Der Begründer des Manichäismus und die religionsgeschichtliche Bedeutung seiner Religion


Referat (Ausarbeitung), 2017

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Theoretische Grundlagen
1.1 Historische Grundlagen
1.1.1 Name
1.1.2 Abstammung
1.1.3 Quellen
1.2 Manichäismus

2 Mani
2.1 Werke
2.2 Offenbarungen
2.3 Mission

3 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Manchmal frage ich mich, ob nicht der Herr der Finsternis zu allen Re- ligionen inspiriert, und zwar einzig und allein, um Gottes Bild zu entstel- len!“ Waren das etwa die Worte eines Gottesmannes?1

Das Zitat stammt vom fiktiven Mani aus dem historischen Roman „Der Mann aus Mesopotamien“ von Amin Maalouf2. Der Mani im Buch glaubt demnach die bestehenden Auslebungen der Religionen zu seiner Zeit seien Entstellungen der Wahrheit.

Mani3 (216-276/ 277) gründete den Manichäismus4, eine von der Gnosis geprägte Reli- gion.5 Sie zählt zu den synkretistischen6 Lehren.7 Der Manichäismus wurde zur Weltre- ligion, indem er sich im Osten bis nach China und im Westen bis nach Spanien ausbrei- tete.8 762 wurde Bögü Khan9 bei den Uiguren10 zum Manichäismus bekehrt und die Re- ligion offiziell eingeführt.11 Zeitweise stellte er eine Konkurrenz zum Christentum dar und hielt sich in Westeuropa, trotz Verfolgungen, bis ins fünfte Jahrhundert.12 Mani lebte im persischen Sassanidenreich13 und wuchs bei einer jüdisch-christlichen Täufer- gemeinde auf, die ihn und seine Lehre prägte.14 Er trennte sich von dieser, um seine Lehre vom Dualismus zu verbreiten.15 Göttliche Offenbarungen vermittelten Mani sein Wissen.16 Er sah sich als Fortführer und Schlusslicht bestehender Religionen.17 Seine Mission wurde zunächst von persischen Königen gefördert18, bis seine Religion als Be- drohung für den Zoroastrismus19 wahrgenommen wurde.20 Daraufhin wurde er verhaftet und starb im Gefängnis.21

Die Betrachtung der historischen Person Mani ist insofern von wissenschaftlichem Inte- resse, als dass sein Leben und seine Ansichten die Entstehung und Etablierung des Ma- nichäismus erklären und nachvollziehbar machen.

Diese wissenschaftliche Arbeit kann sich nicht ausführlich mit der Lehre und der Reli- gionsgemeinschaft des Manichäismus befassen, da dies den Rahmen der Arbeit spren- gen würde. Im Fokus soll die Person Mani und die religionsgeschichtliche Bedeutung seiner Lehre stehen. Dadurch kann die Entstehung der Religion, ihre Ausbreitung und ihr Untergang verstanden und in einen historischen Kontext eingeordnet werden.

Aus der bisherigen Darstellung ergeben sich hinsichtlich der zu betrachtenden Thematik folgende Forschungsfragen:

1. Wie und warum kam es zur Entstehung des Manichäismus?
2. Wie ist der Manichäismus religionsgeschichtlich einzuordnen?
3. Was war Manis Ziel?

Zur Beantwortung der aufgestellten Forschungsfragen wird folgende methodische Vor- gehensweise gewählt:

Zuerst werden historische Hintergründe erläutert. Dann werden knapp die Besonderhei- ten des Manichäismus herausgestellt. Anschließend wird die Person Mani skizziert. Hierbei geht die Arbeit auf seine Namensherkunft, Visionen und seine Missionstätigkeit ein. Schließlich werden die zusammengetragenen Ergebnisse in einen Kontext einge- ordnet. Hierbei soll die religionsgeschichtliche Bedeutung des Manichäismus herausge- stellt werden. Zuletzt folgen Zusammenfassung und Fazit.

Die verwendete Methodik dient zum Verstehen der Zusammenhänge zwischen Mani als Person und der Entstehung seiner Religion. Die gesamte Komplexität der historischen Person Mani kann nicht erfasst werden, da hierfür einerseits der Rahmen fehlt und an- dererseits die manichäischen Quellen legendenhafter Natur sind. Aus der beschriebenen Vorgehensweise ergibt sich die Gliederung der wissenschaftlichen Arbeit.

Im Folgenden werden zunächst die theoretischen Grundlagen betrachtet, die zum Ver- ständnis und zur Durchführung der geplanten methodischen Vorgehensweise notwendig sind.

1 Theoretische Grundlagen

1.1 Historische Grundlagen

Mani wurde mehrerer Quellen zu Folge am 14. April 216 bei Seleukia-Ktesiphon am Tigris im heutigen Irak geboren.22 Er starb im Jahre 276 oder 277 in Gundešapur an den Umständen in Haft.23 Seine Muttersprache war das Aramäische.24 Er wuchs bei einer jüdisch-christlichen Täufergemeinde im persischen Sassanidenreich25 auf.26

Mani ist der Gründer des Manichäismus, einer synkretistisch-dualistischen Religion.27

Er wurde für das Gründen seiner Kirche, als Offenbarer der göttlichen Gnosis, Vorbild des richtigen Verhaltens, für seine mitfühlende Menschenliebe und sein mutiges Märty- rertum von seinen Anhängern verehrt. Er habe übernatürliche Heilkräfte gehabt, könne hellsehen, frei schweben und sich über erhebliche Entfernungen hinweg fortbewegen.28

Mani wurde mit der Zeit als ewig spirituelle Persönlichkeit betrachtet, der eine vorge- burtliche Existenz innehatte. Dies wurde angenommen, weil Mani zu seinem Vater:“another one, however, came to dwell in it“29, gesagt haben soll.30

Mani ist zentraler Gegenstand der manichäischen Heilslehre.31 Sein Leben wurde hagio- graphisch beschrieben.32 Er wurde außerdem Objekt für feindliche Anti-Legenden. Dies ist einer der Gründe, warum es nicht möglich ist, historische Fakten und Legenden von- einander zu trennen.33 Die Legenden der Manichäer um Mani als „Apostel des Lichts“ entstanden zu seinen Lebzeiten und wurden nach seinem Tod erweitert.34 Es wird davon ausgegangen, dass je älter die hagiographische Tradition ist, desto größer die Möglich- keit, dass sie historische Fakten enthält.35

Mani ist ein Prophet mit hohem Sendungsbewusstsein und ein Theologe. Er schuf ein eigenes religiöses System, das gezielt synkretistisch sein sollte. Dies ermöglichte die Vereinigung mehrerer Religionen in einem und bot ihm die Grundlage eine umfassende Heilslehre zu erschaffen.36 Das nachfolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Abstammung des Namens „Mani“.

1.1.1 Name

Der Name Mani (aram.mny; gr.Man[n]ichaios[=kopt.];Manēs; lat. Manes/ Man[n]ichaeus; chin.mo-ni; pers.m’ny;m’nyy;m’n‘; sanskr.Maneya[sya]); Kurzform von Man[n]ichaios wird unterschiedlich gedeutet. Mānēs ist ein verbreiteter Eigenna- me, vor allem bei Sklaven. Mani könnte auch eine Kurzform vonMan[n]ichaiossein und wäre demnach kein Eigenname.37 Manis Widersacher Augustin behauptet es gebe eine Verbindung zu dem lateinischem Wortmania/ maneis, das so viel wie „Wahnsinn“ bzw. „wahnsinnig“ bedeutet.

Oder es wird vom Aramäischenmānā(„Gefäß“ [sc. Des Heiligen Geistes], polemisch:mānā [dbīštā] = Gefäß [des Bösen]), himmlische Nahrung „Manna“ oder der aramäi- schen Wendungmānī hayyā(Mani der Lebendige bzw. „lebendiges Gefäß [sc. Des Hei- ligen Geistes]“) abgeleitet.38 Das nachfolgende Kapitel erläutert die Abstammung Manis.

1.1.2 Abstammung

Manis Vater spielt in seiner Biografie eine zentralere Rolle als seine Mutter.39 Verschie- dene Varianten seines Namens sind in den Quellen und der Forschungsliteratur vorhan- den: Pattak/ Pattik (gr. Pattikios; lat. Paticius).40 Seine Heimat war Hamadan und später verbrachte er sein Leben in Seleukeia-Ktesiphon.41 Pattaks Vater Abū Barzam und seine Familie gehörten entweder zur Königsfamilie der Arsakiden oder Parthen.42

Manis Vater war Mitglied in der juden-christlichen Täufergemeinde der Elkesaiten, in der auch Mani seit seinem 4. Lebensjahr aufwuchs und seine religiöse Prägung erfuhr.43

(Aussage Manis): „[Nachdem] mein Leib [von meiner Mutter (?) im Kleinkindalter (?)] (p.11) bis zu meinem vierten Lebensjahr [genährt worden war], trat ich [zu diesem Zeitpunkt] in die Glaubensgemeinschaft der Täufer ein. Als mein Leib im Jugendalter war, wuchs ich in dieser Gemeinschaft auf und wurde durch die Kraft der Lichtengel und der so überaus starken Mächte beschützt.“44

Der Name Manis Mutter ist unklar. In vielen Überlieferungen wird von Maryam ausge- gangen. Sie stammte von den As`ániern ab und war möglicherweise eine Adelige.45

Die Elkesaiten lebten in der Ebene zwischen Euphrat und Tigris.46

Mani verbrachte die ersten zwei Jahrzehnte seines Lebens bei ihnen, bis er sich auf sei- ne Missionsreisen machte, um seine Lehre zu verbreiten.47

Das nachfolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Problematik der zur Verfügung ste- henden Quellen.

1.1.3 Quellen

Zwei Arten von Quellen liegen vor: nichtmanichäische und manichäische.48 In den nichtmanichäischen Schriften wird oft gegen Mani polemisiert.49 Die manichäischen Schriften hingegen schildern Manis Leben, haben jedoch einen legendenhaften Charak- ter.50

Bis ins 20. Jahrhundert waren keine manichäischen Originalschriften bekannt. In der Frühen Neuzeit und im 19. Jahrhundert waren anti-manichäische Schriften, die von Christen verfasst wurden, bekannt.51 Sie enthielten einzelne Zitate aus manichäischer Literatur.52 Das manichäische Schrifttum wurde teils in der Antike, teils im Mittelalter vernichtet.53 Dies geschah, weil der Manichäismus in den Gebieten, in denen er sich ausgebreitet hatte, von anderen Religionen mit der Zeit unterdrückt oder verdrängt wur- de.54 Hinzu kommt, dass die im Laufe des 20. Jahrhunderts entdeckten manichäischen Fragmente einen schlechten Zustand aufwiesen. Zudem ging nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein noch nicht ausgewerteter Teil der Fragmente wieder verloren. 55

Das nachfolgende Kapitel stellt den Manichäismus und seine Besonderheiten vor.

1.2 Manichäismus

Der Manichäismus weist Einflüsse aus dem Christentum (Rolle Jesu, Bedeutung des Neuen Testaments), der jüdisch-christlichen Täufergemeinde der Elkesaiten (Mission, zyklische Wiederkehr der Propheten, Weltgericht), der Gnosis (vor allem Bardaisan und Markion), zoroastrisch-iranischer Dualismus (absoluter Dualismus,Drei-Zeiten-Lehre, „großer Krieg“) und später dem Buddhismus (Seelenwanderung, Spaltung der Kirche in Erwählte“ und „Hörer“) vor.56

Kern der manichäischen Lehre ist der Dualismus zwischen den Urprinzipien Licht und Finsternis bzw. Geist und Materie, die im ständigen Kampf miteinander sind. Hierbei generiert jede Seite in unserer jetzigen Zeit immer neue Kräfte und Emanationen. 57

Ein manichäisches Glaubensbekenntnis besagt:

[...]


1 Maalouf, 1994, S. 106.

2 Vgl. Literarisches Portrait/ Amin Maalouf, Online im WWW unter URL: http://www.marabout.de/maalouf/maalouf.htm [Stand: 06.09.2017].

3 Vgl. Harst, 2009, S. 177.

4 Vgl. Foerster, 1980, S. 6.

5 Vgl. Harst, 2009, S. 177f.

6 Vgl. Böhlig, 1989, S. 252.

7 Vgl. Foerster, 1980, S.6f.

8 Vgl. Böhlig/ Markschies, 1994, S. 266.

9 Vgl. Moriyasu, 2004, S. 34.

10 Vgl. Zieme, 1991, S. 22f.

11 Vgl. Moriyasu, 2004, S. 34.

12 Vgl. Mosig-Walburg, 2009, S. 174ff.

13 Vgl. Onuki, 2011, S. 164.

14 Vgl. Böhlig/ Markschies, 1994, S. 267.

15 Vgl. Hausammann, 2007, S. 34ff.

16 Vgl. Hausammann, 2007, S. 33.

17 Vgl. Ort, 1967, S. 118.

18 Vgl. Heiler, 1959, S. 442.

19 Vgl. Grabner-Haider, 2007, S. 260f.

20 Vgl. Koch, 2011, S. 142.

21 Vgl. Ernst, 1941, S. 34.

22 Vgl. Markschies, 2012, S. 148.

23 Vgl. Klimkeit, 1989, S. 21.

24 Vgl. Henning, 1958, S. 76.

25 Vgl. Haywood, 2002, S. 28f.

26 Vgl. Böhlig/ Markschies, 1994, S. 267.

27 Vgl. Foerster, 1980, S. 6.

28 Vgl. Sundermann, Werner: Mani/ The Founder of the Religion of Manicheism in the 3rd century CE (2009), Online im WWW unter URL: unter URL: http://www.iranicaonline.org/articles/mani-founder- manicheism [Stand: 07.09.2017].

29 Sundermann, Werner: Mani/ The Founder of the Religion of Manicheism in the 3rd century CE (2009), Online im WWW unter URL: unter URL: http://www.iranicaonline.org/articles/mani-founder- manicheism [Stand: 07.09.2017].

30 Vgl. Sundermann, Werner: Mani/ The Founder of the Religion of Manicheism in the 3rd century CE (2009), Online im WWW unter URL: unter URL: http://www.iranicaonline.org/articles/mani-founder- manicheism [Stand: 07.09.2017].

31 Vgl. Römer, 1994, XVI.

32 Vgl. Durkin-Meisterernst, 2008, S. 1013.

33 Vgl. Colditz, 2016, S. 247ff.

34 Vgl. Cantera, 2004, S. 145ff.

35 Vgl. Römer, 1994, S. 38f.

36 Vgl. Kohlhammer, 1961, S. 141ff.

37 Vgl. Sundermann, Werner: Mani/ The Founder of the Religion of Manicheism in the 3rd century CE (2009), Online im WWW unter URL: unter URL: http://www.iranicaonline.org/articles/mani-founder- manicheism [Stand: 07.09.2017].

38 Vgl. Drecoll/ Kudella, S. 166ff.

39 Vgl. Spiegel, 1873, S. 202f.

40 Vgl. Bill/ Fassmann, 1979, S. 148.

41 Vgl. Merkelbach, 1986, S. 37.

42 Vgl. Dodge, 1972, S. 86.

43 Vgl. Hausammann, 2007, S. 33.

44 Koenen/ Römer, 1988, S. 7.

45 Vgl. Spiegel, 1873, S. 201f.

46 Vgl. Hausammann, 2007, S. 22.

47 Vgl. Heinrichs, 2012, S. 164ff.

48 Vgl. Willkens/ Özertural, 2011, S. 23.

49 Vgl. Rose, 1979, S. 56f.

50 Vgl. Spiegel, 1873, S. 204f.

51 Vgl. Willkens/ Özertural, 2011, S. V.

52 Vgl. Akademie der Wissenschaften der DDR, 1912, S. 46.

53 Vgl. Lülfing/ Teitge/ Petri, 1981, S. 25.

54 Vgl. Meier-Seethaler, 2001, S. 124ff.

55 Vgl. Reck, 2006, S. 15.

56 Vgl. Janßen, Martina:Mani(Dez. 2010), Online im WWW unter URL: http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das- bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/name/Mani/ch/de1a1cd9cf000ae456cec528f6e6c026/ [Stand: 08.07.17].

57 Vgl. Willkens/ Özertural, 2011, S. 70.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Begründer des Manichäismus und die religionsgeschichtliche Bedeutung seiner Religion
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V541171
ISBN (eBook)
9783346170750
ISBN (Buch)
9783346170767
Sprache
Deutsch
Schlagworte
turkologie, zentralasien, manichäismus, mani, religionsgeschichte, prophet
Arbeit zitieren
Jasemin Kara (Autor), 2017, Der Begründer des Manichäismus und die religionsgeschichtliche Bedeutung seiner Religion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541171

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