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Steckenpferd, Puppe und Kreisel. Spiele und Spielzeug im Mittelalter

Title: Steckenpferd, Puppe und Kreisel. Spiele und Spielzeug im Mittelalter

Examination Thesis , 2005 , 84 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Timo Mauelshagen (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Wie betrachteten etwa die Menschen des Mittelalters Spiel und Spielzeug?

Auch noch in jüngeren Publikationen und insbesondere in gebräuchlichen Redewendungen finden wir hierzu, obwohl durch zahlreiche neuere Erkenntnisse bereits deutlich wurde, dass „sich das Leben und Verhalten der Menschen vor siebenhundert Jahren in vielen Bereichen gar nicht so sehr von dem der Neuzeit unterschied“, die Floskel vom ach so “finsteren“ Mittelalter.

Nicht zuletzt Philippe Ariès und Lloyd deMause prägten das Negativbild vom Leben der Kinder im Mittelalter, deren Existenz als ein einziger Alptraum geschildert wird. Würde man diesen Überlegungen folgen, so ergäbe sich insgesamt ein sehr düsteres Bild für diese Zeit - nicht nur für die Kindheit.

Doch insbesondere die vielen Funde von Spielzeug und Spielgerät werfen einen hellen Schein auf die menschlichen Tätigkeiten im Mittelalter. Dieser Aspekt lässt die Welt der Kinder zur damaligen Zeit wieder lebendig erscheinen. Mehr als bei anderen Gegenständen erhält der Betrachter den Eindruck, in einen direkten Kontakt mit den mittelalterlichen Menschen zu kommen. Es gilt, diese Überlegungen umso mehr zu berücksichtigen, als dass Kinder in der Geschichte der “Großen“ zumeist nur am Rande vorkommen, da sie für die Geschichtsschreiber keinerlei Stellenwert besitzen. Dieser “helle Schein“ soll nun in der vorliegenden Ausarbeitung aufgegriffen werden, um die Facetten des mittelalterlichen Spiels für heutige pädagogische und curriculare Überlegungen fruchtbar zu machen. „Das Licht, das Spielsachen auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben einer Zeit werfen, ist äußerst bedeutsam und für viele vielleicht die ergiebigste Seite an der Geschichte des Spielzeugs, nachdem dieses seinen eigentlichen Gebrauchszweck eindeutig verloren hat und einem Museum oder einer Sammlung einverleibt wurde“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegende Anmerkungen

3. Anmerkungen zum Begriff “Kindheit“

3.1 Lebensalter und Kindheit im Mittelalter - Definitionen

3.2 Einstellung gegenüber dem Kind

4. Das Spiel als gesellschaftlicher Allgemeinplatz

4.1 Eine kurze Definition des Spiels

4.2 Der Begriff des Spiels

4.3 Das Wesen des Spiels: Spiel und Ernst

4.4 Erwachsene und Kinder

4.5 Einstellung zum Spiel

5. Funktion des Spiels

5.1 Spiel und Spielzeug als Erziehungsmittel

5.2 Neuere Denk- und Betrachtungsweisen – Gender Aspects?

5.3 Zeitvertreib in einer Zeit, in der die Zeit nicht bekannt war

6. Quellenlage

6.1 Archäologische Funde

6.2 Bildliche Darstellungen

6.2.1 Zeitlicher Rahmen

6.3 Bildquellen

6.4 Schriftliche Quellen

6.4.1 Schwierigkeiten bei der Auswertung von schriftlichen Quellen

6.5 Abschließende Betrachtung der Quellen

7. Das breite Spektrum mittelalterlichen Spielzeugs

8. Exemplarischer Abriss über mittelalterliches Spielzeug

8.1 Klappern und Rasseln

8.2 Steckenpferd

8.2.1 Windrädchen

8.3 Kreisel

8.4 Puppe

8.4.1 Gewerbsmäßige Herstellung von Holzpuppen

8.4.2 Gewerbsmäßige Herstellung von Puppen aus Ton

8.4.3 Ein Geschenk zur Taufe?

8.4.4 Puppengeschirr und anderes Zubehör

8.5 Reiterfiguren

8.6 Abschließende Überlegungen

9. Mittelalterlicher Spielzeugmarkt

10. Die Spielwelt der Erwachsenen

10.1 Lauter kleine Kugeln

10.2 Ein gar königliches Spiel

10.3 Spielsucht und –leidenschaft

11. Was bieten Spiel und Spielzeug für die Schule?

11.1 Eine erste didaktische Begründung

11.2 Weitere Überlegungen – Veränderungen in der Geschichte

11.3 Wie bringe ich das Thema in den Unterricht? – Rahmenrichtlinien

11.4 Ziele der Unterrichtseinheit

12. Ein Bild als Mittelpunkt der Thematik – Pieter Bruegels “Kinderspiele“

12.1 Eine Zeitreise in die Vergangenheit

12.2 Die Vielzahl der Spiele und Spielmöglichkeiten

12.3 Weitere Fragestellungen an das Bild

12.4 Anknüpfungspunkte an Bruegel

13. Alte Spiele – Neu entdeckt

13.1 Murmeln auf dem Pausenhof

13.2 Kreisel im Unterricht

13.3 Wir basteln ein Steckenpferd

14. Der krönende Abschluss – Ein Besuch im Museum

15. Schluss

15.1 Abschließende Worte

Zielsetzung & Themen

Ziel der Arbeit ist es, die Rolle von Spiel und Spielzeug im Mittelalter zu beleuchten und diese Erkenntnisse für eine fachdidaktische Integration in den Geschichtsunterricht nutzbar zu machen, um ein differenzierteres Bild der mittelalterlichen Lebenswelt zu vermitteln.

  • Wissenschaftliche Definition von Kindheit und Spiel im Mittelalter.
  • Analyse der Quellenlage (archäologische Funde, bildliche Darstellungen, schriftliche Quellen).
  • Exemplarische Vorstellung mittelalterlichen Spielzeugs (Klappern, Steckenpferde, Kreisel, Puppen).
  • Didaktische Konzepte für den Geschichtsunterricht, insbesondere durch die Arbeit mit dem Gemälde "Kinderspiele" von Pieter Bruegel d. Ä.
  • Möglichkeiten der handlungsorientierten Umsetzung, etwa durch Museumsbesuche oder Bastelprojekte.

Auszug aus dem Buch

8.3 Kreisel

„Hier ist die Geißel, dort der Topf, gönnts dem Kinde, ihn umzutreiben.“ Wolfram von Eschenbach (1170 - 1220)

Zum alltäglichen, klassischen Spielzeug der Kinder im Mittelalter gehörten auch die hölzernen Kreisel, die bis in die jüngste Vergangenheit als Spielgerät sehr beliebt waren. Zudem können sie ein gutes Beispiel „für das ehedem bestimmt sehr vielfältige Holzspielzeug darstellen“. Doch bereits die alten Ägypter kannten den Kreisel als Spielzeug. So werden Funde von hölzernen Kreiseln aus Theben in den Zeitraum um 1250 v. Chr. datiert.

Ursprünglich stammte der Peitschenkreisel jedoch – so wird vermutet – aus China. Im Mittelalter waren Kreisel und Peitsche überwiegend altersspezifische Spielzeuge für die frühe Kindheit. Sie konnten entweder mit der Hand oder mit einer Peitsche, die um die Rillen des Kreisels gewickelt wurden, angetrieben werden. Kreisel sind, obwohl sie zumeist aus organischem Material – Holz – sind, unter den mittelalterlichen Funden sehr häufig.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Spiels als Kulturgut und kritisiert das oft einseitige, negative Bild der Kindheit im Mittelalter.

2. Grundlegende Anmerkungen: Dieses Kapitel erläutert den zweigeteilten Aufbau der Arbeit, der sich in einen fachwissenschaftlichen und einen fachdidaktischen Bereich gliedert.

3. Anmerkungen zum Begriff “Kindheit“: Hier werden zeitgenössische Definitionen von Lebensaltern im Mittelalter untersucht und das Vorurteil des "kleinen Erwachsenen" relativiert.

4. Das Spiel als gesellschaftlicher Allgemeinplatz: Dieses Kapitel definiert das Wesen des Spiels unter Einbeziehung von Huizingas Homo Ludens und thematisiert das Spannungsfeld zwischen Spiel und Ernst.

5. Funktion des Spiels: Hier wird die Rolle des Spielzeugs als Erziehungsmittel und Spiegel gesellschaftlicher Rollenerwartungen sowie Zeitvertreib diskutiert.

6. Quellenlage: Dieses Kapitel bietet eine kritische Analyse archäologischer, bildlicher und schriftlicher Quellen zur Erforschung mittelalterlichen Spielzeugs.

7. Das breite Spektrum mittelalterlichen Spielzeugs: Hier wird die Vielfalt des Spielzeugs trotz der begrenzten archäologischen Überlieferung hervorgehoben.

8. Exemplarischer Abriss über mittelalterliches Spielzeug: Dieses Kapitel präsentiert detaillierte Beschreibungen spezifischer Spielzeuge wie Klappern, Steckenpferde, Kreisel und Puppen.

9. Mittelalterlicher Spielzeugmarkt: Hier werden die professionelle Herstellung und der Vertrieb von Spielzeug auf Messen und Jahrmärkten thematisiert.

10. Die Spielwelt der Erwachsenen: Dieses Kapitel widmet sich den Spielen der Erwachsenen, insbesondere Murmeln und Schach, sowie der Kritik an der Spielsucht.

11. Was bieten Spiel und Spielzeug für die Schule?: Dieser didaktische Teil erörtert die Eignung des Themas für den Geschichtsunterricht und konkrete methodische Ansätze.

12. Ein Bild als Mittelpunkt der Thematik – Pieter Bruegels “Kinderspiele“: Hier wird das Bruegel-Gemälde als zentrale Quelle für den Unterricht analysiert und didaktisch aufbereitet.

13. Alte Spiele – Neu entdeckt: Dieser Abschnitt bietet praktische Anregungen zur Umsetzung, wie das Murmelspiel oder den Bau von Spielgeräten im Unterricht.

14. Der krönende Abschluss – Ein Besuch im Museum: Das Kapitel schließt mit der Bedeutung von außerschulischen Lernorten für die historische Erfahrung ab.

15. Schluss: Die Arbeit endet mit einer Synthese, die das Spiel als historische Konstante über Jahrhunderte hinweg bestätigt.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Kindheit, Spielzeug, Geschichtsunterricht, Fachdidaktik, Pieter Bruegel, Archäologie, Holzspielzeug, Sozialisation, Spieltheorie, Historisches Lernen, Sachkultur, Quellenanalyse, Kinderspiele, Bildinterpretation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Spielen und Spielzeug im Mittelalter und entwickelt Konzepte für den Geschichtsunterricht, um Schülern einen lebendigen Zugang zur historischen Alltagskultur zu ermöglichen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die fachwissenschaftliche Analyse des kindlichen Lebens im Mittelalter, die Untersuchung erhaltener Spielzeugfunde und die didaktische Verknüpfung dieser Erkenntnisse mit modernen Unterrichtsmethoden.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Klischee vom "finsteren" Mittelalter zu hinterfragen und den kulturellen sowie erzieherischen Wert des Spiels für Schüler erfahrbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine interdisziplinäre Auswertung von archäologischen Funden, bildlichen Darstellungen (insbesondere Bruegels "Kinderspiele") und zeitgenössischen schriftlichen Quellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Fundierung zum Spielverständnis des Mittelalters und eine fachdidaktische Ausarbeitung für die Schule.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit dreht sich um Mittelalter, Kindheit, Spielzeug, Geschichtsunterricht, Fachdidaktik, archäologische Funde und historisches Lernen.

Warum ist das Gemälde von Pieter Bruegel so wichtig?

Es dient als zentrale Bildquelle, die eine Fülle an mittelalterlichen Spielen zeigt und somit einen idealen Ankerpunkt für die motivierende Erarbeitung im Unterricht bildet.

Wie lässt sich die Theorie mit der Praxis verbinden?

Die Arbeit schlägt vor, historische Spiele aktiv nachzuspielen, eigene Spielzeuge nachzubauen oder Museen als außerschulische Lernorte in den Unterricht einzubeziehen.

Gibt es eine strikte Trennung zwischen Jungen- und Mädchenspielzeug?

Die Arbeit hinterfragt diese Einteilung und argumentiert, dass viele Spiele eher als "Minne en miniature" oder verkleinerte Welt der Erwachsenen zu verstehen sind, die von beiden Geschlechtern genutzt wurden.

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Details

Title
Steckenpferd, Puppe und Kreisel. Spiele und Spielzeug im Mittelalter
College
University of Hannover  (Fachbereich Erziehungswissenschaften)
Course
Colloqium
Grade
1,5
Author
Timo Mauelshagen (Author)
Publication Year
2005
Pages
84
Catalog Number
V53995
ISBN (eBook)
9783638492904
ISBN (Book)
9783638708975
Language
German
Tags
Steckenpferd Puppe Kreisel Spiele Spielzeug Mittelalter Colloqium
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Timo Mauelshagen (Author), 2005, Steckenpferd, Puppe und Kreisel. Spiele und Spielzeug im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53995
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