Ziel meiner Recherchearbeit ist es herauszufinden, ob und wie die Mehrsprachigkeit mit der doppelten Halbsprachigkeit zusammenhängt. Um zu einem Fazit zu gelangen, werde ich zunächst die Definition, den Zweitspracherwerb (ohne hierbei den Umfang, durch die Darlegung allgemeinen Theorien zum Spracherwerb zu sprengen) und den Einfluss der Erstsprache bei der Mehrsprachigkeit darlegen. Darauffolgend werde ich den Einfluss auf die Entwicklung der mehrsprachigen Person analysieren und erläutern. Anschließend stelle ich die doppelte Halbsprachigkeit und die dazugehörigen Positionen vor, um schlussendlich resümierend Sprachstörungen bei einer mehrsprachigen Sprachentwicklung festzustellen oder abzulehnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mehrsprachigkeit
2.1 Definition
2.2 Innere und äußere Mehrsprachigkeit
2.3 Entstehungsgründe
3 Spracherwerb
3.1 Mehrspracherwerb
3.1.1 Simultane und sukzessive Mehrsprachigkeit
3.1.2 Natürliche und gesteuerte Mehrsprachigkeit
3.2. Einfluss der Erstsprache
3.2.1 Asynchronität des Verlaufs
3.2.2. Transfer
4 Einfluss der Mehrsprachigkeit auf die Entwicklung
4.1 Additive und subtraktive Mehrsprachigkeit
4.2 Schwellenhyphothese von Cummins
5 Doppelte Halbsprachigkeit
Definition
Pro-Argumente
Contra-Argumente
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht kritisch die wissenschaftliche Relevanz der "doppelten Halbsprachigkeit" bei mehrsprachigen Kindern und Jugendlichen, um zu klären, ob Mehrsprachigkeit tatsächlich zu Sprachdefiziten führt oder lediglich ein komplexer Entwicklungsprozess ist.
- Grundlagen und Definitionen von Mehrsprachigkeit
- Prozesse und Einflussfaktoren beim Mehrspracherwerb
- Analyse der Schwellenhypothese nach Cummins
- Differenzierung zwischen Sprachstörungen und typischen Sprachmischungen
- Kritische Betrachtung der "doppelten Halbsprachigkeit"
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Transfer
Durch die verschiedenen Sprachniveaus können durchaus Sprachmischungen entstehen. Das Kind überträgt richtig gelernte grammatische Regeln der einen in die andere Sprache. Das bedeutet, dass Wissen aus der einen Sprache in die andere übertragen wird. Diese Übertragung wird „Transfer“ genannt, wobei dieser sich in drei Arten unterteilt.
Negative Ergebnisse dieser Sprachmischung nennt man „Interferenz“. Die Regeln eines bereits vertrauten Sprachsystems werden auf ein weniger bekanntes Sprachsystem angewandt. Zudem ist es feststellbar, dass „Interferenzen“ eher beim Fremdsprachenerwerb auftreten und weniger beim Zweitspracherwerb.
„code-mixing“ ist eine andere Art des „Transfers“. Wenn Wörter in der einen Sprache fehlen, um durchgängig auf dieser Sprache kommunizieren zu können, werden die Wörter aus der anderen Sprache übernommen, um die Lücken zu füllen. Das übernommene Wort wird meist auch an die Grammatik der anderen Sprache angepasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hier wird die Problemfrage zur doppelten Halbsprachigkeit motiviert und die Zielsetzung der Facharbeit sowie das methodische Vorgehen dargelegt.
2 Mehrsprachigkeit: Dieses Kapitel definiert Mehrsprachigkeit, unterscheidet zwischen inneren und äußeren Formen und beleuchtet die Entstehungsgründe.
3 Spracherwerb: Es werden die verschiedenen Formen des Spracherwerbs sowie der Einfluss der Erstsprache auf den weiteren Sprachverlauf und auftretende Transfererscheinungen untersucht.
4 Einfluss der Mehrsprachigkeit auf die Entwicklung: Das Kapitel betrachtet die kognitiven Folgen von Mehrsprachigkeit und erläutert die Schwellenhypothese nach Cummins.
5 Doppelte Halbsprachigkeit: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem umstrittenen Konzept des Semilingualismus unter Abwägung von Pro- und Contra-Argumenten.
6 Fazit: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage ablehnend gegenüber der Theorie einer zwanghaften doppelten Halbsprachigkeit.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Doppelte Halbsprachigkeit, Semilingualismus, Erstsprache, Zweitsprache, Spracherwerb, Schwellenhypothese, Transfer, Interferenz, Code-Switching, Code-Mixing, Sprachkompetenz, Sprachmischung, Sprachförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung des Konzepts der "doppelten Halbsprachigkeit" bei mehrsprachigen Personen und hinterfragt deren wissenschaftliche Fundierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Mehrspracherwerb, die Differenzierung zwischen Sprachbeherrschung und Sprachmischung sowie die psychosozialen Auswirkungen mehrsprachiger Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Mehrsprachigkeit zwangsläufig zu einem "Semilingualismus" führt oder ob sogenannte "Fehlbildungen" lediglich normale Phasen des Spracherwerbs sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse von Fachquellen, Internetressourcen und Expertenmeinungen zum Thema Mehrsprachigkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Analyse des Spracherwerbs, die Schwellenhypothese nach Cummins und eine detaillierte pro-contra Gegenüberstellung der doppelten Halbsprachigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mehrsprachigkeit, Semilingualismus, Transfer, Interferenz und Spracherwerb definiert.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Code-Switching und Sprachstörungen?
Die Autorin betont, dass Sprachmischungen wie Code-Switching Ausdruck von Kontextanpassung sind, während Sprachstörungen den grundlegenden Spracherwerb betreffen; "Fehlbildungen" sollten daher nicht voreilig als Störung markiert werden.
Warum lehnt die Autorin die These der doppelten Halbsprachigkeit ab?
Die Autorin argumentiert, dass Sprachvariationen oft fälschlicherweise als "Fehler" gewertet werden, obwohl sie soziale oder entwicklungsbedingte Ursachen haben, und fordert stattdessen eine gezielte Bildungsförderung.
- Arbeit zitieren
- Selenay Öcal (Autor:in), 2019, Multilingualismus. Führt Mehrsprachigkeit zu einer doppelten Halbsprachigkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541331