Die Arbeit setzt sich mit der Thematik der Essstörungen auseinander und wird insbesondere die Auswirkung jener Essstörungen auf die Adoleszenz von Heranwachsenden untersuchen. Hierbei beschränkt sich die Arbeit auf die Krankheitsbilder Bulimie und Anorexie.
Dem eigentlichen Schwerpunkt der Arbeit ist eine ausführliche Begriffsklärung und ein Phasenmodell der Adoleszenz vorangestellt, um die Auswirkungen später geschilderter Krankheitsbilder nachvollziehen zu können und zu verstehen. Die Adoleszenz besitzt, durch ein erhöhtes Konfliktrisiko während der Entwicklung, einen großen Anteil am Auftreten psychischer Störungen und den damit einhergehenden Krankheitsbildern. Anschließend geht der Autor darauf ein, wie es während der Adoleszenz zu ersten Veränderungen kommt und welche Ursachen zu essgestörtem Verhalten führen. Des Weiteren werden diese Konflikte und Störungen anhand der beispielhaften Krankheitsbilder Bulimie und Anorexie erklärt.
Essstörungen sind in der heutigen Gesellschaft mit ihrem Schlankheitswahn und ihren Idealbildern aus der Werbung nicht mehr wegzudenken. Nach Ettl, der sich an Zahlen des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik anlehnt, sind ungefähr 100.000 Menschen an Magersucht und 600.000 an Bulimie erkrankt. Oft entstehen diese Krankheitsbilder schon während der Adoleszenz und gehen bis ins Alter, allenfalls bis zum Tod.
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist Adoleszenz?
1.1 Begriffserklärung und Definition
1.2 Unterschied zwischen Adoleszenz und Pubertät
2. Die vier Phasen der Adoleszenz
2.1 Präadoleszenz
2.2 Frühadoleszenz
2.3 Mittlere Adoleszenz
2.4 Spätadoleszenz
3. Veränderungen während der Adoleszenz
3.1 biologische Sicht
3.2 entwicklungspsychologische Sicht
4. Entwicklungsimmanente Essstörungen
4.1 Ursachen, Auftreten eines Konfliktes und Auslösen essgestörten Verhaltens
4.1.1 Die gesellschaftlichen Ursachen
4.1.2 Die familiären Ursachen
4.1.3 Die Mütter
4.1.4 Die Väter
4.1.5 Die Geschwister
5. Entstehung von Essstörungen und Krankheitsbildern mit psychologischem Hintergrund
5.1 Bulimie (Bulimia nervosa)
5.2 Anorexie (Anorexia nervosa)
6. Diagnostik während der Adoleszenz
7. Behandlung während der Adoleszenz
8. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychodynamischen Hintergründe von Essstörungen – insbesondere Bulimie und Anorexie – während der Adoleszenz. Dabei wird analysiert, wie entwicklungspsychologische Konflikte, gesellschaftlicher Druck und familiäre Strukturen zur Entstehung essgestörten Verhaltens bei Heranwachsenden beitragen.
- Phasenmodell der Adoleszenz und die dazugehörigen Entwicklungsaufgaben.
- Die Rolle von Triebsteuerung, Ich-Identität und Abwehrmechanismen nach Freud und Blos.
- Familiendynamische Ursachen und die Bedeutung von Rollenkonflikten.
- Vergleich der psychologischen Ausprägungen von Bulimie und Anorexie.
- Therapeutische Ansätze und Möglichkeiten der Früherkennung im schulischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
5.1 Bulimie (Bulimia nervosa)
Bulimia nervosa, wie sie unter dem lateinischen Begriff bekannt ist, ist eine Ess-Brech-Sucht. Zahlen zufolge sind, wie schon zu Anfang der Facharbeit erwähnt, in Deutschland nach Angaben des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik etwa 600.000 an Bulimie erkrankt, wobei nicht nur Frauen, sondern auch Männer betroffen sind. (Ettl in Jongbloed- Schurig, S.38). Dies entspricht 0,73 % der Gesamtbevölkerung. Als Vergleich dienen Zahlen aus den USA, welchen Volkwein (S. 261, siehe website oft he Centers for Disease Control and Prevention, 2013)zufolge, für eine Bulimie Erkrankung bei 20% für Frauen und 10% bei Männern liegen. Dies ist ein Vielfaches der Zahl aus Deutschland und in den USA ein ganzheitliches Problem, welches flächendeckend vertreten ist.
Nach Volkwein (S.261) verbindet Bulimie zwingendes Essen, gefolgt von erbrechen durch Selbst- Indizierung, Abführmittel, Diuretika, Diäten, Fasten oder Ausgleichssport („ … involves compulsive eating, followed by purging through self- induced vomiting, laxatives, diuretics, dieting, fastening, or exercise”).
Zunächst will die erkrankte Person, wie schon in Punkt 5. Beschrieben, die innere Leere, die durch die Verdrängung von Konfliktlösung entstanden sein kann, beseitigen. Der Körper wird mit Essen vollgestopft und durch Erbrechen wieder geleert. Das Auslösen von Schuldgefühlen ist das Resultat. Dieser Kreislauf fängt in der Pubertät an und ist je nach Stärke der Essstörung unterschiedlich schwerwiegend.
Die Krankheit wird aus persönlichem Schamgefühl verheimlicht und als Kreislauf nur im Privaten durchgeführt (Rader 2000, in Volkwein, S261. „The binge- purge cycle is usually done in private, and can progress from once a week to multiple times per day.”).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was ist Adoleszenz?: Dieses Kapitel definiert die Adoleszenz als Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsensein unter Berücksichtigung psychoanalytischer Ansätze und Entwicklungsaufgaben.
2. Die vier Phasen der Adoleszenz: Hier werden die spezifischen Stadien (Prä-, Früh-, Mittel- und Spätadoleszenz) beschrieben, um die psychischen Reifungsprozesse und Identitätsentwicklungen aufzuzeigen.
3. Veränderungen während der Adoleszenz: Der Fokus liegt auf der biologischen Pubertät und den entwicklungspsychologischen Veränderungen, die als Grundlage für spätere Störungsbilder dienen.
4. Entwicklungsimmanente Essstörungen: Dieses Kapitel analysiert gesellschaftliche und familiäre Risikofaktoren, die zur Entstehung gestörten Essverhaltens führen können.
5. Entstehung von Essstörungen und Krankheitsbildern mit psychologischem Hintergrund: Hier werden Bulimie und Anorexie als Abwehrreaktionen auf innere Konflikte und Identitätskrisen detailliert untersucht.
6. Diagnostik während der Adoleszenz: Es wird die Wichtigkeit der Früherkennung in Bildungseinrichtungen thematisiert, um psychische Merkmale rechtzeitig zu identifizieren.
7. Behandlung während der Adoleszenz: Das Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Therapieansätze, inklusive stationärer Konzepte, Familientherapie und nonverbaler Verfahren.
8. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Bedeutung der Adoleszenz als kritische Phase für das Auftreten und die Lösung innerer Konflikte.
Schlüsselwörter
Adoleszenz, Pubertät, Essstörungen, Bulimie, Anorexie, Psychoanalyse, Ich-Entwicklung, Triebsteuerung, Familiendynamik, Rollenkonflikte, Identitätsbildung, Abwehrmechanismen, Psychotherapie, Körperbild, Früherkennung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychoanalytischen Betrachtungsweise von Essstörungen während der Adoleszenz, insbesondere bei Jugendlichen, die mit Bulimie oder Anorexie kämpfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Entwicklungsprozesse der Adoleszenz, der Einfluss der familiären Struktur und gesellschaftlicher Normen sowie die Funktion von Essstörungen als Bewältigungsstrategie für psychische Konflikte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie ungelöste Entwicklungskonflikte in der Adoleszenz zu Essstörungen führen und welche therapeutischen Ansätze bei deren Bewältigung helfen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefenpsychologische und psychoanalytische Literaturanalyse, um das Zusammenspiel von biologischer Reifung und psychischer Strukturveränderung zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Facharbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entwicklungsphasen, die Analyse der Ursachen (familiär und gesellschaftlich) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Entstehung von Bulimie und Anorexie sowie deren Diagnose und Behandlung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Adoleszenzkrisen, Abwehrmechanismen, Familiendynamik, Ich-Identität und therapeutische Intervention geprägt.
Inwiefern spielt das familiäre Umfeld eine Rolle bei der Entstehung von Essstörungen?
Die Arbeit zeigt, dass Perfektionismus, ein extremes Harmoniebedürfnis und verdrängte Konflikte im Elternhaus oft den Boden für Essstörungen bereiten, da Jugendliche versuchen, ihre Rolle innerhalb dieses Systems zu finden.
Warum wird die Adoleszenz als "schwierige Phase" bezeichnet?
Sie wird so bezeichnet, da Heranwachsende gleichzeitig biologische Umstellungen, die Ablösung vom Elternhaus und die Suche nach der eigenen Identität bewältigen müssen, was ein hohes Konfliktrisiko birgt.
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- Clemens Dölle (Author), 2016, Anorexie und Bulimie. Die Bedeutung der Adoleszenz für die Entstehung von Essstörungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539606