Sind die Ausführungen des Thüringer Volkskundlers Martin Wähler, über den Thüringer Stammescharakter, wirklich ein Konzept der NS-Zeit? Dieser Frage soll in der vorliegenden Hausarbeit nachgegangen werden.
Den genannten Punkt zu klären, erscheint insbesondere deswegen so wichtig, da ein Zutreffen der aufgestellten Behauptung bedeuten würde, dass ein wesentlicher Bestandteil der thüringischen Volkskunde aus den Idealen der Nationalsozialisten hervorgegangen ist!
Zunächst ist es demnach eminent herauszustellen, wie das wissenschaftliche Fachgebiet der Volkskunde entstanden ist. Zudem gilt es zu erläutern, was der Begriff 'Stammescharakter' bedeutet. Dazu wird ihm der vermeintliche 'Volkscharakter'/'Nationalcharakter' vergleichend gegenübergestellt.
Erst anschließend wird man in der Lage sein, die Leitfrage dieser Arbeit hinreichend beantworten zu können. Dabei stehen dann die Ansichten Martin Wählers und die Einflüsse, die von Außen auf ihn genommen wurden, im Fokus. Wählers eigene Sichtweisen, werden jedoch durch Mithilfe von Texten Steffen Raßloffs und Andreas Mehlichs, fortwährend zu überprüfen und zu hinterfragen sein.
Der zweite Teil dieser Ausarbeitung beschäftigt sich danach mit dem Stammescharakter der Thüringer, in der Zeit 1937-1940. Was sind typische Eigenarten; was charakterisiert sie?
Bevor sich ein Gesamtbild dieser Menschen ergibt, werden die Eigenschaften regional untersucht. Diese regionale Einteilung erfolgt nach Himmelsrichtungen, in Nord-Süd und Ost-West.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen zum Verständnis des Konzepts 'Stammescharakter'
2.1. Entstehungsgeschichte der (Thüringer) Volkskunde
2.2. Stammescharakter; Volkscharakter/Nationalcharakter.
2.3. Thüringer Stammescharakter. Ein NS-Konzept Martin Wählers?
3. Die Thüringer Stammescharaktere
3.1. Nord- und Südthüringer
3.2. Ost- und Westthüringer
3.3. Gesamtes Thüringen
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht kritisch das Konzept des "Thüringer Stammescharakters", wie es der Volkskundler Martin Wähler in der Zeit des Nationalsozialismus prägte, und prüft, inwieweit dieses Modell von der NS-Ideologie durchdrungen war oder als eigenständige regionalwissenschaftliche Arbeit Bestand hat.
- Analyse des Begriffs Stammescharakter im Kontext der Volkskunde
- Untersuchung der politischen Verstrickungen von Martin Wähler
- Regionale Differenzierung der Thüringer Identität in Nord, Süd, Ost und West
- Reflexion über die wissenschaftliche Rolle der Volkskunde während der NS-Zeit
- Diskussion über die Kontinuität und Veränderbarkeit regionaler Identitätsmerkmale
Auszug aus dem Buch
2.2. Stammescharakter; Volkscharakter/Nationalcharakter
In diesem Abschnitt der Hausarbeit sollen die, in der Kapitelüberschrift genannten, Begrifflichkeiten erklärt werden. Der Stammescharakter ist dabei vorangestellt, anschließend folgt der Volkscharakter/Nationalcharakter.
Martin Wähler fasst die Definition des Stammescharakters, in folgender Weise zusammen:
„Unter Stammescharakter verstehen wir das im Wechsel der Zeiten und Schicksale einigermaßen Beständige in der Wesensart eines Stammes. Der Charakter einer leib-seelischen Einheit, die wir als Stamm bezeichnen, hängt von der Rasse, dem Lebensraum, der Boden, Landschaft und Klima umfaßt [sic!], und der fortlaufenden Einwirkung geschichtlicher und kultureller Kräfte ab. Er ist also nicht nur Erbe, sondern auch Ergebnis der Erziehung“.
Wählers Erläuterung erscheint in den meisten Aspekten verständlich und plausibel. Lediglich an dem Wort 'Rasse' dürfte man sich wohl stören. Ob er es bewusst in dem negativen Sinne benutzt, unter dem wir es heute verstehen, gilt später zu klären. Ausdrucken möchte er mit diesem Begriff primär, dass er es als selbstverständlich ansieht, dass das Gliederungsprinzip eines Stammes ein als 'rassisches' angenommen wird. Dies ließe sich allein durch den sprachlichen Zusammenhang von 'Stamm' und 'Abstammung' herleiten. Zudem fühlen sich Stammesmitglieder miteinander artverwandt, da sie sich in ihrem Aussehen, Körperbau und in ihren Verhaltensweisen sehr nahe stehen und sich somit von anderen Landsleuten differenzieren, führt er weiter aus. Die Physiognomie fällt also stark ins Gewicht, um einen Stamm zu bestimmen, weil sie sich durch Stetigkeit, über die Generationen hinweg, auszeichnet. Daraus ergäbe sich demnach wieder um, dass äußere Stammesmerkmale mit 'Rassenmerkmalen' gleichzusetzen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Martin Wählers Konzept des Thüringer Stammescharakters ein Produkt der NS-Zeit darstellt und erläutert die methodische Herangehensweise.
2. Grundlagen zum Verständnis des Konzepts 'Stammescharakter': Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und skizziert die historische Entwicklung der Thüringer Volkskunde sowie die ideologische Einordnung Martin Wählers.
3. Die Thüringer Stammescharaktere: Hier erfolgt eine detaillierte regionale Analyse der Thüringer Identität, unterteilt in verschiedene geographische Gebiete und deren spezifische Charakteristika.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Wähler zwar keine rein nationalsozialistische Ideologie vertrat, jedoch in einem Spannungsfeld zwischen traditioneller Wissenschaft und ideologischer Anpassung agierte.
Schlüsselwörter
Thüringen, Martin Wähler, Stammescharakter, Volkskunde, Nationalsozialismus, Volkscharakter, Rasse, Identität, Regionalgeschichte, Ideologie, Kulturgeschichte, Tradition, Deutschland, NS-Zeit, Landesgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die volkskundlichen Konzepte von Martin Wähler aus den Jahren 1937–1940 und deren Verhältnis zur nationalsozialistischen Ideologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Stammes- und Volkscharakter, die regionalen Identitäten innerhalb Thüringens sowie die historische Einordnung der Volkskunde im Dritten Reich.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob das Konzept des "Thüringer Stammescharakters" als ein gezieltes Instrument der NS-Ideologie zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der kritischen Untersuchung der Originalwerke Martin Wählers im Vergleich mit historischen und fachwissenschaftlichen Einschätzungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsdefinition, die Auseinandersetzung mit Wählers politischer Haltung und eine detaillierte, geografisch untergliederte Beschreibung thüringischer Charaktermerkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Thüringen, Stammescharakter, Volkskunde, Nationalsozialismus, Martin Wähler und Identität.
Wie bewertet der Autor Martin Wählers politische Einstellung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Wähler kein einfacher Nazi war, sich aber durch die Übernahme von NS-Ideologie und Begrifflichkeiten in eine problematische Nähe zum Regime begab, was teilweise als unbewusste oder erzwungene Anpassung gewertet wird.
Gibt es nach Wähler einen einheitlichen "Thüringer"?
Nein, Wähler beschreibt zwar allgemeine Tendenzen, betont aber gleichzeitig die regionale Vielfalt und Unterschiede, die eine eindeutige Typisierung erschweren.
- Citar trabajo
- Roman Luigi Spallina (Autor), 2015, Der Thüringer Stammescharakter. Ein Konzept der NS-Zeit?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540229