In dieser Hausarbeit soll ausgehend von Manleys Publikation und ergänzt durch andere Texte erörtert werden, inwiefern sich "decir" als epistemische Lehnübersetzung charakterisiert und von den anderen möglichen Lehnübersetzungen abgrenzt und welchen Stellenwert diese Markierung im linguistischen Diskurs der Evidentialitäten im Sprachkontakt zwischen Quechua und andinem Spanisch hat.
Dazu soll zunächst der Begriff der Evidentialität im Allgemeinen erläutert werden, um im Anschluss konkret auf die Evidentialität im Sprachkontakt zwischen Andinem Spanisch und Quechua einzugehen. Im dritten Punkt liegt der Fokus auf dem Verb "decir" als besonderem Beispiel in diesem Kontext. Im Fazit erfolgt die Zusammenfassung der gewonnen Ergebnisse und ein Verweis auf mögliche Problematiken des hier beleuchteten wissenschaftlichen Diskurses.
Inhaltsverzeichnis
1. Zielsetzung der Hausarbeit
2. Das Phänomen der Evidentialität
2.1 Evidentialität im Allgemeinen
2.2 Evidentialität im Sprachkontakt zwischen Spanisch und Quechua
3. Decir als besonderes Beispiel einer epistemischen Markierung
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Quechua auf das andine Spanisch, speziell im Hinblick auf die grammatikalische Kategorie der Evidentialität. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, auf welche Weise Sprecher diese Kategorie in das Spanische übertragen und welchen Stellenwert das Verb decir als epistemische Markierung in diesem Sprachkontaktprozess einnimmt.
- Grundlagen der Evidentialität in der Linguistik
- Sprachkontakt zwischen Quechua und Spanisch in den Anden
- Analyse von decir als Lehnübersetzung für indirekt erlangte Informationen
- Untersuchung von Grammatikalisierungsprozessen im andinen Spanisch
Auszug aus dem Buch
3. Decir als besonderes Beispiel einer epistemischen Markierung
Sowohl Klee und Ocampo (1995) als auch Lipski (1996) und de Granda (2001) erkennen laut Manley (2007: 194 f.) in Formen des spanischen Verbs decir eine Lehnübersetzung für das Quechua-Suffix -si/-s zum Ausdruck indirekt erlangter Information. Im La Paz Spanisch dient das am Ende des Satzes positionierte Verb nach Laprade (1981) ebenfalls der Markierung einer nicht persönlich erlangten Information (vgl. Manley 2007: 195). Dankels Beobachtungen decken sich damit weitgehend: Im Bezug auf die Formen, mit denen Evidentialität im Spanischen der Anden ausgedrückt wird, erwähnen bisherige Studien insbesondere den Gebrauch des verbum dicendi ‹decir› in seinen verschiedenen Realisierungsformen, vor allem in der 3.Pers.Sg. [...], das als Marker für Information aus zweiter Hand mit reportativem Charakter verwendet wird. (Dankel 2015: 45)
Manleys Schlussfolgerung lautet, dass 17 der 70 Versuchsteilnehmer das Wort decir während ihrer Untersuchung als Lehnübersetzung verwendeten. Anhand ihrer Beobachtungen stellt sie die Hypothese auf, dass die Formen von decir nicht nur als Lehnübersetzung für indirekt erlangte Information, sondern für eine Vielzahl von Bedeutungen der Suffixe -si/-s und -sqa dienen, darunter auch die Markierung eines geringen Grades an Gewissheit, Beteiligung und Zuverlässigkeit bzw. Verantwortung für die Information (vgl. Manley 2007: 200 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zielsetzung der Hausarbeit: Einführung in den Sprachkontakt zwischen Quechua und Spanisch sowie Darstellung der Relevanz der Evidentialität als grammatikalische Kategorie.
2. Das Phänomen der Evidentialität: Theoretische Einordnung von Evidentialität im Allgemeinen und spezifische Betrachtung der Markierungssituation im Sprachkontakt zwischen Spanisch und Quechua.
3. Decir als besonderes Beispiel einer epistemischen Markierung: Detaillierte Untersuchung des Verbs decir als funktionaler Marker für indirekt erlangte Informationen und Hörensagen im andinen Spanisch.
4. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse und kritische Reflexion über die Evidenzlage und die theoretischen Ansätze der zitierten linguistischen Studien.
5. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und weiterführender Literatur.
Schlüsselwörter
Evidentialität, Sprachkontakt, Quechua, Andines Spanisch, Decir, Lehnübersetzung, Epistemische Markierung, Grammatikalisierung, Hörensagen, Linguistik, Sprachkontaktforschung, Reportativmarker, Sprachwandel, Bilingualismus, Andenregion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des andinen Sprachkontakts zwischen Quechua und Spanisch auf die grammatikalische Struktur des Spanischen, insbesondere bezüglich der Ausdrucksformen für Informationsquellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Phänomen der Evidentialität, die Lehnübersetzung von Quechua-Suffixen ins Spanische sowie der Funktionswandel des Verbs decir.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie Quechua-Sprecher ihre Evidentialitätskategorie in das Spanische übersetzen und welche Rolle das Verb decir dabei als epistemische Markierung einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und vergleicht primär die Studienergebnisse von Manley und Dankel zu Sprachaufzeichnungen und Interviews in verschiedenen andinen Regionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsdefinition von Evidentialität und die detaillierte empirische und theoretische Diskussion von decir als Marker für indirekt erlangte Informationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Evidentialität, Sprachkontakt, decir, Quechua, Epistemische Markierung und Grammatikalisierung.
Wie unterscheidet sich die Verwendung von "decir" von anderen Markierungen?
Im Gegensatz zu anderen diskutierten Formen wird decir spezifischer für den Ausdruck von Hörensagen verwendet und übernimmt aktiv die Funktion eines Evidentialitätsmarkers, während andere Formen oft vage bleiben.
Welche Rolle spielt die univerbierte Form "dizque"?
Die Form dizque (aus dice que) wird vor allem in Ecuador als fortgeschrittenes Beispiel für die Grammatikalisierung von decir zu einem festen Evidentialitätsmarker diskutiert.
- Citar trabajo
- Janina Isabel Weida (Autor), 2016, Evidentialitäten im Sprachkontakt zwischen Quechua und Spanisch. Das Verb "decir" als Beispiel dieses Phänomens, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540867