Antirassismus-Arbeit im deutschen Fußball. Politische Bildung in der Fußballfanszene der Borussia Dortmund


Hausarbeit, 2018

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffliche Grundlagen
2.1 Erziehung
2.2 Bildung
2.3 Sozialisation

3. Formen von Rassismus
3.1 Biologischer Rassismus
3.2 Kultureller Rassismus
3.3 Institutioneller Rassismus

4. Rassismusproblematik in der deutschen Fußballfanszene
4.1 Gruppierungen der deutschen Fußballfanszene
4.2 Rassismus-Problematik in der Fanszene von Borussia Dortmund

5. Antirassismus-Arbeit im deutschen Fußball
5.1 Relevanz von Antirassismus-Arbeit
5.2 Antirassismus-Arbeit bei Borussia Dortmund
5.3 Projekt: „Kein Bier für Rassisten“

6. Bezug zu anderen Themenkomplexen

7. Relevanz für Schule/Schüler*innengruppen

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

1. Einleitung

Das Thema Rassismus hat durch die jüngsten Ereignisse in Chemnitz wieder an Relevanz in der Öffentlichkeit gewonnen. Besonders durch den gemeinsamen Trauermarsch am 01.09.2018 von Pegida und AfD, an dem 4500 Menschen teilnahmen, gerieten Neonazis in das Augenmerk der Medien. Aber in welchen Teilen der Gesellschaft agieren die neuen Rechten, wenn sie nicht durch Chemnitz marschieren. In welchen Bereichen nahmen oder versuchten sie in den Jahren davor Einfluss zu nehmen. (vgl. Schillat 2018)

In dieser Hausarbeit wird der deutsche Fußball am Beispiel von Borussia Dortmund als ein möglicher Wirkungsbereich der Neonazis untersucht. Die konkrete Frage, die in dieser Arbeit beleuchtet wird, lautet: „Sollte politische Bildung in der deutschen Fußballfanszene stattfinden?“ Diese Frage impliziert, ob in der deutschen Fußballfanszene rassistische Ideologien vorherrschen und verbreitet werden. Falls dies der Fall sein sollte, bleibt zu klären, inwiefern die Vereine des deutschen Fußballs in der Verantwortung stehen Antirassismus-Arbeit zu betreiben und politische Bildung zu fördern. Um diese Fragen zu beantworten, werden als wichtigste Quellen Ronny Blaschkes Veröffentlichungen und das vorab geführte Interview mit dem Fanbeauftragten von Borussia Dortmund Björn Hegemann dienen.

Zu Beginn der Hausarbeit werden die begrifflichen Grundlagen Erziehung, Bildung und Sozialisation einheitlich festgehalten. Im weiteren Verlauf werden zunächst die wichtigsten Formen von Rassismus definiert, um die Leserschaft auf einen einheitlichen Wissensstand zu bringen. Ein Großteil der Leser werden keine Experten für die deutsche Fußballfanszene sein. Für das weitere Verständnis und die Klärung der Forschungsfrage ist ein grober Überblick über die Fanszene und ihrer Anhänger unumgänglich. Folglich werden in Kapitel Vier die Gruppierungen der Fanszene skizziert und untersucht, ob es Probleme mit Rassismus im deutschen Fußball und speziell bei Borussia Dortmund gibt. In Kapitel Fünf steht die Arbeit gegen Rassismus im Fokus. Zunächst wird die allgemeine Relevanz geprüft und dann die Antirassismus-Arbeit des BVBs vorgestellt. Insbesondere wird das Projekt „Kein Bier für Rassisten“ präsentiert. Am Ende dieser wissenschaftlichen Arbeit wird das Thema der Antirassismus-Arbeit noch mit anderen Themenkomplexen des Seminars „missing links“ verknüpft. Neben den Bezügen zu alternativen Seminarthemen muss abschließend die Relevanz für Schüler*innen und für die Schule beleuchtet werden, da das entsprechende Modul der Hausarbeit „Kernmodul II“ einen wichtigen Teil der Lehrkraftausbildung darstellt.

2. Begriffliche Grundlagen 2.1 Erziehung

Nach Siegfried Bernfeld ist die mögliche Weiterentwicklung des menschlichen Individuums die Grundlage der Erziehung. Die Erziehung selbst, stellt die „Summe der Reaktionen einer Gesellschaft“ auf diese Tatsache dar. In jeder präsenten oder vergangenen Gesellschaft wird oder wurde erzogen. Menschen erziehen nachfolgende Generationen im Sinne der bestehenden Gesellschaft und zu erfolgreichen Teilnehmer der Gemeinschaft. Jedoch unterscheiden sich je nach Gesellschaft die Ziele, Verfahren, Gründe, Zwecke, Akteure, Adressaten, Institutionen, Wirkungen und Funktionen der entsprechenden Erziehung. (vgl. Wigger 2012: 338)

In vormodernen Gesellschaften war die Erziehung der Kinder durch Vorleben und Nachahmung geprägt. Moderne Gesellschaften setzen dagegen auf eine staatliche und rechtliche Regelung der Erziehung. Die Entwicklung der Heranwachsenden wird somit staatlich „in Familien, einem öffentlichen Schulsystem und sozialpädagogischen Einrichtungen“ unterstützt und gefördert (Wigger 2012: 338). Jegliche Erziehung basiert auf einer gesetzlichen Grundlage, um die Rechte der Erzieher und zu Erziehenden zu schützen. Die in Erziehung involvierten Personen werden in Akteure und Adressaten unterteilt. Jede Gruppe kann jeweils durch einzelne Personen, Gruppierungen, Institutionen oder durch eine ganze Generation repräsentiert werden (vgl. Wigger 2012: 338).

Aufgrund der Vielzahl an erziehungstheoretischen Ansätzen werden diese in zwei Unterkategorien aufgeteilt. Die intentionalen Theorien haben den Akteur und seine Ziele der Erziehung im Fokus. Der Akteur hat die Intention den zu Erziehenden mit erzieherischen Maßnahmen dauerhaft zu verbessern. Stehen jedoch die „(gewünschten oder ungewünschten) Resultate“ der Erziehung im Fokus und es wird versucht, rückwirkend nach ihrer Entstehung zu fragen, handelt es sich um eine funktionale Erzählungstheorie (Wigger 2012: 339). Laut Lothar Wigger sind „mit Erziehung zwei zentrale Probleme verbunden“ (Wigger 2012: 339). Das erste Problem ist der klare Widerspruch von Freiheit und Zwang mit dem sich schon Immanuel Kant auseinandersetzte. Erziehung sollte laut Kant zur Mündigkeit des Adressaten führen, jedoch setzt Mündigkeit Freiheit voraus. Somit steht der Zwang der Erziehung im Widerspruch zur erforderlichen Freiheit der Mündigkeit (Kant 1784). Des Weiteren weist Erziehung als zweites Problem keine Garantie des Akteurs auf. „Der Erfolg beruht auf der selbsttätigen Leistung des Adressaten“ (Wigger 2012: 339). Folglich ist jegliche Erziehung ohne das aktive Mitwirken des Adressaten zum Scheitern verurteilt. „Erziehung ist also Aufforderung zur Selbsttätigkeit“ (Wigger 2012: 39).

2.2 Bildung

Für Bildung gibt es keine allgemeingültige Definition. „Bildung ist einerseits ein alltagssprachlicher Begriff mit einer Fülle von Konnotationen, andererseits eine in vielen (geistes- wie natur-) wissenschaftlichen Disziplinen gebräuchliche Kategorie mit je unterschiedlichen Traditionen und schließlich auch in der Pädagogik selbst ein Konzept, das je nach pädagogischer Richtung bzw. Schule verschieden Bedeutungen aufweist“ (Zirfas 2011: 13). In der Pädagogik ist Bildung jedoch seit der Aufklärung und dem Neuhumanismus ein zentraler Punkt der problematischen Fragestellungen der Erziehungswissenschaft (vgl. Zirfas 2011: 13). Besonders für die pädagogische Diskursbildung ist der Begriff Bildung unverzichtbar. „Denn in ihm bündeln sich pädagogische Fragestellungen und Dimensionen wie in einem Brennpunkt“ (Zirfas 2011: 13). Das Problem des Bildungsbegriffs ist die „Subjektivierung objektiver Sachverhalte“ und „Objektivierung subjektiver Gegebenheiten“ (Zirfas 2011: 13). Folglich enthält er ein Wechselverhältnis zwischen dem Individuum und dem Allgemeinen. Der Erziehungsbegriff legt den Schwerpunkt auf das Allgemeine, Bildung dagegen auf den Einzelnen. „Bildung beschreibt die Auseinandersetzung des Einzelnen mit als allgemein oder universell geltenden Bestimmungen von Welt, Vernunft, Sittlichkeit oder Humanität“ (Zirfas 2011: 13).

Jedoch beschränkt sich Bildung nicht nur auf den Umgang des einzelnen mit seiner Umwelt, sondern auch mit sich selbst. „Bildung meint einen differenzierten, intensiven und reflektierten Umgang mit sich und der Welt, der zur Ausformung eines selbstbestimmten kultivierten Lebensstils führt“ (Zirfas 2011: 13). Des Weiteren vereint der Bildungsbegriff „die Prozesse selbst“, „die Resultate dieser Prozesse“, spezifische Bildungsinhalte und „notwendige Voraussetzungen von Fähigkeiten und Vermögen“ unter sich (Zirfas 2011: 14). Der Bildungsbegriff lässt sich in theoretische, praktische und ästhetische Bildung aufteilen. Theoretische Bildung umfasst die „wissenschaftliche Betrachtung, definitorische Gliederung bzw. Klassifizierung und gesetzesmäßige Erfassung der Dinge und ihrer Zusammenhänge“ (Zirfas 2011: 14). Praktische Bildung dagegen zielt auf „Zwecke und Mittel des menschlichen Handelns“ ab (Zirfas 2011: 14). Zu guter Letzt befasst sich die ästhetische Bildung mit der Wahrnehmung und dem Umgang mit der Kunst (vgl. Zirfas 2011: 13).

2.3 Sozialisation

Sozialisation ist ohne den Begriff der Entwicklung nicht zu erklären. Zusammen definieren sie alle Prozesse, die innerhalb menschlichen Zusammenlebens entstehen. Im Zentrum der Entwicklung steht das Individuum und dessen Entfaltung. „Mit Sozialisation wird hingegen auf den Umstand verwiesen, dass sich im Zusammenleben von Menschen im Zuge von Vergesellschaftungsprozessen soziale Handlungsstrukturen ergeben, die wiederum auf die Erfahrungsgenese der Individuellen Einfluss nehmen“ (Grundmann 2011: 28). Jegliche Interaktion zwischen Mitmenschen oder Generation kann auf Sozialisationsprozesse zurückgeführt werden und somit ist „der Prozess der menschlichen Entwicklung“ nicht ohne Sozialisation vorstellbar (Grundmann 2011: 28). Dies gilt gleichbedeutend für den Prozess der Sozialisation ohne Entwicklung. Folglich fungieren „die Persönlichkeitsentwicklung (als die strukturierte Reflexion von Erfahrungen) und die Verfassung einer Gesellschafft (als das manifestierte soziale Miteinander)“ als „wechselseitige Regulative“ (Grundmann 2011: 28).

Zusammengefasst umfasst Sozialisation alle Prozesse, die es dem Individuum ermöglichen am sozialen Leben seiner Umwelt teilzunehmen. Trotz des wechselseitigen Verhältnisses zwischen Umwelt und Individuum wird jedes Einzelne in seine Umwelt hineingeboren und somit gewissen Einflüssen gezwungener Maßen ausgesetzt. In welcher Weise diese Umwelt auf das Individuum einwirkt, hängt jedoch von der Entwicklung des einzelnen Individuums ab. Akzeptiert es sein Umfeld und wird es ein Teil dessen oder möchte es Dinge verbessern und sieht sein Umfeld als eine Chance zur Mitgestaltung an (vgl. Grundmann 2011: 33). „Neben solchen ‚Prägungen‘ stehen den beteiligten Personen aber auch enorme Entwicklungs- und Entfaltungspotenziale innerhalb der durch gesellschaftliche Verhältnisse gesetzten sozialen Grenzen zur Verfügung (Grundmann 2011: 34).

3. Formen von Rassismus

Für Rassismus lassen sich unzählige Definitionen finden. Jedoch ist es unmöglich, Rassismus in jeder historischen und globalen Form in wenigen Sätzen zu erfassen. Deshalb wird Rassismus im folgenden Kapitel nicht definiert, sondern werden drei präsente und gegenwärtige relevante Formen des Rassismus dargestellt.

3.1 Biologischer Rassismus

Der biologische Rassismus basiert auf der Annahme, dass genetisch bedingte Differenzen Menschengruppen hierarchisch klassifizieren. Genetisch bedingt ähnliche Menschengruppen werden als Rasse bezeichnet. Es lassen sich im biologischen Rassismus zwei Ausprägungen unterscheiden.

„1) Überlegenheitsrassismus: Psychische und kulturelle Eigenschaften von Menschengruppen werden als genetisch höherwertig bzw. minderwertig beschrieben. Europäische Völker und „Rassen“ sind danach den anderen überlegen“ 2) „Reinhalterassismus: Der Aufstieg und Verfall der Kulturen und Völker entspricht dem genetischen Zustand der Völker. Rassenmischung gefährdet und zerstört demnach die Kultur und Lebensfähigkeit eines Volkes. Die Selbstbehauptung erfordert danach die Reinhaltung der eigenen Rasse. ‚Rassebewußte‘ Menschen müssen sich daher von ‚Fremdrassen‘ fernhalten“ (Spektrum 1999).

Nach Johannes Zuber lassen sich drei Erklärungsansätze finden:

„(1) spezifische Vererbung von Fähig- und Fertigkeiten (bspw. Intelligenz, Bildungsgrad, Arbeitsintensität u. a.) (2) genetische Unterschiede zwischen spezifischen Menschengruppen, die ‚qualitativ‘ (genetisch) positiv bzw. negativ (‚Rasse‘) klassifiziert werden (3) Verknüpfung der Argumentation mit biologischen Konzepten oder Theorien“ (Zuber 2015: 93). Jegliche Konzepte oder Theorien sind jedoch wissenschaftlich widerlegt oder nicht bewiesen.

3.2 Kultureller Rassismus

Der kulturelle Rassismus löst „in neurechten Theorien“ den biologischen Rassismus ab. „Statt auf genetische Unterschiede von Menschengruppen zu setzen, ist nun von kulturellen Differenzen die Rede, die nicht oder kaum veränderbar seien“. (Gensing 2018) Der kulturelle Rassismus wird auch als „Rassismus ohne Rassen“ bezeichnet (Balibar 1990: 28). Laut Theodor Adorno erfährt der Rassismus eine begriffliche Beschönigung. „Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse , bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch“ (Adorno 1975). Diese Form des Rassismus sieht Kultur als eine einheitliche, starre Eigenschaft an, die unveränderlich durch die Herkunft bestimmt ist (vgl. Gensing 2018). Somit werden Menschen nicht mehr durch ihre genetischen Differenzen klassifiziert, sondern durch ihre kulturelle Herkunft.

3.3 Institutioneller Rassismus

Diese Form des Rassismus geht von Institutionen der Gesellschaft aus. Der institutionelle Rassismus wird oft als alltäglicher Rassismus betitelt. Typische Beispiele für Bereiche in denen Minderheiten Benachteiligung erfahren sind der Arbeitsmarkt, der Wohnungsmarkt oder das Bildungssystem. „Ein typisches Beispiel sind Untersuchungen, wonach Menschen mit ausländisch-klingenden Namen bei gleicher Qualifikation deutlich mehr Absagen auf Bewerbungen erhalten“ (Gensing 2018). Besonders der Polizei wird oft institutioneller Rassismus vorgeworfen. Durch das „ Racial Profiling “ werden Menschen wegen ihrer Herkunft und ihres Aussehens kontrolliert und nicht aufgrund von begründeter Verdächtigungen. (vgl. Gensing 2018)

4. Rassismusproblematik in der deutschen Fußballfanszene

In Deutschland ist Fußball, die mit Abstand populärste und die am stärksten medialisierte Sportart. Jedoch ist der Fußball in Deutschland mehr als nur Sport. „Er ist weit über seine Rolle als beliebte Freizeitbeschäftigung hinaus Gesprächsthema, Identifikationsobjekt und Politikum“ (Geisler/Gerster: 189).

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Antirassismus-Arbeit im deutschen Fußball. Politische Bildung in der Fußballfanszene der Borussia Dortmund
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V540683
ISBN (eBook)
9783346208507
ISBN (Buch)
9783346208514
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antirassismus-arbeit, beispiel, bildung, borussia, dortmund, fußball, fußballfanszene, politische
Arbeit zitieren
Tim Lindemann (Autor), 2018, Antirassismus-Arbeit im deutschen Fußball. Politische Bildung in der Fußballfanszene der Borussia Dortmund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540683

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