Kurzfristige Außenhandelsfinanzierung. Kreditformen, Auswirkungen und Bedeutung für den Markt


Ausarbeitung, 2019

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Formen der kurzfristigen Außenhandelsfinanzierung
I. Wechselkredite
II. Akzeptkredite
III. Lombardkredite
IV. Rembourskredit
1) Der direkte Rembourskredit
2) Der indirekte Rembourskredit
3) Die Vorteile V. Negoziationskredit

2. Zessionskredit und Factoring im Außenhandel
I. Zessionskredit
1) Arten
2) Funktionsweise
3) Vergleich zu Factoring
II. Factoring
(1) Funktionsweise
(2) Bestandteile
(3) Vor- und Nachteile

3. Auswirkung und Bedeutung für den Markt

4. Quellenverzeichnis

1. Kurzfristige Außenhandelsfinanzierung

I. Wechselkredite

Der Wechselkredit, auch Handelswechsel genannt, wurde früher oft zur Finanzierung von Waren und Dienstleistungen genutzt, heute ist er jedoch ,außerhalb des Außenhandels, wenig verbreitet, da er zu personal- und kostenaufwändig ist. Bei dieser Art von Kredit wird der Lieferant zum Kreditgeber, normalerweise über drei Monate. Alle Details des Kredites werden auf einer Urkunde festgehalten, die auf den Begünstigten ausgestellt wird und folgende Daten enthält: der Name des Wechselnehmers, das Ausstellungsdatum und -ort, die Bezeichnung "Wechsel" in der jeweiligen Amtssprache, der Zahlungsort, der Name und die Unterschrift des Bezogenen, die Zahlungsanweisung über eine bestimmte Summe und das Fälligkeitsdatum. Die Auszahlung des Wechselkredits wird streng kontrolliert, falls der Beziehende am Fälligkeitsdatum die entsprechende Summe nicht vorweisen kann, wird der Fall gerichtlich geahndet. So wird der Erhalt des gewährten Zahlungsziel am vereinbarten Datum sichergestellt.

Der Vorgang läuft folgendermaßen ab: Der Lieferant liefert Ware an den Abnehmer, dieser verschiebt die Bezahlung durch einen Wechsel. Ein Vorteil für den Lieferanten ist, dass er den Wechsel an Dritte überschreiben kann, um damit als Bargeldersatz noch offene Rechnungen an dessen Lieferanten zu bezahlen. Dies wird auf der Rückseite der Urkunde mit dem Namen vermerkt. Dadurch kann der Lieferant diesen Wechsel auch an seine Bank verkaufen und erhält somit sofort Liquidität, ohne auf die Einlösung am Fälligkeitsdatum warten zu müssen. Die Höhe des Ankaufsbetrags setzt sich aus dem prozentualen Abschlag auf die Wechselsumme und der verbleibenden Restlaufzeit zusammen. Die Rückzahlung des Wechsels erfolgt durch dessen Einlösen durch den Abnehmer, wobei es eine Belastungsbuchung auf dessen Konto gibt.

Der Vorteil des Wechselbeziehenden besteht darin, dass er die durch den Wechsel finanzierte Ware verkaufen kann und mit dem Erlös daraus den Kredit am Fälligkeitsdatum erfüllen kann. Daher besteht für beide Seiten einen Nutzen, da dem Importeur ein Zahlungsziel gewährt wird und sich eine Refinanzierungsmöglichkeit für den Exporteur ergibt. Für die Bank stellt dieser Kredit eine Liquiditätsreserve und rentable Geldanlage dar, da er jederzeit am Geldmarkt gehandelt werden kann. Der Nachteil ist jedoch, dass man keinen Skontoabzug geltend machen kann in Verbindung mit einem Wechselkredit. Allerdings kann dies mit einer Scheck-Wechsel-Ziehung umgangen werden, indem der Käufer den Lieferanten mit einem Scheck unter Abzug des Skontos bezahlt. Gleichzeitig muss der Lieferant einen Wechsel an die eigenen Order stellen, den der Käufer akzeptiert. Die Zinsen, die unabhängig der Erfolgssituation zu bezahlen sind, stellen einen weiteren Nachteil dar, genauso wie die unerwünschte Einflussnahme des Kapitalgebers auf die Unternehmenspolitik, die durch einen zu hohen Anteil an Fremdkapital in einem Unternehmen entstehen kann.

Bei Wechselkrediten im Außenhandel, bei denen die beiden Geschäftspartner unterschiedliche Währungen haben, überträgt der Exporteur das Kursrisiko auf den Importeur. Der Exporteur kann wählen, ob seine Hausbank oder die ausländische Bank des Importeurs den Wechsel durchführen soll, was er von der Währung und dem Zinsniveau abhängig macht. Falls er sich für seine Hausbank entscheidet ist wichtig, dass er die Postlaufzeiten für den Versand des Wechsels beachtet, unter Umständen kann auch ein Diskont in einem Drittland sinnvoll sein. Der Diskontsatz, der die Zinsen des Wechsels bestimmt, basiert auf der Kreditwürdigkeit und der Bekanntheit vom einreichenden Exporteur und dem Beziehenden, der Restlaufzeit, der Wechselsumme, der Währung, dem Zinsniveau auf dem Interbankenniveau, dem Ort der Zahlung und dem Wechselort. Für die Berechnung des Zinssatzes des Wechsels gibt es folgende Formel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Akzeptkredit

Der Akzeptkredit ist ein Wechselkredit mit Haftung der Bank. Der Unterschied zum zuvor beschriebenen Wechselkredit ist, dass bei diesem kein Geld an den Kunden verliehen wird, sondern das Kreditinstitut nur ihre eigene Bonität zur Verfügung stellt. Je nachdem, um welchen Gegenstand es sich dabei handelt, wird er auch als Handel-, Kredit- oder Finanzakzept bezeichnet. Der Kunde bezahlt der Bank direkt bei der Beantragung eine Provision, das sogenannte Akzeptentgelt. Diese Provision beträgt je nach Handelsgeschäft und Bonität zwischen 0,5% und 3%, der Wechseldiskontkredit verbilligt sich währenddessen um 2-4%. Spätestens ein Werktag vor der Fälligkeit muss der Kreditnehmer den bewilligten Betrag an die Bank übertragen, ansonsten belastet die Bank das Kontokorrentkonto des Kunden. Im Falle eines nicht ausgeglichenen Kontokorrentkontos wird die Zahlung trotzdem eingezogen, was bei nicht ausreichender Kontodeckung sehr hohe Mehrkosten bedeutet. Somit gewährleistet die Bank die Zahlung an den Empfänger, der das Geld unabhängig von der aktuellen Liquidität des Kunden erhält, und haftet mit ihrem Namen und mit ihrem Geld für den Ausgleich des Wechsel, jedoch ist sie nicht verpflichtet selbst das Geld an Dritte zu bezahlen.

Durch diese Haftung steigert der Kreditnehmer seinen Status gegenüber Geschäftspartnern, da diese auf der Liquidität und Bonität der Bank basieren. Besonders im Außenhandel ist der Faktor Sicherheit, dass Außenstände rechtzeitig zum Fälligkeitsdatum beglichen und dadurch die Risiken gesenkt werden, sehr wichtig, damit solche Geschäfte überhaupt zustande kommen. Die Notwendigkeit eines solchen Akzepts zeigt sich darin, dass er erfordert wird, wenn der Exporteur einen Wechseldiskontkredit mit einem neuen, noch unbekannten Geschäftspartnern beantragen möchte, da dieser Akzeptkredit als Nachweis über die Bonität eines Unternehmens ein hilfreiches Mittel darstellt und für den ausländischen Geschäftspartner dadurch keine Zweifel mehr bestehen. Voraussetzung dafür, dass dieser Kredit bewilligt wird, ist, dass das Unternehmen selbst ebenso eine gute Bonität und Zahlungssicherheit vorweisen kann. Folglich bekommen nicht alle Antragsteller eine Zustimmung, aber auch nicht jede Bank vergibt Akzeptkredite.

Auch dieser Kredit kann zur Schuldbegleichung verwendet werden, jedoch bleibt der Kunde hierbei der Hauptschuldner. Für die Bank stellt es eine Eventualverbindlichkeit dar, da sie nur für die Zahlung aufkommen muss, falls der Kunde seine Verpflichtung nicht pünktlich zum vereinbarten Termin ausgleichen kann. Für Außenhandelswechsel wird in den meisten Fällen die Bank des Importeurs verwendet, um die Geldmarktfungibilität zu steigern, damit die Kredite durch gleichbleibende Beschaffenheit im Handelsverkehr bestimmt werden können. Ein Vorteil für den Importeur ergibt sich daraus, dass er günstigere Einkaufspreise erzielen kann, indem er auf einen Lieferantenkredit mit dem Exporteur verzichtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III.Lombardkredite

Banken oder Unternehmen können Lombardkredite erhalten, indem sie eine Sicherheit in Form von Bankguthaben, beweglichen Gütern oder Wertpapieren stellen und auf diesem Wege verpfändet werden. Oftmals wird er für den Import von Getreide, Kaffee, Tabak, Kupfer, Zink und sonstigen Rohstoffen genutzt. Im privaten Bereich findet man diese Kredite als Pfandleihe der Pfandhäuser. Die ausgezahlte Kreditsumme, auch Beleichungswert genannt, ist abhängig von dem zu verpfändeten Gut. Bei der Verpfändung beweglicher Güter, werden maximal 66% als Darlehen ausgezahlt, bei Wertpapieren bis zu 75%. Mit einem Importvorschuss ist die Leihe von bis zu 100% möglich, wodurch die Transportdauer und Einlagerung finanziert werden kann. Auf der anderen Seite kann auch der Exporteur einen Exportvorschuss als Lombardkredit beantragen, um seine Verbindlichkeiten finanzieren zu können, bis der Importeur seine Verpflichtung an den Exporteur bezahlt.

Die Rückzahlung erfolgt als Einmalzahlung, bei der die geliehene Summe spätestens an einem bestimmten Stichtag einschließlich der Gebühren und Zinsen zurück gezahlt werden. Im Gegenzug dafür bekommt der Kunde das hinterlegte Pfand zurück. Falls der Schuldner jedoch den Betrag nicht am Fälligkeitsdatum zurückzahlen kann, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Kreditnehmer versäumt die Frist und das hinterlegte Pfand gehört nun dem Gläubiger, welches verkauft werden kann. Die zweite Möglichkeit ist, dass die Frist verlängert wird, jedoch steigen die Zinszahlungen und Gebühren weiter an.

Je nachdem, welches Gut gepfändet wird, wird unterschieden in verschiedene Arten des Lombardkredits: Der erste ist der "Lombardkredit der Zentralbanken", er hat eine sehr kurze Laufzeit und wird nur an Geschäftsbanken vergeben. Die Banken verpfänden Wertpapiere und bekommen dafür kurzfristige Liquidität von der Zentralbank, der Zinssatz im Euro-Raum dabei ist einer der drei Leitzinssätze. Ein weiterer Kredit, der nur für die Geschäftsbanken bestimmt ist, ist der "Wechsellombardkredit", bei dem Wechselkredite zur Refinanzierungspolitik eingesetzt werden. Aufgrund der höheren Kosten als bei einem Wechselkredit, kommt der Wechsellombard wenig vor, und nur dann, wenn der Kredit wenige Tage benötigt wird. Wenn Privatpersonen oder Unternehmen bei ihrer Geschäftsbank Wertpapiere, meist Aktien, hinterlegen, wird der Kredit "Effektenlombardkredit" genannt und häufig genutzt, um weitere Wertpapiere finanzieren zu können. Auch Rechte und Forderungen können nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch verpfändet werden mit dem "Forderungslombard", sogar Lebensversicherungspolicen in Höhe des Rückkaufwertes sind hierbei möglich. Wird der Kredit allerdings durch bewegliche Güter abgesichert, heißt er "Warenlombardkredit", diese Güter sind trotz Verpfändung noch im Eigentum des Schuldners, solange der Kredit noch nicht ausgelaufen ist. Die Güter werden dabei aber nicht zwingend bei der Bank gelagert, da diese nicht über genügend Lagerplatz verfügt. Die Lösung dafür ist eine schriftliche Übereignung durch eine Urkunde, die besagt, dass in der Zeitspanne der Verpfändung die entsprechenden Güter nicht bewegt oder verändert werden dürfen. Die Alternative ist eine Lagerung in einer Lagerhausanstalt, die Orderlagerpapiere erstellen kann. Diese werden dabei benötigt, dass mit der Indossierung und Übergabe auch der Eigentümer der Ware wechselt. Im Schienenverkehr und der Schifffahrt haben diese Orderlagerscheine eigene Namen und den Zusatznutzen, dass sie eine Umdisponierung der Waren durch den Versender verhindern, was eine Beeinträchtigung für den Kreditgeber bedeuten könnte. Im Schienenverkehr wird dafür ein "Frachtbriefduplikat" verwendet, in der Überseeschifffahrt ist das handelsrechtliche Dispositionspapier das "Konnossement", in der Binnenschifffahrt der "Ladeschein des Binnenschiffers“.

IV.Rembourskredit

Der Rembourskredit ist eine Kombination aus Akkreditiv, Akzeptant und Wechseldiskontkredit. Man kann den Rembourskredit als einen kurzfristigen Akzeptanzkredit auf Dokumentenbasis beschreiben. Vom Rembourskredit können sich sowohl Importeure als auch Exporteure finanzieren. Beispielsweise zahlt beim d/a Credit der Importeur erst nach Zahlungsziel – der Exporteur hingegen refinanziert sein Zahlungsziel auf Wechselbasis. Von großem Vorteil sind die Rembourswechsel, welche eine Liquiditätsreserve ermöglichen, aufgrund der hohen Bonität der Beteiligten. Man Unterscheidet beim Rembourskredit zwischen direkten und indirekten Rembourskrediten.

1) Der direkte Rembourskredit Der direkte Rembourskredit ist gekennzeichnet durch die Anzahl an Beteiligten. Es agieren vier Beteiligte. Die Beteiligten sind: Importeur, Exporteur, Importeurbank, Exporteurbank.

Vorgang beim direkten Rembourskredit:

1. Importeur und Exporteur schließen einen Kaufvertrag mit Zahlungsbedingung (d/a Credit) ab.
2. Der Importeur gibt einen Auftrag zur Eröffnung eines Rembourakkreditivs zu Gunsten des Exporteurs bei der bzw. seiner Importeurbank ab.
3. Die Importeurbank nimmt Kontakt zur Exporteurbank auf. Es kommt zur Akkreditiveröffnung und Akzeptzusage.
4. Die Exporteurbank nimmt Kontakt zum Exporteur auf und meldet das Remboursakkreditiv und die Diskontzusage.
5. Es kommt zum Versand der Ware durch den Exporteur. Der Exporteur erhält dafür die Dokumente. (Dokumente gegen Ware).
6. Es kommt zum gezogenen Wechsel (Tratte). Der Exporteur zieht die Importeurbank. Die erhaltenen Dokumente gibt dieser bei der Exporteurbank ab.
7. Es folgt ein Akzept des Wechsels von Seiten Importeurbank.
8. Der Exporteur erhält von der Exporteurbank einen Wechseldiskont zur Refinanzierung des Zahlungsziels.
9. Die Importeurbank übermittelt die Dokumente an den Importeur.
10. Der Importeur kann die Dokumente gegen die Ware eintauschen. (Ware gegen Dokumente).
11. Der Importeur übermittelt die Zahlung aus Verkaufserlösen an die Importeurbank vor Verfall des Remboursakzepts.
12. Es folgt eine Präsentation der Zahlung/ Wechsels zwischen der Importeur-und Exporteurbank.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kurzfristige Außenhandelsfinanzierung. Kreditformen, Auswirkungen und Bedeutung für den Markt
Hochschule
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V540973
ISBN (eBook)
9783346208569
Sprache
Deutsch
Schlagworte
außenhandelsfinanzierung, auswirkungen, bedeutung, kreditformen, kurzfristige, markt
Arbeit zitieren
Nico Mürschberger (Autor), 2019, Kurzfristige Außenhandelsfinanzierung. Kreditformen, Auswirkungen und Bedeutung für den Markt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540973

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