Das Ziel dieser Arbeit besteht in einem aspektorientierten Vergleich des Dschihad-Begriffs zwischen zwei prominenten Denkern des 20. Jahrhunderts: Sayyid Qutb und Abdullah Azzam. Die Dschihad-Ideologie und die Konzeption des Dschihad innerhalb des Islam sind von herausragender Bedeutung, insbesondere in Anbetracht der aktuellen globalen Diskussionen über islamischen Extremismus und Terrorismus. Die vorliegende Arbeit wird die Dschihad-Philosophien dieser beiden Denker detailliert analysieren und miteinander vergleichen.
Im ersten Abschnitt wird eine umfassende Darstellung des Dschihad-Begriffs bei Sayyid Qutb gegeben, einem einflussreichen Vertreter des politischen Islam. Die Analyse seiner Ideen und Schriften wird es ermöglichen, ein tiefes Verständnis seiner Vision des Dschihad sowie seiner Vorstellungen von Befreiung und Gerechtigkeit zu gewinnen.
Im zweiten Abschnitt wird der Fokus auf Abdullah Azzam gerichtet, der als Pionier des globalen Dschihad und als maßgebliche Figur in der Entstehung von Al-Qaida gilt. Seine Schriften und Aktivitäten werden kritisch beleuchtet, um ein umfassendes Bild seiner Dschihad-Ideologie zu zeichnen.
Im dritten Abschnitt erfolgt ein aspektorientierter Vergleich der Dschihad-Begriffe von Qutb und Azzam, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Ideologien herauszuarbeiten und mögliche Implikationen dieser Ideologien für islamischen Extremismus zu identifizieren.
Im vierten Abschnitt werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und bewertet, um ein umfassendes Verständnis der Dschihad-Konzepte von Qutb und Azzam sowie ihrer Auswirkungen zu ermöglichen.
Die vorliegende Arbeit trägt dazu bei, das komplexe Thema des Dschihad und des islamischen Extremismus aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und bietet einen fundierten Beitrag zur Analyse dieser zentralen Fragen in der heutigen Welt. Sie ermöglicht es, die Ideen dieser beiden Denker im Kontext der islamischen Geschichte und Ideologie zu verstehen und fördert somit das bessere Verständnis einer Thematik, die die Welt nachhaltig beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Sayyid Qutb – die Befreiung des Menschen
2. Der Dschihad bei Abdullah Azzam
3. Aspektorientierter Vergleich des Dschihadbegriffs zwischen Qutb und Azzam
4. Zusammenfassung und Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentralen Unterschiede im Dschihad-Verständnis der beiden einflussreichen Islamisten Sayyid Qutb und Abdullah Azzam. Dabei wird analysiert, wie sich die theoretischen Ansätze der Autoren in ihrer Begründung, ihrer Zielsetzung und ihrer ideologischen Struktur unterscheiden, um die unterschiedlichen Kontexte und Wirkungsweisen ihres Dschihad-Begriffs herauszuarbeiten.
- Theoretische Grundlagen des Dschihad bei Sayyid Qutb
- Analyse der Widerstandsbewegung und des Dschihad bei Abdullah Azzam
- Vergleich der Natur und Zielsetzung des Dschihad-Konzepts
- Untersuchung der ideologischen und pragmatischen Differenzen
- Gegenüberstellung der Adressierung und Kontextualisierung bei beiden Autoren
Auszug aus dem Buch
Die Vorgehensweise: Von der Defensive in die Offensive
Bei Qutb wird der Dschihad in vier Stufen unterteilt. Diese orientieren sich an einer Art Prophezeiung, die bereits vor langer Zeit anfing und bis heute ihr Ende nicht gefunden hat. Im Rahmen einer Rechtfertigung der Natur des Dschihad - auf die später noch eingegangen wird - verweist Qutb auf vier verschiedene Stellen im Koran. Demnach ist die erste Phase, die in Mekka stattfand, noch von Zurückhaltung geprägt:
‚Haltet eure Hände zurück, verrichtet das Gebet und entrichtet die Zaka.‘ (Qutb 1964, S.82)
Als nächstes zeigt er eine Stelle auf, in der der Kampf erstmals erlaubt wird: ‚Die Erlaubnis (sich zu verteidigen) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah – […] – jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sagten: „Unser Herr ist Allah“ Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiss Klausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Allahs desöfteren [sic!] genannt wird, niedergerissen worden.‘ (ebd., S.83)
Offensichtlich wurden diese beiden Stufen von der „Qur’anischen Generation‘ bereits durchgeführt. Dies lässt sich daran erkennen, dass er „die anfänglichen und mittleren Stufen“ für beendet erklärt und die folgenden Stufen eher in einem endlosen Kampf zu münden scheinen. Als Nächstes verweist Qutb auf eine Stelle im Koran, wo nun offensiver gegen den Feind vorgegangen werden soll:
‚Und kämpft auf dem Weg Allahs gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Wahrlich, Allah liebt nicht diejenigen, die übertreten.‘ (ebd., S.83)
Während zuvor der Kampf nur der reinen Notwehr diente, dürfen die Feinde hier nun scheinbar auch offensiv bekämpft werden. Zudem beruft sich Qutb auf einen Vers im Koran, wo der Krieg gegen all die ausgerufen wird, die nicht an den wahren Gott glauben, sondern Götzen verehren:
‚Und bekämpft die Götzendiener allesamt, wie sie euch allesamt bekämpfen […]‘ (ebd., S.83)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Facetten des Dschihad-Begriffs und stellt die theoretische Ausgangslage der beiden Hauptfiguren Sayyid Qutb und Abdullah Azzam vor.
1. Sayyid Qutb – die Befreiung des Menschen: Dieses Kapitel analysiert Qutbs Verständnis des Dschihad als Bewegung zur Umsetzung eines göttlich legitimierten Systems und zur Befreiung von menschlichen Herrschaftsstrukturen.
2. Der Dschihad bei Abdullah Azzam: Hier wird Azzams Dschihad-Konzept vor dem Hintergrund des afghanischen Widerstands beleuchtet und als pragmatische Pflicht begründet.
3. Aspektorientierter Vergleich des Dschihadbegriffs zwischen Qutb und Azzam: In diesem Kapitel werden die wesentlichen Unterschiede in der Natur des Kampfes, dem Narrativ und der Gegenwärtigkeit des Dschihad bei beiden Autoren herausgearbeitet.
4. Zusammenfassung und Bewertung: Das abschließende Kapitel resümiert die ideologischen Differenzen und stellt die jeweilige Bedeutung der Autoren für den militanten Islamismus fest.
Schlüsselwörter
Dschihad, Islamismus, Sayyid Qutb, Abdullah Azzam, Jahilyya, militanter Widerstand, Gottesherrschaft, Ideologie, Befreiung, Muslime, Religion, politischer Islam, Radikalisierung, Fard Ayn, Fard Kifaya
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht das Dschihad-Verständnis der einflussreichen Theoretiker Sayyid Qutb und Abdullah Azzam.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die ideologischen Wurzeln des Dschihad, dessen Rechtfertigung, die Zielsetzung des Kampfes und die unterschiedlichen Kontexte, in denen Qutb und Azzam ihre Theorien entwickelten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die zentralen Unterschiede im jeweiligen Verständnis des Dschihad zwischen Qutb und Azzam herauszuarbeiten und zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textbasierte, vergleichende Analyse, die die Hauptwerke der Autoren auswertet und gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Theorien von Qutb und Azzam getrennt dargestellt und anschließend systematisch anhand dreier Aspekte verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Dschihad, Islamismus, Jahilyya, Gottesherrschaft, Ideologie und militanter Widerstand sind die zentralen Begriffe der Untersuchung.
Warum unterscheidet Azzam zwischen einem offensiven und einem defensiven Dschihad?
Azzam unterscheidet diese Formen, um sowohl die Verteidigung muslimischer Gebiete (defensiv) als auch die Ausbreitung des islamischen Einflusses (offensiv) theoretisch zu rechtfertigen.
Wie unterscheidet sich Qutbs Verständnis von Azzams Verständnis?
Qutb betrachtet den Dschihad als eine metaphysisch begründete Notwendigkeit zur Errichtung einer göttlichen Weltordnung, während Azzam den Dschihad primär als pragmatische, religiöse Pflicht in einem konkreten militärischen Kontext begreift.
- Arbeit zitieren
- Vincent Weyer (Autor:in), 2019, Der Dschihad. Zentraler Unterschiede zwischen der Auffassung von Sayyid Qutb und Abdullah Azzam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540438