Ethische Betrachtung von Tierversuchen in der Grundlagen- und angewandten Forschung


Seminararbeit, 2018

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Tierversuche in Grundalgen und angewandter Forschung
2.1.1 Definition Tierversuche
2.1.2 Tierversuche in der Grundlagenforschung
2.1.3 Tierversuche in der angewandten Forschung
2.2 Historische Entwicklung
2.3 Der Versuchsantrag
2.4 Das 3R-Prinzip
2.5 Alternative Verfahren und Methoden
2.6 Ethische Sicht auf Tierversuche
2.7 Forschungsfrage

3 Methodik
3.1 Deduktion und Induktion
3.2 Qualitativ und Quantitativ
3.3 Primär und sekundär
3.4 Qualitative Inhaltsanalyse

4 Analyse
4.1 Anwendung alternativer Verfahren und Methoden
4.2 Erfolge durch Tierversuche
4.3 Ethische Vertretbarkeit
4.4 Welt ohne Tierversuche

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Tierversuche und deren ethische Betrachtung ist seit geraumer Zeit ein Thema, dass zu Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen in der Menschheit führt und geführt hat (vgl. Ahne, 2007, S. 28). Gesetzesänderungen und die intensive Forschung an alternativen Verfahren und Methoden sollten die angespannte Lage entschärfen. Dennoch gelang es auch durch neue Gesetze etc. nicht, das Spannungsfeld zwischen der Wissenschaftsfreiheit und Tierschutz zu besänftigen. Den Höhepunkt der ohnehin schon äußerst zugespitzten Diskussionsläger zwischen Forschern auf der einen Seite und Tierschützer auf der anderen Seite gab es 2014. Ein Tierschützer schleuste sich als Tierpfleger in das Max-Planck-Institut in Tübingen ein und zeichnete einige unschöne Szenen auf. Diese Szenen stammten vor allem von offensichtlich verletzten und leidenden Primaten. Das Institut selbst wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die aufgenommenen Situationen als Ausnahme. (vgl. SWR, 2018, o. S.). Dem gegenüber stehen viele medizinische Erfolge, die für Mensch und Tier von enormer und teilweise lebensnotwendiger Bedeutung sind. Beispiele sind Therapien gegen AIDS, Malaria und Ebola. Diese Therapien wären ohne die Anwendung von Tierversuchen nicht möglich (vgl. Singer, 2017, o. S.). Aus dieser Zwickmühle zwischen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und dem Leiden der Tiere ergibt sich die Forschungsfrage dieser Arbeit: „Kann auf Tierversuche in der Grundlagenforschung und in der angewandten Forschung aus ethischer Sicht verzichtet werden?“. Im Theoretischen Teil wurde hierfür der aktuelle Wissenstand definiert. Um in der Analysephase zu neuen Erkenntnissen zu kommen, wurde induktiv und qualitativ geforscht. Genauer gesagt wurden mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse sekundäre Daten ausgewertet. Die ausgewerteten Daten waren vier Interviews von 2017 und 2018 und beschäftigen sich allesamt mir der ethischen Betrachtung von Tierversuchen. Die Qualitative Inhaltsanalyse besteht aus vier Kriterien (Anwendung alternativer Verfahren und Methoden, Erfolge durch Tierversuche, Ethische Vertretbarkeit und Welt ohne Tierversuche) die miteinander verglichen wurden. Nach dem Vergleich dieser Daten wurden entsprechende Schlüsse gezogen und die Forschungsfrage entsprechend beantwortet.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Tierversuche in Grundalgen und angewandter Forschung

2.1.1 Definition Tierversuche

Allgemein werden Tierversuche im Deutschen Tierschutzgesetz § 7 behandelt. Dabei unterscheidet das Gesetz zwischen mehreren Arten von Tierversuchen. Wenn ein Eingriff oder eine Behandlung an einem Tier zu Versuchszwecken durchgeführt wird so ist dies ein Tierversuch. Eine weitere Voraussetzung hierbei ist, dass der jeweilige Eingriff zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen kann. Dies gilt ebenfalls für neugeborene Tiere, die durch einen Versuch entstehen. Die zweite Art von Tierversuchen dient nicht Versuchszwecken, es handelt sich hierbei um Eingriffe und Behandlungen die der „Erstellung, Gewinnung, Aufbewahrung oder Vermehrung von Stoffen, Produkten oder Organismen“ dienen. Das vollständige oder teilweise entnehmen von Innereien zu wissenschaftlichen Zwecken fällt auch unter § 7 Tierschutzgesetz. Tierversuche zur Unterstützung von Menschlicher Aus-, Fort- und Weiterbildung sind ebenfalls als Tierversuche anerkannt (vgl. § 7 Absatz 2 TierSchG).

2.1.2 Tierversuche in der Grundlagenforschung

Die Grundlagenforschung ist im Gegensatz zur angewandten Forschung (siehe Kapitel 2.3) nicht auf Erkenntnisse aus, die dem Wohle des Menschen oder Tieres dienen. Sie möchte im ersten Schritt lediglich Wissensvermehrung in Form von neuen Erkenntnissen betreiben (vgl. Ahne, 2007, S. 28). Die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung sollen die Basis für alle weiteren Forschungsaktivitäten bilden (vgl. Heldmaier, 2016, S. 17). Das Tierversuche in der Grundlagenforschung sehr umstritten sind, liegt zum einen daran, dass die sinnvolle Weiterverwendung der gewonnen Erkenntnisse auf den Menschen nicht garantiert ist. Ebenso ist auch das Ziel der Wissensvermehrung nicht garantiert. (vgl. Raspè, 2013, S.39). Die Gegenseite argumentiert damit, dass es häufig nur durch die zuvor geleiferten Ergebnisse aus der Grundlagenforschung zu wertvollen Erfolgen in anderen Bereichen der Forschung kommt bzw. kommen konnte. Über Tierversuche in der Grundlagenforschung wurde beispielsweise entdeckt, dass sogenannte „Papilomaviren“ bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs mittverantwortlich sind. Nur mithilfe dieser Erkenntnis konnte im zweiten Schritt eine entsprechende Impfung gegen diese Viren entwickelt werden (vgl. Heldmaier, 2016, S. 17f.). Oftmals können Grundlagenforschung und angewandte Forschung nicht komplett voneinander getrennt werden, denn meistens hat ein Forscher der Grundlagenforschung zumindest eine etwaige Vorstellung von dem was am Ende rauskommen soll (vgl. Caspar/ Koch, 1998, S. 77).

2.1.3 Tierversuche in der angewandten Forschung

Das Ziel der angewandten Forschung ist es Erkenntnisse zu gewinnen die sowohl für die Gesundheit des Menschen, als auch für die Gesundheit von Tieren von Nutzen sind (vgl. Ahne, 2007, S. 28). Die angewandte Forschung sucht genauer gesagt nach Erkenntnissen zur Vorbeugung von Krankheiten, zur genaueren und schnelleren Diagnose von Krankheiten und zu den entsprechenden Behandlungen im Krankheitsfall (vgl. Pröbstl, 2017, S. 149). Es gibt einige Beispiele, bei denen Tierversuche in der angewandten Forschung zu Mehrwert für den Menschen geführt hat. So wurden Beispielsweise bei der Entwicklung des Impfstoffes gegen Gelbfieber Tierversuche an Affen und Mäusen vorgenommen. Weitere erhebliche Fortschritte konnten ebenfalls durch den Einsatz von Affen in der AIDS Forschung erzielt werden (vgl. Heldmaier, 2016, 19 f.).

2.2 Historische Entwicklung

Die Historische Entwicklung des Tierschutzgedankens und der damit verbundenen ethischen Abwägung von Tierversuchen begann im 17. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt lebten die Menschen aber noch nach dem anthropozentrischen Stil, der Tierschutz als nützlich für den Menschen darstellen lässt. Im 18. Und 19. Jahrhundert entstand aus der Angst vor der immer rücksichtsloser werdenden Gesellschaft eine Tierschutzbewegung. In dieser wirkten vor allem die gebildete Schicht mit (vgl. Heldmaier, 2016, S. 39). Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine rechtlichen Einschränkungen, die Tierversuche zu Forschungszwecken eingrenzten oder gar vermieden. Im Jahre 1885 erließ der preußische Kulturminister „von Gossler“ eine Verordnung, die Vorgaben an Tierversuche enthielt (vgl. Caspar/Koch, 1998, S. 11 f.). In Deutschland wurde im Jahre 1933 das sogenannte Reichstierschutzgesetz verabschiedet. Dieses Gesetzt verbot es Tierversuche durchzuführen, die mit starken Leiden oder Schäden der Tiere verbunden waren. Eine Ausnahmeregelung konnte aber an einzelne Labore und Institute ausgestellt werden (vgl. § 5 Tierschutzgesetz, 1933). Im Jahre 1972 wurde das Tierschutzgesetz im Zuge einer Neufassung zum Bundesgesetz. Dies geschah aufgrund dessen, dass der Tierschutz von der konkurrierenden Gesetzgebung dem Bund zugeordnet wurde. In diesem Gesetz war eine Genehmigung von Tierversuchen nun nicht mehr allgemein auf Labore und Institute bezogen, sondern auf jeden einzelnen Versuch an Wirbeltieren (vgl. Caspar/ Koch, 1998, S. 14). Die ersten Tierversuchskommissionen, Tierschutzbeauftragten und die damit verbundene Frage der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen kamen im Jahre 1986 auf (vgl. Sambraus, 1997 S. 12 f.). Im selben Jahr wurde das erste Europäische Tierversuchsübereinkommen verabschiedet. Diesem ist die Bundesrepublik Deutschland 1988 mit in Krafttreten zum 01.01.1991 beigetreten (vgl. BGB I, 1991, S.740). In Bezug auf Tierversuche wurden hierbei Regelungen zum Umgang mit Tieren, Betäubungsgebot und zum vermehrten Einsatz von entsprechenden Alternativen Methoden getroffen (vgl. Pröbstl, 2017, S. 7). 1997 wurde im Vertrag von Amsterdam das „Protokoll zum Tierschutz und das Wohlergehen der Tiere“ verabschiedet. Tiere sollten laut diesem Protokoll als fühlende Wesen anerkannt werden. Außerdem wurde das Ziel eines besseren Tierschutzes formuliert (vgl. Heldmaier, 2016, S. 59). Durch mehrere Entwicklungen wie des vorangeschrittenen Wissenschaftstandes und dem sehr unterschiedlichen Tierschutzbedingungen in den EU-Ländern war eine Überarbeitung notwendig. Die erneuerte Richtlinie (2010/63/EU), die im Juli 2013 veröffentlicht wurde bezieht sich vor allem auf die Ausrichtung von Tierversuchen auf das 3R-Prinzip (vgl. Heldmaier, 2016, S. 40).

2.3 Der Versuchsantrag

Tierversuche sind präventiv Verboten. Das heißt, dass es Ausnahmen gibt, die einzelne Versuche nach erfolgter Genehmigung gestatten, wenn diese mit den entsprechenden gesetzlichen Vorschriften übereinstimmen. Der Erste Schritt zu einer solchen Genehmigung ist ein Antrag, der bei der Behörde eingereicht werden muss (vgl. Heldmaier, 2016, S. 60). Dieser Antrag (in schriftlicher Form) muss von einer dafür berechtigten Person eingereicht werden (vgl. Pröbstl, 2017, S. 134). Der Antrag besteht aus drei Teilen (Vorhaben- Personen- und Anlagenbezogen), in denen dargelegt werden muss das ein Tierversuch nötig ist um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen (vgl. Heldmaier, 2016, S 63. F.). Im Vorhabenbezogenen Teil ist wissenschaftlich darzulegen, dass der Versuch zulässig, ethisch vertretbar und unerlässlich ist. Außerdem muss durch den Antragsteller wissenschaftlich begründet werden um welchen Schweregrad es sich bei dem jeweiligen Tierversuch handelt (vgl. Lorz, Metzger, 2008, S. 23). Im zweiten Teil muss dargelegt werden, dass die Versuchsverantwortlichen Personen des Tierversuches (verantwortlicher Leiter/in und Stellvertretung) zum einen die nötigen fachlichen Qualifikationen besitzen und zum anderen noch nie gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben (vgl. Heldmaier, 2016, S. 64). Der Anlagenbezogene Teil des Versuchsantrages beschäftigt sich vor allem damit, dass die für Versuche verwendeten Tiere unter artgerechten Voraussetzungen untergebracht werden. Dazu zählt die Betreuung durch ausgebildete Tierpfleger und die Haltung in Artgerechten „Räumen“ (vgl. Lorz, Metzger, 2008, S. 23). Sobald ein Antrag bei der Behörde eingeht, hat diese 40 Tage Bearbeitungszeit (vgl. Pröbstl, 2017, S. 135). In dieser Zeit fällt die Entscheidung ob der Antrag genehmigt oder abgelehnt wird. Die Behörde muss bei Versuchen mit besonders hohem Schweregrad (vor allem Versuche mit Primaten) eine rückblickende Bewertung einfordern (vgl. Heldmaier, 2016, S.64).

2.4 Das 3R-Prinzip

Das 3R-Prinzip ist ein bereits im Jahre 1959 von William Russel und Rex Burch entwickeltes Konzept zur Vermeidung (replacement), Verminderung (reduction) und Verbesserung (refinement) von Tierversuchen (vgl. Russel und Burch, 1959, o. S.). Das erste R (replacement) hat das Ziel Tierversuche zu vermeiden oder durch alternative Methoden zu ersetzen (vgl. Heldmaier, 2016, S. 51). Sollte es keine Alternative Methode geben, die den wissenschaftlichen Zweck erfüllt, so is das R „reduction“ zu beachten. Hierbei ist es das Ziel, die verwendeten Tiere für einen Versuch so weit wie möglich zu reduzieren (vgl. Ahne, 2007, S. 91). Auch das mehrmalige ausführen eines gleichen Versuches soll somit vermieden werden (vgl. Raspè, 2013, S.51). Dies soll durch eine Ergebnisdatenbank aller Versuche gewährleitet werden (vgl. Heldmaier, 2016, S. 51). Refinement steht für Verfeinerung bzw. Verbesserung der Situation der Versuchstiere vor, während und nach dem Versuch (vgl. Ahne, 2007, S. 92). Dieses „R“ soll schon vor dem Versuch dafür sorgen, dass Tiere ausgewählt werden, deren Erlebnisfähigkeit eher gering ist. Während des Versuches sollen Schmerzen vermindert oder gar eliminiert werden und nach dem jeweiligen Versuch muss für eine artgerechte Haltung und entsprechende Betreuung gesorgt werden (vgl. Heldmaier, 2016, S. 49 f.). Das aufgeführte 3R-Prinzip bekam 2010 mit der EU Richtline 2010/63/EU auch Gesetzliche Anerkennung. Im Jahre 2013 wurden diese Bestimmungen außerdem im Deutschen Tierschutzgesetz und der Tierschutz-Versuchstierverordnung verankert (vgl. Bundesinstitut für Risikobewertung, 2018, o. S.).

2.5 Alternative Verfahren und Methoden

Viele Einrichtungen wie die Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen oder das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) beschäftigen sich und/oder fördern alternative Verfahren und Methoden, um Tierversuche zu verringern oder komplett zu vermeiden (vgl. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2018, o. S.). Letzteres ist das Ziel der Richtline 2010/63/EU. Ein Versuch oder eine Methode werden dann als alternativ deklariert, wenn Sie auf das 3 R Prinzip zutreffen (vgl. Pröbstl, 2017, S. 156). Eine der fortschrittlichsten Methoden ist das sogenannte „in-vitro-Verfahren“. Hier werden aus menschlichen oder Tierischen Gewebe stammenden Zelllinien weitergezüchtet (vgl. Heldmaier, 2016, S. 51). Diese gezüchteten Zellkulturen können unbegrenzt vermehrt werden (vgl. Ahne, 2007, S. 95). Durch „In-vitro-Verfahren“ ist es nicht möglich die gesamte Komplexität des Gesamtorganismus abzubilden. Dies führt dazu, dass diese Methode nicht zur kompletten Vermeidung von Tierversuchen führt (vgl. Heldmaier, 2016, S. 51). Eine weitere Methode ist die Züchtig von menschlichen Ersatzorganen aus humanem Gewebe. Diese Ersatzorgane werden anschließend mithilfe eines 3-D-Druckers hergestellt (vgl. Heldmaier, 2016, S. 51). Dieses alternative Verfahren, bei dem kleinste Organe auf einem Chip platziert und versorgt werden wird vor allem für die Prüfung von pharmakologischen Eigenschaften biologischer Substanzen, Chemischer Substanzen und Toxizität verwendet (vgl. Heldmaier, 2016, S. 51 f.). Sollen Lebensvorgänge simuliert, die Verträglichkeit von Stoffen untersucht oder in der Aus-, Fort und Weiterbildung komplizierte Zusammenhänge veranschaulicht werden, so kann häufig auf „in-silico-Verfahren“ zurückgegriffen werden (vgl. Heldmaier, 2016, S. 52). Dieser Art von Verfahren basiert auf Computergestützter Analyse- und Simulationsmethoden und wird zum Beispiel in der Unfallchirurgie zur Austestung der Belastbarkeit von Platten, Schrauben etc. verwendet (vgl. Ahne, 2007, S. 96). Zusammenfassend ist zu sagen, dass an alternativen Verfahren und Methoden stark geforscht wird und diese auch entsprechend gefördert werden. Eine Lösung, die den gesamten Organismus mit seiner Vielzahl an Zelltypen abdeckt, wurde bis jetzt noch nicht gefunden (vgl. Heldmaier, 2016, S. 54 f.).

2.6 Ethische Sicht auf Tierversuche

Die große Schwierigkeit bei der ethischen Betrachtung von Tierversuchen ist das Spannungsfeld zwischen der Wissenschaftsfreiheit des Forschers auf der einen Seite und dem Schutz des Tieres auf der anderen Seite (vgl. Pröbstl, 2017, S. 162 f.). Es gibt verschiedene Ethische Ansätze, bei denen die Mensch- Tierbeziehung jeweils in unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird. Zuerst werden die bekanntesten Ansätze erläutert und anschließend wird auf die aktuelle Ethische Betrachtung von Tierversuchen Bezug genommen. Beim „Anthropozentrismus“ steht der Mensch klar im Fokus. Wir mit Tieren umgegangen werden soll richtet sich rein nach den Gefühlen und Interessen des Menschen. Lediglich das Verbot grausamer Handlungen durch die Selbstachtung des Menschen, kommt den Tieren und deren Schutz zugute (vgl. Heldmaier, 2016, S. 41ff.). Eine weitere extreme Position der Ethik ist der „Biozentrismus“, bei dem Pflanzen, Tiere und alle weiteren Lebewesen einen eigenen ethischen Wert besitzen (vgl. Tierversuche verstehen, 2018, O. s.). In besonders extremen Ausführungen wird jedem Lebewesen der gleich hohe ethische Wert zugeschrieben (vgl. Heldmaier, 2016, S. 41). Eine weitere Form ist der „Pathozentrismus“, bei dem der Mensch auch im Mittelpunkt steht aber im Gegensatz zum Anthropozentrismus muss der Mensch jedes leidensfähige Tier schützen. Das heißt auch, dass Tiere mit ausgeprägter Leidensfähigkeit mehr zu schützen sind als Tiere mit geringer Leidensfähigkeit und Pflanzen und ähnliches ohne Leidensfähigkeit nicht zu schützen sind (vgl. Tierversuche verstehen, 2018, o. S.). Diese Ethische Position bildet ein Mittelmaß zwischen den beiden anderen genannten extremeren ethischen Formen. Der Pathozentrismus kommt der heutigen Sicht auf Tierversuche schon sehr nahe. Eine Sonderform („pathoinklusive“ Ethik) beschreibt den heutigen Stand, auf dem das Deutsche Tierschutzgesetz beruht. Auch in dieser wird der Mensch stärker gewichtet als Leidensfähige Tiere. Neu ist aber das zur Erreichung menschlicher Interessen wie Wissenserwerb, Gesundheit und Genuss Tierversuche oder sogar der Tot des Tieres unter Voraussetzung einer möglichst geringen Angst- und Leidensfreiheit in Kauf genommen wird. Ein Tierversuch darf laut der pathoinklusiven Ethik nur vorgenommen werden, wenn er zum einen unumgänglich ist und zum anderen der erwartete Nutzen für den Menschen höher zu gewichten ist als die Belastung des entsprechenden Tieres. (vgl. Heldmaier, 2016, S. 4. ff.). Zusammenfassend ist zu sagen, dass es die unterschiedlichsten Ethischen Ansichten in Bezug auf Tierversuche gibt. Die einen sind eher pro Wissenschaft und die anderen eher pro Tierversuche. Der Deutsche Gesetzgeber hat sich beim Tierschutzgesetz auf einen Mittelweg eingelassen, bei dem die wissenschaftlichen Interessen des Menschen zwar klar über den Schutz der Tiere stehen, diesen aber dennoch hohe Beachtung geschenkt wird.

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Details

Titel
Ethische Betrachtung von Tierversuchen in der Grundlagen- und angewandten Forschung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V540308
ISBN (eBook)
9783346154484
ISBN (Buch)
9783346154491
Sprache
Deutsch
Schlagworte
betrachtung, ethische, forschung, grundlagen-, tierversuchen
Arbeit zitieren
Alexander Einhardt (Autor), 2018, Ethische Betrachtung von Tierversuchen in der Grundlagen- und angewandten Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540308

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