Investieren ist eine Entscheidung, die oft nur durch reine finanzielle Faktoren rekonstruiert wird, was allerdings den Entscheidungsprozess nicht differenziert genug betrachtet. Außerdem stellt sich beim Investieren die Frage nach der Moral und damit auch danach, wie sich diese in die Entscheidung integrieren lässt. Die beste Erklärung bisher liefern die Konzepte EI und SRI, welche in der Literatur größtenteils auf ihre finanziellen Auswirkungen untersucht wurden, jedoch nicht ausreichend hinsichtlich ihrer Ethik beleuchtet wurden. Dieses Buch erörtert die Frage: Wo stößt die Investitionsentscheidung von Privatanlegern auf ethische Grenzen?
Vieles ist bekannt über quantitative Faktoren der Investitionsentscheidung am Kapitalmarkt (z.B. Modern Portfolio Theory und Capital Asset Pricing Model). Ende des 20. Jahrhunderts bewegte sich der Fokus der Forschung weg von rein finanziell getriebenen Investments hin zu sozial oder ethisch motivierten Investitionen (z.B. Social Responsible Investment und Ethical Investment).
Der Autor untersucht wie sich ethische Investments auf finanzielle Unternehmenskennzahlen auswirken und ob solche Investitionen wirklich rentabel sein können. Überraschenderweise ist wenig darüber bekannt, wie ethisch diese Investitionen wirklich sind und in wie fern Privatanleger ihr Geld nach ethischen Maßstäben investieren. Durch die Einordnung dieser Thematik innerhalb eines Rahmens aus der Theorie und das Sammeln von Daten durch Interviews mit Privatanlegern soll die Wissenslücke angesprochen werden.
So liefert der Autor die erste Definition einer ethischen Grenze bei Investitionsentscheidungen von Privatanlegern. Er hat herausgefunden, dass sich Privatanleger oftmals nicht über ihre eigenen moralischen Werte bewusst sind, wenn es um das Investieren geht und in Investitionsentscheidungen selten moralische Komponenten erkennen. Sie investieren zum Großteil aus finanziellen Motiven heraus und ihr langfristiges Ziel liegt darin, Kapital zu vermehren. Insgesamt führen die Ergebnisse dieser Arbeit zu wichtigen Implikationen für die Forschung rund um ethisches Investieren und ethischer Entscheidungsfindung und für die Praxis hinsichtlich dem individuellen Verhalten von Privatanlegern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Klassische Investitionstheorie
2.2 Socially Responsible Investment & Ethical Investment
2.3 Ethische Entscheidungsfindung
3 Empirische Untersuchung
3.1 Methoden
3.1.1 Interviews
3.1.2 Szenarien
3.2 Durchführung und Auswertung
4 Ergebnis der Untersuchung
4.1 Motivation und Vorgehensweise der befragten Anleger
4.2 Der Entscheidungsprozess bei der Szenarienauswahl
4.3 Investition und Ethik
5 Ethische Grenze
6 Diskussion
6.1 Anwendungsgrenzen und Empfehlungen für zukünftige Forschung
6.2 Handlungsimplikationen für die Praxis
7 Fazit
Anhang A: Interviewleitfaden
Fragenkatalog
Datenschutzerklärung
Anhang B: Bonitätsrisikoskala nach Standard & Poor’s
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ethischen Grenzen bei der Entscheidungsfindung von Privatanlegern am Kapitalmarkt, um Wissenslücken zu schließen, da bisherige Forschung primär institutionelle Anleger betrachtet hat. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wo stößt die Investitionsentscheidung von Privatanlegern auf ethische Grenzen?“
- Grundlagen der klassischen Investitionstheorie vs. Socially Responsible Investment (SRI)
- Analyse ethischer Entscheidungsfindung anhand des Modells von Jones und Kohlbergs Entwicklungsstufen
- Empirische qualitative Studie mit Privatanlegern mittels Semi-strukturierter Interviews
- Einsatz von Anlageszenarien zur Untersuchung moralischer Konflikte
- Ableitung einer Definition für ethische Grenzen bei Investitionsentscheidungen
Auszug aus dem Buch
2.3 Ethische Entscheidungsfindung
Wie oben beschrieben, sollte Investieren nicht von ethischer Prüfung ausgeschlossen sein. Ergibt sich beim Investieren ein moralischer Konflikt, so sollte dieser genau analysiert werden. Die Folgen einer ethischen Entscheidung können weitreichend sein und signifikante Auswirkungen auf das eigene Leben oder das Leben anderer haben (Woiceshyn, 2011). Schlussendlich ist die moralische Komponente ein Teil der Entscheidungsfindung beim Investitionsprozess. Je besser wir diese Komponente im Kontext der Entscheidungsfindung verstehen, desto besser sind wir gerüstet, um solche Entscheidungen zu treffen und Entscheidungen anderer zu bewerten. Doch wie wird Ethik in die Entscheidung eingebunden? Im Folgenden soll aus Platzgründen eine vereinfachte Antwort auf diese Frage gegeben werden.
In der Forschung beinhalten viele wichtige Theorien das Thema der ethischen Entscheidungsfindung (Craft, 2013). Man ist sich einig, dass Rest die dominierende Theorie geliefert hat, welche von Jones (1991) erweitert und verbessert wurde (Loe et al., 2000; O’Fallon & Butterfield, 2005; Craft, 2013). Um Jones‘ Modell genau zu verstehen, ist es wichtig, seine Definitionen zu einigen Begriffen näher zu betrachten. Nach Jones ist ein moralisches Problem dann gegeben, wenn die Entscheidung einer Person andere Personen besser stellt oder ihnen schadet. Entscheidungen stehen also nur dann im ethischen Kontext, wenn sie Konsequenzen haben. Außerdem muss der Akteur zwischen Alternativen frei wählen können. Ein moralischer Akteur ist eine Person, die eine ethische Entscheidung trifft, unabhängig davon, ob sie das moralische Problem erkennt oder nicht. Eine unethische Entscheidung ist nach Jones entweder illegal oder einer Gesellschaft gegenüber moralisch falsch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Forschungslücke bezüglich privater Investoren und formuliert die zentrale Forschungsfrage.
2 Theorie: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, umfasst klassische Investitionstheorien, SRI-Konzepte sowie Modelle der ethischen Entscheidungsfindung.
3 Empirische Untersuchung: Hier werden die qualitative Forschungsmethode, das Studiendesign mit Interviews und die Verwendung von Szenarien detailliert beschrieben.
4 Ergebnis der Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die erhobenen Daten, analysiert das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer und prüft die Anwendung der theoretischen Modelle.
5 Ethische Grenze: Der Autor leitet basierend auf den Ergebnissen eine Definition ab, ab wann eine Investitionsentscheidung als innerhalb der ethischen Grenze liegend betrachtet werden kann.
6 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, Anwendungsgrenzen aufgezeigt und Handlungsempfehlungen für Praxis und zukünftige Forschung formuliert.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und reflektiert über den Lernprozess während der Arbeit.
Schlüsselwörter
Ethische Entscheidungsfindung, Investitionsentscheidung, Privatanleger, Ethisches Investieren, Wirtschaftsethik, Bachelorarbeit, Socially Responsible Investment, Moralische Intensität, Jones-Modell, Kohlberg, Portfoliomanagement, Kapitalmarkt, Anlageszenarien, Moral, Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralischen Dimension von Investitionsentscheidungen privater Anleger am Kapitalmarkt und hinterfragt, inwiefern Ethik den Entscheidungsprozess beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Spannungsfeld zwischen klassischer Rendite-Risiko-Optimierung und ethischem Investieren (SRI), der Anwendung moralischer Entscheidungsmodelle sowie der Analyse des Verhaltens von Privatanlegern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Entscheidungsverhalten von Privatanlegern zu analysieren und eine erste Definition für eine „ethische Grenze“ zu formulieren, um moralisches Handeln am Kapitalmarkt messbarer zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt. Dies umfasst semi-strukturierte Interviews mit fünf Studenten der Wirtschaftswissenschaften, die zusätzlich mit fiktiven Investitionsszenarien konfrontiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Jones-Modell, SRI), eine empirische Untersuchung der Anlegerentscheidungen und eine kritische Diskussion der Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben der ethischen Entscheidungsfindung und dem Investitionsverhalten stehen Begriffe wie Ethisches Investieren, Privatanleger und moralische Intensität im Fokus.
Wie reagieren die befragten Studenten auf moralische Konflikte bei Investitionen?
Die Ergebnisse zeigen, dass Privatanleger moralische Konflikte bei Investitionen oft ignorieren oder nicht bewusst wahrnehmen, wobei finanzielle Kennzahlen meist dominieren.
Was bedeutet laut dem Autor eine „ethische Grenze“ beim Investieren?
Eine ethisch korrekte Entscheidung setzt laut Autor voraus, dass sich der Anleger über seine Optionen informiert, alle Schritte des Jones-Entscheidungsmodells durchläuft und auf einer hohen moralischen Entwicklungsstufe argumentiert.
- Arbeit zitieren
- Athanasios Kallinikidis (Autor:in), 2018, Ethische Grenzen bei der Entscheidungsfindung von Privatanlegern am Kapitalmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540410