Chancen gesellschaftlicher Teilhabe von Erwerbslosen und Menschen in A-typischer Beschäftigung


Hausarbeit, 2014

15 Seiten


Leseprobe

1.Einleitung

2.Typen der Wohlfahrtsstaatlichkeit

3.Sozialstaatlichkeit in der BRD
3.1. Die Reform des SGB II ein Paradigmenwechsel
3.2. Fördern und Fordern - Was bedeuten die Hartz-Reformen konkret?
3.3. Der deutsche Sozialstaat im Europäischen Vergleich

4.Inklusion/Exklusion
4.1 Was istsozialeExklusion/lnklusion?
4.2. Geldalsuniversaleslnklusionsmedium

5.Fazit

6.Literatur

1. Einleitung

Menschen, die den Ganzen Tag nichts zu tun haben. Sie trinken zu viel, dabei sitzen sie vor dem Fernseher auf der Couch und kümmern sich nicht um Haushalt, Familie oder das berufliche Fortkommen ihres Nachwuchses. So ein beliebtes Klischee wenn es um arbeitslose Menschen in Deutschland geht.

Jedoch steht diesem Vorurteil ein Phänomen voran welches in der deutschen Öffentlichkeit zunehmend an Brisanz gewinnt. Das Problem vom gesellschaftlichen Unten und Oben bzw. von Drinnen und Draußen wird mittlerweile in vielen Medien in Form von Talkshows und Berichterstattungen und anderen Diskussionsforen Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei dreht es sich im Kern um Zusammenhalt und Auseinanderdriften der deutschen Gesellschaft. Auch hat dieses Thema in den Letzten Jahren für viel Diskussionsstoff in der wissenschaftlichen Welt gesorgt. So berichtet Jens Bisky für die 'Süddeutsche Zeitung' am 17. Mai 2010 um 21:03 in der Rubrik 'Kultur' zu Thema 'soziale Schieflage in Deutschland' über die Diskussion zweier soziologischer Lager.

Das eine Vertreten von Prof. Dr. Heinz Bude, welcher den makrosoziologischen Lehrstuhl an der Universität in Kassel inne hat und vom Ausschluss bestimmter Gruppen aus der Gesellschaft ausgeht. Das andere Lager vertreten von Prof. Dr. Berthold Vogel, welcher als Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung bei der Problembetrachtung seitens Bude auf die Ungenauigkeiten und Verallgemeinerungen hinweist. Vogel bemängelt bei der exklusionstheoretischen Betrachtung weiterhin, dass sozial-strukturelle Zwischentöne verloren gingen. Vogel geht nicht vom Drinnen und draußen sondern eher von Oben und Unten aus (Vgl.Soziale Schieflage in Deutschland - Sozialer Abstieg heißt jetzt Exklusion - Süddeutschere2014). Einen Aufsatzt Vogels diesbezüglich findet sich in (Bude et al. 2008). Budes Exklusionsgedanken aufgreifend, möchte diese Arbeit der Frage nach gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten von erwerbslosen Personen bzw. Personen in A­typischen Beschäftigungsverhältnissen unter dem Gesichtspunkt, der sich transformierenden, deutschen Sozialstaatlichkeit nachgehen. Dabei soll der Versuch unternommen werden, die Bedeutung der Art von Sozialstaatlichkeit für die Teilhabe erwerbsloser Personen an der Gesellschaft heraus zu arbeiten.

Es wird wie folgt vorgegangen. Zuerst wird der lesenden Person eine Einführung in die drei Typen der Sozialstaatlichkeit nach Gösta Esping-Andersen gegeben. Um anschließend den aktuell in Deutschland praktizierten Typus genauer zu betrachten. Dabei wird die Veränderung des sozialstaatlichen Apparates dahingehend diskutiert, als das ein Wechsel im Grundcharakter weg vom Status erhaltenden Sozialstaat hin zum aktivierend erzieherischen Sozialstaat stattfindet bzw. schon stattgefunden hat. Als Fallbeispiel der Darstellung dienen dabei die Hartz-Reformen, auf welche nach der Diskussion um die Reform des Sozialstaats im Einzelnen noch einmal näher eingegangen wird um dann arbeitsmarktpolitische Folgen der Reform für die Betroffenen darzustellen. Im Vierten Kapitel wird auf die vorangegangenen Kapitel aufbauend der Versuch unternommen werden Inklusion bzw. Exklusion von Menschen aufzuzeigen, welche aufgrund des Mangels am universalen Inklusionsmedium Geld Defizite im Rahmen gesellschaftlicher Teilhabemöglichkeiten haben. Im Fazit soll abschließend der Versuch unternommen werden auf die anfangs Gestellte Frage nach gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten von erwerbslosen Personen unter dem Gesichtspunkt der, sich transformierenden, deutschen Sozialstaatlichkeit zu antworten.

2. Typen derWohlfahrtsstaatlichkeit

Diese Arbeit schließt sich beim Verständnis von Wohlfahrtsstaatlichkeit dem von Esping­Andersen an. Er nimmt mit seiner differenzierten Erfassung von Idealtypen der Wohlfahrtsstaatlichkeit Abschied von der Bewertung dieser durch die reine Betrachtung des Anteils der Sozialausgaben am Staatshaushalt. Viel mehr sollten nach Ansicht seiner die verfolgten Ziele des Wohlfahrtssystems im Vordergrund stehen. Bei der Kategorisierung finden qualitative als auch quantitative Gesichtspunkte Anklang. Unter wohlfahrtsstaatlichen Regimen wird im Folgenden die Formung allgemeingültiger, gesellschaftlicher Übereinkünfte, welche das Verhältnis von Arbeitsmarkt und Sozialpolitik regeln. Typen der Wohlfahrtsstaatlichkeit fußen dabei auf der jeweiligen institutionell geregelter Ordnungspolitik und folgen je nach Land bzw. Kulturraum ihren historisch gewachsenen eigenen Logiken. Diese Logiken beziehen sich auf die Konstellation sozialer Schichten sowie auf die Verhältnisse von Ungleichheit als auch Exklusion bzw. Inklusion besonderer gesellschaftlicher Gruppen. Diese Typen generieren mal mehr mal weniger, in Qualität und Quantität, stark ausgeprägte wohlfahrtsstaatliche Programme, welche sich wiederum in der Art ihrer Eintrittbarrieren und Leistungen unterscheiden. Als Zusammenfassung dieser, die unterschiedlichen wohlfahrtsstaatlichen Typen unterscheidende, Kriterien wird, wie bereits im gleichnamigen Abschnitt schon erläutert, der Begriff der Dekommodifizierung angeboten. Mit dem die Unabhängigkeit des Individuums von marktbezogenen Zwängen bzw. Gefahren verdeutlicht werden soll (Vgl. Schmid 2002b; 82-83). Esping-Andersen teilt die Wohlfahrtsstaaten dabei in drei Typen auf. In einen liberalen, in einen konservativen und in einen sozialdemokratischen Typus. In Folgendem wird eine Darstellung dieser Typen unternommen um Anschließend eine Verödung des brasilianischen Wohlfahrtsstaates zu unternehmen.

Der Liberale Wohlfahrtsstaat ist derjenige der den geringsten Grad an Dekommodifizierung aufweist. Dabei ist das Individuum in in sehr direkter Weise den Risiken des freien Marktes unterworfen. Seine Begründung findet dieser Typus in der Betonung der Kraft des freien Marktes und der Familie. Der Rechtsanspruch auf Sozialstaatliche Programme ist kaum gegeben bzw. mitunter an Bedürftigkeitsprüfungen gekoppelt. Zudem werden die Zugangsbarrieren zu Sozialprogrammen durch die Stigmatisierung von Empfängern_INNEN seitens der Gesellschaft höher angesetzt als bei anderen Typen ( Vgl. Esping-Andersen 1990; 135-136, 52-54)

Der konservative Wohlfahrtsstaatstypus stellt einen höheren Grad von Dekommodifizierung zur Schau. Eine stärkere Orientierung an einem lohnarbeitsabhängigen Sozialversicherungskonzept ist typisch für ihn. Der Rechtsanspruch auf soziale Programme ist an Klasse und Status gekoppelt. Gründe für diese Form sind die Erhaltung klassen- und statusspezifischer bzw. innergesellschaftlicher Unterschiede ( Vgl. Esping-Andersen 1990; 133-135, 53).

Den höchsten Grad der Dekommodifizierung weist der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat auf. Die Grundlage für Sozialrechte bilden hier die Bürgerrechte. Es wird die Ebenbürtigkeit der Individuen auf einer hohen Stufe angestrebt ( Vgl. Esping-Andersen 1990; 136-137, 48­57) . Es werden über den Faktor der Dekommodifizierung hinaus nochResidualismus,welcher den Anteil der Fürsorgeleistungen an allen Sozialausgaben misst,Privatisierungdie den Anteil privater Ausgaben für Alters- bzw. Gesundheitsvorsorge an den Gesamtausgaben des Staates misst,Korporatismusder die Anzahl von nach Berufsgruppen differenzierten Sicherungssystemen und den Anteil der der Ausgaben für die Beamtenversorgung misst,Umverteilungskapazitätdie den Progressionsgrad des Steuersystems und die Gleichheit der Sozialleistungen misst, so wie dieVollbeschäftigungsgarantie,welche die Ausgaben für eine aktive Arbeitspolitik und die Arbeitslosenquote misst, dargestellt (Vgl. Schmid 2002a S.84).

Abb.1 / Erweiterte Merkmale von wohlfahrtsstaatlichen Regimen

Schaubild 3-6: Erweiterte Merkmale von Wohlfahrtsstaatsregimen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Schmid 2010S. 104)

3. Sozialstaatlichkeit in der BRD

Um einen Bezug der deutschen Sozialstaatlichkeit zu der im letzten Kapitel genannten Typisierung von Gösta Esping-Andersen herzustellen wird in diesem Kapitel der Versuch unternommen werden Deutschland anhand einer exemplarischen sozialstaatlichen Veränderunge in die Typologie einzuordnen. Nach der Verödung soll konkret auf die Veränderungen in der Sozialstaatlichkeit am Beispiel der Hartz-Reformen eingegangen werden um daran anschließend die Folgen für den Arbeitsmarkt und seine Teilnehmer herauszustellen.

3.1. Die Reform des SGB II ein Paradigmenwechsel

Ursprünglich sollte aktive Arbeitsmarktpolitik präventiv auf Erwerbslosigkeit einwirken, sodass in den auslaufenden sechziger Jahren das sogenannte Arbeitsförderungsgesetz verabschiedet wurde (Vgl. Scherschel 2012, 19). Ziel dieses Gesetzes sollte die Qualifikationenbzw. Die Aufwertung des Knowhow von Arbeitnehmern sein. Zudem sollte eine „nachfrage- und exportorientierte Wirtschaftspolitik [...] einen hohen Beschäftigungsstand sichern [wobei] das Arbeitslosengeld [...] der Statussicherung und dem Schutz vor unterwertiger Beschäftigung“ diente (Vgl. Scherschel 2012 19f„ Bartelheimer 2010, 5). Hier wird der ursprüngliche Charakter des deutschen Sozialstaates sichbar. Eine, nach Esping-Andersen, klassisch sozialstaatlich konservative Zielsetzung. Jedoch lassen sich bereits in den siebziger Jahren Veränderungen der Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik hinsichtlich Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen (Vgl. Scherschel 2012 20) bzgl. zumutbaren Arbeitsverhältnissen, strikteren Richtlinien für den Erhalt von Arbeitslosenunterstützung und einer Verminderung der Höhe des Arbeitslosengeldes in den neunziger Jahren (Vgl. Mohr 53) sehen. Zudem ist der Abbau von sozialstaatlicher Qualität durch eine Deregulierungs- und Flexibilisierungspolitik in den achtziger Jahren zu erkennen. Unteranderem ist darin auch der Grund für die Ausbreitung sogenannter A-typischer Beschäftigungsverhältnisse zu finden (Vgl. Keilig 2009 39). Der eigentliche

[...]

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Details

Titel
Chancen gesellschaftlicher Teilhabe von Erwerbslosen und Menschen in A-typischer Beschäftigung
Hochschule
Universität Kassel
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V541121
ISBN (eBook)
9783346159243
ISBN (Buch)
9783346159250
Sprache
Deutsch
Schlagworte
a-typischer, beschäftigung, chancen, erwerbslosen, menschen, teilhabe
Arbeit zitieren
David, Maria Hesterberg (Autor), 2014, Chancen gesellschaftlicher Teilhabe von Erwerbslosen und Menschen in A-typischer Beschäftigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541121

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