Warum wird „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“ als Tiermärchen eingeordnet?
Obwohl es Fabel-Elemente enthält, erfüllt es typische Märchen-Merkmale wie die einleitende Formel, das Fehlen einer detaillierten Innenwelt-Darstellung und das Gut-gegen-Böse-Prinzip am Ende.
Weshalb lässt sich „Die Scholle“ nur schwer einer Gattung zuordnen?
Die Erzählung weist eine Ursprungsgeschichte als Sage auf, enthält schwankhafte Motive, menschliche Eigenschaften wie in der Fabel und endet mit einem Märchen-Schema, was die Zuordnung komplex macht.
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- Anonym (Author), 2015, Die grimmschen Tiermärchen als eigene Gattung? Ein literaturwissenschaftlicher Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539457