In der Praxis der Sozialen Arbeit liegt der Fokus u. a. in der Arbeit mit Menschen, die mit sozialen Problemen konfrontiert sind. Die Problemfelder sind oftmals mit fehlenden finanziellen Mitteln verknüpft. Betrachtet man das Arbeitsfeld der SozialarbeiterInnen, geht es dabei sehr häufig darum, die Hilfesuchenden dabei zu unterstützen, eine Lebensgrundlage zu schaffen, die eine Wiedereingliederung in die soziale Gesellschaft ermöglicht. Durch meine dreijährige Arbeit mit obdachlosen Frauen in einer Notunterkunft wurde mein Interesse an dem bedingungslosen Grundeinkommen geweckt.
Als obdachlos werden Menschen bezeichnet, die keinen dauerhaften Wohnsitz haben und dadurch gezwungen sind im Freien, auf der Straße oder an Plätzen zu leben. Um im Sinne der sozialarbeiterischen Profession helfen zu können, muss erst der Status einer Person ermittelt werden. Dazu werden Ausweis- und Meldedokumente benötigt. Dies ist häufig schwierig, da auch Menschen auf der Straße leben, die aus unterschiedlichsten Gründen außerstande sind, genauere Angaben zu machen oder keine Berechtigungen besitzen um Leistungen beziehen zu können. Um aber staatliche Mittel erhalten zu können, wird in Wohlfahrtsstaaten wie Deutschland eine Bedürftigkeitsprüfung vorgenommen. Diese sind an Bedingungen geknüpft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktuelle Grundsicherung
3. Das bedingungslose Grundeinkommen
3.1. Definition
3.2. Historische Einbettung
4. Capability Approach
4.1. Definition
4.2. Ansatz von Amartya Kunar Sen
4.3. Ansatz von Martha Craven Nussbaum
5. Diskussion zur freien Entfaltung des Menschen
6. Fazit
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen geeignet ist, die Möglichkeiten des Menschen zur freien Entfaltung nachhaltig zu verbessern. Dabei wird das aktuelle System der Grundsicherung in Deutschland kritisch hinterfragt und auf Basis der Theorie des Capability Approach analysiert, wobei insbesondere die Lebenssituation obdachloser Frauen als Beispiel herangezogen wird.
- Aktuelle Grundsicherungssysteme in Deutschland und ihre Barrieren
- Definition und historische Entwicklung des bedingungslosen Grundeinkommens
- Theoretische Fundierung durch den Capability Approach nach Amartya Sen und Martha Nussbaum
- Diskussion über die Auswirkungen eines Grundeinkommens auf die freie Entfaltung des Einzelnen
- Die Rolle der sozialen Arbeit im Kontext von Existenzsicherung und gesellschaftlicher Teilhabe
Auszug aus dem Buch
3.2.Historische Einbettung
Die Idee eines Grundeinkommens reicht viele Jahrhunderte zurück. Es haben sich viele ProtagonistInnen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Ländern Gedanken über die Vermeidung bzw. Verminderung der Armut gemacht. Hier wird eine Auswahl von DenkerInnen und deren Ideen vorgestellt.
Bereits in Sparta im antiken Griechenland wurde sechshundert vor Christus die Trennung von Arbeit und Einkommen diskutiert. Allen BürgerInnen standen lebenswichtige Erzeugnisse frei zur Verfügung ohne eine Gegenleistung dafür zu erbringen.
Gesicherte Belege finden sich erst bei dem Sozialutopisten Thomas Morus (1478-1535). In seinem Werk Utopia von 1516 forderte er zum ersten Mal eine Einkommensgarantie, die allen Menschen eine Existenzgrundlage ermöglicht. Sein Freund, der Humanist Juan Luis Vives (1492-1540), formulierte eine ausführliche Erklärung in der Armenpflegeschrift De Subvention Pauperum (1526). Darin vertrat er die Meinung, dass sich der Staat der Armenfürsorge annehmen sollte, da es eine christliche Pflicht sei und die Hilfe so an richtiger Stelle eingesetzt werden könnte. Vives vertrat auch die Ansicht, dass jedem Menschen ein garantiertes Mindesteinkommen zustehen sollte, nicht nur den Armen. Voraussetzung war allerdings ein Arbeitswille der Menschen, die selbstverschuldet in Armut geraten waren. Dies sollte der disziplinarischen Funktion dienen, zu einer sinngestaltenden Lebensweise zu finden. Nach seiner Vorstellung sollten die Naturressourcen als Allgemeingut angesehen werden und nicht nur den privilegierten BürgerInnen zur Verfügung stehen.
Über 200 Jahre später wurden diese Ideen von dem britisch-amerikanischen Publizisten Thomas Paine (1737-1809) in seiner Schrift Agrarian Justice aufgenommen. Aufgrund seiner Beobachtung von den indigenen Völkern Nordamerikas, den Native Americans, kam er zu seiner Behauptung, dass nur Gesellschaften der westlich orientierten Welt Not und Armut hervorbringen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Herausforderungen der sozialen Arbeit bei der Unterstützung obdachloser Frauen und führt das Interesse an einem bedingungslosen Grundeinkommen als Alternative zur aktuellen Grundsicherung ein.
2. Aktuelle Grundsicherung: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der staatlichen Mindestsicherung in Deutschland, wie beispielsweise das Arbeitslosengeld II (Hartz IV), und weist auf die damit verbundenen bürokratischen Hürden und Sanktionen hin.
3. Das bedingungslose Grundeinkommen: Hier wird der Begriff des bedingungslosen Grundeinkommens definiert und historisch in den Kontext verschiedener sozialutopischer sowie ökonomischer Denkmodelle eingeordnet.
4. Capability Approach: Dieses Kapitel stellt den Befähigungsansatz von Amartya Sen und Martha Nussbaum vor, der menschliches Wohlergehen nicht allein durch Einkommen, sondern durch die tatsächlichen Verwirklichungschancen definiert.
5. Diskussion zur freien Entfaltung des Menschen: Eine kritische Auseinandersetzung darüber, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen die freie Entfaltung des Individuums fördern und zur gesellschaftlichen Teilhabe vulnerabler Gruppen beitragen könnte.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Kombination aus dem Modell des Grundeinkommens und dem Capability Approach zielführend sein könnte, um eine echte Gleichberechtigung und Entfaltungsmöglichkeit für alle Menschen zu erreichen.
7. Literatur: Das Literaturverzeichnis listet die verwendeten Quellen, Fachbücher, Gesetzesgrundlagen und Internetressourcen auf, die zur Erstellung der Arbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Bedingungsloses Grundeinkommen, Capability Approach, Soziale Arbeit, Grundsicherung, Existenzminimum, Freie Entfaltung, Verwirklichungschancen, Armut, Sozialgesetzbuch, Teilhabe, Arbeitszwang, Wohlbefinden, Lebensqualität, Soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit ein bedingungsloses Grundeinkommen dazu beitragen kann, die Möglichkeiten des Menschen zu einer freien persönlichen Entfaltung zu verbessern, insbesondere vor dem Hintergrund sozialer Problemlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Analyse der deutschen Grundsicherung, der historischen sowie begrifflichen Herleitung des bedingungslosen Grundeinkommens und der theoretischen Einordnung durch den Capability Approach.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die theoretische Eignung des bedingungslosen Grundeinkommens als Instrument zur Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens im Sinne der individuellen Verwirklichungschancen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, um den Zusammenhang zwischen ökonomischen Modellen (Grundeinkommen) und sozialphilosophischen Theorien (Capability Approach) systematisch aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der aktuellen Grundsicherungssysteme, die Definition des bedingungslosen Grundeinkommens, eine detaillierte Ausarbeitung der Capability-Theorie nach Sen und Nussbaum sowie eine Diskussion zur praktischen Anwendung bei obdachlosen Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Bedingungsloses Grundeinkommen, Capability Approach, Soziale Gerechtigkeit, Verwirklichungschancen und Grundsicherung beschreiben.
Warum ist der Bezug zu obdachlosen Frauen für die Arbeit besonders wichtig?
Obdachlose Frauen dienen als konkretes Fallbeispiel für eine vulnerable Personengruppe, an der die Diskrepanz zwischen den theoretischen Zielen des Sozialgesetzbuches und der harten Lebensrealität bei existierenden bürokratischen Zugangsbarrieren verdeutlicht wird.
Inwiefern sehen die Ansätze von Amartya Sen und Martha Nussbaum das Grundeinkommen als sinnvoll an?
Beide Ansätze betonen, dass Einkommen nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für ein glückliches Leben ist; das Grundeinkommen wird hierbei als potenzielles Werkzeug gesehen, um die notwendige materielle Basis für die Entwicklung individueller Fähigkeiten und damit der Freiheit zu schaffen.
- Citar trabajo
- Amina El Bajati (Autor), 2019, Zur Frage der freien Entfaltung des Menschens mithilfe des bedingungslosen Grundeinkommens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539460