Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit der Anti-Bias-Ansatz institutioneller Diskriminierung ausländischer Schüler und Schülerinnen beim Schulübergang, von Grundschule auf die weiterführende Schule, entgegenwirken kann.
Integration und Einwanderung gehören heutzutage zu den zentralen Politikfeldern in Deutschland. Statistiken zufolge waren im Jahr 2011, 42 Prozent der Bevölkerung, Personen mit Migrationshintergrund. Im Jahr 2017 ist diese Zahl auf 51 Prozent gestiegen. Dabei handelt es sich um einen Zufluss von 4,4 Prozent zum Vorjahr 2016, 2017 sind es 19,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Dies ist der höchste Wert, seit der Einrichtung des Ausländerzentralregisters im Jahre 1976. Die Gründe für Migration sind vielfältig.
Allerdings werden beide Seiten, die Einwanderer und der deutsche Staat, durch die vermehrte Migration nach Deutschland vor Probleme gestellt, welche gelöst werden müssen, um Integration in die deutsche Gesellschaft zu ermöglichen. Eine Anpassung von verschiedenen gesellschaftlichen Faktoren, ist für eine gelungene Integration daher unabdingbar. Dabei ist ein wichtiger Faktor, besonders für die nachhaltige Entwicklung des Menschen, der Bildungssektor. Eine gute Bildung und Ausbildung ist über die Jahre immer wichtiger geworden. In der heutigen Zeit ist, unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes und der wirtschaftlichen Entwicklung, eine gute Bildung von enormer Bedeutung.
Die Ergebnisse mehrerer Studien zeigen jedoch deutlich, dass Bildungschancen sehr abhängig von der Herkunft der Menschen sind. Wissenschaftlich nennt man dieses Phänomen "institutionelle Diskriminierung", welche, anders als die individuelle Diskriminierung, nicht aufgrund persönlicher Vorurteile einzelner Individuen entsteht, sondern ihren Ursprung in den normalen Organisationsstrukturen, Routinen und Programmen im Basissystem des Gesellschaftlichen Lebens hat. Neben anderen betroffenen Institutionen, stehen besonders Schulen und ihre Lehrkräfte, durch die wachsende Heterogenität der Schulklassen und der nicht angepassten Lage des Bildungssystems, vor einer immer größer werdenden Herausforderung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Diskriminierung
3. Institutionelle Diskriminierung
3.1 Historischer Hintergrund
3.2 Definition
4. Forschungsergebnisse zur Bildungsbenachteiligung
4.1 Bildungsbenachteiligung durch das allgemeine deutsche Bildungssystem
4.2 Bildungsbenachteiligung durch Mechanismen innerhalb einer Schule
5. Der Anti-Bias-Ansatz
5.1 Historischer Kontext
5.2 Ziele und Leitbild
5.3 Implementierung
5.3.1 Inklusive Schulentwicklung in der Grundschule (ISEG)
6. Konzeptpassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des Anti-Bias-Ansatzes, institutioneller Diskriminierung ausländischer Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule entgegenzuwirken, und analysiert dabei sowohl innerschulische Faktoren als auch die strukturellen Barrieren des deutschen Bildungssystems.
- Phänomen der institutionellen Diskriminierung in Schulen
- Bildungsbenachteiligung durch deutsche Systemstrukturen
- Methodik und Ziele des Anti-Bias-Ansatzes
- Projektbeispiel: Inklusive Schulentwicklung in der Grundschule (ISEG)
- Grenzen der Intervention bei struktureller Benachteiligung
Auszug aus dem Buch
3. Institutionelle Diskriminierung
Ursprung für das Phänomen „institutionelle Diskriminierung“ liefern die Diskussionen zum institutionellen Rassismus in den USA und Großbritannien, welche in den sechziger Jahren aufkamen. Erstmals verwendet wurde der Begriff „institutioneller Rassismus“ im Jahr 1967 in der politischen Kampfschrift „Black Power“ von den zwei Aktivisten Stockley Carmichael und Charles Hamilton (vgl. Gomolla& Radtke 2009: 43ff.).
Die Autoren wenden sich gegen individualisierte sozialpsychologische Rassismus Konzepte (Adorno 1950), welche soziale Benachteiligung den Betroffenen zuschreiben. Der Beobachtungsfokus wird durch Stockley Carmichael und Charles Hamilton erstmals auf Aspekte verschoben, welche den Fokus der rassistischen Produktion weg vom Individuum hin zur Betrachtung ganzheitlicher Prozesse von Organisationen und Institutionen legen. Erstmals wird in wissenschaftlichen Arbeiten zwischen verdecktem, institutionellem Rassismus und offenem individuellem Rassismus unterschieden (vgl. Gomolla 2005 :56). Rassistische Ungleichheiten entstehen in ihren Augen, durch das „normale“ Handeln der Institutionen, welches Diskriminierung dadurch selbstverständlich macht (Gomolla& Radtke 2009: 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die zunehmende Heterogenität der deutschen Gesellschaft und das Problem der systematischen Bildungsbenachteiligung aufgrund sozialer und ethnischer Herkunft.
2. Definition Diskriminierung: Hier werden die begrifflichen Grundlagen der Diskriminierung sowie ihre verschiedenen Ebenen von der individuellen bis zur strukturellen Ebene erläutert.
3. Institutionelle Diskriminierung: Das Kapitel widmet sich der historischen Entstehung und der Definition des Begriffs im Kontext organisatorischer Routinen und Strukturen.
4. Forschungsergebnisse zur Bildungsbenachteiligung: Hier werden statistische Daten und Studien präsentiert, die belegen, wie sowohl das Schulsystem als auch lehrkraftbezogene Mechanismen zur Benachteiligung führen.
5. Der Anti-Bias-Ansatz: Dieses Kapitel stellt den Anti-Bias-Ansatz als Methode vor, um durch vorurteilsbewusste Bildung und Praxisveränderungen gegen Diskriminierung vorzugehen.
6. Konzeptpassung und Fazit: Das abschließende Kapitel diskutiert die Erfolgsaussichten und Grenzen des Ansatzes im Hinblick auf das deutsche Bildungssystem und zieht eine Bilanz zur Wirksamkeit.
Schlüsselwörter
Anti-Bias-Ansatz, Institutionelle Diskriminierung, Bildungsbenachteiligung, Schulübergang, Heterogenität, Soziale Herkunft, Migrationshintergrund, Schulentwicklung, Vorurteilsbewusste Bildung, Machtstrukturen, Inklusion, Bildungsgerechtigkeit, Stereotype, Migrationskinder, Bildungsbiografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die institutionelle Diskriminierung im deutschen Schulsystem und prüft, inwiefern der Anti-Bias-Ansatz als Interventionsstrategie dienen kann, um Bildungsbenachteiligungen beim Schulübergang abzumildern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen institutionelle Diskriminierung, soziale und ethnische Benachteiligung im Bildungssystem sowie Konzepte der vorurteilsbewussten Erziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie der Anti-Bias-Ansatz die diskriminierenden Praktiken in Schulen verändern kann, um die Bildungschancen ausländischer Kinder zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Auswertung empirischer Bildungsstudien sowie der Reflexion von Projektbeispielen wie dem ISEG-Projekt basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Diskriminierung, die Darstellung empirischer Belege für Bildungsbenachteiligung und die Vorstellung sowie kritische Prüfung des Anti-Bias-Ansatzes.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Anti-Bias, institutionelle Diskriminierung, Bildungsgerechtigkeit und Inklusion charakterisieren.
Wo liegen laut der Arbeit die Grenzen des Anti-Bias-Ansatzes?
Der Ansatz stößt an seine Grenzen bei systemimmanenten Problemen, wie etwa dem verpflichtenden Grundschulbezirk oder dem Mangel an flächendeckender Sprachförderung, die durch innerschulische Arbeit allein nicht lösbar sind.
Welche Rolle spielen Lehrkräfte bei der institutionellen Diskriminierung?
Laut der Arbeit wirken Lehrkräfte diskriminierend, indem sie aufgrund von Routinen, Vorurteilen gegenüber der sozialen Herkunft oder sprachlichen Barrieren unbewusst oder strukturell die Übergangsempfehlungen negativ beeinflussen.
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- Vera Metz (Author), 2018, Anti-Bias-Ansatz zur Vermeidung institutioneller Diskriminierung beim Schulübergang, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540971