Ungleiche Stadt. Ein Lebensort und sozialer Raum für Jugendliche


Hausarbeit, 2019

21 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt der Hausarbeit

Einleitung

1. Ungleichheit im sozialen Wandel
1.1. Ungleichheit in der Sozialgeschichte
1.2. Ungleichheit durch Armut

2. Sozialstruktur im Wohnquartier
2.1. Wohnquartiere geprägt von Ungleichheit
2.2. Sozialräumliche Begriffe
2.2.1. Nachtbarschaft
2.2.2. Quartier
2.2.3. Differenzierung von Sozialraum und Lebenswelt
2.3. Standrandwohnen im Zuge der Erweiterung von Stadt
2.4. Menschen in ihrem sozialen Umfeld
2.4.1. Lebensformen als Determinante für Ausgrenzung
2.4.2. Dominanzgeprägte Lebensqualität im Wohnumfeld

3. Jugendliche in problematischen Stadtquartieren
3.1. Aufwachsen in schwierigen Lebensräumen
3.2. Das Quartier als Lebensraum für Jugendliche
3.3. Probleme des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen
3.3.1. Jugend auf der Straße
3.3.2. Kriminelles Verhalten von Jugendlichen

4. Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit
4.1. Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit
4.2. Lebensweltorientierte Soziale Arbeit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Gesellschaft wird zunehmend durch soziale Ungleichheit und die damit einhergehende soziale Benachteiligung bestimmt. Dabei sind die strukturellen Faktoren wie finanzielle Mittel oder andere in den Hintergrund gedrückt worden. Derzeit kommt es zu einer regionalen Ausdifferenzierung demografischen Entwicklung vom Wohnort. Aber auch bestimmte Lebensformen und die Familie werden zu Merkmalen nach denen Ungleichheit bemessen wird. Darüber hinaus kommt es zu einer verstärkten Veränderung der bereits bestehenden Lebensformen, der Lebenslagen und der sich daraus ergebenden Lebensqualität. DIe Stadt bildet für jeden innerhalb der Bevölkerung einen sogenannten Sozialraum und ebenfalls auch einen Wohnraum. Die Struktur innerhalb der Stadt bzw. auch innerhalb der Stadtteile ist das Ergebnis von komplexen Prozessen. In diesem finden verschiedene soziale Gruppen ihren Ort innerhalb der Stadt und bilden so einen eigenen Stadtteil bzw. einen Bezirk und finden in diesem so ihren Wohn- und Sozialraum. Menschen ordnen sich immer zu seines gleichen zu, daher kommt es hier innerhalb der Bezirke zu kaum Unterschiede. Die Bezirke untereinander hingegen unterscheiden sich in unterschiedlichen Faktoren. Machprozesse und Präferenzen von Gruppen sind einer der Faktoren (vgl. Häußermann/Siebel 2004, S. 139).

Gerade für Kinder und Jugendliche sind diese Bedingungen in Bezug auf die Alltagsbewältigung gravierend. So kann es einem devianten Verhalten mit beginnenden kriminellen Zügen kommen. Hier greift dann möglicherweise das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit. Innerhalb des Lebensraums werden verschiedene und vielfältige Muster für die Bewältigung des Alltags gebildet (vgl. Häußermann/Siebel 2004, S. 139).

Die Arbeit steht in dem Kontext mit dem Seminar „Soziale Ungleichheit und Stadt“ und beschäftigt sich mit einem Teil dieses Themas. Es geht daher um eine Auseinandersetzung mit der Problematik innerhalb von Stadt und die darin herrschende soziale Benachteiligung. Dabei wird ein besonderer Blick auf den Wohn- bzw. Lebensraum geworfen, welcher für Jugendliche als beutend gilt. Wachsen Jugendliche in problematischen Verhältnissen auf spricht man von einem sozialen Brennpunkt. Es stellt sich die Frage wie die Soziale Arbeit hier anknüpfen kann, um zum einen den Lebensraum der Bevölkerung zu steigern und gleichzeitig auch präventiv arbeiten kann, um auch eine Gefährdung von Kindern und Jugendlichen auszuschließen.

Um der Problemstellung und der sich ergebenden Fragestellung nachgehen zu können, bedarf es zunächst auf die Entwicklung von Ungleichheit zu schauen. Dazu wird zunächst der Bezug zur sozialen Ungleichheit hergestellt. Es wird eine Grundlage über den Wandel und der prägenden Punkte von Ungleichheit innerhalb der Sozialgeschichte beschrieben. Wie Ungleichheit konkret aussieht zeigt sich an am Beispiel der fehlenden finanziellen Mittel. Armut erweist ein zentrales und immer wiederkehrendes Thema, wie sich zeigen wird. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sozialstruktur innerhalb des Wohnquartiers und den Sozialraum der Bevölkerung, welcher im zweiten Teil zu finden ist. Es soll deutlich werden wie soziale Benachteiligung konkret im Quartier aussieht. Um sich an die Wohnquartiere welche durch Ungleichheit geprägt sind anzunähern werden zunächst sozialräumliche Begriffe definiert. Außerdem wird im selben Schritt Sozialraum von Lebenswelt differenziert. Nachdem dies abgeschlossen ist wird die Erweiterung von Stadt näher betrachtet. Hierbei wird verstärkt auf die Folgen eingegangen welche sich kurz unter Stadtrandwohnen zusammenfassen lassen. Nachdem Stadtteile getrennt wurden, wird ein Blick auf die Menschen in ihrem sozialen Umfeld erforderlich. Dabei wird zum einen auf die Lebensformen geschaut, welche ein weiterer Grund für Ausgrenzung waren und die Lebensqualität innerhalb des Wohnumfeldes. Hierbei wird eine mögliche Maßnahme der Bürgerinitiative eingegangen, welche die Lebensqualität verbessern soll. Diese wird allerdings durch Dominanz erschwert.

Im dritten Teil wird schließlich der Blick auf Kinder und Jugendliche gerichtet. Diese leben demnach in den problematischen Stadtquartieren und wachsen somit unter erschwerten Bedingungen auf. Hierbei wird auch auf Kriminalität und sich dadurch ergebende Deviante Verhalten derer eingegangen. Gleichzeitig wird erarbeitet, wie Jugendliche ihren Lebensraum im Quartier nutzen. Der Lebensraum der Kinder und Jugendliche wird im letzten Teil sowie der Aspekt vom abweichendem Verhalten aufgegriffen und ein Bezug auf die Soziale Arbeit hergestellt. Dafür bietet sich der Ansatz nach Thiersch welcher sich an der Lebenswelt orientiert und gleichzeitig der Ansatz bzw. das Handlungsfeld der Gemeinwesenarbeit.

1. Ungleichheit im sozialen Wandel

Soziale Ungleichheit und die Analyse derer ist ein immer noch zentrales Themenfeld der Soziologie (vgl. Dangschat 2000, S. 141). Infolge von verschiedenen Forschungen zu der Ursache von Ungleichheit, ist man zu dem Entschluss gekommen, dass diese keine Erfindung der Neuzeit ist. So wurde herausgefunden, dass sich die Entstehung weit in der Sozialgeschichte zurückverfolgen lässt (vgl. Bolte/ Hradil 1988, S. 25).

Seit den frühen Formen des menschlichen Zusammenlebens existieren Unterschiede zwischen Menschen. Grundsätzlich sind diese nicht negativ zu bewerten, allerdings hatten diese die Folge, dass so die Strukturen innerhalb des gesellschaftlichen Systems in Positionen aufgeteilt wurden. Durch die verschiedenen Positionen kam es zu einer hierarchischen Gliederung. Menschen stehen nach Arens (2007) schon seit Beginn zueinander im Vergleich. Dies hatte den Sinn, die Verhältnisse gegenüber zustellen. Der Vergleich wurde hierbei aufgrund der vorhandenen Ressourcen und Besitztümer gestellt (vgl. Arens 2007, S. 138f.). Die Soziologen Bolte und Hradil sprechen bei diesen Merkmalen für den Vergleich von „wertvollen Gütern“. Waren von diesen viele im persönlichen Besitzt, entsprach die Lebenssituation einer besseren. Hinzuzufügen sei, dass die Güter einem Wandel unterliegen und sich der Zeit anpassen würden. Auch benutzten sie für den Vergleich der Menschen den Begriff des „Differenzierungsaspekts“(vgl. Bolte/ Hradil 1988, S. 11). So kamen das Wohnquartier, also der private Raum, und die Lebensform hinzu, welche in der heutigen Zeit ebenfalls als wertvoll angesehen werden. Die Merkmale für die Produktion von Ungleichheit haben sich demnach verstärkt (vgl. Ottersbach 2015, S. 55). Es kann hierbei festgehalten werden, dass wenn es du einer dauerhaft anhaltenden ungleichen Verteilung der Güter kommt, dass hier von einer „absoluten Ungleichheit“ gesprochen werden kann(vgl. Bolte/ Hradil 1988, S. 11ff.).

Dass Ungleichheit in der Sozialgeschichte erkennen lässt, wird im Folgenden deutlich gemacht.

1.1. Ungleichheit in der Sozialgeschichte

Bereits im Mittelalter wurden die gesellschaftlichen Strukturen durch das maßgeblich prägende Ständesystem hierarchisch geordnet. Dadurch wurde grundsätzlich jede Person nach ihrer Abstammung bemessen und dem entsprechenden Stand zugeordnet. So kam es dazu, dass Kinder die Position der Eltern übernahmen. Prägend für dieses System der Gliederung, dass jedem Stand feste Aufgaben und gesellschaftliche Pflichten vorgeschrieben waren. Das System sah es ebenfalls vor, dass es zu keinen Mobilitäten kommt. Dies war in der Regel auch nicht möglich, da die Mittel zum einen nicht vorhanden Waren und in Zukunft auch nicht angeeignet werden konnten, um aufzusteigen. Erkennbar ist, dass dem untersten Stand die Mehrheit angehörte (vgl. Arens 2007, S. 139).

Bolte und Hradil verwenden für die Sortierung nach Abstammung bzw. Besitztümer den Begriff der „faktischen Lebensverhältnisse“ (vgl. Bolte/ Hradil 1988, S. 28). Die faktischen Lebensverhältnisse wurden in der Regel nicht einheitlich bewertet, sondern waren beeinflussbar und somit individuell anpassbar. Die „faktischen Lebensverhältnisse“ wurden also zusammengesetzt wie diese gebraucht wurden (vgl. Bolte/ Hradil 1988, S. 28).

Mit Beginn der französischen Revolution wurden die Privilegien der höher angesehenen aufgehoben und einer bürgerlichen Gemeinschaft vereint. Mitte des 18. Jahrhunderts etablierte sich eine neue Struktur, welche der vorherigen ähnelte. Die Gesellschaft wurde in Klassen eingeteilt. Der Begriff der Klasse und die Theorie derer geht auf die Lehre von Marxs zurück (vgl. Arens 2007, S. 139). Arens ist nach dieser der Auffassung, dass der Status einer Person über seine wirtschaftliche und soziale Lage bestimmt wird. Produktionsmittel sind hierbei ein Beispiel für die wirtschaftliche Lage, da diese auf dem Arbeitsmarkt Macht vermittelten. Die einhergehende Macht zeichnete sich in der sozialen Lage wieder (vgl. Arens 2007, S. 139). Allerdings sei auch hier die Fixierung der Position zu erwähnen. Ein Aufsteigen war demnach wiedermal nicht möglich (vgl. Bolte/ Hradil 1988, S. 33).

1.2. Ungleichheit durch Armut

Ungleichheit ist nach Kronauer (2010) Ausgrenzung oder auch soziale Benachteiligung, welche auf verschiedenen Gebieten stattfindet. Soziale Benachteiligung umfasst hierbei nicht immer die finanzielle Ressource sondern kann auch auf Merkmale des Lebens- und Wohnraums angewendet werden. Der finanzielle Faktor spielt für diese eine Bedeutung.

Ausgrenzung aufgrund fehlender finanzieller Mittel wird hierbei durch gesellschaftliche aber auch persönliche Ursachen bedingt. Die persönliche Ursache ist hierbei der Mangel an Geld bzw. Kapitalmöglichkeiten. Damit ist einleuchtend, dass Konsummittel nicht erworben werden konnten. Im Grunde stellt dies eine der klassischsten Situationen von Armut dar. Den Grund für die fehlenden finanziellen Mittel können auf der gesellschaftlichen Ebene gefunden werden. Benachteiligung in der Bildung, ist einer der möglichen Gründe. Schlüsselqualifikationen oder Abschlüsse konnten nicht erworben werden, welche für den Arbeitsmarkt von Bedeutung sind. Es bildet sich so ein immer wiederkehrender Kreislauf (vgl. Kronauer 2010, S. 74ff.).

In der heutigen Zeit gibt es für von Armut betroffene Personen die Möglichkeit Hilfen in Form von Sozialhilfe zu bekommen. Diese steht grundsätzlich jedem zu, der aus den anderweitigen Hilfen nicht umgebracht werden kann. Auch hierbei kommt es zu Ausgrenzung. Die Begründung der Ausgrenzung wird darin gesehen, dass so kein eigenständiges Leben geführt kann, da man Hilfe von Trägern der Sozialhilfe angewiesen sei. Dadurch das sich auch hier der Kreislauf fortsetzte, etablierte sich Ausgrenzung und ungleiche Behandlung immer mehr (vgl. Kronauer 2010, S. 35f).

Aufgrund der finanziellen Lage und der Ausgrenzung der Eltern sind oft auch die Kinder benachteiligt. Hintergrund dafür sei, dass der Lebensraum kaum Möglichkeiten bietet aber auch das Wohnquartier Defizite aufweist. Kinder befinden sich demnach schlussfolgernd in derselben Lage wie die Eltern (vgl. Rabe-Kleberg 2011, 50f).

2. Sozialstruktur im Wohnquartier

Sozialstruktur bezeichnet die Ordnung der Gesellschaft nach ihren Merkmalen aber auch nach ihrer Schichtung. Unter Sozialstruktur wird auch „(…) die Gesamtheit der sozialen Beziehungsmuster in den zentralen Handlungsbereichen verstanden“ (Schäfers 2000, S. 65). Zu dieser „Gesamtheit“ gehören Bevölkerungs- und Haushaltsstrukturen aber auch die „(…) soziale Differenzierung und vertikale Gliederung der Bevölkerung“ (Schäfers 2000, S. 65 zitiert nach Schäfers 1998, S. 3ff.). Kritik bringt Schäfers auf, indem er anmerkt, dass Sozialstruktur häufig ausschließlich mit Ungleichheit und Benachteiligung in Bezug gebracht wird, da es so zu einer Verengung des Begriffes kommt (vgl. Schäfers 2000, S. 66). Allerdings führt er seine Anführungen nicht weiter aus und auch bei anderen Veröffentlichungen lassen sich hierzu keine weiteren Angaben finden.

Es kann also festgehalten werden das die Sozialstruktur „(…) die Gesamtheit der dauerhaften Norm- und Wertgefüge (…)“ darstellt (bpb o.J., o.S.). In Bezug auf Stadt kann Sozialstruktur auch ein Instrument von Herrschaft sein (vgl. Häußermann/Siebel 2004, S.117).

2.1. Wohnquartiere geprägt von Ungleichheit

Ein Ergebnis von Ungleichheit innerhalb des Quartiers ist das Stadtrandwohnen, welches sich im Zuge der Entwicklung und Erweiterung von Stadt ergab (Wehrheim 2015, S. 21f.).

2.2. Sozialräumliche Begriffe

Im Zuge der Globalisierung und den sich daraus ergebenen Diskursen wurde der lokale Nahbereich immer nachrangiger. Derzeit wird diesem allerdings eine immer weiter wachsende Bedeutung zugeschrieben. Dies hat, wie Wehrheim meint, eine „sozialstrukturelle (…) Relevanz.“ (Wehrheim 2015, S. 21f.) Er geht davon aus, das Familien und Kinder sowie ältere Menschen, welche ein niedrigeres ökonomisches Kapital besitzen, innerhalb des Sozialraums eingeschränkt sind, als Personen die ein höheres Einkommen beziehen. Gerade für die erst genannten soll und muss nach Wehrheim davon ausgegangen werden, dass die Nachtbarschaft sowie das Quartier und der darin enthaltende Lebens- und Sozialraum sehr bedeutsam sind. Als Grund für die Wichtigkeit ist zu benennen, dass die Personengruppe ihr Quartier kaum verlässt, da ihnen dazu schlichtweg die Möglichkeiten fehlen. Allerdings kann dies auch der verkehrstechnischen Anbindung geschuldet sein. Das Quartier der Bevölkerung bietet gleichzeitig auch den Sozialraum und den Lebensraum. Allerdings sind diese Begriffe voneinander zu trennen (Wehrheim 2015, S. 21f.)

2.2.1. Nachtbarschaft

Um diesen Begriff näher zu definieren geht Wehrheim auf Hamm ein und nennt „Nachtbarschaft“ aber als einen weitgehend unbestimmten Begriff. „Eine soziale Gruppe, deren Mitglieder primär wegen der Gemeinschaft des Wohnortes miteinander Interagieren.“ (Wehrheim 2015, S. 22 zitiert nach Hamm 1973, S. 18) ist eine Definition von Nachtbarschaft. Allerdings geht Wehrheim in Anlehnung an Schnur davon aus, dass die Gemeinschaft innerhalb der Nachtbarschaft nachrangig sei, da unklar bleibt welche Dimension Nachtbarschaft unterliegt. Abgesehen von der Dimension kann davon ausgegangen werden, dass immer soziale Beziehungen vorhanden sind, welche aufgrund der räumlichen Gegebenheit geschlossen wurden. „(…) früher [war] (…) Nachtbarschaft eine räumliche Tatsache, die sich sozial organisiert [hat], heute ist sie eine soziale Tatsache, die sich räumlich organisiert.“ (Wehrheim 2015, S. 22 zitiert nach Siebel 2009, S. 10) Die alltäglichen Erfahrungen zeigen, dass eher Distanz und Privatheit als alltäglich gelten und Offenheit und soziale feste Beziehungen die Ausnahme sind (vgl. Wehrheim 2015, S. 22f.).

2.2.2. Quartier

Der Quartiersbegriff knüpft an die sozialen Beziehungen innerhalb der räumlichen Tatsache an, so Wehrheim. Allerdings wird der Quartiersbegriff mit Beziehungen nur in den wenigsten Fällen assoziiert. Auch hier sei es tendenziell eher Distanz und Privatheit. Wehrheim gibt hier eine Definition von Schur an. Nach ihm ist ein Quartier „(…) ein kontextuell eingebetteter, (…), jedoch unscharf konturierter Mittelpunkt-Ort alltäglicher Lebenswelten (…) deren Schnittmengen sich in räumlichen-identifikatorischen Zusammenhang eines überschaubaren Wohnumfeldes abbilden.“ (Wehrheim 2015, S. 23 zitiert nach Schur 2008 in Schur 2012, S. 454)

Das Quartier ist demnach der Ort, an welchem das alltägliche Leben stattfindet. Ähnlich wie bei dem Nachbarschaftsbegriff die räumliche Dimension individuell. Das Quartier kann sich auf den Stadtteil beziehen, auf den Lebensraum oder ausschließlich auf den Wohnkomplex. In jedem Fall beschreibt der Quartiersbegriff den Lebensraum der Menschen (vgl. Wehrheim 2015, S. 24).

2.2.3 Differenzierung von Sozialraum und Lebenswelt

Der Sozialraum bezeichnet einen festgelten Ort bzw. ein festgelegtes Gebiet. In diesem spielt sich für gewöhnlich das alltägliche Leben von allen Menschen des Stadtteils ab. Der Sozialraum wird herbei individuell genutzt. Da sich gemeinsame Interessen finden, werden so kleinere Gruppen innerhalb des Sozialraums gebildet. Die Lebenswelt ist in der Sozialen Arbeit beispielsweise auf den Menschen ausgerichtet. Die Lebenswelt kann als ein Teilaspekt der sozialräumlichen Vorstellung gesehen werden. Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die Lebenswelt den individuellen Alltag mit den Routinen zeigt, welche sich im Sozialraum abspielen (vgl. Seckinger/ van Santen 2005, S. 50ff.).

2.3 Standrandwohnen im Zuge der Erweiterung von Stadt

Als Städte noch eine räumlich geschlossene Einheit bildeten, welche vielfach durch Eingrenzungsmaßnahmen gekennzeichnet waren, waren Erweiterungsversuche begrenzt. Die geschlossenen Einheiten bildeten um einen Vergleich zu generieren die heutigen Stadtteile einer Stadt. In den geschlossenen Einheiten gab es dennoch soziale Benachteiligungen aufgrund der bisher genannten Faktoren. Es kam dennoch zu einer Einheit innerhalb der geschlossenen Einheit. Um sich die Maßnahmen der Eingrenzung bildhaft vorzustellen, können sich Stadtmauern aber auch Wachen an den Toren vorgestellt werden (vgl. von Saldern 2000, S.79ff.).

Eine Veränderung ergab sich im 18. Jahrhundert als die Städte geöffnet wurden. Dies hatte zur Folge, dass es zu einer Erweiterung kam und sich gleichzeitig verschiedene kleinere und größere Gebiete bildeten. Es kam zu einer sogenannten Wanderschaftsbewegung welche dazu führte zentral liegende Wohngebiete gab und Wohngebiete welche sich in Stadtrandnähe ansiedelten. Die Häuser in Stadtrandnähe wurden als Arbeitsmietshäuser betitelt (vgl. von Saldern 2000, S.79ff.).

Arbeitsmiethäuser wurden grundsätzlich eher in Stadtrandnähe errichtet, da diese meist kostengünstiger waren und eine höhere Bauanfälligkeit besaßen. Soziale Benachteiligung und Armut wurden somit sichtbar zum Ausdruck gebracht. Zudem wurde Armut als ein Massenproblem sichtbar und wahrgenommen. Dadurch, dass die Häuser in Stadtrandnähe dezentralisiert wurden, entwickelten sich innerhalb der Stadtbereiche eigene Kulturen und Bräuche. Es gab so geschlechtertypische Positionen. Es galt als typisch, dass sich die Frauen um die Kinder und den Haushalt kümmerten, während die Männer der Arbeit nachgingen oder den örtlichen Mittelpunkt, in der Regel eine Kneipe, aufsuchten (vgl. von Saldern 2000, S. 81ff.). Es wird behauptet, dass aufgrund der negativen Einflüsse der Wohnverhältnisse und der damit einhergehenden sozialen Lage der Bevölkerung eine Distanzierung zum eigenen Sozialraum erfolgte. Die Wohnorte lassen sich heute zunehmend schwerer erkennen, „(…)[da] die direkte Verbindung zwischen vernachlässigter Bausubstanz und (…) Sozialverhältnissen nicht mehr überall gegeben ist.“ (Siebel/Häußermann 2000, S. 134)

[...]

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Details

Titel
Ungleiche Stadt. Ein Lebensort und sozialer Raum für Jugendliche
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Note
2,3
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V540260
ISBN (eBook)
9783346156129
ISBN (Buch)
9783346156136
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jugendliche, lebensort, raum, stadt, ungleiche
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Ungleiche Stadt. Ein Lebensort und sozialer Raum für Jugendliche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540260

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