Die Bestimmung von Satzgliedern und Wortarten bereitet sowohl Schülern als auch Studenten immer wieder Probleme. Im Wesentlichen erlernen sie die Analyse und Zuordnung von Wortarten und Satzgliedern durch die Schulgrammatik (bzw. nach Becker). Diese ist aber in einigen Fällen häufig unübersichtlich und schwer nachvollziehbar. Der Hauptkritikpunkt bei den Wortarten ist die Uneinheitlichkeit und die Inkonsequenz der Einteilungskriterien. Jene führen oft zu Problemen bei der Erfassung der Wortarten. Die richtige Bestimmung der Satzglieder dagegen bereitet weniger Schwierigkeiten durch die Inkonsequenz einzelner Kennzeichnungen, sondern vielmehr durch die Vielzahl von Satzgliedarten und Sonderformen. Darüber hinaus werden häufig Satzgliedbestimmung und Wortartenabgrenzung verwechselt.
Es ist natürlich bekannt, dass es kein Wortartensystem gibt, das sich nur auf eines der drei Kriterien (semantisch, syntaktisch oder morphologisch) beschränkt. Die Frage, ob die Schwierigkeit bei der richtigen Bestimmung in den Unterscheidungsmerkmalen liegt, möchte ich in meinen Ausführungen nur bedingt betrachten.
Die Schulgrammatik mit ihrem lateinischen Begriffsapparat und ihrer Uneinheitlichkeit der Kriterien zur genaueren Abgrenzung veranlasste viele Kritiker, neue Modelle zu entwickeln, welche von einer größeren Einheitlichkeit und Vereinfachungen geprägt waren.
In der vorliegenden Darstellung „Das Glinz´sche Wortarten- und Satzgliedsystem im Kontext der Anwendbarkeit im Deutschunterricht“ konzentriere ich mich auf einen Hauptkritiker der Schulgrammatik – Hans Glinz. Nach einer Vorstellung seines modifizierten Wortartensystems und seiner Überarbeitung der Satzgliedlehre werde ich seine Erarbeitungen kritisch diskutieren und in Hinblick auf die praktische Umsetzbarkeit im Deutschunterricht untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.Katoegorisierungskriterien/ Kriterien der Kategorisierung
2. Kritik an der Schulgrammatik
2.1 Problemfälle der Schulgrammatik
2.2 Kritik von Hans Glinz
3. Ein Neuansatz – fünf Wortarten
3.1 Die Fünf-Wortartenlehre
3.2 Kritik
3.3 Attraktivität des Fünf- Wortartensystems
4.Gleiche Anzahl, andere Klassifikation – Die Glinz` sche Satzgliedlehre
4.1 Verbale Teile
4.2 Größen
4.3 Angaben
4.4 Gliedteile
4.5 Fügeteile
4.6 Inhaltsbezogene Tendenzen
5. Praktische Anwendbarkeit im Unterricht
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die kritische Untersuchung des Glinz’schen Wortarten- und Satzgliedsystems im Hinblick auf seine praktische Anwendbarkeit im Deutschunterricht, wobei insbesondere die Stärken und Schwächen der alternativen Klassifikationsmodelle gegenüber der traditionellen Schulgrammatik hinterfragt werden.
- Kritische Analyse der traditionellen Schulgrammatik und ihrer Klassifizierungskriterien.
- Vorstellung und Diskussion des "Fünf-Wortartensystems" nach Hans Glinz.
- Untersuchung der Glinz’schen Satzgliedlehre und ihrer Subklassifikationen.
- Reflexion der praktischen Umsetzbarkeit dieser Ansätze im schulischen Kontext.
- Vergleich der theoretischen Vorteile neuer Grammatikmodelle mit der notwendigen Komplexität des Fremdsprachenunterrichts.
Auszug aus dem Buch
2.1 Problemfälle der Schulgrammatik
Der Vorwurf, die Schulgrammatik sei uneinheitlich und oftmals ohne klare Systematik, hält sich hartnäckig. Im Allgemeinen lassen sich mit ihr die meisten Wortarten problemlos und schnell bestimmen. Ausnahmen werden jedoch kaum beachtet. Häufig kommt es zu einer Überschneidung der Kategorien, was bei der Bestimmung für Verwirrung sorgen kann. An dieser Stelle sollen zwei Beispiele angeführt werden, die zeigen sollen, wie ein Wort einmal als Konjunktion und einmal als Pronomen fungieren kann.
Beispielsatz:
Wie bereits erwähnt, war die Sache gut, nicht wahr?
Obwohl es sich auch um eine Frage handelt, ist „wie“ nach der Schulgrammatik kein Interrogativpronomen, sondern eine Konjunktion. Das Problem der Kriterienüberschneidung tritt in diesem Beispiel auf. Betrachtet man den eben angeführten Satz semantisch, so ist das Wort „wie“ nur einer Wortart zuzuordnen. Geht man bei der Bestimmung aber nach dem morphologischen Kriterium vor, wird deutlich, dass es sich um ein flektierbares Pronomen und um eine nicht flektierbare Konjunktion handelt. Mit einem weiteren Beispiel soll gezeigt werden, dass ein und dasselbe Wort in unserer Sprache in drei verschiedenen Formen auftreten kann.
Beispielsatz:
Dann dachte er an das (Artikel) Fahrrad, das (Relativpronomen) der Kerl in den Flur gestellt hatte. Ob das (Demonstrativpronomen) da wohl noch stand?
Zusammenfassung der Kapitel
1.Katoegorisierungskriterien/ Kriterien der Kategorisierung: Es werden die drei grundlegenden Kriterien (semantisch, morphologisch, syntaktisch) erläutert, nach denen Wortartensysteme klassifiziert werden.
2. Kritik an der Schulgrammatik: Dieses Kapitel thematisiert die Inkonsequenz der traditionellen Schulgrammatik und führt anhand von Beispielen die Schwierigkeiten bei der Bestimmung von Wortarten auf.
3. Ein Neuansatz – fünf Wortarten: Das Fünf-Wortartensystem von Hans Glinz wird vorgestellt, wobei sein Fokus auf morphologischen Kriterien und seine Vereinfachung der Wortarten diskutiert wird.
4.Gleiche Anzahl, andere Klassifikation – Die Glinz` sche Satzgliedlehre: Hier erfolgt die kritische Analyse der Glinz’schen Satzgliedlehre und deren Abgrenzung zur traditionellen Bestimmung von Satzgliedern.
5. Praktische Anwendbarkeit im Unterricht: Es wird reflektiert, inwieweit die Neuansätze von Glinz im Schulalltag tatsächlich anwendbar sind und wo ihre Grenzen liegen.
6. Zusammenfassung: Das Kapitel bietet ein abschließendes Fazit über den Nutzen und die Herausforderungen der untersuchten grammatikalischen Alternativen.
Schlüsselwörter
Schulgrammatik, Hans Glinz, Wortarten, Satzglieder, Grammatiktheorie, Inhaltsbezogene Grammatik, Morphologie, Syntax, Deutschunterricht, Fremdsprachenunterricht, Klassifizierung, Sprachdidaktik, Satzgliedlehre, Sprachanalyse, Sprachstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Grammatiktheorien von Hans Glinz, insbesondere seinem Wortarten- und Satzgliedsystem, und vergleicht diese kritisch mit der traditionellen Schulgrammatik.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritik an der mangelnden Konsistenz der traditionellen Grammatik sowie die Analyse neuerer, inhaltsbezogener Ansätze zur Klassifizierung von Wörtern und Satzgliedern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu prüfen, ob die Glinz’schen Ansätze eine praxistaugliche Alternative zur Schulgrammatik für den Deutschunterricht darstellen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf Literaturanalyse, den direkten Vergleich von Grammatiksystemen sowie die kritische Reflektion von Theorieansätzen anhand von praktischen Beispielsätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Es werden das Fünf-Wortartensystem und die differenzierte Satzgliedlehre von Glinz vorgestellt und deren jeweilige Vor- und Nachteile sowie die Schwierigkeiten bei der praktischen Anwendung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Schulgrammatik, Hans Glinz, Wortarten, Satzglieder, Grammatiktheorie und Anwendbarkeit.
Warum hält der Autor die Schulgrammatik für problematisch?
Der Autor kritisiert die Uneinheitlichkeit und Inkonsequenz der Einteilungskriterien, die oft zu Überschneidungen und Verwirrung bei Schülern führen.
Eignet sich das Glinz-System für den Fremdsprachenunterricht?
Der Autor bezweifelt dies, da der Fremdsprachenunterricht meist auf der traditionellen Terminologie basiert und die Abweichungen des Glinz-Systems hier eher Mehraufwand oder neue Schwierigkeiten verursachen.
Was ist das Hauptproblem bei der Satzgliedlehre nach Glinz?
Das Hauptproblem liegt laut Autor nicht in der formalen Bestimmung, sondern in der Anwendung des richtigen Kasus und der fehlenden Übereinstimmung mit dem traditionellen Begriffsapparat, den Schüler in anderen Fächern benötigen.
- Quote paper
- Thomas Mrotzek (Author), 2005, Das Glinz'sche Wortarten- und Satzgliedsystem im Kontext der Anwendbarkeit im Deutschunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54077