Möglichkeiten und Grenzen nachhaltigen Lebensmittelkonsums durch das Mindesthaltbarkeitsdatum

Eine theoretische und empirische Studie auf Basis einer Konsumentenbefragung zu Molkereiprodukten im Einzelhandel in Schwäbisch Hall


Seminararbeit, 2018

29 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemdefinition
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Methodik
2.1 Forschungsleitende Fragen
2.2 Methodische Vorgehensweise
2.2.1 Literaturrecherche
2.2.2 Rechtsquellenanalyse
2.2.3 Befragung
2.2.4 Beobachtung

3. Theorie
3.1 Einordnung in die Wissenschaftsgebiete
3.2 Nachhaltigkeitswissenschaft
3.3 Abfallwirtschaft
3.4 Beschaffung
3.5 Verbraucherrecht
3.6 Verhaltensökonomie

4. Empirie
4.1 Erkenntnisse zur Nachhaltigkeitswissenschaft
4.2 Erkenntnisse zur Abfallwirtschaft
4.3 Erkenntnisse zur Beschaffung
4.4 Erkenntnisse zum Verbraucherrecht
4.5 Erkenntnisse zur Verhaltensökonomie

5. Fazit
5.1 Zusammenfassung
5.2 Diskussion und Fazit
5.3 Ausblick und Forschungsbedarf

6. Quellenverzeichnis
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Rechtsquellen

7. Anhang
7.1 Fragebogen
7.2 Beobachtungsplan und Protokollierung

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Leitfragen zu den verschiedenen Teilbereichen

Tabelle 2: Weitere offene Forschungsfragen

Abbildung 1: Zusammenhang der einzelnen Forschungsgebiete

Abbildung 2: Klassifikation der Befragung

Abbildung 3: Selbsteinschätzung der Nachhaltigkeit der Befragten

Abbildung 4: Häufigkeit der Molkereiabfälle in den verschiedenen Altersgruppen (in %)

Abbildung 5: Präferenzen bei der Beschaffung von Molkereiprodukten

Abbildung 6: Bedeutung des MHDs als Entsorgungskriterium

Abbildung 7: Verständlichkeit von Produktinformationen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemdefinition

Auf der Welt litten 2012 rund 925 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung, während gleichzeitig etwa 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmittel weggeworfen wurden.1 In der heutigen Zeit ist in westlichen Ländern aufgrund der ständigen Verfügbarkeit von Lebensmittel die Wertschätzung für diese verloren gegangen. 2017 wurden in Deutschland ca. 4,6 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt, also pro Bürger im Durchschnitt 55 kg. Das entspricht einer täglichen Abfallmenge von über 150 Gramm für den durchschnittlichen Konsumenten, wobei das Wegwerfen von Lebensmitteln nicht nur für die Finanzen der Verbraucher, sondern auch für die Umwelt negative Folgen hat.2 Nicht alle Lebensmittelabfälle sind vermeidbar, jedoch wird die mangelnde Wertschätzung gerade durch die Betrachtung der abwendbaren Abfälle deutlich. So könnten in deutschen Haushalten 18% der Lebensmittelabfälle teilweise und 47% sogar komplett vermieden werden.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Thematik des MHDs und den Möglichkeiten bzw. Grenzen, die durch das MHD geschaffen werden können, um den Konsum von Lebensmitteln speziell bei Molkereiprodukten nachhaltiger gestalten zu können. Dabei beziffert das MHD lediglich das Datum, bis zu dem Lebensmittel ihre spezifischen Eigenschaften behalten. Die bedeutet nicht automatisch, dass Lebensmittel ab diesem Zeitpunkt nicht zum Verzehr geeignet sind.3

1.2 Zielsetzung

Das Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, inwiefern den Verbrauchern Möglichkeiten für den nachhaltigen Konsum bei Molkereiprodukten durch das MHD gegeben sind. An dieser Stelle soll auch ermittelt werden, ob Verbraucher diese Möglichkeiten in der alltäglichen Praxis umsetzen können und wo hierbei die Grenzen liegen. Um Erkenntnisse für den alltäglichen Umgang mit Molkereiprodukten ableiten zu können, müssen gleichzeitig die theoretischen Grundlagen zu dieser Thematik und der Handlungsbedarf der unterschiedlichen Einzelhändler, die Molkereiprodukte anbieten, analysiert werden. Dabei spielen neben der Nachhaltigkeit als gesamtgesellschaftliche und unternehmensethische Frage, auch die Herausforderungen in der Abfallwirtschaft und in der Beschaffung, die lebensmittelrechtlichen Faktoren und die Aspekte der Verhaltensökonomie eine wesentliche Rolle.

1.3 Aufbau der Arbeit

Um wertvolle Ergebnisse zu generieren, verfolgt die Arbeit drei wesentliche Schritte. Zu Beginn werden in Kapitel 2 die angewendeten Primär- und Sekundäranalysen erklärt. Die forschungsleitenden Fragen (vgl. Tabelle 1), die durch die Thematik und Fragestellung dieser Facharbeit für die fünf Wissenschaftsgebiete resultieren, bilden das Grundgerüst an dem sich sowohl der theoretische Teil (Kapitel 3) als auch der empirische Teil (Kapitel 4) orientieren. In Kapitel 3 werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Wissenschaftsgebiete erarbeitet, um diese dann in Kapitel 4 mit den Verhaltensweisen der Konsumenten und Unternehmen in Beziehung zueinander zu stellen. Hierbei liegt der Fokus sowohl auf der Analyse der Befragung als auch auf der Auswertung der Beobachtung, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse mit anderen Forschungsergebnissen vergleichen zu können. Im abschließenden Fazit werden die erzielten Ergebnisse kritisch diskutiert (Kapitel 5).

2. Methodik

2.1 Forschungsleitende Fragen

Die vorliegende Seminararbeit wird der empirischen Wissenschaftsforschung zugeordnet, wobei durch ausgewählte Forschungsmethoden Informationen über die soziale Wirklichkeit generiert werden sollen.4 Um das theoretische Wissen überprüfen zu können, sind eigene Beobachtungen und Befragungen notwendig. Diese müssen gleichzeitig auf theoretischen Grundlagen basieren, damit Erkenntnisse in eine Struktur und Auswertung umgesetzt werden können. Durch die Verwendung von vielfältigen methodischen Vorgehensweisen, die in Tabelle 1 aufgezeigt werden, verfolgt die Arbeit eine bewusste Kombination von Primär- und Sekundäranalysen, wodurch die Thematik aus zahlreichen Blickwinkeln betrachtet wird, um die Qualität der Ergebnisse zu steigern.5 Im Folgenden werden die verwendeten Methoden sowohl der Primäranalyse (Befragung und Beobachtung) als auch die Methoden der Sekundäranalyse (Literaturrecherche und Rechtsquellenanalyse) dargestellt.

Tabelle 1 : Leitfragen zu den verschiedenen Teilbereichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Methodische Vorgehensweise

2.2.1 Literaturrecherche

Die Grundlage des theoretischen Teils dieser Seminararbeit basiert auf einem intensiven und umfangreichen Literaturstudium. Dabei wurden hauptsächlich Monographien, Internetquellen, Statistiken und Aufsätze aus Peer-reviewed journals als Sekundärdaten verwendet. Vorzugsweise fand die Recherche der Literatur in Bibliotheken und Datenbanken statt, aber auch auf seriösen Internetseiten, wobei der Fokus auf vertrauens- und zitierwürdigen Quellen gelegt wurde.6

Diese Literaturrecherche liefert die theoretischen Grundlagen für die Wissenschaftsgebiete, um die Möglichkeiten und Grenzen des nachhaltigen Lebensmittelkonsums durch das MHD bewerten zu können.

2.2.2 Rechtsquellenanalyse

Aufgrund der strikten gesetzlichen Vorschriften in Deutschland in Bezug auf das MHD wurden Daten aus Rechtsdokumenten entnommen. Hierbei spielt die Rechtsquellenanalyse eine essenzielle Rolle, bei der Rechtsnormen auf unmissverständliche Sachverhalte subsumiert werden.7 Die Subsumption beinhaltet drei wesentliche Schritte: Obersatz, Untersatz und Conclusio. Der Obersatz gibt die anzuwendende Rechtsnorm vor, während sich im Untersatz der vorliegende Sachverhalt wiederspiegelt. Das abschließende Urteil über den gegebenen Sachverhalt wird in der Conclusio als Ergebnis dargestellt.8 Für die vorliegende Thematik gilt neben dem Allgemeinen Lebensmittelrecht (GFL) und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), auch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG).

2.2.3 Befragung

Befragungen sind Methoden der empirischen Sozialforschung, die grundsätzlich mündlich oder schriftlich durchgeführt werden. Hierbei gibt es unterschiedliche Varianten der Standardisierung, die verschiedene Arten der Auswertung in qualitativer und quantitativer Hinsicht erlauben. Die Erstellung des Fragebogens hat dabei eine bedeutende Rolle, denn nur durch gezielt angelegte und methodisch solide Befragungen kann die Auswirkung der umgesetzten Maßnahmenorientierung bestimmt und verbessert werden.9

Für diese Facharbeit wurde zunächst ein Fragebogen zusammengestellt, um bei verschiedenen Lebensmitteleinzelhändlern Befragungen durchführen zu können. Die Befragungen fanden an 2 Tagen (08. und 09. Mai 2018) persönlich und mündlich statt. Die Konzeption der Form des Fragebogens war dabei teilstandardisiert, um dem Konsumenten die Gelegenheit zu ermöglichen, eine eigene Meinung kreieren zu können. Verwendet wurden hierfür acht geschlossene und eine offene Frage, wodurch eine größere Variation an Antwortmöglichkeiten geschaffen wurde.10 Außerdem wurde ein eindimensionales Messverfahren benutzt, um die Selbsteinschätzung der Konsumenten quantifizieren zu können. Der Fragebogen umfasste Aspekte zum Umgang und Einkaufsverhalten der Konsumenten bzgl. Molkereiprodukte und wird im Anhang abgedruckt.

2.2.4 Beobachtung

Eine Beobachtung widmet sich der gründlichen und zielorientierten Wahrnehmung von Vorgängen oder Objekten, wobei ggf. technische Hilfsmittel unterstützend zur Hilfe genommen werden. Anders als Messungen, die sich an quantitativen Ergebnissen orientieren, handelt es sich bei einer Beobachtung um qualitative Erfassungen. Die wissenschaftliche Beobachtung muss systematisch und objektiv gestaltet werden, wobei die Gewährleistungen dieses Vorhabens an der Erstellung und Festlegung eines Beobachtungsplans geknüpft ist. Dieser legt fest, welche Untersuchungsgegenstände von wem zu welchem Zeitpunkt beobachtet werden, damit die abschließende Protokollierung problemlos gelingt.11

In der vorliegenden Facharbeit wurde der nachhaltige Konsum von Molkereiprodukten im Einzelhandel in Schwäbisch Hall beobachtet. Dabei wurden die Verhaltensweisen der Konsumenten und der Lebensmitteleinzelhändler hinsichtlich der Thematik des MHDs über eine bestimmte Zeit erforscht. Ziel dieser Beobachtung war die Unterstützung und Ergänzung der Ergebnisse aus der Befragung. Neben dem Beobachtungsplan befindet sich auch das Protokoll im Anhang.

3. Theorie

3.1 Einordnung in die Wissenschaftsgebiete

Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit der Thematik des bewussten Umgangs mit Produktkennzeichnungen. Dabei liegt der Fokus auch auf den Möglichkeiten und Grenzen des nachhaltigen Lebensmittelkonsums unter Berücksichtigung des MHDs. Hierbei wird eine Schnittmenge aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten beleuchtet. Die Nachhaltigkeitswissenschaft ist nicht nur bei den Entscheidungen von Verbrauchern wichtig, sie spielt auch eine wesentliche Rolle in der Unternehmensethik von Produzenten, Lebensmittelhändlern und Endverkäufern. Ein weiteres Fachgebiet ist die Abfallwirtschaft, die für die Entsorgung von Lebensmitteln verantwortlich ist. Dahingegen ist der betriebswirtschaftliche Fachbereich der Beschaffung für die Versorgungskette vom Erzeuger bis hin zum Endverbraucher zuständig. Das Verbraucherrecht stellt die rechtlichen Rahmenbedingungen dar, die es ermöglichen, den Umgang mit dem MHD rechtlich konform zu beurteilen. Für welche Produkte sich Konsumenten letztendlich entscheiden und welche Hintergründe für die Kaufentscheidungen eine Rolle spielen, wird in der Verhaltensökonomie untersucht.

Abbildung 1 : Zusammenhang der einzelnen Forschungsgebiete

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Depositphotos, 2016

3.2 Nachhaltigkeitswissenschaft

Seit dem Brundtland Bericht im Jahre 1987 ist die nachhaltige Entwicklung stetig am Wachsen und wurde 2015 schließlich durch die Unterzeichnung des Pariser Klima-Abkommens (neue globale Agenda 2030) durch die Vereinten Nationen gefestigt. Die weitläufige und wachsende Vielfalt an Methoden, Konzepten und Werkzeugen im Bereich der Nachhaltigkeit impliziert die Erfordernis einer Struktur und Koordination der jeweiligen Rahmenbedingungen, einschließlich der einheitlichen und operativen Nachhaltigkeit an sich.12 Hierfür sind internationale Normen und deren Anerkennung notwendig, um das durch die UN-Generalversammlung vorgegebene globale Leitbild hinsichtlich der nachhaltigen Entwicklung, etablieren zu können.

Die Norm der Nachhaltigkeit ist ein, von der lokalen bis zur globalen Ebene, übergreifendes politisches Querschnittsziel, welches zusätzlich zur Verwirklichung einer inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit, drei inhaltliche Dimensionen beinhaltet, die gleichgestellt berücksichtigt werden: Die ökologische, soziale und ökonomische Entwicklung.13 Primäre Aspekte dieses Interesses seit Mitte der 1970er-Jahre sind die Folgen der Globalisierung, insbesondere bei international orientierten Unternehmen, die enorme Veränderung von Bezugssystemen für Traditionen und Werte, die Pluralisierung der Wertemuster und wachsende Sensibilität der Gesellschaft hinsichtlich der Handlungen von ökonomischen Akteuren.14 Die Bewertung der Nachhaltigkeit, mithilfe eines Indikators für die drei einzelnen Aspekte des Triple-Bottom-Line Ansatzes, gestaltet sich jedoch nicht immer einfach, da es in verschiedenen Teilbereichen eines Unternehmens nicht immer möglich ist nach allen drei Dimensionen zu agieren.

Aus diesem Grund benutzen viele Unternehmen eine breite Palette sogenannter Key Performance Indicators (KPI), um jede einzelne Nachhaltigkeitssäule abwägen zu können.15

3.3 Abfallwirtschaft

Illegale Abfalldeponien gelten weiterhin als eine der größten Ursachen für Umweltschäden.16 Aufgrund der gravierenden Auswirkungen durch solch eine Abfallverwertung stieg in den letzten Jahren das Umweltbewusstsein und somit auch die Bedeutung der Abfallwirtschaft.17 Im Jahr 1972 wurde die Abfallwirtschaft im ersten Umweltaktionsplan der EU als Priorität hervorgehoben. Nach der Ratifizierung der ersten Richtlinien, die eine Verringerung der Deponierung von Abfällen und deren ordnungsgemäße Bewirtschaftung beschlossen, wurde die Abfallwirtschaft gesetzlich anerkannt.18 Das Ziel der Abfallwirtschaft ist es, einen Beitrag für eine gesunde und nachhaltige Umwelt zu schaffen.19 Um diesen Vorsatz zu erreichen, ist es notwendig, dass Abfälle ohne Gefährdung der menschlichen Gesundheit und ohne Schäden der Umwelt, wie bspw. durch Geruchs- oder Lärmbelästigungen, entsorgt werden.20 Abfallmanagement und die Entwicklung von Umsetzungsplänen für die Abfallentsorgung müssen deshalb ein integraler Bestandteil der Politik jedes Landes werden. Im Mittelpunkt muss dabei vor allem die Erforschung stehen, wie Verhaltensänderungen in Bezug auf Abfallverwertung bei allen Beteiligten erreicht werden können. Ebenso ist es wichtig, dass wirksamere Ansätze für Hersteller und andere Akteure der Lieferkette entwickelt werden, um diesen mehr Verantwortung für die Entsorgung zu übertragen.21

Deutschland hat als einer der Pioniere vor fast einem halben Jahrhundert die ersten Schritte in Richtung Kreislaufwirtschaft unternommen und beachtliche Ergebnisse im Recyclingbereich erzielt. Das Ziel dieser Kreislaufwirtschaft ist der ressourcenschonende und umweltfreundliche Umgang mit Abfällen, was durch das KrWG sichergestellt wird.22 Der Zusammenhang zwischen Abfällen und der Klimaentwicklung ist besonders hervorzuheben, weil durch die anaerobe Zersetzung von organischen Abfällen an Deponien Treibhausgase entstehen. Deutschland konnte aufgrund verstärkter abfallwirtschaftlicher Rahmenbedingungen die gesamten Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2006 um 5% reduzieren. Ein Projekt der Vereinten Nationen schätzt, dass jährlich 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmittel weggeworfen werden. Die Vermeidung dieser Lebensmittelabfälle würde die globalen Treibhausgasemissionen sogar um 9% senken können.23

Fakt ist, dass mehr Abfälle aufgrund geänderter Produktions- und Konsummuster entstehen.24 Heutzutage werden in der EU jährlich etwa 13,5 Tonnen Material pro Kopf verbraucht, wovon 5 Tonnen als Abfall zurückbleiben. Im Jahr 2012 wurden 48% des Abfalls deponiert, weitere 6% verbrannt und 46% zurückgelassen.25 Dies zeigt, dass nicht allen Menschen bewusst ist, wie wichtig der ordnungsgemäße Umgang mit Abfällen ist. Jedoch ist gerade ein gut informierter Entscheidungsträger, der den Wert der Ressource Abfall anerkennt, die Grundlage für eine nachhaltige Abfallwirtschaft.26 Auch im 21. Jahrhundert wird Abfallwirtschaft eine Herausforderung bleiben, auf die mehr geachtet werden muss, um echte und langfristige Erfolge erzielen zu können.27

3.4 Beschaffung

Die Koordination von Aktivitäten in der Beschaffung und der Produktion ist ein essenzieller Bestandteil des SCMs, das für ein Unternehmen, aufgrund der sich schnell ändernden Bedingungen auf den Beschaffungsmärkten, oft eine schwere Aufgabe darstellen kann.28 In vielen Fällen ist das Beschaffungswesen an gesetzliche Auflagen gebunden, die Anforderungen und Vorschriften für eine faire, ethische und transparente Vorgehensweise der Unternehmensführung voraussetzen. Dabei stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, das oftmals massive Beschaffungsvolumen durch möglichst umweltfreundliche Konzepte zu bewältigen, um der enormen Umweltbelastung entgegen zu wirken.29 Doch das Streben nach möglichen Kostensenkungspotenzialen treibt Unternehmen dazu an, ihre Produktionsstätten in Regionen zu verlagern, in denen die Produktionskosten aufgrund der minimalen Arbeitslöhne und dem niedrigen Umweltschutz geringer ausfallen. Dem gegenüber steht das Konzept des nachhaltigen SCMs, das dem Konsumenten eine sowohl ökonomische als auch soziale und ökologische Verantwortung der Unternehmen entlang der Lieferkette gewährleistet.30 Seit 2014 wird diese Konzeption unter anderem durch zwei eingeführte EU-Richtlinien (Richtlinie 2014/24/EU und Richtlinie 2015/25/EU) unterstützt, die eine stärkere Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte erfordern, speziell bezogen auf das öffentliche Auftragswesen. Zudem hat die EU bereits im Jahr 2004 die Neufassung der EU-Vergaberichtlinien veröffentlicht und die Voraussetzungen einer umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung (engl. Green Public Procurement) eingeführt. In Bezug auf die Förderung der Produktion und des Konsums von umweltverträglichen Sach- und Dienstleistungen gewinnt das GPP immer mehr an Bedeutung. Auf der Angebotsseite des Marktes soll zum einen die Einführung nachhaltiger Techniken vorangetrieben werden, zum anderen soll auf der Nachfrageseite die Senkung der Transaktionskosten des nachhaltigen Konsums für den Endverbraucher ermöglicht werden.31

Viele Beschaffungsentscheidungen werden häufig durch traditionelle Optimierungstechniken, wie der Inventurtheorie, unterstützt, die sich ständig verbessern und es ermöglichen, optimale Entscheidungen zu identifizieren.32 Hinsichtlich der Lieferantenauswahl bietet sich den Unternehmen zudem die Möglichkeit der Teilnahme an sog. Beschaffungsauktionen an, die sich als nützliche Plattformen für Analysen der Angebote der teilnehmenden Lieferanten erweisen.33 Hierbei ergeben sich, bspw. für den Einzelhandel, häufig Angebote von mehreren Beschaffungsmöglichkeiten, die neben Sachleistungen auch Dienstleistungen umfassen können.34 Über diesen, in der Praxis weit verbreiteten Marktmechanismus, wird die gewünschte Menge der zu beschaffenden Güter zwischen dem Einkäufer und dem Lieferanten kommuniziert.35 Dabei muss der Fokus der Beschaffungsstrategie auf der Anpassung der Produktionsmenge des Verbrauchs liegen, sodass mögliche Koordinationsprobleme umgangen werden und die Beschaffungspolitik kontinuierlich optimiert werden kann.36

[...]


1 Vgl. BMEL, Verminderung der Wegwerfrate, 2012.

2 Vgl. BMEL, Tag der Lebensmittelverschwendung, 2018.

3 Vgl. BVL, MHD, 2018.

4 Vgl. Balzert, H. u.a., Wissenschaftliches Arbeiten, 2011, S. 49ff.

5 Vgl. Bortz, J./Döring, N., Forschungsmethoden und Evaluation, 2016, S. 184ff.

6 Vgl. Balzert, H. u.a., Wissenschaftliches Arbeiten, 2011, S. 74 ff.

7 Vgl. Birk, A./Fischer, C./Rüthers, B., Rechtstheorie, 2013, S. 403.

8 Vgl. Honsell, H./ Mayer-Maly, T.:Rechtswissenschaft, 2015, S. 83.

9 Vgl. Balzert, H. u.a., Wissenschaftliches Arbeiten, 2011, S. 57f.; Voss, R., Wissenschaftliches Arbeiten, 2014, S. 41.

10 Vgl. Attesländer, P., Methoden der empirischen Sozialforschung, 2010, S. 146.

11 Vgl. Bortz, J., Lehrbuch der empirischen Forschung, 1984, S. 189 ff.

12 Vgl. Missimer/Robèrt/Broman, 2017, S.32f.

13 Vgl. Schwindenhammer/Breitmeier/Kirf, 2017, S.356.

14 Vgl. Burger, 2017, S.44.

15 Vgl. González-Boubeta u.a., 2018, S.230.

16 Vgl. Liu/Kong/Santibanez-Gonzalez, 2016, S.1425.

17 Vgl. Kayakut u.a., 2016, S.1323.

18 Vgl. Kirkman/Voulvoulis, 2016, S.641.

19 Vgl. Ragossing/Jovovic, 2016, S.813.

20 Vgl. Kirkman/Voulvouls, 2016, S.642.

21 Vgl. Wilson/Velis, 2015, S.1051.

22 Vgl. Ragossing/Jovovic, 2016, S.813.

23 Vgl.Wilson/Velis, 2015, S.1050f.

24 Vgl.Barcena-Ruiz/Casado-Izaga, 2014, S.216.

25 Vgl. Triguero/Alvarez-Aledo/Cuerva, 2016, S.38.

26 Vgl. Ragossing/Jovovic, 2016, S.813.

27 Vgl. Wilson/Velis, 2015, S.1051.

28 Vgl. Sauvageau/Frayret, 2015, S.988.

29 Vgl. Ahsan/Rahman, 2017, S.182.

30 Vgl. Dabhilkar/Bengtsson/Lakemond, 2016, S.2f.

31 Vgl. Brusselaers/Van Huylenbroek/Buysse, 2017, S.91.

32 Vgl. Sauvageau/Frayret, 2015, S.988.

33 Vgl. Jin/Junfang Yu, 2015, S.193.

34 Vgl. Chen/Dada/Hu, 2017, S.130.

35 Vgl. Jin/Junfang Yu, 2015, S.192.

36 Vgl. Sauvageau/Frayret, 2015, S.988.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen nachhaltigen Lebensmittelkonsums durch das Mindesthaltbarkeitsdatum
Untertitel
Eine theoretische und empirische Studie auf Basis einer Konsumentenbefragung zu Molkereiprodukten im Einzelhandel in Schwäbisch Hall
Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
29
Katalognummer
V540823
ISBN (eBook)
9783346192462
Sprache
Deutsch
Schlagworte
basis, schwäbisch, molkereiprodukten, mindesthaltbarkeitsdatum, möglichkeiten, lebensmittelkonsums, konsumentenbefragung, hall, grenzen, einzelhandel, eine, studie
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Möglichkeiten und Grenzen nachhaltigen Lebensmittelkonsums durch das Mindesthaltbarkeitsdatum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540823

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