In der vorliegenden Arbeit wird die aktuelle Problematik der Diskriminierung gegenüber Personen mit Migrationshintergrund, gegenüber älteren Menschen und vorgeblicher Benachteiligung von Frauen am Beispiel eines deutschen Pilotprojekts der nordrhein-westfälischen Landesregierung aufgefasst, definiert und reflektiert.
Die auftretenden Benachteiligungen sollen durch ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren unterbunden werden. Dies geschieht durch das vorenthalten kritischer Merkmale, damit zumindest die Entscheidung bis zu den Vorstellungsgesprächen eine objektive Grundlage hat. Anhand des deutschen Pilotprojekts der nordrhein-westfälischen Landesregierung sollen mögliche Chancen und Ergebnisse über den Zeitraum Januar 2011 bis Juni 2012 möglichst transparent dargestellt werden. Neben diesen öffentlich zugänglichen Projekten wurden auch in anderen Ländern, wie in der USA, Frankreich oder Schweden, internationale Feldversuche durchgeführt. Was für ein Beitrag die Anonymisierung im Kampf gegen die Diskriminierung leistet soll aus diesen Studien abgeleitet werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, neben der Vermittlung der theoretischen Grundlagen studienrelevanter Diskriminierungsformen, einen praktischen Bezug anhand eines Fallbeispiels darzustellen. Anschließend wird das anonyme Bewerbungsverfahren im Pilotprojekt auf ihre Zweckerfüllung, anhand vorher festgesetzter Ziele, neutral bewertet. Im Schlussteil werden die Ergebnisse interpretiert, sowie aufgetretene Limitationen veranschaulicht und die Zukunftsaussichten der anonymen Bewerbung - nach heutigem Stand – vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung und Zielsetzung
2 Hintergrundwissen mit Praxisbeispiel
2.1 Die Diskriminierung und seine Formen
2.1.1 Altersdiskriminierung im Arbeitsverhältnis
2.1.2 Ethnische Diskriminierung bei der Jobsuche
2.1.3 Vergleich der Geschlechter
2.2 Fallbeispiel: Anonymisierte Bewerbung als Pilotprojekt der nordrhein-westfälischen Landesregierung
2.2.1 Anonymisierte Bewerbung als ein Tool gegen die Diskriminierung
2.2.2 Aufgabenstellung des Pilotprojekts
2.2.3 Teilnehmerumfang und Stellenkapazität des Pilotprojekts
2.2.4 Datenumfang des Pilotprojekts
2.3 Ergebnisse des Pilotprojekts
2.3.1 Praktikabilität der anonymen Bewerbung
2.3.2 Befähigung zur interkulturellen Öffnung
2.3.3 Einschätzung der Bewerbermeinung aus Behördensicht
2.3.4 Einschätzung aus der Bewerberperspektive
2.3.5 Verhältnis von Frauen und Männern
3 Status Quo und Zukunftserwartung
3.1 Interpretation der Ergebnisse
3.2 Limitation
3.3 Aussicht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit anonymisierter Bewerbungsverfahren als präventive Maßnahme gegen Diskriminierung im Arbeitsmarkt. Anhand eines Pilotprojekts der nordrhein-westfälischen Landesregierung wird analysiert, inwieweit das Vorenthalten kritischer Merkmale zur objektiveren Auswahl beitragen und zur interkulturellen Öffnung der Verwaltung führen kann.
- Grundlagen der Diskriminierung und deren Ausprägungen im Arbeitsleben
- Methodik und Durchführung des anonymisierten Bewerbungsverfahrens
- Empirische Auswertung der Pilotprojektergebnisse
- Diskussion der Praktikabilität und Limitationen des Verfahrens
- Perspektiven für eine diskriminierungsfreie Personalauswahl
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Anonymisierte Bewerbung als ein Tool gegen die Diskriminierung
In der vorliegenden Arbeit wurden Name, Alter, Geschlecht und Geburtsort der Bewerber anonymisiert. Sinn dieser Vorgehensweiße ist es die mögliche Benachteiligung, Bevorzugung oder Diskriminierung durch entsprechende Informationen präventiv zu bekämpfen (Kraska & Ciekanowski, 2012, S. 10).
Bewerbungen wurden online und formell (siehe Anhang 2) entgegengenommen. Beim Onlineverfahren wurden keine Unterlagen eingereicht, sondern die nötigen Informationen lediglich via Eingabemasken online übermittelt. Im Formular-Verfahren dagegen haben die Bewerber die Anonymisierung selbstständig vorgenommen. Das Verfahren wurde zuvor durch einen Ausschreibungstext (siehe Anhang 3) erläutert (Kraska & Ciekanowski, 2012, S. 10). Zur Kontrolle wurde eine neutrale Stelle eingerichtet, die von den Personalverantwortlichen räumlich getrennt, Bewerbungsunterlagen auf ihre Bestandteile überprüft und gen Anonymität aufbereitet haben (Kraska & Ciekanowski, 2012, S. 12). Das Auswahlgremium bekam somit nur die gefilterten Unterlagen und musste auf Basis eines anonymisierten Qualifikationsprofils die Kandidaten zum Vorstellungsgespräch oder Eignungstest einladen. Erst in der Vorbereitungsphase wurden die zuvor anonymisierten und noch notwendigen Bewerbungsunterlagen einbezogen (Kraska & Ciekanowski, 2012, S. 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung und Zielsetzung: Einführung in die Problematik der Diskriminierung am Arbeitsplatz und Vorstellung der Zielsetzung zur Untersuchung anonymisierter Bewerbungsverfahren.
2 Hintergrundwissen mit Praxisbeispiel: Theoretische Herleitung von Diskriminierungsformen sowie detaillierte Darstellung des Pilotprojekts der nordrhein-westfälischen Landesregierung inklusive der Analyse von Ergebnissen.
3 Status Quo und Zukunftserwartung: Kritische Interpretation der Projektergebnisse, Erläuterung methodischer Limitationen und Ausblick auf die zukünftige Relevanz diskriminierungsfreier Auswahlverfahren.
Schlüsselwörter
Anonyme Bewerbung, Diskriminierung, Migrationshintergrund, Öffentlicher Dienst, Personalauswahl, AGG, Gleichbehandlung, Interkulturelle Öffnung, Pilotprojekt, Nordrhein-Westfalen, Diversität, Chancengleichheit, Auswahlverfahren, Arbeitsmarkt, Bewerbungsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit anonymisierter Bewerbungsverfahren als Instrument zur Verhinderung von Diskriminierung bei der Personalauswahl.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören Formen der Diskriminierung (Alter, Ethnie, Geschlecht), die praktische Umsetzung des Anonymisierungsprozesses und die Evaluation der Auswirkungen auf die Einstellungsquoten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen und die Praktikabilität der Anonymisierung anhand eines konkreten Fallbeispiels der NRW-Landesverwaltung neutral zu bewerten und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die empirische Auswertung von Fragebögen und Daten aus einem spezifischen Pilotprojekt der nordrhein-westfälischen Landesregierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Diskriminierung, die detaillierte Beschreibung des Pilotprojekts (Prozess, Teilnehmer, Datenumfang) sowie eine umfassende Auswertung der erzielten Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Anonyme Bewerbung, Diskriminierungsschutz, Chancengleichheit, Öffentlicher Dienst und Diversitätsmanagement.
Wie wurde die Anonymisierung im Pilotprojekt technisch umgesetzt?
Bewerber nutzten spezielle Online-Eingabemasken oder anonymisierten ihre Unterlagen selbst; eine neutrale Stelle filterte die sensiblen persönlichen Daten heraus, bevor das Auswahlgremium die Profile erhielt.
Wurde durch das Verfahren tatsächlich eine höhere Einstellungsquote bei Migranten erreicht?
Ja, das Projekt zeigte eine Steigerung des Anteils der Bewerber mit Migrationshintergrund, die am Eignungstest teilnahmen, und die Einstellungsquote lag in einem akzeptablen Vergleichsrahmen zur gesamten Bewerbersumme.
Führte die Anonymisierung zu einem deutlich höheren Aufwand für die Behörden?
Die Behörden berichteten über einen Mehraufwand von 5 % bis 20 %, welcher jedoch auf die erstmalige Konfrontation mit dem Prozess zurückgeführt und durch Standardisierung als reduzierbar eingestuft wurde.
- Arbeit zitieren
- Yusuf Say (Autor:in), 2020, Wie kann Diskriminierung im Job verhindert werden? Anonyme Bewerbungsverfahren als Präventivmaßnahme in der nordrhein-westfälischen Landesregierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539787