Dass der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule einen hohen Stellenwert besitzt, wird dadurch deutlich, dass die Schullaufbahn in einem jedem Lebenslauf dokumentiert wird (Bücher & Koch, 2001). Der Schulwechsel auf die Sekundarschule wird oft als Zäsur im Leben des Kindes oder als Bruch und Diskontinuität beschrieben (ebd.). Neue Fächer, Lehrer*innen, Anforderungen und Arbeitsformen können Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Schüler*innen haben (Knoppick, Becker, Neumann, Maaz & Baumert, 2015). Ob der Übergang gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Einer dieser Faktoren ist die Kooperation zwischen den Lehrkräften der abgebenden und aufnehmenden Schule.
Diese Arbeit soll eben diese Zusammenarbeit betrachten. Im Rahmen des Projekts „Qualität inklusiven Unterrichts“ wurden Fokusgruppeninterviews an diversen Schulen durchgeführt, in denen es unter anderem um Übergänge ging. Das vorliegende Material wird hinsichtlich der subjektiven Erfahrungen von Lehrkräften zur Kooperation beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule untersucht. Dabei wird in den Blick genommen, ob sich die Wahrnehmungen der Grundschullehrer*innen von denen der Lehrer*innen der weiterführenden Schulen unterscheiden. Außerdem wird betrachtet, ob es Unterschiede zwischen den verschiedenen weiterführenden Schulformen gibt. Zudem wird ein Fokus auf den Übergang von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf gelegt. Aus schulpädagogischer Sicht wird immer wieder auf Übergangsprobleme hingewiesen (Büchner & Koch, 2001), sodass dieses Thema sehr relevant ist. Außerdem besteht an der Thematik ein persönliches Interesse, da es als zukünftige Lehrkraft an einer weiterführenden Schule interessant ist, zu wissen, welche Formen der Kooperation theoretisch möglich sind und welche Schwierigkeiten es zu überwinden gilt.
Diese Arbeit wird in einen Theorieteil und einen Empirieteil unterteilt. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen und der Forschungsstand dargestellt, im zweiten Teil erfolgt unter anderem eine Beschreibung des Forschungsdesigns sowie die Darstellung und Interpretation der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theoretischer Teil
1 Zusammenfassende theoretische Aufarbeitung des Themas
1.1 Transitionen
1.1.1 Theoretische Grundlagen
1.1.2 Der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule
1.2 Der Übergang auf die weiterführende Schule als bildungspolitisches Streitthema
1.2.1 Der Elternwille
1.2.2 Die Verlängerung der Grundschulzeit
1.3 Übergangsgestaltung
1.3.1 Rechtliche Perspektive
1.3.2 Der Übergang von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
1.3.3 Gelingen des Übergangs
1.3.4 Übergangsbezogene Schulentwicklung
1.4 Kooperation zwischen Grundschule und weiterführender Schule
1.4.1 Möglichkeiten der Kooperation
1.4.2 Schwierigkeiten bei der Kooperation
2 Aktueller Forschungsstand
3 Zusammenfassung
Empirischer Teil
4 Zielsetzung, Fragestellung und Annahmen der Studie
5 Methodisches Vorgehen
5.1 Forschungsdesign
5.2 Erhebungsinstrument
5.3 Stichprobe
5.4 Durchführung der Studie
5.5 Vorgehensweise bei der Auswertung
6 Ergebnisse
6.1 Darstellung der Ergebnisse
6.2 Interpretation der Ergebnisse
6.3 Methodendiskussion
7 Fazit/ Ausblick
Zielsetzung & Forschungsgegenstand
Diese Arbeit untersucht die subjektiven Erfahrungen von Lehrkräften bezüglich der Kooperation beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule. Das primäre Ziel besteht darin, bestehende Kooperationsformen, Gelingensbedingungen und Schwierigkeiten zu identifizieren, wobei ein besonderer Fokus auf den Übergang von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf gelegt wird, um Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen verschiedenen Schulformen aufzudecken.
- Qualitative Analyse subjektiver Lehrkräfteperspektiven
- Vergleichende Untersuchung verschiedener weiterführender Schulformen
- Fokus auf den Übergang von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf
- Identifikation von Kooperationsformen und Gelingensbedingungen
- Analyse von Hindernissen im Übergangsmanagement
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Theoretische Grundlagen
Die Transitionsforschung ist ein Zweig in der soziologischen und sozialpsychologischen Sozialisationsforschung (Schaupp, 2011, S. 132). Sie beschäftigt sich mit verschiedenen Arten von biografischen Übergängen. Zu ihnen zählen individuelle, soziale, spezifische sowie normativ-institutionelle Transitionen. Bei individuellen Übergängen handelt es sich beispielsweise um Meilensteine in der geistigen, körperlichen und persönlichen Entwicklung. Soziale Übergänge meinen hingegen einen Rollenwechsel, zum Beispiel vom Schüler zum Studierenden. Spezifische Übergänge beschreiben unerwartete Änderungen wie einen Umzug. Der in dieser Arbeit thematisierte Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule gehört zu den normativ-institutionellen Transitionen, die in einem bildungsorientierten Land wie Deutschland festgelegte Vorgaben haben. So ist der Zeitpunkt des Übergangs fest vorgeschrieben, unabhängig davon, ob das Kind über die nötigen Ressourcen (s. Kap. 1.3.3) verfügt, um ihn zu bewältigen (Munser-Kiefer & Martschinke, 2018, S. 24).
Welzer (1993, S. 8) beschreibt Übergänge als einen „Wechsel von Individuen aus eingelebten Lebensabschnitten und -zusammenhängen in andere“ und als einen Bruch im „scheinbar gleichmäßigen Verlauf des Lebens“. Übergänge sind „schwer durchschaubar“, da sie „ineinander übergehende, sich überblendende [...] Wandlungsprozesse“ sind (Denner & Schumacher, 2014, S. 14). Sie erfordern die Klärung von neuen Sachverhalten sowie „Prozesse des Erkundens und Entdeckens“ (ebd., S. 57). Dabei soll das Zukünftige sinnvoll erscheinen und muss in das bisher Gewohnte eingeordnet werden können (ebd.). In diesem Zusammenhang sagt die von Lazarus (1991) aufgestellte Stresstheorie aus, dass Menschen in Stress geraten, wenn ihre gewohnten und eingespielten Routinen nicht genügen, um die neue Situation und die damit einhergehenden Anforderungen zu bewältigen. Filipp (1990, S. 298ff.) beschreibt Übergänge als kritische Lebensereignisse, die bewältigt werden können, im Falle eines Misserfolges aber negative Auswirkungen auf die Persönlichkeit haben können. Gelingt die Bewältigung, so kann der Entwicklungsimpuls aber ebenso positive Effekte mit sich bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassende theoretische Aufarbeitung des Themas: Dieses Kapitel definiert den Begriff "Transition" und beleuchtet die bildungspolitischen und pädagogischen Aspekte des Übergangs, inklusive rechtlicher Rahmenbedingungen und der speziellen Situation bei sonderpädagogischem Förderbedarf.
Aktueller Forschungsstand: Hier werden relevante Studien seit 1989 vorgestellt, die sich mit der Kooperation von Lehrkräften beim Übergang befassen und bestehende Forschungslücken aufzeigen.
Zusammenfassung: Dieser Abschnitt fasst die theoretischen Erkenntnisse zu Übergängen als Transitionen und die Bedeutung der Kooperation für das Gelingen des Schulwechsels kompakt zusammen.
Zielsetzung, Fragestellung und Annahmen der Studie: In diesem Kapitel wird das Erkenntnisinteresse formuliert, die qualitative Ausrichtung der Studie begründet und die Hypothesen zur Lehrerkooperation dargelegt.
Methodisches Vorgehen: Hier wird das qualitative Forschungsdesign mittels Fokusgruppeninterviews sowie die Auswahl der Stichprobe und die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring beschrieben.
Ergebnisse: Dieser Teil präsentiert die aus den Interviews extrahierten Haupt- und Subkategorien, interpretiert diese vor dem Hintergrund des theoretischen Rahmens und diskutiert die methodischen Stärken und Schwächen der Untersuchung.
Fazit/ Ausblick: Das Schlusskapitel resümiert die wesentlichen Ergebnisse hinsichtlich der Kooperationspraxis und gibt Impulse für die zukünftige Gestaltung des Übergangsmanagements.
Schlüsselwörter
Übergang, Grundschule, weiterführende Schule, Kooperation, Transition, Lehrkräfte, Fokusgruppeninterviews, qualitative Inhaltsanalyse, sonderpädagogischer Förderbedarf, Schulentwicklung, Schulqualität, Bildungsbiografie, pädagogische Kooperation, Erprobungsstufe, Übergangsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Kooperation zwischen Lehrkräften der abgebenden Grundschulen und der aufnehmenden weiterführenden Schulen beim Übergang von Schülerinnen und Schülern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Formen der Kooperation, die subjektiven Erfahrungen der beteiligten Lehrkräfte, die Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sowie die Herausforderungen, insbesondere beim Übergang von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die subjektiven Sichtweisen von Lehrkräften auf die Übergangskooperation zu erfassen und zu analysieren, ob sich dabei Unterschiede zwischen den verschiedenen weiterführenden Schulformen (Hauptschule, Gesamtschule, Gymnasium) zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Als Datenerhebungsmethode dienten Fokusgruppeninterviews, die anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Themas (Transition, bildungspolitische Streitthemen, rechtliche Perspektiven) und den empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Studie dargestellt und interpretiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Übergangsmanagement, Kooperationsformen, Transition, Inklusion (im Kontext des sonderpädagogischen Förderbedarfs) sowie der Dialog zwischen den Institutionen.
Wie bewerten die befragten Lehrkräfte die aktuelle Kooperation?
Insgesamt wird Kooperation als wichtig erachtet und positiv bewertet, wobei jedoch in der Praxis häufige Defizite bei der systematischen Umsetzung und Informationsweitergabe, insbesondere bei Förderplänen, benannt werden.
Welche Rolle spielt der sonderpädagogische Förderbedarf bei den Ergebnissen?
Die Ergebnisse zeigen, dass der Übergang von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf als besonders komplex wahrgenommen wird und hier häufig Schwierigkeiten beim Informationsfluss und der Aktenübergabe zwischen den Schulstufen bestehen.
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- Anonym (Author), 2020, Subjektive Erfahrungen von Lehrkräften zur Kooperation beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540347