Inklusion im Sportunterricht. Wie kann man Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Regelunterricht eingliedern?

Unterrichtseinheit im Fach Sport der Sekundarstufe I


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definitionen und Begrifflichkeiten

3. Inklusion in Deutschland

4. Inklusion im Sportunterricht

5. Möglichkeiten der Umsetzung

6. Fazit

I. Anhang

II. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unsere heutige Gesellschaft wird von Idealen und Vorbildern geprägt. Jede Person aus dieser Gesellschaft versucht sich nach bestimmten Normen und Werten zu richten, um dazu zu gehören und nicht ausgegrenzt bzw. ausgeschlossen zu werden. Betrachtet man jedoch jedes Mitglied dieser Gesellschaft einzeln, so stellt man schnell Unterschiede fest. Diese können sowohl im Aussehen und der Sprache sein, als auch im Verhalten vorliegen. Lange galten diese Menschen mit Behinderungen als krank, sie wurden in Sonderschulen gesteckt und durch die damit verbundene Institutionalisierung isoliert. Jedoch genau diese verschiedenen Individuen und deren Eigenschaften machen eine Gesellschaft aus. Durch die Vorteile und Stärken jedes einzelnen, entwickeln wir uns als Gesellschaft weiter und können jene Vorteile und Stärken nutzen. Als Barriere steht jedoch zunächst das Erkennen und Akzeptieren dieser Unterschiedlichkeit im Weg und muss durch bessere Auseinandersetzung mit dem Thema aufgebrochen werden. Daraus folgt, dass Toleranz und Akzeptanz, sowie Offenheit für etwas Neues oder gar etwas „anderes“, die Grundvoraussetzung für eine sich weiterentwickelnde und interaktive Gesellschaft sind. Somit muss eine gleichberechtigte Teilhabe aller Mitglieder in einer Gesellschaft die grundlegende Bedingung sein.

Dementsprechende wird das Thema Inklusion immer aktueller. Es wird teilweise sehr heftig und kontrovers diskutiert. Sowohl die regionale als auch die überregionale Presse berichtet über das Thema Inklusion. Eines der jüngeren Beispiele zum Vorantreiben des Inklusionsgedanken in Deutschland, ist die neu gegründete Kooperation der Bundesliga­Stiftung mit der Aktion Mensch. Es geht darum, dass das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung langfristig gefördert werden soll. Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch sagte im Pressegespräch: "Sport ist ein idealer Treiber für Inklusion. Die Begeisterung im und durch den Sport führt Menschen auf Augenhöhe zusammen und stärkt das Gemeinschaftsgefühl - da wird Behinderung zur Nebensache"1. Durch kleinere Aktionen im Sport und bei sportlichen Events soll das Thema Inklusion mehr und mehr an die Bevölkerung herangetragen werden.

Welche Brisanz und auch Aktualität das Thema Inklusion im Hinblick auf die Schule und den Schulbesuch mit sich bringt wird spätestens durch die Sendung „Günter Jauch“ vom 18.5.14, moderiert von Günter Jauch, klar. Er diskutiert mit Lehrern, Eltern von behinderten Kindern, Schülern und Politikern über den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern. Die zentrale Frage des Abends wird: „Wer behindert wen?“2

Es wird von möglichen Konzepten der Umsetzung gesprochen, zudem aber auch diskutiert ob es der richtige Weg ist.

Ich möchte mich demnach in der folgenden Hausarbeit damit beschäftigen, was Inklusion im genauen bedeutet, wie die Rechtslage in Deutschland aussieht und wie Inklusion im Sportunterricht der Sekundarstufe I umsetzbar ist.

2. Definitionen und Begrifflichkeiten

Um sich dem Begriff Inklusion zu nähern und diesen erläutern bzw. definieren zu können, muss erst noch der Begriff der Behinderung erläutert werden. Die drei Perspektiven nehmen zunächst nur den medizinischen Standpunkt ein. Es gibt jedoch noch das soziale Modell von Behinderung, welches im zweiten Abschnitt folgt.

Behinderung:

Den Begriff „Behinderung“ bzw. „Mensch mit Behinderung“ in seiner Vielseitigkeit zu definieren gestaltet sich als schwierig. Das zentrale Problem dabei ist, dass es keine allgemein verbindliche und wissenschaftlich anerkannte Definition von Behinderung gibt.3 Demnach sollte man Behinderung eher als Überbegriff sehen. Die World Health Organisation(WHO) unterscheidet in drei Begrifflichkeiten um eine grobe Definition geben zu können.

1. „impairment“ (Schädigung) = Mängel oder Abnormitäten der anatomischen , psychischen oder physiologischen Funktionen und Strukturen des Körpers
2. „disability“ (Beeinträchtigung) = Funktionsbeeinträchtigung oder -mängel aufgrund von Schädigungen, die typische Alltagssituationen behindern oder unmöglich machen
3. „handicap“ (Behinderung) = Nachteile einer Person aus einer Schädigung oder Beeinträchtigung.4

Laut dem Sozialgesetzbuch sind „ Menschen [ ...] behindert, wenn ihre körperliche Funktion geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wen die Beeinträchtigung zu erwarten ist.5 Eine weitere Definition findet man im Artikel des „ Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“. Diese lautet: „ Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.“6

Aus diesen drei Definitionen geht hervor, dass es für den Inklusions-Gedanken wichtig ist, dass Barrieren überwunden werden und demnach eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden kann.

Soziales Modell von Behinderung:

Durch Kritik am medizinischen Modell, welche nach geraumer Zeit aufkam, entwickelte sich insbesondere im angloamerikanischen Raum eine Gegenbewegung zur medizinischen Definition von Behinderung. Das soziale Modell erklärt Behinderung nicht als eine Schädigung im medizinisch-biologischen Sinne, sondern als eine Folge von Zuschreibungen (1) und auch als Produkt der sozialen Organisation der Gesellschaft (2).7 Der englische Soziologe Oliver betont aus dieser Perspektive heraus, dass Behinderung zwangsläufig als „social oppression“8 verstanden werden muss. Daraus folgt, dass Menschen mit Behinderung nicht dem persönlichen Schicksal erliegen müssen, sondern diejenigen sind, die von der Gesellschaft so behindert werden, dass sie systematisch ausgegrenzt werden und ihnen ein uneingeschränktes Leben nicht ermöglicht wird.

„(...) Das offensichtliche Beispiel für diesen Forschungsansatz ist die medizinische Forschung, die meist Lösungen vorschlägt, die auf medizinischer Behandlung und Physiotherapie basieren. Wenn man im Unterschied dazu Behinderung als eine psychologische Begrenzung des Individuums ansieht, werden die Lösungsvorschläge oft Psychotherapie oder psychologische Beratung beinhalten. Wenn wir dagegen Behinderung als ein Produkt der Kultur und der Vorstellungen einer Gesellschaft erforschen, werden wir unsere Kräfte darauf konzentrieren, diese Vorstellungen zu verändern und positivere Darstellungen behinderter Menschen in der Öffentlichkeit zu erreichen. Wenn wir schließlich Behinderung als Begrenzung der Gesellschaftsstruktur erforschen, dann wird sich unsere Aufmerksamkeit darauf richten, Barrieren gegen die gesellschaftliche Partizipation von behinderten Menschen zu identifizieren und diese abzubauen.“9

Integration und Inklusion:

Aus der deutschen Version der UN-Konvention wurde der Begriff „inclusion“ vorerst mit den zwei Begriffen „Integrieren“ oder „ Einbeziehung“ übersetzt. Durch diese Übersetzung entstehen jedoch inhaltliche Verwirrungen, denn es gibt einen Unterschied zwischen der Einbeziehung in die Gesellschaft und der vollständigen Teilhabe an der Gesellschaft.10

Der Begriff Integration ist abgeleitet vom lateinischen Wort „integrare“ und meint so viel wie „ wiederherstellen“.11 Somit versteht man Integration als einen Überbegriff für die verschiedenen Arten welche sie mit sich bringt, wie z.B. die soziale, räumliche aber auch die berufliche und schulische Integration. Hier in Deutschland verbindet man Integration oftmals mit Migranten, wie auch in der aktuellen Flüchtlingsdebatte, in der das Wort „Integration“ eine tragende Rolle innehat. Es gibt verschiedene Angebote, die den Menschen aus anderen Kulturen helfen soll, sich in die Gesellschaft und auch das deutsche Schulsystem einzufinden.

Im Vergleich dazu (demgegenüber) steht die Inklusion. Der Begriff Inklusion ist abgeleitet vom lateinische Wort „includere“ welches übersetzt „ Einschluss, Enthaltensein“ bedeutet.12 Inklusion meint die gesellschaftliche Zugehörigkeit behinderter Menschen in allen Lebensbereichen.13

Eine große Aufgabe des deutschen Bildungssystems liegt nun darin, das Augenmerk nicht nur auf die Integration sondern auch auf die Inklusion zu legen. Generell kann man das Inklusionsprinzip auch auf die Integration beziehen, da dieses das Ziel verfolgt, dass alle Menschen egal ob mit Behinderung oder ohne, aus anderen Kulturen oder aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten an der Gesellschaft teilhaben können und einbezogen werden.

3. Inklusion in Deutschland

Wenn man sich das heutige Zusammenleben in Deutschland anschaut, fällt schnell auf, dass Menschen mit Behinderung im Schul- oder Arbeitsalltag selten anzutreffen sind. Meist gehen sie auf Sonderschulen und arbeiten in Behindertenwerkstätten. Aber sollte es nicht in der heutigen Gesellschaft alltäglich sein, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben? Aus diesem Grund kam der Gedanke der Inklusion auf. Menschen mit Behinderung sollten nicht isoliert und ausgegrenzt werden. Noch in den 50er und 60er Jahren rechtfertigte man die Einschulung der Kinder auf eine Sonderschule pädagogisch. Man vertrat die Meinung, dass sie in Sonderschulen besser gefördert werden könnten. Nach Protesten zur gesellschaftlichen Integration kam in den 70er Jahren eine inhaltliche Wende auf, bei der das Sonderschulwesen neu gegliedert wurde. Ein weiterer großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung aller Mitglieder der Gesellschaft wurde durch die Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung der Vereinigten Nationen 2006 gemacht. Diese bedeutet für alle, seien es Menschen mit oder ohne Behinderung ein gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten.

Eine „inklusive Gesellschaft kann sich nur entwickeln, wenn alle Bürger ein Bewusstsein und eine positive innere Einstellung gegenüber behinderten Menschen entwickeln“14 Grundvoraussetzung sollte dementsprechend der Zugang zu allgemeinen Erziehungs­und Bildungseinrichtungen sein. Durch das dann gemeinsame Lernen und Arbeiten sollen Ziele wie z.B. Toleranz, Kommunikation, Integration, Kooperation und Zusammenhalt erreicht bzw. verbessert werden. In der Schule wird Inklusion somit umgesetzt, indem jede behinderte Person das Recht hat, gemeinsam mit nichtbehinderten Personen unterrichtet zu werden.15 Jeder Schüler und jede Schülerin hat ein Recht auf einen qualitativ hochwertigen Unterricht, der ihn/sie individuell fördert und den jeweiligen Wissensstand berücksichtigt. Eltern behinderter Kinder haben derzeit die Wahl, ihr Kind auf eine Sonderschule oder eine allgemeine Schule zu schicken. Jedoch ist das Ziel der Inklusion die Zusammenführung von Sonderschulen und allgemeinen Schulen. Schüler mit Behinderungen haben dann die Möglichkeit den normalen Unterricht zu besuchen und gleichzeitig durch bestimmte auf sie zugeschnittene Fördermaßnahmen unterstützt zu werden. Eine „Schule für alle“ ist das was die UN-Konvention vorsieht. Diese geht durch innere Differenzierung spezifisch auf jeden Schüler gezielt ein. Um das gemeinsame Lernen erfolgreich zu gestalten, ist es für den Schulalltag wichtig, möglichst viele kooperative Lernsituationen zu schaffen. In diesen Situationen widmen sich alle Personen einem gemeinsamen Ziel. Das Lernen steht im Vordergrund und jeder Schüler der Gruppe soll seinem Niveau entsprechend einen Beitrag zum Erreichen des Zieles leisten. Wichtig für den Unterricht mit beeinträchtigten Kindern ist es, das eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Sonderpädagogen und Eltern stattfindet, sodass sich keins der Kinder ausgegrenzt und benachteiligt fühlt. Diese heterogenen Lerngruppen sind für Lehrer eine Herausforderung, welchen sie sich auch annehmen sollten.

[...]


1 Siehe: http://www.handelsblatt.com/fussball-bundesliga-inklusion-foerdern-bundesliga-stiftung-kooperiert- mit-aktion-mensch/10317588.html

2 vgl.: http://www.sueddeutsche.de/medien/guenther-jauch-zu-inklusion-an-schulen-es-ist-eine-frage-der- menschlichkeit-1.1967707

3 vgl.: Wegner, 2001 S. 19

4 Siehe: http://behinderung.org/definit.htm

5 Siehe: Sozialgesetzbuch §2, Abs. 1

6 Siehe: Bundesgesetzblatt, 2008, S. 1419

7 vgl. Crow, 1996, S. 56

8 Oliver, M., 1990

9 Priestley, 2003, S. 7

10 vgl.: Metzger, 2011

11 Siehe: Duden, 2001 S.365

12 http://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/latein-deutsch/includere

13 vgl.: Ableitner et al, 2013 S.31

14 Siehe: Theunissen, 2011 S.25

15 vgl.: Theunissen, 2011 S. 27

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Inklusion im Sportunterricht. Wie kann man Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Regelunterricht eingliedern?
Untertitel
Unterrichtseinheit im Fach Sport der Sekundarstufe I
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V539616
ISBN (eBook)
9783346145161
ISBN (Buch)
9783346145178
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inklusion, sportunterricht, kinder, förderbedarf, regelunterricht, unterrichtseinheit, fach, sport, sekundarstufe
Arbeit zitieren
Clemens Dölle (Autor), 2016, Inklusion im Sportunterricht. Wie kann man Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Regelunterricht eingliedern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539616

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