'Calla! […] Baja la voz!' - Kommunikationsstrategien bzw. -verhalten in La casa de Bernarda Alba von Federico Garcia Lorca


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Paul Watzlawick
2.1 Zur Person
2.2 Kommunikationsaxiome
2.3 Störungen

3 Ideologische Wirklichkeitskonstruktion und ihre Folgen

4 Fazit

5 Bibliographie

1 Einleitung

„Habitación blanqusima del interior de la casa de Bernarda. Muros gruesos.” (García Lorca 1965: 1439) So wird ein Haus beschrieben, in dem einige Frauen zusammen wohnen und ihren Alltag bestreiten. Würden Sie sich darin wohl fühlen? Für mich wäre das keine gute Umgebung, um mich mit meiner Familie und Mägden auf das Leben vorzubereiten. So ergeht es auch den „Mädchen“ aus unserem Stück. Ihnen wird die Möglichkeit genommen, sich zu entfalten und aufzublühen, nur weil die Mutter beschlossen hat, über ihre Entwicklung zu bestimmen. Die fehlende Kommunikation radikalisiert diesen Zustand bis hin zum Selbstmord aus Verzweiflung, der als einzige Lösung dieses Problems gesehen wird.

In der folgenden Arbeit wollen wir mit Hilfe von Paul Watzlawick herausfinden, welche Ursachen dafür verantwortlich sind, und diese dann anhand von allgemeinen und textbezogenen Beispielen beschreiben und benennen.

2 Paul Watzlawick

2.1 Zur Person

Paul Watzlawick wurde 1921 in Villach (Österreich) geboren und studierte Philologie und Philosophie in Venedig. So entschied er sich, eine Ausbildung zum Psychotherapeuten am C. G. Jung-Institut in Zürich zu machen. Seit 1960 ist er Forschungsbeauftragter am Mental Research Institute in Palo Alto / Kalifornien. Außerdem war er auch als Professor für Psychotherapie an der Stanford University tätig, wo er sich mit dem Thema Kommunikation und deren Störungen befasste. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Menschliche Kommunikation - Formen, Störungen, Paradoxien, Wie wirklich ist die Wirklichkeit? und Anleitung zum Unglücklichsein.

(vgl. http://www.sw2.euv-frankfurt-o.de/VirtuLearn/hs.sommer00/ling-2/kmodelle2.html)

2.2 Kommunikationsaxiome

Paul Watzlawick formuliert die Prämisse, dass das Verhalten und die Kommunikation theoretisch, aber nicht praktisch, trennbar sind. Er unterscheidet verschiedene Bewusstheitsgrade von Verhaltensregeln: voll bewusst; unbewusst, aber erkennbar nach einem Hinweis und unbewusst, auch nicht durch einen Hinweis erkennbar.

Die fünf Axiome sollen typische Merkmale der menschlichen Kommunikation beschreiben.

Das erste Axiom sagt:

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ (Watzlawick et. al. 2000: 53)

Kommunikation ist der Austausch von Informationen zwischen Personen mittels eines Zeichensystems (Sprache: Tonfall, Lachen, Seufzen) und nichtsprachlicher Zeichensysteme wie Mimik und Gestik, die meistens bewusst und beabsichtigt geschehen. Jemand, der in einem Wartesaal auf den Boden starrt oder in einer Zeitschrift blättert, lässt die anderen erkennen, dass er in Ruhe gelassen werden will und keine Lust auf Konversation hat. Watzlawick will auch darauf hinweisen, dass Verhalten kein Gegenteil hat: man sich nicht nicht verhalten. (vgl. Watzlawick et. al. 2000: 50-53)

Das zweite Axiom meint:

„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ (Watzlawick et. al. 2000: 56)

Der Inhaltsaspekt beinhaltet die Mitteilung bzw. die Information des Sprechers. Der Beziehungsaspekt teilt dem Empfänger mit, wie der Sender verstanden werden möchte. Das Verhältnis zwischen den beiden Aspekten der Kommunikation ist also, dass „der Inhaltsaspekt die Daten vermittelt, der Beziehungsaspekt weist an, wie die Daten aufzufassen sind.“ (vgl. Watzlawick et. al. 2000: 55) Unterhält man mit anderen über Kommunikation, so nennt man dies Metakommunikation. Allgemein in der Kommunikation ist zu beachten wie ein Satz betont wird, denn dieser kann jeweils anders interpretiert werden.

Watzlawick formuliert das dritte Axiom folgendermaßen:

„Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.“ (Watzlawick et. al. 2000: 61)

Um der Kommunikation eine Struktur zu geben sind Interpunktionen unabdingbar. Diese unterscheiden sich aber von Kultur zu Kultur und regulieren, das was als „richtiges“ Verhalten verstanden wird. Hier kann man den „Führertypus“ und den „Geführtentypus“ unterscheiden.

Wird die Anwendung der Interpunktionen nicht richtig beherrscht, kann es zu Beziehungkonflikten kommen. Jeder der Beteiligten sieht sich als Reaktionär und verdrängt damit die Möglichkeit, selbst einen Konflikt verursacht zu haben. Das beste Beispiel dafür ist das des Ehepaares, bei dem sich der Mann zurückzieht, weil sie nörgelt und die Frau nörgelt, weil er sich zurückzieht. Warum es jedoch zu dieser Auseinandersetzung kommt, weiß keiner mehr. (vgl. Watzlawick et. al. 2000: 57-61)

Das vierte Axiom heißt:

„Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für die eindeutige Kommunikationen erforderliche logische Syntax.“ (Watzlawick et. al. 2000: 68)

Objekte können analog, durch Zeichnungen (Ikone), die auf dem Ähnlichkeitsprinzip basieren, dargestellt werden oder digital, durch Benennungen(Symbole), die zufällig und willkürlich passieren. Beide formen ergänzen sich. Bezogen auf das zweite Axiom, kann gleicht der Inhaltsaspekt der digitalen und der Beziehungsaspekt der analogen Kommunikation. Mögliche Fehlinterpretationen können entstehen, wenn man zum Beispiel Tränen als Zeichen für Trauer und Schmerz und nicht der Freude versteht. (vgl. Watzlawick et. al. 2000: 61-68)

Der Begriff Schismogenese bestimmt das fünfte Axiom.

„Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.“ (Watzlawick et. al. 2000: 70)

Hierbei handelt es sich um die komplementäre und symmetrische Interaktion von Individuen oder Gruppen, die auch zu einem Verfremdungsprozess führen kann. Bei der komplementären Interaktion geht es um eine sich ergänzende Beziehung im Sinne von Mutter-Kind, Lehrer-Schüler, Arzt-Patient, bei dem das Verhalten des einen das Verhalten des anderen Partners bedingt. Das Streben nach Gleichheit, wie in einem Eheverhältnis zum Beispiel, zeichnet eine symmetrische Beziehung aus. (vgl. Watzlawick et. al. 2000: 68-71)

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
'Calla! […] Baja la voz!' - Kommunikationsstrategien bzw. -verhalten in La casa de Bernarda Alba von Federico Garcia Lorca
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Avantgardistisches Theater Spaniens: Valle-Inclán, García Lorca A
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V54070
ISBN (eBook)
9783638493499
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Calla, Baja, Kommunikationsstrategien, Bernarda, Alba, Federico, Garcia, Lorca, Avantgardistisches, Theater, Spaniens, Valle-Inclán, García
Arbeit zitieren
Helen Petrisca (Autor), 2006, 'Calla! […] Baja la voz!' - Kommunikationsstrategien bzw. -verhalten in La casa de Bernarda Alba von Federico Garcia Lorca, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54070

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