Ein deutscher Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship. Adaptionen für den deutschen Markt und empirische Erstellung


Bachelorarbeit, 2018

44 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Wall Street Entrepreneurship vs. Main Street Entrepreneurship

3 Die Ewing Marion Kauffman Foundation

4 Der Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship
4.1 Auswahlkriterien
4.2 Regionale Untergliederungen
4.3 Datenquellen

5 Allgemeine Grundlagen der Datenaggregation

6 Notwendige Adaptionen für den deutschen Markt
6.1 Auswahlkriterien
6.2 Regionale Untergliederungen
6.3 Datenquellen

7 Erstellung des deutschen Main Street Entrepreneurship Index

8 Forschungsergebnisse
8.1 Ergebnisse der NUTS-0 Ebene
8.2 Ergebnisse der NUTS-1 Ebene
8.3 Ergebnisse der NUTS-3 Ebene

9 Vergleich der beiden Main Street Indizes

10 Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship (1997-2016)

Abbildung 2: Standardisation (or z-scores)

Abbildung 3: Der Deutsche Main Street Entrepreneurship Index (2006-2016)

Abbildung 4: Entwicklung der drei stärksten und schwächsten Bundesländer des Jahres 2016

Abbildung 5: Entwicklung der drei stärksten und schwächsten Kreisregionen des Jahres 2016

Abbildung 6: Vergleich der Main Street Aktivität in Deutschland und den USA

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Regionale NUTS Untergliederung am Beispiel Deutschland

Tabelle 2: Die 20 größten NUTS-3 Regionen in Deutschland nach BIP

Tabelle 3: Verwendete Datenquellen je Kriterium und regionaler Ebene

Tabelle 4: Jahreswerte der NUTS-0 Ebene im Zeitraum 2006 bis 2016

Tabelle 5: Index- und Kriteriumswerte des Jahres 2016 auf NUTS-1 Ebene

Tabelle 6: Index- und Kriteriumswerte des Jahres 2015 auf NUTS-3 Ebene

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„ [...] ‘Main Street' [...] will become more and more significant for a number of reasons: First, technology is replacing jobs in nearly every industry at an accelerated rate. Second, many of us want the more attractive lifestyle that smaller communities offer. And third, our buying preferences are shifting from the large conglomerates to smaller, local businesses”. (Glauser, 2016, S. xvi f.).

Dieses Zitat von Michael Glauser steht symbolisch für die heutige Zeit, in der sich ein zunehmend dynamischer Wandel unserer Arbeits- und Lebensumstände vollzieht. Einerseits zwingt die zunehmende Technologisierung viele Arbeitnehmer, sich intensiv mit ihren Kompetenzen und der Möglichkeit auseinanderzusetzen, in naher Zukunft durch Maschinen substituiert zu werden. Andererseits ist das moderne Arbeitsleben durch immer häufigere Arbeitgeber- und Wohnortwechsel gekennzeichnet. Diese hohen Anforderungen hinsichtlich Flexibilität und die wachsende Unsicherheit führen in nächster Konsequenz oftmals zu einem gesteigerten Verlangen nach mehr Selbstbestimmheit. Jener Wunsch ist einer der Kerntreiber der Main Street Entrepreneure, welche die Mehrheit der Unternehmer im Land darstellen und somit das eigentliche Fundament unserer Wirtschaft darstellen (Glauser, 2016). Ziel meiner Arbeit is es deshalb, anhand einer möglichst originalgetreuen Methodik einen deutschen Vergleichsindex für den Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship, im weiteren Verlauf mitunter auch als MSE Index und Kauffman Index bezeichnet, zu konzipieren. Hiermit möchte ich dazu beitragen, ein breiteres öffentliches Bewusstsein für diesen von Medien und Wissenschaft gleichermassen vernachlässigten Forschungsbereich zu schaffen. Auch ein Vergleich hinsichtlich deutscher und amerikanischer Main Street Aktivität soll mit Hilfe dieser Untersuchung ermöglicht werden.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit gehe ich zunächst auf die heute geläufige Definition von Unternehmertum ein, welche ich in Anlehnung an Glauser (2016) auch als Wall Street Entrepreneurship bezeichne. Hierauf aufbauend definiere ich den gegensätzlichen Begriff des Main Street Entrepreneurship, um im Anschluss die beiden Terme klar voneinander abzugrenzen.

Das dritte Kapitel befasst sich mit der Ewing Marion Kauffman Foundation; einer privaten Stiftung, welche den MSE Index auf jährlicher Basis neu kalkuliert und veröffentlicht.

In der Folge erläutere ich den Kauffman Index of Entrepreneurship und das ihm zugrundeliegende Konzept. Hierbei gehe ich insbesondere auf die für seine Erstellung relevanten Datenquellen, seine Auswahlkriterien, sowie seine regionalen Untergliederungen ein.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit der grundlegenden Verfahrensweise zur Erstellung eines zusammengesetzten Indikators. Im Zuge dessen wird die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) allgemein empfohlene Vorgehensweise analysiert und dargestellt.

Hierauf aufbauend entwickle ich schrittweise ein finales Schema zur Replikation des Index. Dabei beziehe ich sowohl die im vorherigen Kapitel gewonnenen Erkenntnisse, als auch die Ursprungsmethodik des Originalindex mit ein. Ebenso finden landesspezifische Unterschiede hinsichtlich der Erfassung von Daten Beachtung,

Das siebte Kapitel beschreibt die schrittweise Konstruktion des deutschen MSE Index. Dabei wird ein stets enger Bezug zum zuvor bereits allgemein beschriebenen Erstellungsschema der OECD gehalten.

Im Anschluss werden die erarbeiteten Ergebnisse grafisch veranschaulicht und ergänzend erläutert.

Darüber hinaus folgt ein Vergleich der beiden Indizes, um letztendliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Main Street Aktivität in den beiden Ländern herauszuarbeiten.

Abschliessend ziehe ich ein Fazit, indem ich die erarbeiteten Ergebnisse der Untersuchung zusammenfasse, bevor ich einen persönlichen Ausblick über die zukünftige Relevanz von Main Street Entrepreneurship gebe.

2 Wall Street Entrepreneurship vs. Main Street Entrepreneurship

Hinsichtlich des Begriffs des Entrepreneurship ist festzuhalten, dass bis heute keine einheitlich anerkannte Definition dieses Terms existiert. In seiner Studie kommt Gartner (1999, S.28) zu dem Schluss, dass „[...] a definition of entrepreneurship has yet to emerge.“

Obgleich diesem fehlenden wissenschaftlichen Konsens, hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung eine weitestgehend einheitliche Auffassung hinsichtlich der Vorstellung von Unternehmertum etabliert. Rasant wachsende und skalierbare Unternehmen wie Facebook, Google oder Amazon stehen zumeist im Zentrum der Aufmerksamkeit von Forschung und Medien. Diese sehr einseitige Berichterstattung prägt das öffentliche Verständnis nachhaltig und führt letztendlich dazu, dass die allgemeine Bevölkerung fast ausschliesslich diese großen, teilweise rasant gewachsenen Megakonzerne mit Entrepreneurship assoziiert (Glauser, 2016). Exemplarisch sei hier das von Glauser skizzierte Silicon Valley model angeführt:

„You create a prototype that you can test quickly, preferably in the tech industry. You find a group of users and gain proof of concept. You raise capital and scale the business as rapidly as possible. You plan an exit strategy. And you shoot for a 10x return to investors. The ultimate coup of the Silicon Valley model is to go public and sell your shares on Wall Street” (Glauser, 2016, S.4).

Jene stark verzerrte Auffassung, welche Gewinnmaximierung und die Etablierung eines skalierbaren Geschäftsmodells forciert, kann daher auch als Wall Street Entrepreneurship bezeichnet werden (Glauser, 2016). Auch die Entwicklung disruptiver Technologien beziehungsweise Produkte, wie das Smartphone sind typische Merkmale und führen in der Konsequenz häufig zu einer stark ausgeprägten Markmacht in diesem neu geschaffenen Marktsegment. Zusammenfassend lassen sich Wall Street Entrepreneurs gut anhand der Definition von Kayne beschreiben. Ihm zufolge sind Unternehmer „[...] individuals who blend innovation with sound business practices to commercialize new products and services that result in high growth firms“ (Kayne, 1999, S.3).

Dieser wachstumsgetriebenen Auffassung steht der Begriff des Main Street Entrepreneurship entgegen. Der Fokus hierbei liegt nicht auf schnell wachsenden Internetkonzernen, sondern auf kleinen und mittelständischen Unternehmen, sogenannten lifestyle firms oder small businesses. Kerntreiber dieser Kleinutnernehmen und ihrer Gründer sind weder eine maximale Skalierbarkeit, noch das aktive Verfolgen einer Existrategie. Stattdessen stehen ethische und soziale Werte, wie die Leidenschaft für die eigene Tätigkeit im Vordergrund. Weitere Motivationsgründe sind das Gefühl einer Bestimmung, die Möglichkeit der Gesellschaft etwas zurückzugeben und der Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance (Glauser, 2016). Dem aktuellen Report der Kauffman Foundation aus dem Jahr 2016 zufolge, machen diese etablierten Kleinunternehmen nahezu 68% sämtlicher in den USA ansässiger Arbeitgeberfirmen aus (Fairlie, Morelix, Tareque, Russell und Reedy, 2016). Aus diesem Grund kann Main Street Entrepreneurship auch als „[...] backbone of societies [...]“ (Burns, 2014, S.5) angesehen werden.

Die Differenzierung zwischen Main Street Entrepreneurship und Wall Street Entrepreneurship kann auch als ein individueller Trade-off zwischen Arbeitspensum und Lebensqualität angesehen werden, dem sich ein jeder Unternehmer zu Beginn seiner Tätigkeit ausgesetzt sieht. Die Entscheidung für eine der beiden Seiten dieses Zielkonflikts bedingt maßgeblich die Entwicklung hinsichtlich einer Wachstums- oder Lifestyle-orientierten Geschäftstätigkeit, da gerade zu Beginn einer Unternehmung der Gründer die entscheidende Figur eines Unternehmens darstellt (Peters, Frehse und Buhalis, 2009).

3 Die Ewing Marion Kauffman Foundation

Die Ewing Marion Kauffman Foundation; kurz: Kauffman Foundation, wurde Mitte der 1960er Jahre von dem Philanthropen Ewing Marion Kauffman gegründet. Sie ist eine in Kansas City, Missouri ansässige private Stiftung, welche sich in den Bereichen Bildung und Unternehmertum engagiert (Ewing Marion Kauffman Foundation, o.J.a). Ihre Vision ist das Schaffen einer “[.] society of economically independent individuals who are engaged citizens, contributing to the improvement of their communities” (Ewing Marion Kauffman Foundation, o.J.b). Neben vielen regionalen Projekten, veröffentlicht die Stiftung, als Teil ihres aktiven Engagements in einer jährlichen Serie drei Indizes, welche sich mit unterschiedlichen Teilaspekten von Unternehmertum in den USA beschäftigen. Neben dem in dieser Arbeit behandelten Main Street Entrepreneurship Index, befassen sich die Indizes mit Startup Activity, sowie Growth Entrepreneurship. Anhand fest definierter Kriterien soll so ein umfassender Überblick über die gesamtunternehmerische Aktivität des Landes ermöglicht werden (Ewing Marion Kauffman Foundation, o.J.c).

Der Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship

Der Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship ist ein jährlich erscheinender Index, welcher erstmalig im Jahre 1997 publiziert wurde. Sein Ziel ist die Messung und Analyse lokaler, kleinunternehmerischer Aktivität in den Vereinigten Staaten, um Aufschluss über aktuelle Trends und Entwicklungen zu geben (Fairlie, Morelix, Tareque, Russell und Reedy, 2016).

Zum besseren Verständnis sei hier die grafische Darstellung des Index im Zeitraum 1997 bis 2016 veranschaulicht (siehe Abbildung 1). Im Jahr 2016 verzeichnete der MSE Index einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr und konnte somit seinen seit 2012 anhaltenden Wachstumstrend fortsetzen. Mit einem Wert von 0,75 erreichte der Index gleichzeitig ein neues Allzeithoch und übertraf somit seinen bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008 (Fairlie, Morelix, Tareque, Russell und Reedy, 2016).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship (1997-2016) (Quelle: Fairlie, Morelix, Tareque, Russell und Reedy, 2016, S.5).

4.1 Auswahlkriterien

Nachfolgend werden die drei dem Index zugrundeliegenden Auswahlkriterien Survival Rate, Established Small Business Density und Rate of Business Owners erläutert, sowie anhand eines knappen Beispiels veranschaulicht.

Die Survival Rate misst den prozentualen Anteil an Firmen, welche auch fünf Jahre nach Gründung noch operativ tätig sind. Dieser Indikator ermöglicht es, die Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, mit der sich ein Unternehmen am Markt etablieren wird. Darüber hinaus ermöglicht dieses Kriterium Verzerrungen der Statistik durch Start­Ups vorzubeugen. 2016 waren 48,7% der im Jahr 2011 gegründeten US- Firmen noch operativ tätig. Dies markiert zugleich den höchsten Stand seit über 20 Jahren, womit die Survival Rate den Haupttreiber für das neue Rekordhoch des Index darstellt.

Das zweite Kriterium, die Established Small Business Density, beschreibt die Anzahl etablierter kleiner Unternehmen je 1.000 Firmen in absoluten Zahlen. Um als solches klassifiziert zu werden, muss der Betrieb zunächst, wie bei der Survival Rate, seit mindestens fünf Jahren operativ tätig sein. Darüber hinaus muss er eine Mitarbeiterzahl zwischen eins und 49 aufweisen (Fairlie, Morelix, Tareque, Russell und Reedy, 2016). Hierbei orientiert man sich an der offiziellen Empfehlung der Europäischen Kommission, welche Kleinunternehmen ebenfalls mit einer Mitarbeiterzahl von unter 50 definiert (Liikanen, 2003). 2016 betrug der landesweite Established Small Business Density Wert 676,1. Folglich waren in diesem Jahr landesweit 676 je 1.000 Unternehmen als established small business zu kategorisieren.

Das dritte Kriterium, die Rate of Business Owners, misst den prozentualen Anteil der Bevölkerung, welcher hauptberuflich unternehmerisch tätig ist. Um hierbei als hauptberuflicher Unternehmer zu gelten, muss der Betroffene ein Minimum von 15 Arbeitsstunden pro Woche in dieser Beschäftigung tätig sein. Parallel dazu darf er kein anderes abhängig beschäftigtes Arbeitsverhältnis mit mehr monatlichen Arbeitsstunden verfolgen. Um der Verfälschung der Ergebnisse durch überwiegend nicht-arbeitstätige Altersgruppen vorzubeugen, erfolgt lediglich eine Beachtung der Altersgruppe zwischen 20 und 64. Hinsichtlich der Mitarbeiterzahl sind bei diesem Kriterium keine Einschränkungen definiert. Im Jahr 2016 waren 6,02% der amerikanischen Bevölkerung unternehmerisch tätig (Fairlie, Morelix, Tareque, Russell und Reedy, 2016).

4.2 Regionale Untergliederungen

Um neben der nationalen Gesamtentwicklung kleinunternehmerischer Aktivität auch lokal spezifischere Trends zu erfassen, untergliedert sich der Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship in die drei nachfolgenden regionale Ebenen:

Die Metropolitan Area and City Trends Ebene stellt die unterste der drei geografischen Ebenen dar. Sie misst die teils stark divergierenden Main Street Entwicklungen in den Metropolregionen. Um eine gewisse Relevanz und Übersichtlichkeit der Forschungsergebnisse sicherzustellen, werden hierbei lediglich die 40 größten Metropolregionen des Landes analysiert. Die Größe einer Region bemisst sich hierbei anhand der vom Bureau of Economic Analysis veröffentlichten Einwohnerzahlen.

Als hierauf aufbauend und demnach geografisch übergeordnet kann die State Trends Ebene angesehen werden. In diesem Teil der Untersuchung konzentriert der Index sich auf die Bundesstaaten. Zur Vorbeugung regionaler Verzerrungen werden alle 50 Bundesstaaten beschrieben.

Im Zuge der National Trends Ebene wird die Entwicklung der Main Street Aktivitäten auf Landesebene analysiert, wodurch sich ein gesamtheitliches Bild für den Umfang und die Relevanz von kleinen unternehmerischen Aktivitäten in den USA zeichnen lässt (Fairlie, Morelix, Tareque, Russell und Reedy, 2016).

4.3 Datenquellen

Die Erhebung des Index basiert auf den Datensätzen zweier öffentlicher U.S. Behörden; dem United States Census Bureau (USCB), sowie dem United States Bureau of Labour Statistics (BLS), deren Daten in regelmäßigen Abständen veröffentlicht werden.

Die jährlich vom USCB veröffentlichten Business Dynamics Statistics stellen die Hauptquelle der für den Index verwendeten Daten dar. Sie enthalten umfassende Wirtschaftsdaten zu Unternehmens- und Arbeitsmarktentwicklungen und ermöglichen somit die Kalkulation der beiden Indexkriterien Small Business Density und Survival Rate. Darüber hinaus publiziert das USCB in Kooperation mit dem BLS die Current Population Survey; eine landesweite Statistik zu unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklungen hinsichtlich Arbeit, Gesundheit und Bildung. Sie stellt die Grundlage für die Berechnung der Rate of Business Owners dar (Fairlie, Morelix, Tareque, Russell und Reedy, 2016).

5 Allgemeine Grundlagen der Datenaggregation

Grundvoraussetzung für die letztendliche Erstellung eines aussagekräftigen Index ist die Berücksichtigung und aktive Anwendung fundamentaler Prinzipien der 7 Datenaggregation. Aus diesem Grund befasst sich dieser Teil der Arbeit mit der Thematik, welche grundlegenden Verfahrensweisen bei der Konstruktion eines zusammengesetzen Indikators (englisch: composite indicator) beachtet werden müssen. Dabei orientiert sich diese Arbeit stark an dem von der OECD herausgegebenen Handbook on Constructing Composite Indicators (Organisation for Economic Co­operation and Development (OECD), 2008). Die hierin empfohlene Vorgehensweise gliedert sich in 10 Einzelschritte. Hierbei ist anzumerken, dass nicht sämtliche der Schritte vollumfänglich für die Erstellung des letztendlichen Schemas genutzt wurden, da gewisse Teilschritte wie die Bestimmung der grundlegenden Kriterien, durch den Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship bereits vorgegeben sind. Da dieses Kapitel jedoch einen klaren Überblick über die Grundlagen der Datenaggregation eines zusammengesetzten Indikators im Allgemeinen liefern soll, werden sämtliche Schritte nachfolgend in komprimierter Form dargestellt.

Zu Beginn der gesamten Indexentwicklung muss zunächst ein klares Verständnis für das zu untersuchende Phänomen geschaffen werden; hierfür sind eindeutige Definitionen unabdingbar. Ebenso sollte im Voraus eine intensive Auseinandersetzung mit der potentiellen Relevanz der finalen Ergebmisse erfolgen, um der Bearbeitung eines wissenschaftlich weitestgehend irrrelevanten Themenbereichs vorzubeugen. Darüber hinaus wird die Erstellung einer Liste empfohlen, welche eine Auswahl potentieller Selektionskriterien beinhaltet, anhand derer eine indirekte Messung des primär untersuchten mehrdimensionalen Phänomens ermöglicht werden soll.

Im Zuge der darauf aufbauenden Datenselektion sollte die Qualität der jeweiligen Kriterien insbesondere auf Messbarkeit und Umfang der verfügbaren Daten geprüft werden. Bei unzureichendem Bestand an verfügbaren Daten, stellen Proxy-Variablen einen Lösungsansatz dar, wodurch objektiv nicht eindeutig messbare Kriterien beziehungsweise Eigenschaften näherungsweise bestimmt werden können (Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), 2008).

Weißt die erarbeitete Datenbank fehlende Werte auf, muss eine klare und einheitliche Vorgehensweise definiert werden, wie die entsprechenden Lücken kompensiert werden können. Hierfür existieren im Allgemeinen mehrere mögliche Methoden. Zunächst besteht die Möglichkeit, die fehlenden Werte auszusparen und den Datensatz so zu behandeln, als enthielte er keine Lücken. Dies führt in der Konsequenz zu einem verkleinerten Datenpool, was wiederrum die Gefahr einer Verfälschung der letztendlichen Ergebnisse erhöht (Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), 2008). Die Verwendung dieser Methode sollte daher nur für Datensätze in Betracht gezogen werden, deren fehlende Werte maximal 5% der gesamten Daten einer Variable ausmachen (Little & Rubin, 2002). Ebenso kann versucht werden, die fehlenden Werte näherungsweise zu kalkulieren. Hierfür bieten sich zahlreiche Berechnungsmöglichkeiten wie Mittelwert oder Median an. Die adäquate Behandlung potentieller Ausreißerwerte sollte im selben Zug ebenso geklärt werden, um die Repräsentativität des Indexwertes für die Mehrheit der beobachteten Werte zu gewährleisten.

Das vervollständigte Datenset wird nun hinsichtlich seiner Struktur beziehungsweise Beschaffenheit untersucht. Im Speziellen wird hierbei auf die Korrelation einzelner Faktoren untereinander eingegangen, um stärker korrelierende Werte in Untergruppen zusammenzufassen. Diese Maßnahme dient der erneuten Prävention von Verzerrungen durch zu einseitige Datenauswahl. Es sei angemerkt, dass dieser Schritt, auch Multivariate Analyse genannt, erst mit zunehmender Anzahl an Variablen an Relevanz gewinnt.

In einem weiteren Schritt findet die eigentliche Normalisierung der Daten statt. Diese Normalisierungsmethode stellt das Kernstück der Indexerstellung dar und sollte somit mit großer Sorgfalt ausgewählt werden. Da die unterschiedlichen Variablen des Datensets oft unterschiedlichen Ausprägungen beziehungsweise Maßeinheiten unterliegen, ermöglicht eine passend gewählte Methode die korrekte Zusammenführung dieser Variablen. Geeignete Möglichkeiten zur Berechnung stellen beispielsweise sogenannte Z-Scores oder auch Min-Max Normalisierungen dar.

Es muss nun geklärt werden, in welchem Verhältnis die einzelnen Kennzahlen gegeneinander gewichtet werden, um sie anschließend zu aggregieren. Hierfür existieren zahlreiche unterschiedliche Gewichtungsmethoden, jedoch basieren die meisten zusammengesetzten Indikatoren auf einer Gleichgewichtung aller Variablen. Dies bietet sich an, falls alle Merkmale hinsichtlich Relevanz und Aussagekraft als gleichermaßen bedeutsam eingestuft werden. Bei größeren Datensets kann die Gewichtung anhand der bereits zuvor bestimmten Korrelationen erfolgen (Organisation for Economic Co­operation and Development (OECD), 2008).

Zur Bestimmung der Robustheit des Index kann das Verwenden einer Sensitivitätsanalyse in Erwägung gezogen werden. Sie stellt eine Art Reverse Thinking Ansatz dar, um die zu 9 Beginn analysierte Struktur des Datensets erneut zu testen. Mit zunehmender Komplexität des Datensatzes gewinnt dieser Schritt an Bedeutung, weshalb individuell geklärt werden sollte, ob die Anwendung einer solchen Analyse als zielführend erachtet werden kann. Sie ist daher als optional zu betrachten und stellt somit lediglich eine Ergänzung der anfänglichen Datenanalyse dar.

Zwar ermöglicht die Bestimmung des Indikators die Messung eines mehrdimensionalen Phänomens, doch gibt sie keine Aufschluß über den letztendlichen Einfluss einzelner Variablen auf die Gesamtperformance. Dies kann mittels Dekonstruierung behoben werden. Das dekonstruieren des Index in seine Ursprungsvariablen ermöglicht es einzelne Haupttreiber für die jeweilige Performance des Indikators zu bestimmen.

In einem weiteren Schritt kann optional auch ein Vergleich des zusammengesetzen Indikators mit anderen bereits bestehenden Indikatoren oder Variablen in Betracht gezogen werden.

Abschliessend erfolgt die grafische Aufbereitung der erarbeiteten Daten mittels Tabellen und Graphen. Anhand einer passend gewählten Visualisierung lassen sich Trends und Tendenzen frühzeitig erkennen. Auch ermöglicht sie der Zielgruppe einen schnellstmöglichen Einstieg in die Thematik, sowie Überblick über die erarbeiteten Forschungsergebnisse (Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), 2008).

6 Notwendige Adaptionen für den deutschen Markt

Um den unterschiedlichen Marktgrößen und -strukturen zwischen den USA und Deutschland Rechnung zu tragen, werden nun punktuelle Adaptionen am Grundgerüst des MSE Index, bestehend aus Auswahlkriterien, Datenquellen, sowie regionalen Untergliederungen, vorgenommen. Dies stellt den letzten vorbereitenden Schritt dar, um im Anschluss die bestmögliche Erfassung kleinunternehmerischer Aktivität in Deutschland zu ermöglichen. Als exemplarisch für die Größenunterschiede zwischen den beiden Volkswirtschaften sei hier das Bruttoinlandsprodukt (BIP) angeführt, welches sich in den Vereinigten Staaten im Jahr 2016 auf circa 18,6 Billionen US-Dollar belief, während das BIP Deutschlands im selben Zeitraum bei etwa 3,5 Billionen US-Dollar lag (World Bank, 2017). Sämtliche im Folgenden nicht behandelten Bestandteile der Indexerstellung werden unverändert übernommen und sollen hier aus Übersichtlichkeitsgründen nicht erneut angeführt werden.

6.1 Auswahlkriterien

Da die Erstellung eines deutschen MSE Index, neben der absoluten Messung kleinunternehmerischer Aktivität in Deutschland auch einen Vergleich mit den USA ermöglichen soll, wird die Rahmenstruktur der einzelnen Grundkriterien bestmöglich beibehalten. Eine zu große bewusste Abwandlung der eigentlichen Auswahlkriterien wäre der Idee eines vergleichbaren Index gegenläufig und würde somit die Aussagekraft eines Vergleichs stark beeinträchtigen. Daher werden lediglich potentielle Adaptionen der einzelnen Definitionsschwellen untersucht.

Während die Kriterien Survival Rate und Rate of Business Owners ohne Anpassung übernommen werden, wird die Established Small Business Density stellenweise modizifiziert. Die Einordnung als small business nach Kauffman, erfordert unter anderem die dauerhafte Beschäftigung von Mitarbeitern. Diese Bedingung wird aufgehoben, wodurch auch Selbstständige ohne feste Mitarbeiter in die Kategorie Small Business Density miteinbezogen werden. Mit dieser Entscheidung folge ich der Ansicht von Glauser (2016), welcher jene Einzelunternehmer ebenfalls als Bestandteil von Main Street Entrepreneurship determiniert. „[...] [M]ost of the small-business owners I have consulted with [...] may have only created a job for themselves” (Glauser, 2016, S.5). Da das Werk von Glauser als die Vorreiterlektüre in diesem Bereich anzusehen ist, ist es für mich naheliegend, mich seiner Einschätzung in diesem Hinblick anzuschliessen. Die geltende Obergrenze von 50 Mitarbeitern wird hingegen nicht verändert. Einem vom New Zealand Treasury im Jahr 2004 herausgegebenen Bericht zufolge, lag die durchschnittliche Arbeitnehmerzahl eines Unternehmens in den USA zu diesem Zeitpunkt bei 25,6, während ein deutsches Unternehmen im Durchschnitt nur 17,7 Arbeitnehmer beschäftigte (Mills und Timmins, 2004). Dies lässt eine Absenkung der oberen Schwelle auf den ersten Blick plausibel erscheinen. Da sich die Kauffman Foundation, wie in Kapitel 4 dargestellt, hierbei jedoch selbst an den Empfehlungen der Europäischen Kommission orientiert, wird keine Veränderung vorgenommen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Ein deutscher Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship. Adaptionen für den deutschen Markt und empirische Erstellung
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
44
Katalognummer
V540222
ISBN (eBook)
9783346153432
ISBN (Buch)
9783346153449
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entrepreneurship, Unternehmertum, Kauffman, Index, KMU, Kleinunternehmen, Kleinunternehmertum
Arbeit zitieren
Mario Geiß (Autor), 2018, Ein deutscher Kauffman Index of Main Street Entrepreneurship. Adaptionen für den deutschen Markt und empirische Erstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540222

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