In dieser Arbeit soll die gesellschaftliche Reaktion der vergangenen Jahrzehnte untersucht werden. Konkret liegt die Frage, wie der technische Fortschritt im Bereich der Robotik, der Computerisierung und der KI in der Gesellschaft in den Jahrzehnten von 1960 bis 1990 wahrgenommen wurde, dieser Arbeit zugrunde. In diesem Zusammenhang sollen, sowohl Reaktionen der Forscher und Techniker, als auch die der Konsumenten betrachtet werden, um anhand dieser ein allgemein-gesellschaftliches Bild der Wirkung des technischen Fortschritts zeichnen zu können.
Zwar teilten nicht alle Forscher die Meinung dennoch nahmen, aufgrund des technischen Fortschritts die Prognosen für eine beginnende Maschinenevolution ab den 60ern deutlich zu. Dies führte natürlich zu Diskussionen über Robotik, Computerisierung und Künstliche Intelligenz, da die Daseinsberechtigung des Menschen und das Bewusstsein der Menschheit zunehmend ins Wanken geriet. So wurde immer wieder die entscheidende Frage gestellt, was uns von einer Maschine unterscheidet und wo wer von beiden besser ist. Dies zeigte sich, je nach dem in welchem Bereich die Technik gerade vordrang, sowohl auf der Mikroebene, nämlich in der Technisierung von alltäglichen Produkten, als auch auf der Makroebene im Bereich der Robotik, sodass nahezu jeder den technischen Fortschritt wahrnehmen konnte. Dabei gab und gibt es immer unterschiedliche Reaktionen und Sichtweisen auf den technischen Fortschritt, wie sich auch heutzutage, anhand der Debatte über die Gesichtserkennungssoftware und die Kennzeichenerfassung von Autos, widerspiegelt.
Da den drei Themen Entwicklungen auf dem Feld der KI zugrunde liegen, soll diese anhand der Darstellungen von Peter Buxmann und Holger Schmidt sowie Auszügen aus dem Sachbuch von Ralf T. Kreuter und Marie Sirrenberg und dem Artikel des Bundesministeriums für Wirtschaft näher definiert werden. Kritisch hinterfragen, lassen sich möglicherweise hier die Bemühungen klarzustellen, dass KI nichts mit Science-Fiction zu tun hat. Um nachzuvollziehen, wie der technische Fortschritt sich entwickelte, soll anschließend eine genauere Betrachtung der technischen Entwicklung und den Erfindungen seit den Anfängen in diesem Bereich, in den 40er-Jahren folgen, bevor die Analyse der Reaktionen auf diesen sich anschließt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Mysterium der künstlichen Intelligenz
III. Die Geschichte der Computerisierung, der KI und der Robotik in Grundzügen
IV. Analyse der gesellschaftlichen Reaktion/Wahrnehmung von technischen Entwicklungen
IV.1. Der Roboter übernimmt: Die 60er
IV.2. Automaten-Menschen und der Einfluss des Computers: die 70er
V. Zusammenfassung
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die gesellschaftliche Wahrnehmung und Reaktion auf den technischen Fortschritt in den Bereichen Robotik, Computerisierung und künstliche Intelligenz in der Bundesrepublik Deutschland über vier Jahrzehnte hinweg (1960–1990). Das primäre Ziel ist es, ein allgemeingesellschaftliches Bild der Wirkung dieser Technologien zu zeichnen, indem sowohl die Perspektiven von Forschern und Technikern als auch die der Konsumenten analysiert werden, um den zugrunde liegenden Konflikt zwischen technischer Entwicklung und gesellschaftlicher Anpassung aufzuzeigen.
- Historische Analyse der technischen Entwicklung von KI, Robotik und Computerisierung seit den 1940er Jahren.
- Untersuchung der gesellschaftlichen Reaktionen und des Wandels in der Wahrnehmung über vier Jahrzehnte (60er bis 90er Jahre).
- Analyse des Generationskonflikts und der wahrgenommenen Entwertung menschlicher Arbeit durch Automatisierung.
- Kritische Betrachtung des Spannungsfeldes zwischen technischer Komplexität, Überwachung und dem menschlichen Autonomiebedürfnis.
Auszug aus dem Buch
IV.1. Der Roboter übernimmt: Die 60er
Wie schon an den Überschriften der Spiegel-Artikel: „Automation. Einzug der Roboter“ und „Kunsthirne. Ich, Robot“ (s.Fußnote 26) zu erkennen ist, spielen in diesem Jahrzehnt vor allem die Reaktionen und Wahrnehmungen von der, sich in der Industrie immer weiter ausbreitenden Robotik, eine Rolle. Da sie vor allem zum Jobverlust vieler Arbeiter, aber auch zu anderen Bedingungen und Prozessen am Arbeitsplatz führte, waren die Reaktionen aus unterschiedlichen Gründen negativ geprägt. So breitete sich für die, die ihren Job vorerst behalten durften zum einen vor allem Langeweile aus, da sich ihre Tätigkeit auf wenige Handgriffe bzw. das Drücken von Knöpfen sowie auf das Beobachten des maschinellen Arbeitsvorgangs beschränkte. Zum anderen konnte die dauerhafte Untätigkeit, die fehlende Abwechslung und die hohe Konzentration bei der ständigen Beobachtung zu mangelnder Arbeitsbefriedigung und Stress bis hin zu Schuldkomplexen führen.
So sprach der Automationsspezialist Ben B. Seligmann von einer „Entwertung der beruflichen Qualifikation [der die Arbeiter] auf den sozialen Abfallhaufen wirft.“27, da die Anforderungen und das Wissen, um im Fertigungsbereich arbeiten zu können immer geringer wurden. Dabei kommt zu der Erniedrigung der älteren Arbeiter und ihren Fähigkeiten aufgrund der maschinellen Arbeit, eine weitere Demütigung, durch die neuen, präferierten Arbeitskräfte, darunter Programmierer und Analysatoren, hinzu. Sie sind nun unersetzbar und machen häufig ältere Arbeitskräfte entbehrlich. Diese Gegensätzlichkeit der alten und neuen Kompetenzen, die auf der betrieblichen Ebene zu Klassenkämpfen führen konnte, wie am Beispiel eines französischen Versicherungsunternehmen deutlich wird, lässt, auf die Gesellschaft ausgeweitet, auf einen sich anbahnenden Generationskonflikt schließen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der gesellschaftlichen Reaktion auf Robotik, Computerisierung und KI ein und erläutert die Forschungsfrage sowie die Quellengrundlage der Arbeit.
II. Das Mysterium der künstlichen Intelligenz: Das Kapitel definiert den Begriff KI, beleuchtet die verschiedenen Forschungsansätze und gibt einen historischen Kontext der verschiedenen Phasen der KI-Entwicklung.
III. Die Geschichte der Computerisierung, der KI und der Robotik in Grundzügen: Hier wird der technologische Fortschritt von den ersten Rechenmaschinen in den 40er Jahren bis hin zu den Entwicklungen der 90er Jahre historisch nachgezeichnet.
IV. Analyse der gesellschaftlichen Reaktion/Wahrnehmung von technischen Entwicklungen: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die Wahrnehmung des technischen Fortschritts in den Jahrzehnten von 1960 bis 1990 inklusive eines Ausblicks auf die 2000er Jahre.
IV.1. Der Roboter übernimmt: Die 60er: Dieses Unterkapitel thematisiert die durch den Einzug der Industrierobotik ausgelösten Ängste vor Arbeitsplatzverlust, Arbeitsentfremdung und den aufkommenden Generationskonflikt.
IV.2. Automaten-Menschen und der Einfluss des Computers: die 70er: Fokus auf die Wahrnehmung von Robotern als Bedrohung der Arbeitswelt sowie die beginnende Debatte über die maschinelle Ersetzbarkeit menschlicher geistiger Fähigkeiten.
V. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die zentralen Wahrnehmungsmuster der vier Jahrzehnte zusammen und betont das ambivalente Verhältnis der Gesellschaft zur Technik.
VI. Fazit: Das Fazit stellt den Konflikt zwischen Technikern und Konsumenten heraus und konstatiert, dass Technik heute dann als kompatibel empfunden wird, wenn sie für den Nutzer undurchschaubar einfach bleibt.
Schlüsselwörter
Künstliche Intelligenz, Robotik, Computerisierung, Gesellschaft, Technischer Fortschritt, Arbeitswelt, Automatisierung, Generationskonflikt, Überwachung, Mensch-Maschine-Verhältnis, Spiegel, 1960-1990, Digitalisierung, Technikakzeptanz, Arbeitsplatzverlust
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die deutsche Gesellschaft zwischen 1960 und 1990 den technologischen Fortschritt in den Bereichen KI, Robotik und Computerisierung wahrgenommen und auf diesen reagiert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einfluss von Automatisierung auf die Arbeitswelt, die Wahrnehmung von Robotern und Computern als Bedrohung oder Werkzeug sowie der Einfluss dieser Technik auf das gesellschaftliche Miteinander.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Bild der gesellschaftlichen Reaktion auf den technischen Fortschritt zu zeichnen und den Konflikt zwischen technischer Entwicklung und den Bedürfnissen der Menschen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse historischer Spiegel-Artikel aus den untersuchten vier Jahrzehnten, ergänzt durch Fachliteratur zur Technikgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die gesellschaftlichen Reaktionen in den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren und betrachtet zusätzlich die Entwicklungen und Wahrnehmungen in den frühen 2000er Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie KI, Robotik, Computerisierung, Gesellschaft, Technischer Fortschritt, Arbeitswelt und Technikakzeptanz charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Industrie in den 60er Jahren laut der Analyse?
In den 60er Jahren fungiert die Industrie als Treiber der Automatisierung, was bei Arbeitern zu Existenzängsten, Entfremdung und einem Gefühl der Ersetzbarkeit durch Roboter führt.
Warum wird im Fazit von einem Konflikt zwischen Technikern und Konsumenten gesprochen?
Der Konflikt entsteht, weil Techniker oft unnachgiebig neue Technologien vorantreiben, ohne die sozialen Auswirkungen oder die Bedürfnisse der Konsumenten zu berücksichtigen, was zu Misstrauen und Überforderungsgefühlen führt.
Wie verändert sich laut Autor die Wahrnehmung von Technik in den 90er Jahren?
Die Wahrnehmung verschiebt sich von purer Angst hin zu einer Mischung aus Verzweiflung, Frust und einer resignierten Akzeptanz eines allgemeinen Technikstandards, wobei der Druck zur Anpassung stark zunimmt.
Was meint der Autor mit der Aussage, Technik sei nur dann kompatibel, wenn man sie nicht durchschaut?
Dies deutet darauf hin, dass Konsumenten Technik dann akzeptieren, wenn sie einfach in der Bedienung ist und die komplexen, bedrohlichen oder überwachungstechnischen Hintergründe für den Nutzer verborgen bleiben.
- Citation du texte
- Lukas Hüttemann (Auteur), 2020, "Der jobfressende Roboter". Gesellschaftliche Wahrnehmung und Reaktion auf technische Entwicklungen von 1960 bis 1990, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540217