Wie schön ist es doch, wenn so etwas Abstraktes wie Geschichte zum Greifen nah ist? Etliche Museen teilen mit den Menschen diese Faszination und stillen scheinbar das Bedürfnis des Menschen, seine Spezies in allen Lagen und Geschehnissen zu beobachten. Der Mensch hat heutzutage eben jenes Privileg, einem Zeitwanderer gleich, durch die Geschichte zu reisen, und wie jeder Reisende brauchen auch Geschichtsinteressierte die passenden Instrumente, um für die Reise gewappnet zu sein.
Es ist wichtig, dass den Museumsbesucher*innen ein gewisses Instrumentarium dargeboten wird, da man sonst Gefahr läuft, sich in einen konstruierten Raum zu begeben und diesen unkritisch und unreflektiert zu durchlaufen. So kann es sein, dass die Besucher*innen unbewusst beeinflusst werden und jenes Geschichtsbild der Kuratoren in die eigene Welt mitnehmen. Somit könnte schlimmstenfalls eine exponentielle Verbreitung eines Gedankengutes erfolgen, das sich schädlich auf die demokratischen Werte auswirken kann.
Demnach ist es umso entscheidender, ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln, um für jene ‚unsichtbaren Gefahren‘ gegenüber, sprich abstraktes Gedankengut, sensibler zu werden.
Hierfür bieten sich zahlreiche Methoden an, wovon zwei im Folgenden kurz erläutert werden sollen, um letztlich zu begründen, weswegen sich Jana Scholzes Methode besser eignet als die anderen beiden.
Als erstes wird die Methode des Historikers Thomas Thiemeyer kurz dargestellt. Dieser untersucht mittels der klassischen geschichtswissenschaftlichen Methode der Quellenkritik das Museum und dessen Objekte. Thiemeyer erstellt zur Vereinfachung einen Fragekatalog, um die historisch-kritische Museumsanalyse durchzuführen. Einen weiteren methodischen Ansatz bietet Eric Gable an, der mit ethnologischen Methoden das Museum untersucht. Damit rücken die implizierten Handlungen der Kuratoren in den Mittelpunkt.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Jana Scholzes Methode
2.1) Deskription - Präsentationsform
2.2) Denotation – Gebrauchsfunktion
2.3) Konnotation – Sekundäres Zeichensystem
2.4) Metakommunikation - Zeichen außerhalb des Ausstellungskontextes
3.) Methodische Anwendung - Trabi und VW Käfer
3.1) Deutsches Historisches Museum‘
3.2) Deskription
3.3) Denotation
3.4) Konnotation
3.5) Metakommunikation
4.) Fazit
5.) Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der semiotischen Museumsanalyse nach Jana Scholze auf die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums (DHM). Ziel ist es, durch die methodische Dekonstruktion von Ausstellungsobjekten – konkret am Beispiel eines VW-Käfers und eines Trabanten – aufzuzeigen, wie museale Inszenierungen politische Narrative und gesellschaftliche Botschaften vermitteln.
- Methodische Grundlagen der Museumsanalyse nach Jana Scholze
- Semiotische Kategorisierung: Deskription, Denotation, Konnotation und Metakommunikation
- Analyse der Dauerausstellung des DHM hinsichtlich ihrer narrativen Struktur
- Vergleichende Untersuchung von Exponaten als Repräsentanten ideologischer Systeme
- Kritische Reflexion der Rolle des Museums bei der Konstruktion von Geschichtsbildern
Auszug aus dem Buch
3.5) Metakommunikation
Es wird nun damit begonnen, die metakommunikative Ebene zu betrachten. Der fundamentale Gedanke soll jener sein, dass die Autos in dieser Ebene nicht sich selbst repräsentieren. Die Automobilfahrzeuge stehen symbolisch für die Bürger*innen der jeweiligen Besatzungszone.
In welchem Raumkonzept befinden sich die Autos und was soll damit versinnbildlicht werden? Beide Autos zeigen mit der vorderen Spitze hin zur Grenze. Um sie herum sind die äußeren Einflüsse klar erkennbar. Die Deutschen Bürger waren, so die erste Ebene dieser Dimension, von fremden Einflüssen umgeben, die aber nicht zwangsläufig negativ ausfielen. So bietet allein der Informationstext gleich zu Beginn den ersten Einblick in die gegensätzlichen Ideologien des Westens und der Sowjetunion. Während die BRD unter dem Einfluss der Westalliierten ‚entstand‘, wurde die DDR ‚errichtet‘. Diese bewusste Verwendung von den beiden Termini ‚entstehen‘ und ‚errichten‘ ist eine bewusste Gegenüberstellung von einem inneren Antrieb zu wachsen (entstehen) zu einer absoluten Fremdbestimmtheit durch die Sowjetunion (errichten). Der Punkt des ‚Errichtens‘ wird dadurch deutlich, dass einzig neben dem Trabanten Miniatur Wohnbauten zu sehen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Museumsanalyse ein und begründet die Auswahl von Jana Scholzes Methode gegenüber alternativen Ansätzen zur kritischen Betrachtung von Ausstellungen.
2.) Jana Scholzes Methode: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Scholzes Ausstellungsanalyse, basierend auf Semiotik, und definiert die zentralen Werkzeuge: Deskription, Denotation, Konnotation und Metakommunikation.
3.) Methodische Anwendung - Trabi und VW Käfer: Hier wird Scholzes Instrumentarium praktisch auf die Dauerausstellung des DHM angewandt, wobei der Fokus auf dem Vergleich von VW-Käfer und Trabant als Träger ideologischer Narrative liegt.
4.) Fazit: Das Fazit resümiert die Anwendbarkeit der Methode, bestätigt ihre Stärken in der Offenlegung semiotischer Botschaften und identifiziert zugleich Limitationen bei der Analyse von Standard-Gebrauchsgegenständen.
5.) Literatur: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Museumsanalyse, Jana Scholze, Deutsches Historisches Museum, Semiotik, Deskription, Denotation, Konnotation, Metakommunikation, Ausstellungskonzept, DDR-Geschichte, VW-Käfer, Trabant, Geschichtsnarrativ, Museologie, Ideologiekritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Ausstellungen im Museumskontext und nutzt hierfür das semiotische Modell von Jana Scholze.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit das Konzept von Jana Scholze geeignet ist, die semiotischen Botschaften und politischen Narrative der Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums zu entschlüsseln.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der theoretischen Fundierung der Museumsanalyse stehen die kritische Auseinandersetzung mit historischer Sinnbildung und die Analyse von Exponaten im Kontext von Ideologien im Vordergrund.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird die semiotische Methode der Ausstellungsanalyse nach Jana Scholze angewandt, ergänzt durch eine objektbezogene Untersuchung in den Kategorien Deskription, Denotation, Konnotation und Metakommunikation.
Was sind die wichtigsten Schlüsselwörter der Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Museumsanalyse, Semiotik, Geschichtsnarrative, Ideologiekritik und die spezifische Anwendung auf Ausstellungsstücke wie den VW-Käfer und den Trabant.
Welche Rolle spielen der VW-Käfer und der Trabant in der Arbeit?
Sie dienen als konkrete Fallbeispiele, um an ihnen die gegensätzlichen ideologischen Darstellungen der BRD und der DDR im DHM methodisch greifbar zu machen.
Wie unterscheidet sich die Konnotation beim VW-Käfer von der beim Trabanten?
Der VW-Käfer wird als Symbol für Wirtschaftswunder und globale Konsumgesellschaft gedeutet, während der Trabant als reaktives Produkt wirtschaftlicher Stagnation und staatlicher Unterordnung in der DDR konnotiert wird.
Was versteht der Autor unter dem Begriff der Metakommunikation in diesem Kontext?
Metakommunikation beschreibt hier den institutionellen Rahmen und die bewusste Rhetorik des Museums, wie etwa die gezielte räumliche Positionierung der Exponate zur Vermittlung politischer Standpunkte.
Zu welchem Schluss kommt der Autor bezüglich der Tauglichkeit der Methode?
Die Methode wird als sehr hilfreich für eine reflektierte Museumsanalyse eingestuft, wobei jedoch angemerkt wird, dass die Unterscheidung der Begriffe Konnotation und Denotation in der Praxis eine Herausforderung darstellen kann.
- Arbeit zitieren
- Mohammed Chahrour (Autor:in), 2018, Inwiefern lässt sich Jana Scholzes Konzept der Museumsanalyse auf das 'Deutsche Historische Museum' anwenden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540310