Quantitative Freistoßanalyse auf der Grundlage der südkoreanischen K League Classic 2016 und der Primera Divisón Profesional de Uruguay 2015/2016


Bachelorarbeit, 2018

51 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

Theoretischer Teil

2 Spielanalyse
2.1 Quantitative Spielanalyse
2.2 Qualitative Spielanalyse

3 Standardsituationen

4 Zusammenfassung und Hypothesenbildung

Empirischer Teil

5 Methodik
5.1 Datenerhebung und Kategorisierung
5.2 Durchführung
5.3 Datenanalyse

6 Ergebnisse
6.1 Deskriptive Statistik
6.2 Hypothesenbezogene Auswertung

7 Diskussion
7.1 Methodendiskussion
7.2 Ergebnisdiskussion

8 Fazit

9 Abstract

10 Literaturverzeichnis

11 Anhang

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Spielbeobachtungsverfahren

Abbildung 2: Systematische Spielanalyse Modell

Abbildung 3: Diagramm zu direkten Freistößen der 1.Bundesliga

Abbildung 4: Diagramm zu indirekten Freistößen der 1. Bundesliga

Abbildung 5: Freistoßposition aus Sicht des Schützen und erzielte Tore

Abbildung 6: Verteilung des Schussfußes

Abbildung 7: Verteilung der Schusstechnik

Abbildung 8: Auftaktbewegung des Torwarts

Abbildung 9: Durchschnittliche Spieleranzahl der Mauer

Abbildung 10: Verteilung der Freistöße

Abbildung 12: Trefferquote differenziert nach Tabellenplatzierung

Abbildung 13: Durchschnittsdistanz differenziert nach Tabellenplatzierung

Abbildung 14: Spieleranzahl in der Mauer differenziert nach Tabellenplatzierung

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Standardsituationen

Tabelle 2: Verteilung der Tore bei Großturnieren

Tabelle 3: Kreuztabelle Daten Forschungshypothese 1

Tabelle 4: Ergebnisse des Chi-Quadrat-Tests Forschungshypothese 1

Tabelle 5: Kreuztabelle Daten Forschungshypothese 2

Tabelle 6: Ergebnisse des Chi-Quadrat-Tests Forschungshypothese 2

Tabelle 7: Kreuztabelle Daten Forschungshypothese 3

Tabelle 8: Ergebnis Chi-Quadrat-Test Forschungshypothese 3

Tabelle 9: Kreuztabelle Daten Forschungshypothese 4

Tabelle 10: Ergebnis Chi-Quadrat-Test Forschungshypothese 4

Tabelle 11: Korrelationen Forschungshypothese 5

Tabelle 12: Gruppenstatistiken Forschungshypothese 6

Tabelle 14: Ergebnis Varianzanalyse Forschungshypothese 7

Tabelle 15: Ergebnis Varianzanalyse Forschungshypothese 8

Tabelle 16: Ergebnis Varianzanalyse Forschungshypothese 9

1 Einleitung

Die Weltmeisterschaft (WM) 2018 ging als Turnier der Standards in die Ge- schichte ein. Für ein Highlight des Turniers sorgte England bereits am zweiten Spieltag der Gruppenphase gegen Panama. Das 4:0 fiel nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld. Trippier passte den Ball flach auf den entgegenkommen- den Henderson. Dieser leitete das Spielgerät an den rechts in den Strafraum ge- starteten Harry Keane weiter. Keane legte vor dem Tor quer und fand Sterling. Dieser verpasste den Ball, doch Stones war zur Stelle und erzielte das Tor. Ins- gesamt erzielte England in diesem Spiel vier seiner sechs Tore nach einer Stan- dardsituation (http://www.kicker.de/news/fussball/weltmeister- schaft/spiele/weltmeisterschaft/2018/2/3070445/spielanalyse_england_pa- nama.html). Der englische Nationalcouch Gareth Southgate verdeutlichte: „Wir haben Standards als Schlüssel für dieses Turnier identifiziert“ (https://de.fifa.com/worldcup/news/eine-wm-der-standards-die-suche-nach- den-grunden). Ohne Zweifel zählte dieser Treffer zu einem der schönsten Tore bei der WM 2018. Doch was macht ihn so besonders? Aus einer ähnlichen Po- sition würden wahrscheinlich 99 von 100 Teams entweder einen direkten Tor- abschluss oder eine hohe Flanke in den Strafraum präferieren. Es stellt sich die Frage, ob finanziell hochdekorierte Spitzenteams nicht viel öfter auf varianten- reiche und vor allem effektivere Standardausführungen zurückgreifen sollten. Freistöße stellen im Profifußball einen sehr wichtigen Erfolgsfaktor dar (Link, Kolbinger, Weber und Stöckl, 2016). Besonders bei gleichwertigen Gegnern können Standsituationen über Sieg oder Niederlage entscheiden (Casal, Maneiro, Ardá, Losada & Rial, 2014). Den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet eine quantitative Freistoßanalyse auf Grundlage der südkoreanischen K League Classic (2016) und der Primera Division de Uruguay (2015/2016). Ziel der Ba- chelorarbeit ist es, anhand des internationalen Forschungstandes Zusammen- hänge verschiedener Parameter der direkten Freistoßausführung herzustellen. Diese werden anschließend statistisch überprüft. Die systematische Spielanalyse bildet die Voraussetzung für die Gegnervorbereitung und die Trainingssteue- rung. Im ersten Teil dieser Arbeit wird die systematische Spielanalyse definiert und die Vorgehensweise erläutert. Hierbei wird zwischen quantitativer und qua- litativer Spielanalyse unterschieden und die Entwicklung dargestellt. Im zweiten Kapitel dieser Arbeit wird der Forschungsstand bezogen auf Strafstoß, Eckstoß, direkten und indirekten Freistoß, dargestellt. Hierbei werden verschiedene Da- tensammlungen dargestellt und ausgewertet. Der Fokus liegt hierbei auf Daten der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) und der Union of European Football Associations (UEFA). Anhand dieser Datensätze wird die Entwicklung und die Effizienz von Standardsituationen herausgearbeitet. Die Daten beschränken sich aufgrund der Verfügbarkeit auf den europäischen Spit- zenfußball. Wegen der geographisch limitierten Statistiken wurden im Zuge die- ser Bachelorarbeit alle direkten Freistöße aus der Priméra Division de Uruguay der Saison 2015/2016 und der südkoreanischen K League Classic analysiert und ausgewertet. Im dritten Gliederungspunkt werden Hypothesen vorgestellt, wel- che auf Grundlage der vorrangegangen theoretischen Darstellung aufgestellt wurden. Im nachfolgenden Abschnitt wird die Vorgehensweise der Durchfüh- rung der Analyse dargestellt. Es wurden insgesamt 356 Freistöße beobachtet und anschließend unter 22 Punkten kategorisiert. Das Kapitel Fünf beinhaltet die Er- gebnisdarstellung, welche sowohl schriftlich als auch grafisch erfolgt. Außer- dem werden die aufgestellten Hypothesen überprüft. In der anschließenden Dis- kussion werden Methoden und Ergebnisse kritisch hinterfragt und mit bereits vorhandenen Studien verglichen. Abschließend folgt eine Zusammenfassung mit Abstract.

Theoretischer Teil

2 Spielanalyse

Memmert und Rein (2018) bestätigen, dass sich die Spielanalyse revolutioniert hat. Dies wird auf die Weiterentwicklung der Sensortechnologie und der auto- matischen Bildverarbeitung zurückgeführt. Fußballspiele werden im Nachgang medial für die breite Masse aufbereitet und statistisch aufgearbeitet. Dies zeigt, dass das Interesse statistischer Auswertungen und deren Interpretation bereits weit über den Elitebereich hinausgeht und bei verschiedenen Altersklassen und Leistungsniveaus eine tragende Rolle spielt. Loy (2006) bestätigt, dass national und international agierende Vereine sowie Jugend und Amateurvereine auf die systematische Spielanalyse zurückgreifen. Ein Artikel der Zeit, welcher weniger wissenschaftlich fundiert ist, bestätigt jedoch, dass das Interesse an Spielanaly- sen bei vielen Teilen der Bevölkerung vorhanden ist (https://www.zeit.de/2011/32/T-Videoanalyse-Fussball).

Laut Memmert (2018) lässt sich die Spielanalyse in vier zeitliche Abschnitte einteilen, welche sich voneinander differenzieren. Dabei baut jeder Zeitabschnitt auf den vorausgehenden auf. Die Spielanalyse befindet sich unter anderem auf- grund des technischen Fortschritts in stetiger Entwicklung (Memmert 2018). Der Begriff „Spielanalyse“ oder auch „Match Analysis“ ist nicht mit dem Begriff „Spielbeobachtung“ gleichzusetzen. Die Spielbeobachtung definiert nur den ersten Teil der Spielanalyse (Buschmann, Krüger, Otto, 2013, Winkler, 2000). Der Begriff „Spielbeobachtung“ wird in drei verschiedene Methoden, die sub- jektive Eindrucksanalyse, die systematische Spielbeobachtung und das Scouting unterteilt (Buschmann, Krüger, Otto, 2013). Die verschiedenen Spielbeobach- tungsverfahren und deren Merkmale werden in folgender Tabelle abgebildet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Spielbeobachtungsverfahren (nach Buschmann, Krüger, Otto, 2013, S.13)

Für die subjektive Eindrucksanalyse sind subjektive Eindrücke unter flexiblen Merkmalen, welche ohne eine systematische Fixierung gesammelt werden, cha- rakterisierend. Das Pendant zur subjektiven Eindrucksanalyse bildet die syste- matische Spielbeobachtung, da diese das Spielgeschehen nach wissenschaftli- chen Prinzipien beschreibt. Charakteristisch hierfür ist das systematische Vor- gehen, welches eine objektive Darstellung des Spielgeschehens sicherstellen soll. Den Schnittpunkt der beiden genannten Beobachtungsverfahren bildet das Scouting, welches auf festgelegte und flexible Merkmale zurückgreift. (Busch- mann, Krüger, Otto, 2013).

Die systematische Spielanalyse ist in leistungs- und ergebnisorientierten Sport- arten ein essentieller Bestandteil. Die außerordentliche Bedeutung dieser Ana- lyse bestätigt Peters et al. (2008):

„Wer leistungsorientiert arbeitet, mit Einzelnen und mit Teams, für den ist deshalb die Analyse einer der wichtigsten Schritte zum Erfolg, vielleicht so- gar die wichtigste. Die Analyse steht bei allen ergebnisorientierten Tätigkeiten am Anfang eines jeden Prozesses, der auf die Verbesserung von Leistung aus- gerichtet ist […]“ (Peters et al. 2008, S.86).

Der Fokus einer Spielanalyse liegt jedoch nicht nur auf der Verbesserung von Schwachstellen und dem Abstellen von Fehlern, auch die Analyse von Stärken kann eine enorme Weiterentwicklung eines Teams bedeuten (Peters et al., 2008).

Generell ist es nicht möglich, allgemeingültige Ziele der Spielanalyse zu formu- lieren. Die unterschiedlichen Interessengruppen, wie Trainer, Sportwissen- schaftler oder Journalisten, nutzen die Möglichkeiten der Spielanalyse und ver- folgen mit den Ergebnissen verschiedene Ziele. Die Hauptinteressen des Trai- ners liegen vor allem an Leistungsanalysen der eigenen und der gegnerischen Mannschaft, sowie auf der Analyse zur Talentsichtung und Spielerverpflichtun- gen (Buschmann, Krüger, Otto, 2013). Sportwissenschaftler nutzen die gewon- nenen Analyseergebnisse um neue Erkenntnisse und Gesetzmäßigkeiten inner- halb eines Sportspiels festzustellen. Daraus können zum Beispiel neue Spielsys- teme oder Spielzüge entwickelt werden (Hansen, 2003). Journalisten nutzen meist quantitative Daten um ihre Eindrücke des Spiels zu belegen. Dazu zählen beispielsweise Ballbesitz-, Passquoten oder Laufdistanzen (Buschmann, Krüger, Otto, 2013).

Die Vorgehensweise zur systematischen Spielanalyse setzt sich nach Winkler (2000, S.64) und Buschmann (2013, S.15) aus drei Teilschritten zusammen, wel- che im folgenden Modell veranschaulicht werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Systematische Spielanalyse Modell (nach Winkler, 2000, S.64, Busch- mann, Krüger, Otto, 2013, S.15)

Um eine Spielanalyse als „systematisch“ zu bezeichnen, müssen nach Winkler (2000) folgende Vorrausetzungen erfüllt sein: Beobachtungs- und Analyseziele müssen eindeutig definiert sein. Methoden und die benötigten technischen Hilfs- mittel werden eindeutig festgelegt. Die Ergebnisse werden durch Tabellen und Grafiken dargestellt. Es folgt eine abschließende Präsentation der Ergebnisse.

Die Beobachtungs- und Auswertungsziele liegen zum Beispiel im individualtak- tischen, technisch-konditionellen Bereich sowie im individual-, gruppen- und mannschaftstaktischen Rahmen. Als konkrete Beispiele können Standardsituati- onen, Spielauslösung, defensive Grundordnung oder Umschaltspiel nach Ball- verlust genannt werden (Buschmann, Krüger, Otto, 2013).

2.1 Quantitative Spielanalyse

Der Begriff „Quantitative Spielanalyse“ definiert sich durch das Beobachten und die numerische Erfassung von Ergebnissen. Im Anschluss erfolgt eine entspre- chende statistische Verarbeitung der erfassten Daten sowie eine Ergebnisdarstel- lung mit Hilfe von Tabellen oder Grafiken. Dies mündet in einer abschließenden fachlichen Interpretation (Winkler, 2000). Ziel der quantitativen Spielanalyse ist eine möglichst objektive Erfassung eines Spiels. Der Beobachter dokumentiert die Häufigkeiten bestimmter Spielaktionen. Diese sind „festgelegt“, „klar defi- niert“ und „kategorisiert“. Die vorher klar definierten Spielhandlungen werden nicht nur gezählt, sondern auch bewertet. Der Analyst differenziert zum Beispiel zwischen erfolgreichen und nicht erfolgreichen Aktionen (Buschmann, Krüger, Otto, 2013).

Zu den Vorteilen der quantitativen Spielanalyse zählt die hohe Objektivität, wel- che aus den klar definierten Kategorien und dem simplen Zählen der festgelegten Spielhandlungen resultiert. Die Ergebnisdarstellung lässt sich relativ einfach aufbereiten und veranschaulichen. Jedoch ergeben sich auch Nachteile bei der quantitativen Analyse. Da sich die beobachteten Aktionen meistens auf den Ball oder sein nahes Umfeld beschränken, ist es kaum möglich, gruppen- oder mann- schaftstaktische Handlungen zu analysieren. Simple gruppentaktische Handlun- gen, wie Hinterlaufen oder Doppelpässe, können jedoch auch mit dieser Me- thode der Spielanalyse ausgewertet werden, da sich die beteiligten Spieler in der Nähe des Balls befinden. (Buschmann, Krüger, Otto, 2013).

2.2 Qualitative Spielanalyse

Bei der qualitativen Spielanalyse fließt die Subjektivität des Beobachters mit ein. Der Analyst betrachtet sowohl die Qualität von Verhaltensweisen einzelner Spieler als auch gruppen- oder mannschafttaktische Handlungen. Hierzu zählt zum Beispiel die Analyse verschiedener Spielstrukturen und Handlungen, Ver­ haltensweisen oder Kiinnen von einzelnen oder mehreren Spielern. Als Beispiele kiinnen das Kombinations- und Konterspiel von Mannschaften, die defensive Grundordnung oder das Freilaufen von Spielern angefiihrt werden (Buschmann, Kriiger, Otto, 2013, Winkler, 2000).

3 Standardsituationen

Eine Standardsituation beschreibt eine Spielaktion, welche aus einer ruhenden Position des Balls resultiert. Hierzu zählen Eckbälle, direkte und indirekte Frei- stöße, Abstöße und Anstöße. „Die Qualität eines guten Fußballspiels hängt nicht nur vom Spieltempo, der Kreativität oder von der Dynamik der Einzelaktionen ab, sondern wird auch im Wesentlichen von raffinierten und exakten Ausführun- gen von Standardsituationen bestimmt.“ (Frank, 2001, S.7).

Erste Publikationen im Bereich der Standardsituationen erschienen bereits in den 1990er Jahren in der Fachzeitschrift „Fußballtraining“ des Deutschen Fußball Bundes. Seit etwa zehn Jahren erscheint eine größere Anzahl von Publikationen zum Thema Standardsituationen im Fußball (Alcock, 2010, Casal et al., 2014, Link et al., 2016, Nunome et al., 2013, Sterzing et al., 2009) Die Studienlage zum Thema ist jedoch sehr überschaubar, speziell im Bereich direkte Freistöße existieren wenig wissenschaftlich fundierte Studien.

In einer Studie von Link et al. (2016) wurde die Effizienz von insgesamt 21.414 Freistößen untersucht. Die Datengrundlage basiert auf der Bundesliga Saison 2013/2014 und 2015/2016. Basierend auf dieser Datengrundlage gab es durch- schnittlich 34,9 Freistöße pro Spiel, davon wurden im Mittel 5,8 Freistöße mit weniger als 35 Metern Torentfernung ausgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass unter anderem die Variablen „Position“, „Freistoßausführung“, „Mauerspieler“, „Entfernung des Freistoßes zur Mauer“ und „Regelverletzungen der Spieler in Mauer“ abhängig voneinander sind. Ist der Ort der Freistoßausführung zentraler und näher zum Tor, steigen die Variablen „Anzahl der Spieler in der Mauer“, „Regelverletzungen“ und „Spielunterbrechungen“ an. Insgesamt wiesen die Freistöße eine geringe Erfolgsquote von 7,6% auf. 22,2% der Freistöße wurden als direkter Freistoß ausgeführt. 4,1% der Tore resultierten dabei aus einem di- rekten Freistoß. Eine höhere Effizienz wiesen Freistöße aus zentraler Position auf (12 Meter im Umkreis des Elfmeter Punktes). Keine Effizienz hingegen gab es bezüglich der von rechts und links ausgeführten Freistößen.

Alcock (2010) stellt bei der Analyse direkter Freistöße während der Frauen WM 2007 folgende Ergebnisse dar: Bei der Auswertung der 32 Spiele resultieren alle sieben erfolgreichen Freistöße aus einer zentralen Position. Laut Alcock steigt die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Freistoßes, wenn der Schütze halb- hoch in die Nähe des Torgehäuses zielt.

Roland Loy (1989) formulierte nach einer Betrachtung zur Verteilung der Bun- desliga Tore ähnliche Erfolgsfaktoren für Standardsituationen. Ein platzierter Schuss in die Nähe des Torgehäuses ist effektiver, als ein harter, unplatzierter Torabschluss. 91% der Freistöße, welche in Nähe von Pfosten oder Latte plat- ziert wurden, waren erfolgreich. Es wird davon ausgegangen wird, dass plat- zierte Schüsse oftmals mit dem Innenspann ausgeführt werden. Begründet wird dies mit einer Studie von Nunome et al (2002), in der signifikant bestätigt wurde, dass aus einem Vollspannstoß eine größere Schusshärte resultiert als aus Schuss mit dem Innenrist. Sterzing et al (2009) bestätigten dieses Ergebnis und fügten an, dass bei der langsameren Schusstechnik mit dem Innenspann eine höhere Präzision erreicht wird. Laut Alcock (2010) hängt es stark von den Variablen „Platzierung“ und „Geschwindigkeit des Balles“ ab, ob ein Freistoß zum Torer- folg führt. Als Grund dafür bezieht sie die Reaktionszeit des Torhüters mit ein. Roland Loy (1989) formulierte nach einer Betrachtung zur Verteilung der Bun- desligatore bereits Erfolgsfaktoren für Standardsituationen. Ein platzierter Schuss in die Nähe des Torgehäuses ist effektiver als ein harter, unplatzierter Torabschluss. 91% der Freistöße, welche in Nähe von Pfosten oder Latte plat- ziert wurden, waren erfolgreich. Ein weiterer Beitrag von Loy (1997) hebt die Bedeutung von Standardsituationen hervor und nennt mehrere Vorteile des an- greifenden Teams. Ohne den gegnerischen Störeinfluss der verteidigenden Mannschaft kann sich das angreifende Team einen Vorteil durch einstudierte Lauf- und Passwege verschaffen. Weiterhin können Freistoßspezialisten eines Teams ihre Stärke gezielt einsetzen.

Bereits 1997 stellte Loy fest, dass das Einstudieren von Standardsituationen im Training zu wenig berücksichtigt wird. Im Nachgang an seine Spielanalyse merkte er an, dass Freistoßvarianten ein fester Bestandteil des Trainings sein müssten. Verteidigende Mannschaften könnten sich ansonsten problemlos auf eine Variante einstellen. Als Beispiel wird der FC Bayern München angeführt, welcher in den Jahren 1989/1990 bis 1991/1992 lediglich ein Tor in 70 Heim- spielen nach einem direkten Freistoß erzielte.

Laut der Analyse von Loy (1997) weisen indirekte und direkte Freistöße eine ähnliche Effektivität auf. Von 2000 untersuchten Freistößen waren insgesamt 108 erfolgreich, was 5,4% entspricht. Im Schnitt waren 18,3 Versuche für einen direkten Freistoßtreffer nötig. Im Folgenden wird die Auswertung der Freistöße dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Diagramm zu direkten Freistößen der 1.Bundesliga (nach Loy 1997, S.16)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Diagramm zu indirekten Freistößen der 1. Bundesliga (nach Loy 1997, S.16)

Es fällt auf, dass der Mauer eine enorme Bedeutung bei der Verteidigung von Freistößen zukommt. 35% aller Schüsse wurden durch die Mauer abgeblockt. Bei Standardsituationen fällt es in den Aufgabenbereich des Torwarts, seine Abwehrspieler zu dirigieren und eine Mauer zu stellen. Die Anzahl der Mauer- spieler setzt sich aus der Freistoßposition und der Entfernung zusammen. Bei der Ausrichtung der Mauer ist zu beachten, dass der Torwart den Ball von seiner Position sehen kann und die Mauerecke durch die Mauer geschützt wird. Der Torhüter positioniert sich in der hinteren Torhälfte, der sogenannten Torwart- ecke. Bei indirekten Freistößen wird der Ball häufig in die Spielfeldmitte ge- flankt. Um das Tor bestmöglich zu sichern, muss der Torhüter sich ebenfalls in die Spielfeldmitte, in Richtung Mauerecke, bewegen (Muders, 2000).

Bei einer empirischen Untersuchung von 5000 Toren stellte Loy (1997) fest, dass 9% aller Tore nach Eckstößen fallen. Nach Freistößen fielen insgesamt 11,5% aller Tore. Die Verteilung der Freistoßtore gliederte sich in direkte Tref- fer (3,1%), indirekte Treffer (2,7%) und Freistoßflanken (5,7%). Mit 6,5% stell- ten Elfmeter einen geringen Teil der insgesamt erzielten Tore dar. Loy (1997) nannte als mögliches Ziel bei Freistößen die Torwartecke und begründete dies mit einem Überraschungseffekt für den Torhüter. Speziell bei nassem Unter- grund oder bei Schüssen, welche vor dem Tor aufsetzen, kann dieses Schussziel effektiv sein.

Eine weitere statistische Erhebung zeigt die Erfolgsquoten der jeweiligen Stan- dardsituationen zusammengefasst. Der Elfmeter wird hierbei mit einer Effizienz von 75% als torgefährlichste Standardsituation angeführt. Von Insgesamt 3000 Freistößen waren 122 erfolgreich. Dies entspricht einer Trefferquote von 8,1%. Mit lediglich 2,1% Torerfolg wiesen Eckbälle mit Abstand die geringste Effek- tivität auf (Loy 2008).

Tabelle 1: Standardsituationen (in Anlehnung an Loy, 2008, S.103)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Setzt man die einzelnen Standardsituationen ungeachtet von ihrer Torgefährlich- keit in ein Verhältnis, so fallen 7% nach einem Elfmeter und 9% nach einem Eckball. 1% der Tore fiel nach einem indirekten Freistoß und 3% der Treffer nach einem direkten Freistoß. Loy (2008) betrachtete bei der Aufstellung 100 Bundesliga Tore. In weiteren Untersuchungen stellte er fest, dass im Schnitt jede dritte Führung (31%) nach einer Standardsituation fällt (Loy, 2008).

Die UEFA und die FIFA publizieren nach jedem Turnier einen „Technical Re- port“. Dieser bildet die Grundlage, um die Entwicklung der Bedeutung von Stan- dardsituationen darzustellen. Anhand der Daten der einzelnen Turniere wird eine steigende Tendenz von Standardtoren, bezogen auf die Gesamtanzahl der Tore, festgestellt (FIFA, 2010, FIFA 2014, UEFA EURO 2012, UEFA EURO 2016). Während die UEFA (2012) bei der EM noch einen Abwärtstrend von effektiven Standardsituationen feststellte kann man seit 2012 einen stetigen prozentualen Zuwachs verzeichnen. Im Folgenden wird die Verteilung der Tore bei Großtur- nieren dargestellt:

Tabelle 2: Verteilung der Tore bei Großturnieren (nach https://de.fifa.com/fifa-tourna- ments/statistics-and-records/worldcup/teams/index.html, UEFA EURO 2012, UEFA EURO 2016)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Technische Report der FIFA WM 2018 in Russland lag zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Bachelorarbeit nicht vor. Es wurde deshalb auf andere Artikel der FIFA zurückgegriffen. Bei der WM 2018 war eine steigende Tendenz von effektiven Standardsituationen zu beobachten. In 62 Spielen fielen insgesamt 68 Tore nach Standardsituationen, was einen neuen Rekord in der Geschichte der Weltmeisterschaft bedeutet. 15 der insgesamt 31 Mannschaften erzielten die Hälfte ihrer Tore nach Standards. England erzielte 75% der Tore durch Eckbälle, Elfmeter oder Freistöße. Im Viertel- und Halbfinale der WM 2018 fielen 47% der erzielten Tore nach Standardsituationen. Mehrere Aspekte begünstigen diesen Anstieg. Durch die intensive Schulung von Schiedsrichtern und den Vi- deobeweis konnten mehr Fouls erkannt und geahndet werden. Standardsituatio- nen lassen sich aufgrund der Zeitknappheit der Nationalmannschaften schneller einstudieren als offensive Spielzüge (https://de.fifa.com/worldcup/news/eine- wm-der-standards-die-suche-nach-den-grunden).

Ein weiteres positives Beispiel im professionellen Fußball im Bereich Effektivi- tät bei Standardsituationen ist der dänische Erstligaverein FC Midtjyland. Durch Spielanalyse und gezieltes Training wurde die Mannschaft Meister der Saison 2014/2015. Ein wichtiger Faktor des Erfolgs war die effektive Ausführung von Standardsituationen. Im Durchschnitt erzielte der Verein ein Tor pro Spiel aus einem Freistoß oder einer Ecke (Biermann, 2016).

[...]

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Quantitative Freistoßanalyse auf der Grundlage der südkoreanischen K League Classic 2016 und der Primera Divisón Profesional de Uruguay 2015/2016
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
51
Katalognummer
V540046
ISBN (eBook)
9783346178831
ISBN (Buch)
9783346178848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Quantitative, Spielanalyse, Freistoß, Quantitative Spielanalyse, Qualitative Spielanalyse, Standardsituationen, Deskriptive Statistik
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Quantitative Freistoßanalyse auf der Grundlage der südkoreanischen K League Classic 2016 und der Primera Divisón Profesional de Uruguay 2015/2016, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540046

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