Ziele und Perspektiven für jugendliche Geflüchtete. Implementierung und Evaluation eines kreativ-künstlerischen Workshopkonzepts für Flüchtlinge


Masterarbeit, 2018

94 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Die Forschungsfrage
2.1 Die Hypothesen
2.2 Die Zielgruppe
2.3 Methoden und Materialien
2.3.1 Das Coaching-Tool „Farbkarten“
2.3.2 Graffiti
2.4 Forschungsdesign & Operationalisierung
2.4.1 Partizipative Forschung
2.4.2 Qualitative Forschung
2.4.3 Kunstbasierte Forschung
2.5 Operationalisierung der Variablen
2.6 Kontext und Motivation
2.7 Gesellschaftlicher Mehrwert

3.Theoretischer Hintergrund
3.1 Kontextuelle Einordnung
3.1.1 Wissenschaftliche Verortung
3.1.2 Zur Situation von jugendlichen Fluchtlingen in Deutschland
3.1.3 Interkulturelles Coaching
3.2 Bezugswissenschaften und thematische Verortung
3.2.1 Wissenschaftliche Einordnung
3.2.1.1 Sensibilisierung und Sensibilisierungsprozesse
3.3 Kunstanaloge Einordnung
3.3.1 Der kunstanaloge Coachingansatz
3.3.2 Farben und ihre Rolle im kunstanalogen Coachingansatz S.32-35
3.3.3 Zur Bedeutung von Sprache und Sprachlichkeit im kunstanalogen Coaching

4.Durchfuhrung&Evaluation
4.1.1 Projektbeschreibung
4.1.2 Zeitliche Ubersicht
4.2 Der erste Workshop
Aufbau &Ablauf
Auswertung der teilnehmenden Beobachtung
Auswertung des Feedbacks
Auswertung der Interviews
Transferergebnisse
4.3 Der zweite Workshop
Aufbau des zweiten Workshops
Auswertung der teilnehmenden Beobachtung
Auswertung des Feedbacks
Auswertung der Interviews

5.Ergebnisse
5.1. Ergebnisse der formativen Evaluation des Workshops
5.2 Uberprufung der Hypothesen
5.3 Reflektionsprozesse und Profilbildung

6. Diskussion

7. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abstract

Im Rahmen der vorliegenden Masterarbeit soll diese Lucke durch eine kunstlerische Intervention mit einer Zielgruppe von im GroBraum Hamburg lebenden, jugendlichen Fluchtlinge im Alter von 16 bis 21 Jahren verringert werden.

Das Ziel des Workshops ist die Sensibilisierung fur individuelle Ziele, wobei der Workshop zwei Mal, jeweils mit einer anderen Gruppe von Jugendlichen, durchgefuhrt und mittels einer formativen Evaluation kontinuierlich reflektiert und verbessert werden soll.

Der Titel der vorliegenden Masterarbeit im Rahmen des Studiengangs „Kunstanaloges Coaching“ an der MSH Medical School Hamburg lautet: „Implementierung und Evaluation eines kunstanalogen Workshops fur jugendliche Fluchtlinge“

Als begleitende Forschungsfrage ergibt sich die Fragestellung:

„Kann eine Sensibilisierung fur den Bereich der individuellen Ziele bei den Workshopteilnehmern erreicht werden?“

Diese Forschungsfrage soll anhand von festgelegten Indikatoren beantwortet werden.

Die Arbeit umfasst eine theoretische Auseinandersetzung mit relevanten Bezugstheorien wie etwa der Beschreibung und Erlauterung des interkulturellen Coachingansatzes, der Situation von gefluchteten Jugendlichen in Deutschland sowie dem kunstanalogen Coaching, dessen Kunstverstandnis und der Darstellung und Einordnung desselben innerhalb des Spektrums an Coachingansatzen.

AuBerdem werden die Planung, Konzeption, Implementierung und formative Evaluation der beiden Workshops fur gefluchtete junge Menschen vertieft behandelt. Die Grundlagen der Evaluation stellen sowohl die Beobachtungen der Workshopleiterin und externen Beobachtern als auch narrative Interviews mit den Bezugsbetreuern der Jugendlichen und jeweils im Anschluss an die Workshops aufgenommene Feedback Videos dar.

Letztendlich wird dargestellt, inwiefern Sensibilisierungsprozesse bei den Jugendlichen erkennbar waren und welche weiteren Ergebnisse der formativen Evaluation sich zeigten.

AnschlieBend erfolgen eine Diskussion, in welcher weitere relevante Forschungsmoglichkeiten und Fragestellungen erortert und Einschrankungen der Gultigkeit sowie Einflussfaktoren beschrieben werden.

Die vorliegende Arbeit schlieBt mit einem Fazit und einem Ausblick mit einer Einordnung des Forschungsergebnisses innerhalb einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive ab.

Anmerkung

Aus Grunden der leichteren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Masterarbeit vorwiegend die mannliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet.

Dies bedeutet jedoch keinesfalls eine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zeitliche Ubersicht

Tabelle 2: Zeitliche Ubersicht Workshop 1

Tabelle 3: Zeitliche Ubersicht Workshop 2

Anhangsverzeichnis

Anhang 1:Leitfaden zur teilnehmenden Beobachtung

Anhang 2: Interview Bezugsbetreuer im Anschluss an die Workshops

Anhang 3:Aushang fur die Jugendlichen

Anhang 4:Projektbeschreibung fur den Trager

Anhang 5: Ablaufplan

Anhang 6: Logoentwurfe Coachingkunst

1 Einleitung

Laut Angaben des statistischen Bundesamtes nimmt die Zahl der Fluchtlinge, insbesondere der jungen Gefluchteten stetig zu.(Bundesamt fur Migration und Fluchtlinge,2018) Gleichzeitig gibt es wenig Coaching- oder Beratungsangebote fur die Zielgruppe, vor allem herrscht ein Mangel an kunstlerischen Interventionen. (Sinapius, 2015)

Wahrend die Jugendlichen sich mit vielen Anforderungen und Aufgaben im immigrierten Land konfrontiert sehen, setzen die wenigen bereits vorhandenen Beratungsangebote hauptsachlich an fachlichen Aspekten wie etwa Beratung im Hinblick auf Asylverfahren an.

Die Ebene von eigenen Zielen und Perspektiven wird dabei weitestgehend vernachlassigt. Hier besteht, genau so wie in anderen Bereichen, welche die Forderung von (jugendlichen) Fluchtlingen betreffen laut dem Deutschen Jugendinstitut trotz zunehmender medialer Prasenz des Themas noch Bedarf an wissenschaftlicher Auseinandersetzung:

„Mit der gestiegenen offentlichen Aufmerksamkeit auf fluchtlingspolitische Fragen ruckt die Situation von Kindern, Jugendlichen und Familien, die nach Deutschland geflohen sind, auch in der Kinder- und Jugendhilfe starker in den Fokus. Es besteht allerdings noch groBer Forschungsbedarf(...)“ (Deutsches Jugendinstitut, 2014, S.12)

Weiterhin stellt das Deutsche Jugendinstitut fest, dass eine interkulturelle Offnung von Angeboten vielerorts noch nicht beziehungsweise unzureichend umgesetzt werden konnte. (Deutsches Jugendinstitut, 2014)

Die Masterarbeit mit dem Titel „Implementierung und Evaluation eines kunstanalogen Workshops fur jugendliche Fluchtlinge: Kann eine Sensibilisierung fur den Bereich der individuellen Ziele bei den Workshopteilnehmern erreicht werden?“ stellt einer Erganzung des, wie oben beschriebenen, bisher wenig ausgepragten Angebots fur (jugendliche) Gefluchtete dar.

Die Arbeit behandelt dabei sowohl die Planung als auch die Implementierung und formativen Evaluation mit dem Ziel einer kontinuierlichen Verbesserung eines Workshopformats fur jugendliche Fluchtlinge.

Der Workshop mit dem Titel „Dort komme ich her - da will ich hin“ wird zwei Mal mit einer jeweils unterschiedlichen Zielgruppe durchgefuhrt.

Dabei wird angenommen, dass Sensibilisierungsprozesse bei den Jugendlichen stattfinden, welche anhand von vorab definierten Indikatoren gemessen werden.

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit sollen der aktuelle Stand der Forschung und die daraus resultierende Relevanz der Forschungsvorhabens erlautert werden.

Im Abschnitt Fragestellung und Hypothesen werden kurz die zu Grunde liegende Fragestellung und

Hypothesen, welche das Forschungsvorhaben der Autorin bestimmen aufgegriffen. AnschlieBend wird der theoretische Hintergrund in drei Abstufungen beschrieben. Zunachst sollen die Situation von gefluchteten Jugendlichen in Deutschland und der Ansatz des Interkulturellen Coachings beschrieben werden. Im Anschluss erfolgt eine wissenschaftliche Einordnung, durch welche der Begriff der Sensibilisierung unter anderem aus motivationspsychologischer Perspektive erlautert und definiert werden soll. Im nachsten Abschnitt wird der kunstanaloge Coachingansatz, auf welchem die vorliegende Arbeit basiert, definiert und die Arbeit entsprechend verortet.

Im nachsten Teil werden die fur die Masterarbeit geplanten Methoden definiert und erlautert. Im Anschluss erfolgt eine konkrete Beschreibung der Zielgruppe, der geplanten Materialien sowie die Operationalisierung der Indikatoren fur Sensibilisierungsprozesse.

Im folgenden wird eine thematische Verortung im kunstanalogen Ansatz vorgenommen, wobei auf die theoretischen Grundlagen des Ansatzes sowie die Rollen von Farben und Sprache eingegangen werden.

Im Abschnitt Durchfuhrung &Evaluation sollen die beiden Workshops und deren geplanter Ablauf beschrieben werden. AnschlieBend erfolgen die formative Evaluation unter Berucksichtigung einzelner festgelegter Kategorien einschlieBlich der Darstellung der Ergebnisse der teilnehmenden Beobachtungen und des Feedbacks.

Letztendlich werden die Ergebnisse in Bezug auf die Forschungsfrage, die Ergebnisse der Evaluation und daruber hinausgehende weitere Beobachtungen und sich ergebende Reflektionsprozesse zusammenfassend beschrieben.

Im Abschnitt Diskussion wird eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Geltungsbereich der gefundenen Ergebnisse vorgenommen. AuBerdem sollen Ideen und Perspektiven fur zukunftige Forschungsmoglichkeiten und weiterfuhrende Beobachtungen dargestellt werden. Zuletzt behandelt das Kapitel Fazit und Ausblick eine Schlussfolgerung in Bezug auf den Forschungsgegenstand und Ideen fur an die vorliegende Arbeit anknupfende Workshopformate.

2. Die Forschungsfrage

2.1 Die Hypothesen

Die vorliegende Arbeit und das entsprechende kunstlerisch intervenierende Vorgehen beziehen sich auf den kunstanalogen Coachingansatz, welcher im Masterstudiengang Kunstanaloges Coaching“ an der MSH Medical School Hamburg gelehrt wird. (Jahn, MSH)

Dieser Ansatz basiert auf den Grundlagen des systemischen Coachings und bereichert diese um kunstanaloge Haltungs- und Handlungsweisen, angelehnt an die Verhaltens- und Denkweisen eines Kunstlers.

Die kunstlerisch-asthetische Veranderungsarbeit geht von einer „Analogie zwischen den Erfahrungsmoglichkeiten in einem kunstlerischen Prozess und den Herausforderungen eines sich standig verandernden Alltags aus“ (Jahn& Sinapius,2016,S.135)

Der kunstanaloge Coachingansatz arbeitet dabei beispielsweise mit praktisch kunstlerischen Interventionen im Rahmen von Einzel- und Teamsettings.

Der theoretische Hintergrund des kunstanalogen Coachingansatzes bezieht sich unter anderem auch auf systemtheoretische, philosophische und erkenntnistheoretische Denkansatze wie etwa den Konstruktivismus oder die Theorie Jean Piagets zu kognitiven Entwicklung von Menschen. (Jahn&Sinapius, 2016) Bezugswissenschaften des kunstanalogen Ansatzes und des theoretischen Hintergrundes sind folglich vielfaltig. Dazu gehoren neben der Philosophie beispielsweise auch die Padagogik und die Psychologie.

Die Wirkungszusammenhange in der kunstlerisch-angewandten Arbeit werden im kunstanalogen Ansatz oftmals in Form von asthetischer Erfahrung erforscht. (Jahn&Sinapius,2016) Die vorliegende Arbeit ordnet sich unter Bezugnahme auf padagogische und psychologische Ansatze und Theorien aus den verwandten Wissenschaften in den entsprechenden Ansatz ein.

Es erfolgt eine kunstlerische Intervention im Rahmen der Fragestellung:

„Kann eine Sensibilisierung fur den Bereich der individuellen Ziele bei den Workshopteilnehmern erreicht werden?“

Diese kunstlerische Intervention zu der obigen Fragestellung wird in Form eines Workshops durchgefuhrt, der sich an jugendlichen Fluchtlinge richtet.

Im Vordergrund steht hierbei die stetige Verbesserung des Workshops, welcher von mir als Coach geleitet wird mit Hilfe einer formativen Evaluation. Geplant ist die Durchfuhrung von drei Workshops, jeweils mit einer anderen Gruppe von 4-10 Jugendlichen.

Die Workshops sollen durch verschiedene Ansatze reflektiert und verbessert werden.

Dabei wird die Methode der teilnehmenden Beobachtung als eine Moglichkeit der Reflektion verwendet.

Daruber hinaus wird die Autorin narrative Interviews mit den Bezugsbetreuern der Jugendlichen fuhren, um Anderungen des Verhaltens und/oder wichtige Aussagen im Hinblick auf das Thema der Sensibilisierung uber den Workshop hinaus zu erfahren.

Zuletzt werden auch das Verhalten der Jugendlichen wahrend des Workshops sowie direktes Feedback in die Reflektion einbezogen.

All diese Prozesse sind Gegenstand der formativen Evaluation, welche die Grundlage meiner ersten Hypothese darstellt:

1. Der Workshop mit dem Ziel der Sensibilisierung fur den Bereich der individuellen Ziele und Perspektiven jugendlicher Fluchtlinge lasst sich durch eine formative Evaluation verbessern.

Daruber hinaus gehe ich davon aus, dass bei den Jugendlichen Sensibilisierungsprozesse stattfinden, welche mit Hilfe von entsprechenden Indikatoren gemessen werden.

Der Begriff der Sensibilisierung wird in der vorhandenen Fachliteratur auf unterschiedliche Weise verstanden. In der vorliegenden Arbeit bezieht die Autorin sich vor allem auf Definitionsansatze aus der Psychologie und leitet entsprechende Indikatoren ab. Eine vertiefte Darstellung von geplanten Methoden und Indikatoren zur Operationalisierung erfolgt im Verlauf des vorliegenden Dokuments.

Der Begriff der Sensibilisierung in der Psychologie beschreibt eine Zustandsveranderung der Sensibilitat, welche prozess- oder impulsgesteuert sein kann. (Kramersmeyer,2016) Neben selektiven Aufmerksamkeitsprozessen zahlen auch affektive Merkmale als Indikator fur Sensibilisierung. Bei einer gesteigerten Sensibilisierung in Bezug auf ein Thema lasst sich somit beispielsweise eine positive emotionale Bewertung feststellen (Upmeier&Vogt,2003).

Diese und weitere Anzeichen fur bei den Jugendlichen stattfindende Sensibilisierungsprozesse sollen durch verschiedene Komponenten des Workshops wie beispielsweise der Attraktivitat und der Passung des Materials sowie der Freude am Umgang mit dem Material gezielt stimuliert und erhoben werden. Entsprechende Indikatoren werden sowohl wahrend des Workshops als auch im Nachhinein durch Interviews mit den Bezugsbetreuern der Jugendlichen erhoben.

Somit lautet meine zweite Hypothese:

2. Wahrend und/oder nach der Workshopteilnahme sind bei den Jugendlichen Sensibilisierungsprozesse wahrnehmbar.

2.2 Die Zielgruppe

Die Zielgruppe fur das vorliegende Forschungsprojekt beschrankt sich auf jugendliche Fluchtlinge, die in Hamburg leben und bei dem Hamburger Trager „B+S Soziale Dienste“ im tragereigenen Wohnraum leben.

Das Unternehmen B+S Soziale Dienste ist im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesen zu verorten. Vor allem die Kinder- und Jugendhilfe zahlt zu den Kernaufgaben des Tragers. Darunter fallt auch die intensive sozialpadagogische Einzelbetreuung von jugendlichen Fluchtlingen, die ohne Eltern nach Deutschland kommen. B+S verfugt hierfur uber einundzwanzig Wohnraume in Form von Wohngemeinschaften mit insgesamt 64 Platzen, die fur jugendliche Fluchtlinge vorgesehen sind.(B+S Soziale Dienste, 2017)

Nach deutschem Gesetz fallen jugendliche Fluchtlinge, die unbegleitet, also ohne Elternteil, nach Deutschland kommen unter das Jugendschutzgesetz. Dementsprechend stehen den Jugendlichen hier bestimmte Gelder zur Verfugung. B+S ubernimmt die sozialpadagogische Einzelbetreuung nach §35 SGB VII sowie die Betreuung der Jugendlichen nach §30 SGB VII in Form von Erziehungsbeistandschaft. Bei der Erziehungsbeistandschaft handelt es sich um eine abgeschwachte Form der Betreuung, bei welcher der Jugendliche Unterstutzung bei Behordengangen oder auch anderen Angelegenheiten des Alltags durch einen Bezugsbetreuer erhalt.

Gleiches gilt fur die Betreuung nach §35 SGB VII, bei der jugendliche Fluchtlinge daruber hinaus im Asylverfahren und in schulischen/beruflichen Angelegenheiten unterstutzt werden. Auch ein Beziehungsaufbau, basierend auf Vertrauen und Erreichbarkeit fur organisatorische und personliche Belange des Jugendlichen gehoren zu den Aufgaben der Bezugsbetreuer. AuBerdem behalten die Betreuer das Einhalten der Regeln in Bezug auf den tragereigenen Wohnraum im Blick.

Zu den Voraussetzungen fur die Aufnahme im tragereigenen Wohnraum zahlt auch, dass die jugendlichen Bewohner einer regelmaBigen Beschaftigung nachgehen. Je nach Alter und individueller Situation verpflichten sich die Jugendlichen also dazu, zur Schule zu gehen, eine Ausbildung zu machen oder zu arbeiten. (B+S Soziale Dienste, 2017) Aus diesen Voraussetzungen resultiert auch, dass die Mehrheit der Jugendlichen bereits einige Zeit in Deutschland verbracht hat und sich hier einen Alltag aufgebaut hat. Die sprachlichen Fahigkeiten der Jugendlichen sind allerdings sehr unterschiedlich. Grundkenntnisse zur Bewaltigung von basalen alltagsrelevanten Aufgaben sind bei allen Jugendlichen vorhanden. Daruber hinaus gibt es Jugendliche, die sich sprachlich gesehen groBtenteils in einer Spannbreite von A2 bis B1, teilweise auch B2 einordnen lassen. Folglich gilt als besonderes Merkmal der vorliegenden Zielgruppe auch eine mehr oder weniger ausgepragte Sprachbarriere. Diese hat mitunter zur Folge, dass die fur den Workshop gewahlten Methoden und Materialien unter Berucksichtigung dieser und weiterer Besonderheiten der Zielgruppe stehen.

2.3 Methoden und Materialien

2.3.1 Das Coaching-Tool „Farbkarten“

„Wie ist es eine Farbe zu sein?“ (Sinapius, 2015)

Das vorliegende Konzept beinhaltet unter anderem Materialien und Medien aus dem Bereich der Farbe. Die Autorin konnte in einem eigenen kunstlerischen Forschungsprozess die Potentiale von Farben und der Arbeit damit zugleich erfahren und unter anderem im Rahmen einer kunstlerisch praktischen Arbeit, welche in der Ausstellung des 5. Semesters Kunstanaloges Coaching an der MSH Medical School Hamburg als „ Coaching-Tool Farbkarten “ prasentiert wurde, erfahrbar machen. Die Motivation fur die Entwicklung des Tools entstand aus der Erkenntnis, dass mit Hilfe von Farben Stimmungen, Gefuhle und Atmospharen sichtbar gemacht und Coachees sich auf mehreren Ebenen in den Austausch mit und uber bestimmte Aspekte begeben konnen.

Im kunstanalogen Coaching spielen Stimmungen und Atmospharen beispielsweise in Arbeitsgruppen oder in Bezug auf die Unternehmenskultur eine Rolle. AuBerdem konnen Farben einen Coachingprozess anreichern, indem sie bestimmten Vorstellungen und Wunschen eine zusatzliche individuelle Untermauerung durch das Zuordnen zu einem oder mehreren Farbtonen geben.

Diese Eigenschaft soll auch in der vorliegenden Arbeit weiterentwickelt und im Rahmen des Workshops angewendet werden. Die jugendlichen Fluchtlinge werden unter anderem dabei begleitet, eigene Ziele beziehungsweise Kompetenzen mit Hilfe von Farbkarten darzustellen und diese im Sinne einer phanomenologisch-asthetischen Analyse zu beschreiben.

Das Coaching-Tool „Farbkarten“ besteht aus 80 rechteckigen Farbkarten mit verschiedenen Farbtonen und 15 unterschiedlich groBen Flachen zur Anordnung von 2-8 Farbkarten.

Die Farbtone sind aus den 6 Grundfarben und weiB gemischt und auf die rechteckigen Flachen aufgetragen worden. Die 80 Farbkarten umfassen jeweils mehrere Rot-, Gelb-, Grun- und Blautone. AuBerdem sind Mischfarben, die Tone, welche sich aus dem Mischen von zwei Grundfarben ergeben, enthalten. Aus diesen wiederum ergaben sich weitere Mischtone.

Die Verwendung von weiB erganzte das vorhandene Spektrum um aufgehellte und pastellfarbene Tone.

Somit ist insgesamt eine Sammlung von Farbtonen im Sinne einer subjektiv wahrgenommenen Gesamtheit entstanden.

Das Coaching-Tool erwies sich in mehreren Coachings und Explorationsprozessen als intuitiv verstandlich und zuganglich. Neben der Niederschwelligkeit des Materials ist auch eine weitere Eigenschaft fur den vorliegenden Ansatz und die Zielgruppe besonders relevant.

In der bisherigen Arbeit mit den Farbkarten wurde ersichtlich, dass eine eventuelle Sprachbarriere aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen bei der Verwendung des Coachingtools reduziert auftritt beziehungsweise Sprachlichkeit eine weniger wichtige Rolle einnimmt.

Diese Erkenntnisse sind fur die Arbeit mit Fluchtlingen relevant, da diese sich durch mangelnde sprachliche Kompetenzen oft schwer ausdrucken konnen. Durch die Verwendung von Farben entsteht neben einem intuitiven Zugang zu dem Material somit auch eine Moglichkeit, uber das kognitive und verbale hinausgehend, an Coachingthemen zu arbeiten.

Das Material und die entsprechenden Handlungsangebote im Rahmen des Workshops „Dort komme ich her - da will ich hin“ sollen die Jugendlichen dazu ermutigen, im Rahmen des Workshops ihr eigenes Erleben und ihre Ziele mit Hilfe von Farben darzustellen und zu beschreiben.

Fur die Arbeit sind keine kunstlerischen Vorkenntnisse oder Erfahrungen notwendig, was dem kunstanalogen Prinzip der Niedrigschwelligkeil in Bezug auf das angebotene Material entspricht. Niedrigschwelligkeit meint hierbei die leichte Zuganglichkeit und das Aufgreifen von bereits aus dem Alltag bekanntem.

2.3.2 Graffiti

„...es ist die Liebe zur Farbe!“ (Geolino, 2018)

Ein weiteres Medium, welches in der vorliegenden Arbeit im Rahmen des Workshops ebenfalls verwendet wird, ist die Arbeit mit Graffiti.

Graffiti ist ein Oberbegriff fur die Gestaltung von Oberflachen im privaten und offentlichen Raum in Form von Schriftzugen, Zeichen oder Bildern.(Tschiang,2007).

Das Spruhen von Graffiti ist ein wesentliches Element der Hip-Hop Kultur und hat seine Wurzeln in New York City. Ende der 1960er Jahre wurde die Offentlichkeit auf die Verbreitung des Sprayens aufmerksam. In der Stadt waren sogenannte tags verbreitet worden, Schriftzuge auf Wanden und Mauern, bei denen der Schreiber meist ein Pseudonym seines Namens hinterlasst.

Die Berichterstattung der New York Times im Jahre 1971 uber das vermehrte Auftreten von tags eines Spruhers mit dem Pseudonym TAKI 183 motivierte zahlreiche jugendliche Nachahmer dazu, ihr Pseudonym in der Stadt zu verbreiten. Bis heute ist das Sprayen von Graffiti in der Jugendkultur sehr verbreitet. (Ed Boland, 2003)

Neben dem Hinterlassen von tags zahlen mitunter auch das sogenannte Scratching, das Arbeiten mit Schablonen und Stencils sowie Streetart zu bekannten Formen des Arbeitens mit Graffiti.

Beim Scratching werden Zeichnungen oder Schrift in Oberflachen gekratzt. Dies ist die vermutlich alteste Form von Graffiti und international weit verbreitet. Flache fur die Scratchings bieten Fensterscheiben von StraBenbahnen und Zugen. Die Scratchings werden meist mit Messern oder spitzen Gegenstanden erstellt. (Tagesspiegel,2005)

Stencils sind speziell fur die Arbeit mit Graffiti angefertigte Schablonen, durch welche die Farbe gespruht wird. Haufig werden politische Symbole oder gesellschaftskritische Motive auf Hauswande, Leinwande oder andere Flachen gespruht.

Unter dem Begriff Streetart werden in nicht schriftlicher Form hergestellte kunstlerische Graffiti, Stencils, Sticker, Plakate und auch Installationen im offentlichen Raum zusammengefasst. Bei der Streetart spielen bildliche Motive meist eine groBere Rolle als die Schrift. Auch hier werden oftmals politische und gesellschaftskritische Motive aufgegriffen.

Streetart Kunstler benutzen verschiedene Medien wie Marker, Pinsel, Aufkleber und Poster um ihre Werke zu zeigen. Es finden Wande, Stromkasten oder Verkehrsschilder sowie Telefonzellen als Spruhflache Verwendung. (Reineke,2007)

Das Sprayen von Graffiti im offentlichen Raum ist nach deutschem Gesetz illegal. Dementsprechend gilt es als Teil der Verantwortung einer Seminarleiterin im Rahmen eines Graffitiworkshops, die Jugendlichen die Risiken und straf- sowie zivilrechtlichen Konsequenzen des illegalen Malens aufzuzeigen.

So sollen den Jugendlichen im Rahmen des Workshops die Risiken und Folgen, insbesondere fur ein moglicherweise laufendes Asylverfahren, des Sprayens im offentlichen, nicht dafur freigegebenen Raum aufgezeigt werden.

Zugleich kann das Anbieten von einem legalen Raum zum Sprayen jedoch auch eine Chance darstellen.

Der Landespraventionsrat Hessen merkt hierzu an, dass die Einbeziehung von Jugendlichen in eine aktive Gestaltung und/oder Veranderung ihrer Umwelt ein Zeichen der Wertschatzung fur die Jugendlichen sein kann.

Daruber hinaus schlagt der Landespraventionsrat geforderte kunstlerische Aktionen fur Sprayer, offentliche Veranstaltungen und legale Flachen zum Sprayen vor. Solche Angebote konnen das illegale Sprayen zwar nicht verhindern, aber junge Leute ansprechen und moglicherweise eine Verhaltensanderung und/oder einen Perspektivwechsel im Hinblick auf illegales Sprayen unterstutzen. (Landespraventionsrat Hessen, 2018) Im Rahmen des Workshops sollen die Jugendlichen unter Anleitung des Coachs in einer Farbe, die dem Farbton der von ihnen gewahlten Farbkarte entspricht oder am nachsten kommt auf einer vorbereiten Flache sprayen.

Hierbei stellt der Coach einige Schablonen zur Verfugung, sodass die Jugendlichen selbst entscheiden konnen ob sie frei oder mit einer Vorlage spruhen.

Uber die genannten Materialien und Medien hinausgehend werden kunstlerische Handlungs- und Haltungsweisen aus dem kunstanalogen Coachingansatz aufgegriffen.

Eine vertiefte Erlauterung in Form eines Konzepts erfolgt im Verlauf der vorliegenden Arbeit.

2.4 Forschungsdesign &Operationalisierung

Methoden

Die Durchfuhrung des Workshops mit dem Forschungsinteresse der Verbesserung des selbigen sowie dem Ziel einer Sensibilisierung bei den Teilnehmenden gliedert sich in drei Strange.

Zum Einen werden relevante literarische Quellen dargestellt und ausgewertet.

AuBerdem werden die Workshops anhand der teilnehmenden Beobachtung ausgewertet und im Sinne einer formativen Evaluation verbessert. Daruber hinaus sollen im Anschluss an die Workshops jeweils Interviews mit den Bezugsbetreuern der Jugendlichen gefuhrt werden, um eventuelle Veranderungen die auf Sensibilisierungsprozesse schlieBen lassen, feststellen zu konnen.

Diese drei Strange werden in einer anschlieBenden Auswertung zusammengetragen und diskutiert.

Einzuordnen ist die Arbeit in der qualitativen, partizipativen und kunstbasierten Forschung.

2.4.1 Partizipative Forschung

„Partizipative Forschung ist ein Oberbegriff fur Forschungsansatze, die soziale Wirklichkeit partnerschaftlich erforschen und beeinflussen.“ (Von Unger, 2014,S.1)

Das Ziel von partizipativer Forschung besteht darin, soziale Wirklichkeit in ihrer Komplexitat verstandlicher zu machen und sie zu verandern. Der Begriff der Partizipation bezieht sich sowohl auf die Teilhabe von gesellschaftlich Handelnden an Forschung als auch auf die Teilhabe an der Gesellschaft. Damit ist dieser Forschungsansatz klar werteorientiert.

Bei der partizipativen Forschung stehen die Menschen, die Teil der partizipativen Forschung sind mit ihren individuellen Perspektiven oder Lernprozessen im Mittelpunkt. Partizipative Forschung ist folglich nie ein ausschlieBlich akademischer Ansatz sondern ein gemeinsames Projekt mit gesellschaftlichen Akteuren. (Von Unger, 2014)

In der vorliegenden Arbeit werden jugendliche Fluchtlinge als die gesellschaftlichen Akteure verstanden. Ihr direktes und indirektes Feedback in Form von Mimik, Gestik, explorierendem Verhalten sowie verbales Feedback wahrend und nach dem Workshop wird in die formative Evaluation des Workshops einbezogen. Auf Grundlage dieser wird der Workshop kontinuierlich verbessert. Somit nehmen die Akteure auch indirekt Teil an der Prozessgestaltung.

2.4.2 Qualitative Forschung

Qualitative Forschung bezieht sich als Gegenentwurf zur quantitativen Forschung vor allem auf soziologische und erziehungswissenschaftliche Ansatze, die sich von gangigen sozialwissenschaftlichen Forschungsinstrumenten wie zum Beispiel Skalen, Tests oder Fragebogen abwenden. (Mayring, 2016)

Stattdessen wird hier unter anderem mit Beobachtungen im Feld, offenen Befragungen oder Methoden der Biografieforschung gearbeitet (Mayring,2016 )

Das leitende Denkmodell stellt dabei das interpretative Paradigma nach Thomas P. Wilson dar.

Wilson bezog sich unter anderem auf die Theorie des symbolischen Interaktionismus (Blumer,1973). Der symbolische Interaktionismus geht davon aus, dass Menschen nicht fortwahrend nach kulturell etablierten Normen, Rollen und Symbolen handeln, wie das normative Paradigma es versteht, sondern dass jede soziale Interaktion selbst als interpretativer Prozess aufgefasst werden muss. Das Individuum muss dem interpretativen Paradigma zufolge jede soziale Situation neu auswerten und einordnen. Wenn soziales Handeln also von den Akteuren interpretiert wird, muss wissenschaftliche Forschung laut Mayring einem solchen Denken und Handeln durch entsprechende Methoden gerecht werden. (Mayring, 2016)

In der vorliegenden Arbeit wird als eine Methode der qualitativen Forschung die qualitativ- teilnehmende Beobachtung benutzt. Bei dieser Methode begibt sich der Forscher direkt in das zu untersuchende Forschungsfeld Somit konnen auch Interpretationsprozesse bei den Akteuren wahrgenommen und eingeordnet werden. (Rainer&Sinapius, 2017)

Ziel der teilnehmenden Beobachtung ist es, Erkenntnisse uber das Handeln , Verhalten oder die Auswirkungen des Verhaltens von einzelnen Personen oder einer Gruppe zu gewinnen. (Luders, 2013)

Die Autorin wird sowohl den Workshop leiten als auch ,im Sinne einer teilnehmenden Beobachtung, das Verhalten der Jugendlichen unter anderem im Hinblick auf Sensibilisierungsvorgange beobachten.

Hierfur dienen im Vorhinein festgelegte Indikatoren, welche im Abschnitt 6.2 Operationalisierung der Variablen dargestellt werden.

Zu der teilnehmenden Beobachtung gehort neben der Bewertung des Verhaltens der Jugendlichen auch die Evaluation von schwierigen oder besonders gelungenen Fragestellungen und Formulierungen, organisatorischen Bedingungen und weiteren Komponenten des Workshops.

Hierfur dient ein Leitfaden, welcher sowohl von einer Beobachterin als auch von der Workshopleiterin selbst ausgefullt wird.(siehe Anhang)

Die Autorin reflektiert folglich anhand der teilnehmenden Beobachtung den Verlauf des Workshops und eigene Handlungsweisen sowie eventuelle Sensibilisierungsprozesse.

Ziel ist hierbei insbesondere das Erortern von forderlichen und hinderlichen Aspekten bei der Workshopkonzipierung und -leitung um daraus Resultate im Sinne einer formativen Evaluation und somit auch einer Verbesserung des Workshops abzuleiten

Als weitere Methode der qualitativen Forschung wird in diesem Kontext das narrative Interview herangezogen. Das narrative Interview bildet subjektive und erfahrungsnahe Aussagen in Bezug auf bestimmte Ereignisse ab. Die befragte Person soll hierbei in einem freien Redefluss zu einem bestimmten Thema aus ihrer Perspektive erzahlen . (Rainer&Sinapius,2017)

In diesem Fall werden die Bezugsbetreuer der jugendlichen Fluchtlinge als relevante Personen im Leben der Jugendlichen interviewt. Sie haben daruber hinaus regelmaBigen personlichen Kontakt zu den Fluchtlingen. Die Bezugsbetreuer der Jugendlichen werden etwa zwei Wochen nach der Teilnahme am Workshop von der Autorin im Hinblick auf das Verhalten der Jugendlichen befragt. Ziel der Interviews ist es, mogliche Veranderungen oder Besonderheiten des Erlebens oder Verhaltens der Jugendlichen festzustellen, welche zum Beispiel auch auf Sensibilisierungsprozesse schlieBen lassen konnen.

Die Autorin wird anschlieBend eine sinngemaBe Zusammenfassung der Interviews mit besonderer Berucksichtigung von eventuellen Indikatoren fur Sensibilisierungsvorgange vornehmen.

Zuletzt wird auch das direkte Feedback durch die Teilnehmer jeweils am Ende des Workshops erfragt. Auch hier werden Gesten, Mimik und verbale AuBerungen berucksichtigt, analysiert und dokumentiert. Als Medium hierfur wird eine Videoaufnahme verwendet, welche der Forschungsarbeit beiliegt.

Die Erkenntnisse , die durch die teilnehmende Beobachtung sowie das Feedback der Jugendlichen und die narrativen Interviews gewonnen werden sind Teil der formativen Evaluation.

Eine formative Evaluation ist dabei definiert als die kontinuierliche Bewertung und Verbesserung eines Prozesses, wobei das Bewerten und Verbessern der Ablaufe innerhalb eines definierten Zeitraums und anhand vorab festgelegter Kriterien stattfindet.(Scriven, 1972)

Die Evaluation ist also prozessorientiert und ermoglicht eine konstruktive Auseinandersetzung. Daruber hinaus sind formative Evaluationen kommunikationsfordernd und unterstutzen aktive Gestaltungsprozesse. (Rainer,Sinapius,2017)

In der vorliegenden Arbeit wird die Evaluation als eine Reflektion der gesamten gewonnen Erkenntnisse der oben erwahnten Ebenen aufgefasst. So wird nach jedem der drei Workshops eine Essenz aus dem Feedback, der teilnehmenden Beobachtung und den narrativen Interviews erarbeitet und verschriftlicht. Auf dieser Grundlage werden die Workshops stetig analysiert und im Hinblick auf die gewonnenen Erkenntnisse und Verbesserungsansatze weiterentwickelt.

2.4.3 Kunstbasierte Forschung

„Wenn man etwas uber die Wirkungszusammenhange in der kunstlerisch-angewandten Arbeit in Erfahrung bringen will, ist es naheliegend, auch in der Forschung die asthetische Erfahrung als Erkenntniszugang zu nutzen.“ (Jahn&Sinapius,2015 S.161)

Zwar sind kunstbasierte Forschungsansatze so wie sie unter anderem an der MSH Medical School Hamburg gelehrt werden noch eine Ausnahme in der wissenschaftlichen Praxis, jedoch weist die kunstlerische Forschung groBes Potential auf. (Jahn&Sinapius, 2015) Kunstlerische Forschungsprozesse verbinden Kunst und Forschung miteinander und nutzen kunstlerisches Handeln als wissenschaftliches Experiment. (Jahn&Sinapius, 2015)

Kunst und Wissenschaft sind hier nicht als zwei separate Disziplinen zu verstehen, sondern als zwei Dimensionen in einem „gemeinsamen kulturellen Raum“ (Klein, 2011, S. 25). Kunstlerische Forschung betont folglich die Gemeinsamkeiten von Kunst und Wissenschaft, die beide nach Erkenntnisgewinn und Vermehrung von Wissen streben. Kunstlerische Forschung kann Klein (2011) zu Folge in unterschiedlichen Arten auftreten; Kunstlerische Erfahrungen und Verfahrensweisen konnen auch in der Prozessgestaltung, in den Methoden, in der Inspiration, der Diskussion oder der Formulierung der Forschungsfrage ersichtlich werden.

Das kunstlerische Wissen, welches dadurch erlangt wird, ist nicht trennbar von einer sinnlichen und emotionalen Wahrnehmung (Klein, 2011).

Die Lehre beruht auf „erfahrungsnahen, kunstorientierten, didaktischen Konzepten“ (Jahn&Sinapius,2015, S. 250).

In der vorliegenden Arbeit wird in Form einer kunstlerischen Intervention, wobei unter anderem mit Farbkarten und Graffiti gearbeitet wird, die kunstlerisch angewandte Arbeit als Erkenntniszugang im Hinblick auf sich zeigende Sensibilisierungsprozesse bei den jugendlichen Workshopteilnehmern genutzt.

2.5 Operationalisierung der Variablen

Im folgenden Abschnitt soll die in Abschnitt 2 Die Forschungsfrage begonnene Operationalisierung von Sensibilisierungsprozessen in Form von konkreten Indikatoren vertieft behandelt werden.

Bonsch Theorie, welche 2010 postulierte, dass bei einer positiven Bewertung das Materials, mit welchem sich die Teilnehmer beschaftigen, eine erhohte Sensibilisierung eintritt, bildet im Rahmen der vorliegenden Arbeit eine Grundlage fur einen Indikator, welcher auf Sensibilisierungsprozesse hinweist. (Bonsch, 2010)

Dem zu Folge konnte ein Indikator fur eine gesteigerte Sensibilisierung eine positive Beziehung zu dem angebotenen (kunstlerischen) Material sein. Neben dem beobachtbaren Umgang der Workshopteilnehmer mit dem Material kann hierzu Feedback in Bezug auf die Freude/Neugier/SpaB am Umgang mit dem Material als Indikator den Forschungsprozess unterstutzen.

Heckhausen und Heckhausen stellen Sensibilitat und damit verbundene Prozesse mit Emotionen, Interesse und Neugier auf Seiten des Lernenden in Verbindung.

Als Indikator im Verhalten fur Neugier nennen die Autoren unter anderem exploratives Verhalten. (Heckhausen und Heckhausen,2010)

In Bezug auf eine kunstanaloge Betrachtungsweise kann dies sich beispielsweise anhand der Auseinandersetzung mit dem kunstlerischen Material widerspiegeln. Explorieren die Workshopteilnehmer eigenstandig oder auf Anregung durch den Coach und erkunden das Material sowie die Umgebung, so kann dies ein Indikator fur Neugierde sein.

Zur genaueren Charakterisierung einer interessensorientierten Handlung beziehungsweise eines interessensorientierten Verhaltens schlagen Umpeier und Vogt in einer Studie aus dem Jahr 2003 drei verschiedene Kategorien vor: „Kognitive Auspragung, emotionale Tonung und Wertaspekte, auBerdem Selbstintentionalitat“.(S.20) Bei Interesse fallen diese Bereiche positiv aus, das Interesse druckt sich in Form eines angenehmen Spannungserlebens, einem Gefuhl der Selbstbestimmtheit sowie einer positiven Einschatzung der eigenen Situation innerhalb der sozialen Umgebung aus. (Upmeier&Vogt,2003)

Als Indikatoren fur diese Kategorien konnen neben einer entsprechenden Gestik und Mimik auch die AuBerungen bezuglich des Wohlbefindens innerhalb der Gruppe und entsprechende Verhaltensmuster herangezogen werden. Interagieren die Workshopteilnehmer miteinander, unterstutzen sie sich gegenseitig so konnen dies Anzeichen fur ein positives Erleben des Selbst innerhalb der Gruppe darstellen. Auch Gestik und Mimik wahrend des Workshops sowie die Reaktionen, welche die Gruppe als Feedback zeigt konnen hierbei als Indikatoren fur Interesse dienen. Zeigen die Teilnehmer durch ihre Gestik und Mimik sowie in Form von direktem Feedback „positive emotionale Tonung“ (Upmeier&Vogt, S.20) beispielsweise in Form von Gestik und Mimik welche Freude oder Stolz erkennen lasst, ist ein individuelles Interesse als Indikator fur Sensibilisierungsprozesse annehmbar.

Die Sensibilisierungsprozesse in der vorliegenden Arbeit haben neben den beschriebenen emotionalen und kognitiven Merkmalen einer Sensibilisierung auch eine inhaltliche Ausrichtung.

Der Workshop zielt darauf ab, die Jugendlichen fur individuelle Ziele und Perspektiven zu sensibilisieren. Krathwohl et al. definieren auf der zweiten Ebene ihrer Taxonomie der affektiven Lernziele das Reagieren (Responding) auf bestimmte Inhalte als zweite Stufe. Hierbei setzt sich das Individuum aktiv mit bestimmten Inhalten auseinander.

Auf dieser Ebene handelt es sich folglich um Reaktionen, die uber ein bloBes Beachten der Phanomene hinausgehen. (Krathwohl, 1975)

Diese (inhaltliche) Auseinandersetzung konnte sich beispielsweise an einer Beschaftigung mit dem Themenbereich der Ziele und Perspektiven zeigen. Entsprechende Indikatoren konnen also diesbezugliche AuBerungen und Fragen der Jugendlichen sein. Da diese wahrscheinlich in einem zeitlichen Abstand zu den Workshops stattfinden, werden nach den Workshops jeweils Interviews mit den Bezugsbetreuern der Jugendlichen gefuhrt um mogliche AuBerungen und/oder Anderungen im Verhalten abzufragen.

Moglicherweise zeigen die Jugendlichen eine erhohte Motivation, sich mit eigenen Zielen und Perspektiven auseinander zu setzen. Auch diese Anderung des Verhaltens wird in Interviews mit den Bezugsbetreuern herausgearbeitet werden.

Entsprechend Kramersmeyer lassen die Indikatoren letztendlich auf erhohte Lern- und Handlungsbereitschaft, Verhaltensanderungen und zunehmende Perspektivubernahme auf Seiten der Jugendlichen schlieBen, welche im Idealfall auch uber die Workshopteilnahme hinausgehend nachzuweisen sind. (Kramersmeyer,2016)

Im folgenden werden zusammenfassend die Indikatoren fur Sensibilisierungsprozesse und das daraus resultierende beobachtbare und messbare Verhalten dargestellt, welches die Grundlage der Auswertung darstellt.

Indikatoren fur Sensibilisierungsprozesse :

1. Indikator: Eine positive Beziehung zu dem angebotenen (kunstlerischen) Material

Exploratives Verhalten wahrend der Workshopteilnahme, Feedback der Jugendlichen, beobachtete Freude am Umgang mit dem Material, Interesse und Neugier

2. Indikator: Ein angenehmes Spannungserleben, Gefuhl der Selbstbestimmtheit sowie eine positive Einschatzung der eigenen Situation innerhalb der sozialen Umgebung

Feedback der Jugendlichen, Gestik und Mimik, Interaktion innerhalb der Gruppe

3. Indikator: Aktives Auseinandersetzung mit den Inhalten des Workshops,erhohte Lern- und Handlungsbereitschaft, Verhaltensanderungen und zunehmende Perspektivubernahme

Aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten des Workshops (konativ und/oder gedanklich/verbal) aus Sicht der Bezugsbetreuer der Jugendlichen

2.6 Kontext und Motivation des Forschungsvorhabens

Die Autorin war selbst als Bezugsbetreuerin fur jugendliche Fluchtlinge bei einem Trager in Hamburg tatig, welcher unbegleiteten jugendlichen Fluchtlingen bis zum 21. Lebensjahr einen Wohnraum bietet. Im Gegenzug verpflichten die Jugendlichen sich dazu, einer regelmaBigen Tatigkeit im Sinne einer Ausbildung oder Schule nachzugehen. Die Jugendlichen fallen in Deutschland auf Grund ihres Alters und der Situation unter das Jugendschutzgesetz und werden dementsprechend finanziell unterstutzt. Dazu gehort auch die Betreuung durch ausgebildete Bezugspersonen, die den Jugendlichen in verschiedensten Dimensionen beratend und aktiv unterstutzend zur Seite stehen.

Im Rahmen ihrer Tatigkeit als Bezugsbetreuerin versuchte die Autorin stetig, kunstanaloge Coaching-Interventionen in Form von Fragetechniken oder auch praktische Arten der Auseinandersetzung mit niedrigschwelligem Material in Bezug zu individuellen Fragestellungen anzubieten. Allerdings gibt es der Erfahrung der Autorin zufolge ublicherweise so viele Aufgaben in der Betreuungsarbeit mit den Jugendlichen zu bewaltigen, dass die Zeit fur das spielerische Explorieren mit Materialien und auch das grundsatzliche Reflektieren der personlichen und/oder beruflichen Situation der Jugendlichen knapp bemessen ist.

Die Jugendlichen sind in vielfaltiger Hinsicht gefordert. Neben schulischen Verpflichtungen oder auch einer Vollzeittatigkeit im Rahmen einer Ausbildung, mussen die jungen Fluchtlinge sich um den Verlauf ihres Asylverfahrens kummern, Antrage stellen, Dokumente einreichen und Behordengange erledigen sowie sich um schulische Verpflichtungen kummern, ihren Haushalt und alltagliche Aufgaben bewaltigen. Neben der Tatsache, dass die meisten jugendlichen Fluchtlinge ohne ihre Eltern oder sonstige Familienmitglieder fur diese Aufgabenbereiche zustandig sind, stellt auch die teilweise vorhandene Sprachbarriere ein Hindernis dar.

Zusatzlich zur Auseinandersetzung der Autorin mit den Anforderungen an jugendliche Fluchtlinge, die nach Deutschland kommen, konnte auch sie die These von Sinapius bestatigen, welcher einen deutlichen Mangel an Coaching- und Forderangeboten fur die Zielgruppe beschreibt. (Sinapius, 2015)

Die Motivation fur die vorliegende Forschungsarbeit stellt somit unter anderem die von der Autorin selbst wahrgenommene Lucke im Bereich der Forderung im Hinblick auf individuelle Ziele und Perspektiven mit Hilfe von (kunstanalogen) zielgruppengerechten Coachingansatzen dar.

Daruber hinausgehend hat die Autorin sich im Rahmen ihres Masterstudiums „Kunstanaloges Coaching“ an der MSH Medical School Hamburg intensiv mit den Moglichkeiten der Arbeit mit Farben beschaftigt. Daraus ist das Coaching-Tool „Farbkarten“ entstanden, welches in diesem Zusammenhang zum ersten Mal mit einer Gruppe von Coaching-Teilnehmern eingesetzt wird.

Des Weiteren liegt in ein kunstlerisches und allgemeines Interesse der Verfasserin in den Bereichen „Raum geben“ und „Raum schaffen“. Wie kann oder muss ein Raum gestaltet sein, um den Workshopteilnehmern sowohl eine produktive, konzentrierte Atmosphare zu bieten als auch Moglichkeiten des spielerischen Explorierens und Erfahrung Sammelns ohne Bewertungen zuzulassen? Welche Rolle spielt die Workshopleiterin dabei?

Mit Hilfe der formativen Evaluation und einer kontinuierlichen Reflektion soll sich diesen Fragestellungen genahert werden.

2.7 Gesellschaftlicher Mehrwert

Laut Peter Sinapius konnen kunstlerische Projekte „Fahigkeiten mobilisieren, die nutzlich sind, um kreative Entscheidungen in Situationen zu treffen, die weder vorhersehbar noch planbar sind.“ (Sinapius, 2015,S. 8)

Dementsprechend konnte eine veranderte Wahrnehmung und daraus resultierendes Verhalten Menschen im Umgang mit sozialen Krisen- und Konfliktsituationen unterstutzen. (Sinapius, 2015)

Die vorliegende Arbeit stellt somit eine Erganzung zu einem bisher wenig etablierten Gebiet in der kunstlerischen Forschung und Praxis dar. Die gesellschaftliche Relevanz der Arbeit ergibt sich zum Einen aus der aktuellen Lage und Brisanz des Themas. Zum Anderen fugt es sich in die eben beschriebene Lucke in der kunstlerisch intervenierenden Arbeit mit Fluchtlingen, beziehungsweise Menschen in sozialen Krisen- und Konfliktsituationen ein.

Der Workshop richtet sich zwar an die Zielgruppe der jugendlichen Fluchtlinge, jedoch ist unter bestimmten Voraussetzungen (siehe Fazil) auch eine Ubertragbarkeit der Methoden auf andere Gruppen denkbar, die sich in sozialen Krisen und Konfliktsituationen befinden oder fur die eine Auseinandersetzung mit dem Thema Ziele und Perspektiven relevant ist.

3 Theoretischer Hintergrund

3.1 Kontextuelle Einordnung

3.1.1. Wissenschaftliche Verortung

Das vorliegende Forschungsthema umfasst mehrere Dimensionen und lasst sich dementsprechend auch in der Forschung in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen verorten.

Relevante Bezugswissenschaften zur kunstanalogen Forschung stellen hierbei zum Beispiel die Padagogik, die Bildungswissenschaften und die Psychologie dar.

Zu der bisher durchgefuhrten relevanten Forschung in diesem Bereich zahlt zum Beispiel die Auseinandersetzung mit Sensibilisierungsprozessen beziehungsweise der gezielten Forderung dieser bei Jugendlichen.

Sensibilisierungsprozesse bei Jugendlichen wurden im Hinblick auf diverse Zielsetzungen bereits vielfach erforscht: SpieB et al. untersuchten 2006 beispielsweise eine Sensibilisierung bei Jugendlichen in Bezug auf die Themen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus anhand eines Programms gegen fremdenfeindliches Verhalten. (SpieB et al., 2006)

Weitere bereits forschte Bereiche in Bezug auf Sensibilisierungsvorgange bei Jugendlichen sind etwa die Sensibilisierung fur soziale Netzwerke (Schiefer, 2014) oder fur Medien und lebenslanges Lernen (Gottwald, 1992)

Einen wichtigen Beitrag zum Forschungsstand konnte auch Kramersmeyer mit seiner Studie aus dem Jahr 2016 leisten. In Folge seiner Intervention zur nachhaltigen Sensibilisierung fur technische Bildung fur Jugendliche, konnte er ein gesteigertes Sensibilitatsniveau messen. Dieses auBerte sich anhand einer gesteigerten Emotion, Kognition und Motivation . Der Autor betrachtete diese Ergebnisse als mogliche Vorstufe von erhohter Lern- und Handlungsbereitschaft, Verhaltensanderung und Perspektivubernahme. (Kramersmeyer, 2016)

Im Hinblick auf die Erforschung von Sensibilisierungsprozessen fur die Zielgruppe der jugendlichen Fluchtlinge wird beim Betrachten der Forschungsliteratur allerdings eine Lucke ersichtlich. Diese lasst sich unter anderem mit der relativ neu entstandenen Relevanz des Themas und der nicht vorhandenen Passung der Angebote fur die Bedurfnisse der Zielgruppe begrunden.

Verschiedene Studien belegen, dass Klient/innen aus ethnischen Minderheiten am wenigsten von Beratungsangeboten Gebrauch machen. Eine Erklarungsansatz hierfur ist, dass die meisten Beratungsangebote ethnozentrisch, also fur die weiBe Mittelschicht, konzipiert sind. Dementsprechend sind Methoden und Interventionsansatze oftmals nicht fur eine interkulturelle Zielgruppe angelegt. (Gemeinnutzige Gesellschaft fur Arbeit und Migration,2003)

Eine ahnliche Lucke in der Forschung wird ersichtlich, wenn man die kunstlerische Arbeit mit jugendlichen Fluchtlingen betrachtet.

Dies beschreibt auch Sinapius in seinem Beitrag aus dem Jahr 2015 im Hinblick auf kunstlerische Angebote. Wahrend sich im klinischen Bereich der Gesundheitsversorgung kunstlerische Verfahren bereits etabliert haben sind entsprechende Angebote im auBerklinischen Bereich, besonders in sozialen und gesellschaftlichen Bereichen deutlich unterreprasentiert. Kunstlerische Praxisprojekte halten erst langsam Einzug in das System. Aktuelle kunstlerische Praxisangebote setzen dementsprechend an sozialen Randgruppen an. Hierzu gehort auch die Arbeit mit Fluchtlingen, welche sich in einigen Erstaufnahmestellen in Hamburg bereits etablieren konnte.

Laut Sinapius konnen kunstlerische Projekte Menschen im Umgang mit unsicheren Situationen und Neuem, Unbekanntem unterstutzen.

Dementsprechend konnte eine veranderte Wahrnehmung und daraus resultierendes Verhalten Menschen im Umgang mit sozialen Krisen- und Konfliktsituationen unterstutzen. (Sinapius, 2015)

Die vorliegende Arbeit stellt somit eine Erganzung zu einem bisher wenig etablierten Gebiet in der kunstlerischen Forschung und Praxis dar. Die gesellschaftliche Relevanz der Arbeit ergibt sich zum Einen aus der aktuellen Lage und Brisanz des Themas. Zum Anderen fugt es sich in die eben beschriebene Lucke in der kunstlerisch intervenierenden Arbeit mit Gefluchteten sowie der Erforschung von Sensibilisierungsvorgangen bei Fluchtlingen beziehungsweise Menschen in sozialen Krisen- und Konfliktsituationen ein.

3.1.2 Zur Situation von (jugendlichen) Gefluchteten

Die vorliegende Arbeit greift ein aktuelles gesellschaftliches Problem auf und ist dementsprechend thematisch und kontextuell in verschiedene gesamtgesellschaftliche Entwicklungsprozesse der letzten Jahre einzuordnen. Die Erlauterung der Bedingungen und Grunde, welche maBgeblich fur die Entwicklungen in Bezug auf die vermehrte Zuwanderung der letzten Jahre verantwortlich sind, konnen hier nur angerissen werden, da eine vertiefte Behandlung den Rahmen sprengen wurde.

Daher konzentriert sich der folgende Abschnitt auf eine Beschreibung der aktuellen Situation fur jugendliche gefluchtete Menschen in Deutschland und vermittelt aktuelle Zahlen.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Fluchtlinge in Europa auf Grund von wirtschaftlichen Problemen und/oder Krieg im Heimatland stark angestiegen.(Bundesamt fur Migration und Fluchtlinge,2018)

Laut Angaben des Bundesamts fur Migration und Fluchtlinge haben zwischen 1953 und 2016 insgesamt 5,3 Millionen Menschen in Deutschland einen Antrag auf Asyl gestellt. Hierbei sind 4,4 Millionen (82%) der Antrage zwischen 1990 und 2016 gestellt worden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Ziele und Perspektiven für jugendliche Geflüchtete. Implementierung und Evaluation eines kreativ-künstlerischen Workshopkonzepts für Flüchtlinge
Note
1,6
Autor
Jahr
2018
Seiten
94
Katalognummer
V540452
ISBN (eBook)
9783346167002
ISBN (Buch)
9783346167019
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Coaching, Workshop, Systemisches Coaching, Geflüchtete, Jugendarbeit, Soziale Arbeit, Flüchtlinge, kreativ, künstlerisch, kunstanalog, dezentrierung, Ziele, Perspektiven, Sensibilisierung, Konzept, Theorie
Arbeit zitieren
Marie Mader (Autor), 2018, Ziele und Perspektiven für jugendliche Geflüchtete. Implementierung und Evaluation eines kreativ-künstlerischen Workshopkonzepts für Flüchtlinge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540452

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