Diese Hausarbeit wird sich mit der Kolonialisierung und Mission Südafrikas beschäftigen und Zusammenhänge zwischen Kolonie und Kolonialherr ziehen. Sämtliche Umstände, heutige Praktiken und Forschungsfelder wuchsen aus der Kolonialzeit und spiegeln sie wider; so auch die Geschlechterforschung. Gender ist ein Themenfeld, welches immer brisanter und vielfältiger wird und fester Bestandteil der meisten wissenschaftlichen Fachbereiche ist.
Als Forschungsfeld wird Gender zwar in die moderne Wissenschaft geordnet, jedoch finden sich die Wurzeln schon in den Anfängen und frühen Verläufen der Menschheitsgeschichte. Ich werde auf Südafrikas Kolonialgeschichte und demnach auch auf die einflussreichste Kolonialmacht des Landes, Großbritannien, eingehen.
Die Hausarbeit soll sich auf das Forschungsfeld Gender spezialisieren und das heutige Geschlechterverhältnis in Südafrika anhand der kolonialen und missionarischen Einflüsse untersuchen. Ich werde untersuchen, inwiefern Südafrika ein Spiegelbild der Briten wurde und welche Kraft eine solche Kolonialherrschaft tatsächlich hatte.
Afrika ist einer der größten Schauplätze der weltweiten Kolonialgeschichte. Mit dem Ende des 15. Jahrhunderts beginnt die Zeit der Kolonialherrschaften. Europäer machten auf der ganzen Welt neue Entdeckungen und nahmen die unbekannten Landflächen für sich ein. Dieses einschneidende Kapitel formt bis heute sowohl die ehemaligen Kolonien, als auch die Kolonialstaaten in Geschichte, Politik und Sozialwesen. Im Jahr 1488 entdeckte der Seefahrer Bartholomeus Diaz unwissentlich das Kap der Guten Hoffnung an der südlichen Spitze des heutigen Südafrikas. Bald darauf folgte am Kap die erste Stadtgründung de r gesamten Kolonialzeit Kapstadt wurde gegründet.
Die heutige Weltmetropole mit circa 2,4 Millionen Einwohnern trägt zusammen mit ihrem Land eine lange Geschichte, die vor
allem durch die Kolonialzeit geprägt ist. Am deutlichsten formten die Briten und das British Empire das heutige Südafrika.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kolonialgeschichte Südafrikas
2.1 Das präkoloniale Südafrika
2.2 Südafrika als niederländische Kolonie
2.3 Machtwechsel und Gründung der britischen Kapkolonie Südafrika
3. Britische Kolonisten und Missionare
3.1 Großbritannien im 18. Und 19. Jahrhundert
3.2 Britische Kolonialisierung und Missionsarbeit in Südafrika
4. Gender
4.1 Das Geschlechterbild in Großbritannien im 18. Und 19. Jahrhundert
4.2 Die Vermittlung des britischen Geschlechterbilds in Südafrika
4.3 Heutiges Geschlechterbild und Rollenverteilung in Südafrika
4.4 Geschlechtsspezifische Gewalt im heutigen Südafrika
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der britischen Kolonialherrschaft und christlichen Missionierung auf das Geschlechterbild in Südafrika. Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen den kolonialen Strukturen der Vergangenheit und der heutigen Geschlechtersituation im Land kritisch zu analysieren.
- Kolonialgeschichte Südafrikas und der Einfluss des British Empire
- Soziale Strukturen und Geschlechterrollen im 18. und 19. Jahrhundert in Großbritannien
- Methoden der christlichen Missionierung und deren Auswirkungen auf indigene Geschlechterkonzepte
- Heutige Rolle der Frau und patriarchale Strukturen in Südafrika
- Geschlechtsspezifische Gewalt und Maskulinität in der Krise
Auszug aus dem Buch
3.2 Britische Kolonialisierung und Missionsarbeit in Südafrika
Das British Empire war das größte Kolonialreich der Weltgeschichte. Spätestens ab dem 19. Jahrhundert waren die Briten uneingeschränkte Seefahrer und weltweit führende Wirtschaftsmacht. Großbritannien strahlte dabei oft ein Bild von Einheit und Stärke aus, was jedoch in der Forschung nach Kolonialgeschichte anzuzweifeln ist. Der südafrikanische Professor für Afrikastudien und Anthropologie John L. Comaroff beschreibt in seinem Text Images of empire, contests of conscience: models of colonial domination in South Africa (1989) ein Großbritannien als Kolonialmacht mit zahlreichen Spannungen und Uneinigkeiten.
Comaroff findet eine Einteilung von britischem Kolonialismus: der staatliche (state colonialism), der der Siedler und Buren (Settler’s colonialism) und der der zivilisierten Gesellschaft (civilizing colonialism). Sie unterscheiden sich in ihren Aufgaben und Funktionen, jedoch auch in ihrer Herangehensweise. Die Pax Britannia – die wie eine britische Kolonialpolizei im Sinne des state colonialism funktionierte, stiftete Frieden, verhandelte Bündnisse aus, übernahm Kontrolle über die Kolonie und handelte allgemein im Interesse des Empire. Die Siedler und Buren galten als gewaltvolle Wilde, die ihre Existenz radikal sicherten, Gebiete einnahmen und die Sklaverei in Südafrika vorantrieben.
Unter den civilizing colonialism zählten sich auch die Missionare. Sie sahen ihre Aufgaben in der Rekonstruktion von Kultur, der Verbreitung des Christentums, der Vermittlung europäischer, christlicher Werte und der Anpassung des sozialen Lebens an britische Standards (vgl. Comaroff, 1989). Im 17. und 18. Jahrhundert war das Missionsbewusstsein nicht so stark ausgeprägt, wie im 19. Jahrhundert. Die ersten Missions- und Siedlergemeinden bildeten sich an verschiedenen Orten unabhängig voneinander und demnach mit geringen Unterschieden in Theorie und Praxis. Missionare waren immer sowohl auf koloniale Behörden, als auch auf schwarzafrikanische Stammesoberhäupte angewiesen. Darin lag die Schwierigkeit, sich in der Mitte dieser zwei gegenläufigen Institutionen zu finden. Die Mission in Afrika musste auf eine politische Stellungnahme verzichten und durfte demnach keinen politischen Einfluss nehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Kolonialgeschichte Südafrikas ein und erläutert die Forschungsabsicht, das Geschlechterverhältnis unter dem Einfluss britischer Kolonialmacht zu untersuchen.
2. Die Kolonialgeschichte Südafrikas: Dieses Kapitel skizziert die präkoloniale Zeit, die niederländische Besiedlung und den folgenschweren Machtwechsel zur britischen Kapkolonie.
3. Britische Kolonisten und Missionare: Hier werden die sozioökonomischen Verhältnisse in Großbritannien während der industriellen Revolution sowie die spezifischen Kolonialisierungs- und Missionsmodelle in Südafrika analysiert.
4. Gender: Dieser Hauptteil beleuchtet die historische Entwicklung des Geschlechterbildes in Großbritannien, dessen Vermittlung in der südafrikanischen Kolonie sowie die heutige Situation inklusive der Problematik geschlechtsspezifischer Gewalt.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, wie tiefgreifend koloniale und missionarische Einflüsse die heutigen Geschlechteridentitäten und Machtverhältnisse in Südafrika geprägt haben.
Schlüsselwörter
Südafrika, Kolonialismus, Missionierung, British Empire, Gender, Geschlechterbild, Patriarchat, Industrielle Revolution, Identität, Geschlechtsspezifische Gewalt, Apartheid, Soziale Strukturen, Frauenbewegung, Maskulinität, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der historischen Verbindung zwischen dem britischen Kolonialismus, der missionarischen Tätigkeit in Südafrika und der daraus resultierenden Prägung gesellschaftlicher Geschlechterrollen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Kolonialgeschichte, die soziologische Entwicklung der Geschlechterbilder in Großbritannien im 18. und 19. Jahrhundert sowie die Transformation dieser Konzepte im südafrikanischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Einfluss europäischer Werte und religiöser Lehren auf das Geschlechterverständnis im kolonisierten Südafrika nachzuzeichnen und zu prüfen, inwieweit diese Strukturen bis heute fortbestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Methode unter Einbeziehung von Fachliteratur aus den Bereichen Afrikanistik, Anthropologie und Geschlechterforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte, die Analyse britischer Gesellschaftsstrukturen, die Darstellung der Missionsarbeit sowie eine kritische Betrachtung der heutigen Geschlechterrollen und der Gewaltproblematik in Südafrika.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kolonialismus, Missionierung, Geschlechterrollen, British Empire, Gender und soziale Transformation charakterisieren.
Wie unterscheidet sich das heutige Geschlechterbild laut der Autorin von der kolonialen Ära?
Während in der Kolonialzeit Geschlechterrollen starr definiert waren, um das System und die Ordnung aufrechtzuerhalten, wird Gender heute – zumindest in urbanen Zentren – verstärkt als individuell zugeschriebene Identität verhandelt, wobei alte patriarchale Strukturen auf dem Land und durch das Erbe der Apartheid weiterhin bestehen.
Welchen Zusammenhang stellt die Arbeit zwischen Gewalt und Männlichkeit her?
Die Arbeit verweist auf die These der Wissenschaftlerin Dr. Rita Schäfer, dass Gewalt an Frauen häufig ein Ausdruck einer „Maskulinität in der Krise“ ist, bei der sich Männer durch gesellschaftliche Veränderungen und Emanzipationsbewegungen in ihrer Stellung bedroht fühlen.
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- Hanna Friebel (Autor), 2019, Britische Mission und Kolonialisierung in Südafrika und ihr Einfluss auf das Geschlechtsbild, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540602