"Der jobfressende Roboter". Gesellschaftliche Wahrnehmung und Reaktion auf technische Entwicklungen von 1960 bis 1990


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Mysterium der künstlichen Intelligenz

III. Die Geschichte der Computerisierung, der KI und der Robotik in Grundzügen

IV. Analyse der gesellschaftlichen Reaktion/Wahrnehmung von technischen Entwicklungen
IV.1. Der Roboter übernimmt: Die 60er
IV.2. Automaten-Menschen und der Einfluss des Computers: die 70er

V. Zusammenfassung

VI. Fazit

VII. Quellenverzeichnis

I. Einleitung

„Unser Tun und Trachten werde dereinst von Grund auf umgekrempelt. Künder der neuen Kulturepoche würden geistig überlegene Wesen auf der Erde sein: elektronische Super-Gehirne, intelligenter als alle Genies, die von der menschlichen Rasse je hervorgebracht wurden.“1

Dieses Zitat des Roboterforschers und KI-Gründer Marvin Minsky aus dem Jahr 1966 drückt eine Veränderung, die der Menschheit bevorsteht aus und schafft gleichzeitig ein Gefühl der Unterlegenheit des Menschen durch die eigenkonstruierten Maschinen, die in jedem Bereich fortschrittlicher sein sollen, als der Mensch. Zwar teilten nicht alle Forscher die Meinung Minskys, dennoch nahmen, aufgrund des technischen Fortschritts die Prognosen für eine beginnende Maschinenevolution ab den 60zigern deutlich zu. Dies führte natürlich zu Diskussionen über Robotik, Computerisierung und Künstliche Intelligenz, da die Daseinsberechtigung des Menschen und das Bewusstsein der Menschheit zunehmend ins Wanken geriet. So wurde immer wieder die entscheidende Frage gestellt, was uns von einer Maschine unterscheidet und wo wer von beiden besser ist. Dies zeigte sich, je nach dem in welchem Bereich die Technik gerade vordrang, sowohl auf der Mikroebene, nämlich in der Technisierung von alltäglichen Produkten, als auch auf der Makroebene im Bereich der Robotik, sodass nahezu jeder den technischen Fortschritt wahrnehmen konnte. Dabei gab und gibt es immer unterschiedliche Reaktionen und Sichtweisen auf den technischen Fortschritt, wie sich auch heutzutage, anhand der Debatte über die Gesichtserkennungssoftware und die Kennzeichenerfassung von Autos, widerspiegelt.

In dieser Arbeit soll die gesellschaftliche Reaktion der vergangenen Jahrzehnte untersucht werden. Konkret liegt die Frage, wie der technische Fortschritt im Bereich der Robotik, der Computerisierung und der KI in der Gesellschaft in den Jahrzehnten von 1960 bis 1990 wahrgenommen wurde, dieser Arbeit zu Grunde. In diesem Zusammenhang sollen, sowohl Reaktionen der Forscher und Techniker, als auch die der Konsumenten betrachtet werden, um anhand dieser ein allgemein-gesellschaftliches Bild der Wirkung des technischen Fortschritts zeichnen zu können.

Als Quelle dienen dieser Hausarbeit verschiedene Spiegelartikel aus den vier Jahrzehnten, die die drei zentralen Themen: Robotik, Computerisierung und KI behandeln. Dabei lassen sich nicht in jedem Jahrzehnt zu allen drei Themen Reaktionen finden. Da diese aber sehr eng miteinander verwoben sind, besteht die Möglichkeit sie immer auf den gesamten Bereich des technischen Fortschritts zu beziehen. Zudem sollte beachtet werden, dass die Artikel immer die alleinige, subjektive Sicht der Autoren auf die Gesellschaft darstellt, die ggf. manchmal drastischer oder auch idealisierender ausfällt, als sie vielleicht wirklich war.

Da den drei Themen Entwicklungen auf dem Feld der KI zu Grunde liegen, soll diese anhand der Darstellungen von Peter Buxmann und Holger Schmidt in dem Artikel: „Künstliche Intelligenz: Mit Algorithmen zum wirtschaftlichen Erfolg“2 sowie Auszügen aus dem Sachbuch von Ralf T. Kreuter und Marie Sirrenberg3 und dem Artikel des Bundesministerium für Wirtschaft4, näher definiert werden. Kritisch hinterfragen, lassen sich möglicherweise hier die Bemühungen klarzustellen, dass KI nichts mit Science-Fiction zu tun hat. Um nachzuvollziehen, wie der technische Fortschritt sich entwickelte, soll anschließend eine genauere Betrachtung der technischen Entwicklung und den Erfindungen seit den Anfängen in diesem Bereich, in den 40er-Jahren folgen, bevor die Analyse der Reaktionen auf diesen sich anschließt. Die Untersuchungen von Martine Heßler zu den Grenzen der Automatisierung5 und von Annette Schuhmann zur Computerisierung der Arbeitswelt6 sowie Informationen zur Computergeschichte von H.R. Wieland7 und zur Robotik aus der Vorlesung von Prof. Tamim8 bieten Auskünfte zum historischen Kontext der Technik.

II. Das Mysterium der künstlichen Intelligenz

Um zu verstehen was die Hintergründe vieler technischen Entwicklungen sind, ist eine genauere Betrachtung des Forschungsfeldes der Künstlichen Intelligenz von Nöten. Der folgende Abschnitt widmet sich also der Definition und der Aufgabe bzw. dem Ziel und der Geschichte der Künstlichen Intelligenz.

Beim Versuch die KI zu erklären fällt auf, dass es keine allgemein anerkannte Definition des Begriffes gibt, was zum einen am breiten Forschungsfeld liegt, zum anderen aber auch an der bisher nicht geklärten Definition der menschlichen Intelligenz. Während Ralf T. Kreutzer KI als maschinelle Fähigkeit definiert, die kognitive Aufgaben, wie „[...] Wahrnehmung, Argumentation, selbstständiges Lernen und Problemlösungen“9 übernimmt, unterteilen Peter Buxmann und Holger Schmidt sie in eine starke und schwache Variante. Während unter der starken KI von allen Ansätzen ausgegangen wird, „[...] die versuchen den Menschen bzw. die Vorgänge im Gehirn abzubilden und zu imitieren“10, wie das Bewusstsein oder das empathische Vermögen, beschreibt die schwache KI eher Lösungen, die heutzutage technisch machbar sind sowie die Entwicklung von Algorithmen für bestimmte Problemstellungen, also keine Imitation menschlicher Denkprozesse. Es zeigt sich also, dass die Grenzen der KI relativ schwammig sind. Ralf T. Kreutzer beschränkt sich in seiner Definition mehr auf den kognitiven Bereich, während die zwei anderen Autoren KI auf Motorik und sämtliche andere Signale ausweiten, die das Gehirn versendet, aber auch Forschungen, die sich mehr auf die Ebene der Softwareentwicklung zur ökonomischen Produktivitätssteigerung fokussieren.11

Das Ministerium für Wirtschaft verdeutlicht in seinem Artikel den historischen Kontext der KI, die in drei zeitliche Phasen unterschiedliche Merkmale oder Grundprinzipien der Forscher aufweist. So wurde KI in ihrer ersten Phase ab ihrer Prägung im Jahre 1956 bis einschließlich der 70ziger Jahre eher als maschinelle Argumentationsfähigkeit gesehen. Ab den 80zigern versuchten die Forscher das Grundprinzip der Argumentationsfähigkeit mit Expertenwissen zu verbinden und so „Expertensysteme“ zu erschaffen. Diese konnten mehr Wissen ansammeln als jeder einzelne Mensch. Beide Phasen scheiterten aufgrund von ausgebliebenden technischen Durchbrüchen und den zu hohen Geschäftserwartungen. In der dritten Phase, ab den 90zigern bis heute, steht das „Machine Learning“ im Vordergrund. Es soll Lösungen für reale, wirtschaftliche Probleme durch Konstruktion von Approximationsfunktionen liefern und dadurch dem Menschen nicht nur kognitiv in bestimmen Bereichen überlegen sein, sondern sich darüber hinaus zu einer Superintelligenz entwickeln können, die das menschliche Denken weit hinter sich lässt.12

Die Orientierung an den Fähigkeiten des menschlichen Gehirns, darunter vor allem das selbstständige Lernen, scheint also allen Definitionen zu Grunde zu liegen. Das neuronale Netzwerk ist dabei der wesentliche Baustein. Es besteht aus einem Schichtsystem, in dem Daten abgelegt und verarbeitet werden und nur das Resultat in die nächste Schicht übertragen wird, sodass ein Lernprozess beim Übergang von einer, in die andere Schicht entsteht, ähnlich wie das Neuronensystem im menschlichen Gehirn.13

Neben den unterschiedlichen Definitionen von KI, sind auch ihre Aufgaben und Ziele durchaus verschieden. Von der ökonomischen Seite aus betrachtet, wird KI vor allem auf dem Gebiet der Robotik in der Produktion und Logistik angewandt. Unternehmen versuchen allerdings auch KI für die Gesellschaft brauchbar zu gestalten bzw. menschliche Fähigkeiten im Alltag maschinell nachzubilden. So soll durch die Machine Learning Plattform SAP, KI menschliche Kommunikation durch das Erkennen von Situationen verbessern sowie Hilfe bei der Entscheidungsfindung bieten und allgemein menschliche Fähigkeiten verbessern.14

Aber gerade mit der Implementierung der KI in die Gesellschaft kommt es auch zu neuen Risiken wie Cyberangriffe im Sicherheits- und Finanzbereich. Des Weiteren wirft die KI-Entwicklung seit Anbeginn wesentliche Fragen auf, bspw. nach dem Wert der Aussagen der KI-Systeme oder der Verantwortung und Zukunft des Menschen.15

III. Die Geschichte der Computerisierung, der KI und der Robotik in Grundzügen

Welche Entwicklungen genau durch die Forschung im Bereich der KI, der Computerisierung und der Robotik von den 60-90er-Jahren entstanden und welche gesellschaftlichen Konsequenzen diese teilweise mit sich brachten, soll nun dargestellt werden.

Schon der erste funktionsfähige Computer der Welt, der Zuse Z3 aus dem Jahr 1941 wurde von seinem deutschen Erbauer Konrad Zuse mit dem Ziel gebaut, menschlicher Intelligenz ebenbürtig zu sein. Nach der gleichen Bauweise entstanden auch in England und Amerika in den 40ziger Jahren die ersten Rechner, wie der Atana-soff-Berry (1941) und der Mark I, als erster vollwertiger Rechner (1944), sowie die Chiffriermaschine Colossus (1943) und der EDSAC (1949). Durch diese neuen Entwicklungen kam es zum einen zu einer hohen Nachfrage nach Computern in Unternehmen sowie zur Entstehung neuer Berufe, wie der des Programmierers, zum anderen setzte man sich zunehmend mit dem Thema der Elektrogehirne auseinander. Folglich wurde 1956 am Dartmouth College auf einer sechswöchigen Konferenz der Begriff Künstliche Intelligenz von John Mc Carthy ins Leben gerufen. KI bezog sich nach den Forschern erstmal auf eine Intelligenz außerhalb der menschlichen. Ein Jahr später wurde die Basis der KI das neuronale Netzwerk entdeckt.16

In Unternehmen war der Computer ab den 1950ern nicht mehr wegzudenken und hatte durch die KI-Forschung, die ihn immer schneller, günstiger und mit mehr Speicherkapazität versah, soviel Platz eingenommen, dass man, wie Annette Schuhmann es beschreibt, von einer „Mechanisierung der Büroarbeit“17 sprechen konnte.

Für den Startpunkt auf dem Gebiet der Industrierobotik sorgten G.Devol und Joe F. Engelberger 1959 mit dem ersten, computergesteuerten, hydraulisch angetriebenen Industrieroboter „Unimate“. „Unimate“-ähnliche Roboter wurden daraufhin beim Autohändler Ford 1961 eingesetzt. Mit dem Roboter „Shakey“ schuf Charles A. Ross acht Jahre später den ersten mobilen Roboter, der mit Hilfe der Bildbearbeitung navigieren und Gegenstände zur Seite stellen konnte.18

Durch das Wirtschaftswachstum in den 60zigern angefacht, entwickelten sich im Computerbereich Betriebssysteme, Datenbanken, Software und die für jeden Rechner kompatible Programmiersprache BASIC. So entstanden erste Großraumbüros. Die Entwicklungen in den 70ziger demokratisierten den technischen Bereich. So konnte durch die Mikroelektronik auf der einen Seite Probleme auf dem Arbeitsmarkt und in der Produktion gelöst werden, zum anderen war sie für jeden Konsumenten erschwinglich, da sie in fast allen alltäglichen Geräten eingebaut wurde. Zudem entstand die Idee eines Computers für den Normalverbraucher, der deutlich kleiner ausfallen sollte, als die schon als Middleware bezeichneten, etwas kleineren Ausgaben der Großrechner. Nach dem Vorbild von schon existierenden Bausätzen von Taschenrechnern, sollten auch Computer, die mehr konnten, gebaut werden. Firmen wie Apple (1976) oder Commodore (1954) produzierten 1977 sogenannte Homecomputer im unteren Preissegment, wie den Apple I ohne Netzteil, Tastatur oder Gehäuse (nur Platine) oder den Commodore PET 2001.19

Neben der Entwicklung von ersten kleineren Computern entfaltete sich auch die Roboterproduktion. So waren nun auch Industrieroboter im Daimler-Benz-Werk tätig und der erste humanoide Roboter Wabot-1 wurde in Tokyo gebaut. Die Roboter der ersten Generation (ca.1960-80) verfügten allerdings nur über eine geringe Rechenleistung und waren für Aufgaben in der Produktion zuständig und wiesen keine sensoriellen Fähigkeiten auf.20

Die Evolution der Homecomputer setzte sich auch in den 80zigern fort und wurde durch die Medienindustrie, und ihrer enormen Produktion von Video- und PC-Spielen zusätzlich angefacht. Während die Firma Apple mit dem Apple II eher finanzstärkere Konsumenten ansprach, entstand so Platz für neue Anbieter, sodass die Firma Commodore mit dem C64 den erfolgreichsten Rechner mit selbst entwickelten Sound -und Grafikchips produzieren konnte. Abgelöst wurde er von den weitaus schneller arbeitenden Personalcomputern, den IBM-PC (ehemaliger Großrechnerhersteller) und dem Apple Macintosh, die beide als Büro-PC genutzt wurden.21

Auf dem Feld der KI wurde neben der Entwicklung von Expertensystemen, die aus definierten Regeln und einer klar abgegrenzten Wissensbasis bestanden, auch das „Fifth Generation Project“ in Japan gegründet, dass sich mit Hilfe der 1972 entwickelten Programmiersprache PROLOG, die praktische Anwendung von KI zum Ziel gemacht hatte. Die Forschung fokussierte sich mehr auf Erfahrungswissen, körperliches Wissen und Reaktionsfähigkeit, statt logischem Denken.22

Ab den 80ern entstand auch die zweite Generation der adaptiven Roboter. Roboter wurden nun mit mehr Sensoren und einer eigenen Programmiersprache (VAL) ausgestattet und waren insgesamt anpassungsfähiger. Der Fortschritt im Bereich der Robotik setzte sich auch in den 90ern fort und äußerte sich in fußballspielenden Robotern, die in Teams auf öffentlich wirksamen Robocups gegeneinander spielten. Dass der Trend sich in die Richtung von menschenähnlichen Robotern entwickelt, zeigt auch der Roboter KISMET aus dem Jahr 1998, der mit dem Mensch interagieren konnte.23

Zu Debatten über den Computer kam es auch in den 90er-Jahren, da nun zum ersten Mal ein solcher den Schachweltmeister Kasparow durch pure Rechenleistung besiegte. Die Fähigkeiten des Computers beschränkten sich aber nicht nur auf die Speicherung und Verarbeitung von Daten, er wurde außerdem, durch die Entwicklung des Internets, als Kommunikationsmedium gesehen.24 Auf dem Gebiet der KI setze sich außerdem der neue Ansatz der verteilten KI durch, der gekoppelt mit dem „Machine Learning“ es möglich machte simulationsbasierend verschiedene Untersuchungsbereiche zu analysieren und demnach Lösungen für eine Bandbreite von Problemen anzubieten.25

IV. Analyse der gesellschaftlichen Reaktion/Wahrnehmung von technischen Entwicklungen

Nachdem nun die technischen Entwicklungen auf den Gebieten der Computerisierung, der Robotik und der KI grob erklärt wurden, soll nun, angefangen mit den 60zigern die Wahrnehmung der Gesellschaft bzw. die konkreten Reaktionen auf technische Neuheiten analysiert werden.

IV.1. Der Roboter übernimmt: Die 60er

Wie schon an den Überschriften der Spiegel-Artikel: „Automation. Einzug der Roboter“ und „Kunsthirne. Ich, Robot“ (s.Fußnote 26) zu erkennen ist, spielen in diesem Jahrzehnt vor allem die Reaktionen und Wahrnehmungen von der, sich in der Industrie immer weiter ausbreitenden Robotik, eine Rolle. Da sie vor allem zum Jobverlust vieler Arbeiter, aber auch zu anderen Bedingungen und Prozessen am Arbeitsplatz führte, waren die Reaktionen aus unterschiedlichen Gründen negativ geprägt. So breitete sich für die, die ihren Job vorerst behalten durften zum einen vor allem Langeweile aus, da sich ihre Tätigkeit auf wenige Handgriffe bzw. das Drücken von Knöpfen sowie auf das Beobachten des maschinellen Arbeitsvorgangs beschränkte. Zum anderen konnte die dauerhafte Untätigkeit, die fehlende Abwechslung und die hohe Konzentration bei der ständigen Beobachtung zu mangelnder Arbeitsbefriedigung und Stress bis hin zu Schuldkomplexen führen.26

So sprach der Automationsspezialist Ben B. Seligmann von einer „Entwertung der beruflichen Qualifikation [der die Arbeiter] auf den sozialen Abfallhaufen wirft.“27, da die Anforderungen und das Wissen, um im Fertigungsbereich arbeiten zu können immer geringer wurden. Dabei kommt zu der Erniedrigung der älteren Arbeiter und ihren Fähigkeiten aufgrund der maschinellen Arbeit, eine weitere Demütigung, durch die neuen, präferierten Arbeitskräfte, darunter Programmierer und Analysatoren, hinzu. Sie sind nun unersetzbar und machen häufig ältere Arbeitskräfte entbehrlich. Diese Gegensätzlichkeit der alten und neuen Kompetenzen, die auf der betrieblichen Ebene zu Klassenkämpfen führen konnte, wie am Beispiel eines französischen Versicherungsunternehmen deutlich wird, lässt, auf die Gesellschaft ausgeweitet, auf einen sich anbahnenden Generationskonflikt schließen.28

Während die älteren Arbeitskräfte Wohl oder Übel mit den neuen Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz leben mussten, verloren aber auch viele ihren Job, aufgrund der Rationalisierung durch den Einzug der Roboter in die Fabrikhallen und der Konsequenz der Inkompatibilität der Menschen mit den Maschinen. So erklärte der Initiator der Rationalisierung der H. Bahlsens Keksfabrik Kurt Pentzlin in dem Zusammenhang: „Der forschende Mann und speziell der Fachmann sind hier unter Umständen eine Belastung für das Gelingen.“29 Das Zitat beweist, dass gerade die Gewinner der neuen Technik: Firmenleiter und Techniker, den Menschen als eine Fehlerquelle wahrnahmen, wenn er nicht genau so unwissend und stupide agiere, wie bspw. ein Roboter.30

[...]


1 Zitat von Marvin Minsky aus: TECHNIK/KUNSTGERHIRNE: Ich, Robot (19.05.1969), in: Spiegel, https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45702279.html, letzter Zugriff am 23.02.2020. (Spiegel: Ich,Robot)

2 Buxmann, Peter; Schmidt, Holger (Hrsg.): Künstliche Intelligenz. Mit Algorithmen zum wirtschaftlichen Erfolg, Darmstadt 2019. (Buxmann: KI)

3 Kreutzer, Ralf T.; Sirrenberg, Marie: Künstliche Intelligenz verstehen. Grundlagen – Use-Cases – unternehmenseigene KI-Journey, Wiesbaden 2019. (Kreutzer: KI verstehen)

4 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi): Künstliche Intelligenz in Sicherheitsaspekten der Industrie 4.0, München 2019. (BMWi: KI in Sicherheitsaspekten)

5 Heßler, Martina: Die Halle 54 bei Volkswagen und die Grenzen der Automatisierung. Überlegungen zum Mensch-Maschine-Verhältnis in der industriellen Produktion der 1980er-Jahre, in: Zeithistorische Forschungen 11, 2014. (Heßler: Halle 54)

6 Schuhmann, Annette: Der Traum vom perfekten Unternehmen. Die Computerisierung der Arbeitswelt in der Bundesrepublik Deutschlands, in: Zeithistorische Forschungen 9, 2012. (Schuhmann, Computerisierung)

7 Wieland, H.R.: Computergeschichte(n) – nicht nur für Geeks. Von Antikythera zur Cloud, Bonn 2011. (Wieland: Computergeschichten)

8 Asfour, Tamim: 01: Robotik I – Einführung in die Robotik, Vorlesung, WS 2017/18, (16.10.2017): https://mediaservice.bibliothek.kit.edu/#/details/DIVA-2017-519, letzter Zugriff am 23.02.2020. (Tamim: Robotik)

9 Kreutzer: KI verstehen, S.3., Buxmann: KI, S.6.

10 Buxmann: KI, S.6.

11 Ebd.

12 BMWi: KI in Sicherheitsaspekten, S.7., Kreutzer: KI verstehen, S.20.

13 Kreutzer: KI verstehen, S.5.

14 Ebd., S.1., Buxmann: KI, S.59.

15 BMWi: KI in Sicherheitsaspekten, S.4., Kreutzer: KI verstehen, S.20/21.

16 Kreutzer: KI verstehen, S.16., Wieland: Computergeschichten, S.100-102. John Mc Carthy ist der Erfinder der Programmiersprach LISP. Buxmann: KI, S.3.

17 Schuhmann: Computerisierung, S.245., Buxmann, KI, S.4.

18 Tamim: Robotik. Ab 0:50:50 spricht der Professor über die Geschichte der Robotik.

19 Schuhmann: Computerisierung, S.247,249,254., Wieland: Computergeschichten, S.147/148/152/171. Nähere Informationen zur Entwicklung von Mikroprozessoren bietet Wieland auf S.192-202.

20 Tamim: Robotik.

21 Weber, Thomas: Medialität als Grenzerfahrung. Futuristische Medien im Kino der 80er und 90er Jahre, Bielefeld 2008, S.251. (Weber: Medialität) Wieland: Computergeschichten, S. 156,161,169,171,179.

22 Wieland: Computergeschichten: S.278., Buxmann: KI, S.5., Heßler: Halle 54, S.73.

23 Tamim: Robotik., Buxmann: KI, S.5.

24 Buxmann: KI, S.5, Weber: Medialität, S.213.

25 Buxmann: KI, S.5., BMWi: KI in Sicherheitsaspekten, S.7.

26 INDUSTRIE/AUTOMATION: Einzug der Roboter (01.04.1964), in: Spiegel, https://www.spiegel. de/spiegel/print/d-46173388.html, letzter Zugriff am 23.02.2020, S.30,43. (Spiegel: Einzug der Roboter) Im Anhang befinden sich alle als PDF- verfügbaren Artikel. Die hier angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Seitenzahlen in der gedruckten Zeitschrift. / Spiegel: Ich,Robot, S.171.

27 Seligmann Ben B. in: Spiegel: Einzug der Roboter, S.43.

28 Spiegel: Einzug der Roboter, S.43/44.

29 Pentzlin, Kurt, in: Spiegel: Einzug der Roboter, S.42.

30 Spiegel: Einzug der Roboter, S.37.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
"Der jobfressende Roboter". Gesellschaftliche Wahrnehmung und Reaktion auf technische Entwicklungen von 1960 bis 1990
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Geschichte/Philosophie)
Veranstaltung
Gesellschaft 2.0: Perspektiven einer Sozial- und Kulturgeschichte der Digitalisierung von 1960 bis heute
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
25
Katalognummer
V540217
ISBN (eBook)
9783346167170
ISBN (Buch)
9783346167187
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklungen, gesellschaftliche, reaktion, roboter, wahrnehmung
Arbeit zitieren
Lukas Hüttemann (Autor), 2020, "Der jobfressende Roboter". Gesellschaftliche Wahrnehmung und Reaktion auf technische Entwicklungen von 1960 bis 1990, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540217

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