Die post-sozialistische Stadtentwicklung Russlands


Referat (Ausarbeitung), 2006

17 Seiten, Note: keine


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Post-sozialistische Transformationsprozess
2.1 Politik
2.1.1 Regionalplanung
2.2 Wirtschaft
2.3 Soziales

3. Bevölkerungsentwicklung und Stadtentwicklung
3.1 Migration

4. Typen der Stadtentwicklung in Russland
4.1. Städte mit dynamischer sozioökonomischer Entwicklung
4.2. Städte der Stagnation mit Entwicklungschancen
4.3. Städte des wirtschaftlichen Zerfalls

5. Zusammenführung - Regionale Disparitäten

6. Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Die wirtschaftlichen und sozialen Transformationsprozesse, die seit Ende der 80er Jahre Russland prägen, verändern grundlegend die funktionale Struktur und die wirtschaftliche Entwicklungsbasis der russischen Städte und führen zu einer Bedeutungsverschiebung im Städtesystem Russlands (Brade/Perzik/Piterski, S. 52).

Der Rückzug des Staates in der Planung, die Privatisierung der Wirtschaft und die Entstehung des Immobilien- und Grundstückmarktes haben die Transformation des Planungssystems maßgeblich geprägt. Diese neuen Rahmenbedingungen werden begleitet von neuen Problemen wie Arbeitslosigkeit, strukturelle Depression, zunehmenden Einwohnerrückgang und Entvölkerung. Darüber hinaus verändern die starken Migrationsströme, die anwachsende soziale Polarisierung sowie die veränderte geopolitische Lage Russlands die Entwicklung der Städte.

Ein genereller Entwicklungsprozess der Städte ist jedoch nicht prognostizierbar, denn die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedingungen sind der Größe des Landes geschuldet je nach Region höchst unterschiedlich (Brade/, S.16; Schulze/Piterski, S.53).

Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Wandel der Städte Russlands nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Hierbei wird eine Makro-Perspektive gewählt, die regionale Disparitäten und die damit verbundenen Probleme (aufgrund des Forschungsstandes der vorliegenden Literatur) vorrangig in den 1990er Jahre darlegt. Der Begrenztheit einer Hausarbeit geschuldet, verzichten die folgenden Ausführungen auf die Untersuchung der innerstädtischen Veränderungen.

Die Auseinandersetzung mit dem Städtesystem Russlands verlangt nach der Betrachtung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ebendiese Raumstrukturen hervorbrachten und bringen. Folglich beschäftigt sich der erste Teil der Arbeit mit den postsozialistischen Transformationsprozessen, die zu der Herausbildung des charakteristischen Städtesystems führten. Im Anschluss werden die unterschiedlichen Typen der Stadtentwicklung vorgestellt und auf etwaige Probleme der verschiedenen Städtetypen aufmerksam gemacht. In einem letzten dritten Teil werden die vorherigen Betrachtungen zusammengeführt indem die regionalen Disparitäten des Landes und ihre Verankerung im sozialistischen System aufgezeigt werden.

2. Der Post-sozialistische Transformationsprozess

Den folgenden Betrachtungen liegt die Annahme zu Grunde, „dass historisch, spezifische gesellschaftliche Bedingungen eigene Raumstrukturen hervorbringen“ (Brade (a), S.15). Der postsowjetische Wandel der russischen Städte geht einher „mit starken Veränderungen hinsichtlich der politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen der Raumentwicklung“ (Brade (a), S.15). Im Folgenden werden die Veränderungen auf den Gebieten Politik, Ökonomie und Soziales näher betrachtet.

2.1 Politik

Mit dem Zerfall der Sowjetunion entstanden fünfzehn eigenständige Nationalstaaten, viele von den Großstädten lagen nun außerhalb Russlands. Mit den neuen Staatsgrenzen brachen streng arbeitsteilig organisierte, spezialisierte Produktions- und Distributionsabläufe zusammen. Viele Städte waren schlagartig abgeschnitten von den bisherigen Netzwerken. Desorientierung herrschte vor. Früher zentral gelegene Städte stellten plötzlich Grenzstädte dar und waren geopolitisch peripher gelegen. So geschehen bei den großen Schwarzmeerhäfen, die nun nur noch als Auslandshäfen anzufahren sind (Brade (a), S.13).

2.1.1 Regionalplanung

Mit dem Ende der sozialistischen Zentralverwaltung mussten sämtliche rechtlichen Rahmenbedingungen samt Institutionen zur Entwicklung des russischen Städtesystems neu geschaffen werden. Im Zuge der Regionalisierung und Dezentralisierung gewinnen lokale und regionale Steuerungsinstanzen an Einfluss. Städte die vormals kaum planerische oder finanzielle Spielräume besaßen, können erstmals eigenverantwortlich handeln. Damit einher geht eine Bedeutungszunahme nichtstaatlicher Akteure (Brade, (b),S.129). Insgesamt haben einzelne Persönlichkeiten in politischen und ökonomischen Entscheidungsprozessen relativ hohen Einfluss. Die Politik wird „in zunehmenden Maße durch starke Akteure geprägt“ (Schwanitz zitiert nach Brade/ Piterski/Schulze, S. 42).

Regionalentwicklungspläne, die unter Sowjetherrschaft einzig von der staatlichen Planungskommission angeordnet und von großen staatlichen Planungsinstituten ausgeführt wurden, werden seit Anfang der 1990er Jahre teilweise von kommunalen und regionalen Planungsbüros angefertigt. Die gesetzlichen Möglichkeiten auf kommunaler und regionaler Ebene werden bisher jedoch kaum umfassend genutzt, da das zentralistische Denken noch immer vorherrscht und sich wichtige Forschungs-einrichtungen, Expertengremien, Consutlingfirmen und staatliche Institutionen überwiegend in Moskau befinden. Regionalpläne können im Prinzip nur von den großen Einrichtungen in St. Petersburg und Moskau angefertigt werden (Brade/Perzik/Piterski, S.57). Darüber hinaus haben die wirtschaftlichen Strukturen Einfluss auf die Regionalplanung.

2.2 Wirtschaft

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion betreffen globale Prozesse nun auch das ehemals abgeschottete Russland. Somit muss notwendigerweise eine wirtschaftliche Umstrukturierung hin zu marktwirtschaftlichen Strukturen erfolgen. Die Mehrzahl der russischen Städte ist bisher nur ungenügend in die Weltwirtschaftsstruktur integriert. Die 1990er Jahre sind so durch den Zusammenbruch bisheriger Wirtschaftsstrukturen, ubiquitäre Deindustrialisierungsprozesse, Privatisierung, Entstehung eines informellen privaten Kleinunternehmertums und den Ausbau des tertiären Sektors charakterisiert und haben das Städtesystem maßgeblich verändert (Brade (B), S.129). Zudem wurde durch Deindustrialisierung die Konkurrenz unter den großen Städten noch verstärkt. Im interkommunalen Wettbewerb werden die Mobilisierung endogener Potenziale und die politische und wirtschaftliche Verflechtung zum Wettbewerbsvorteil. Folge dieses nationalen Wettbewerbs um in- und ausländische Investitionen ist die funktionale Spezialisierung der Zentren (beispielsweise St. Petersburg als Verkehrs- und Kommunikatiosknotenpunkt der Ostseeregion, Jekaterinenburg als Dienstleistungs- und Finanzzentrum) (Brade (B), S.130). Innerhalb der Regionen herrscht Konkurrenz zwischen den administrativen Zentren und den starken ökonomischen Zentren, die sich zu alternativen wirtschaftlichen Regionalzentren entwickeln (Brade (B), S.131).

Mit dem Sozialen Wandel haben sich auch die klassischen Standortfaktoren (Einwohneranzahl, Wirtschaftskraft, Administrationsfunktion) verändert. Neue Faktoren, wie Privatisierungsgrad, marktwirtschaftlicher Entwicklungsstand der Institutionen und Branchenstruktur bestimmen überwiegend die Standortwahl. Insbesondere die Bedeutung von Verkehrsanbindung und ökonomischer Lage hat durch die „Ökonomisierung der Distanzüberwindung“ (Brade (B), S.130) enorm zugenommen.

Insgesamt spielen die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen (wie eine demokratische, ausgewogene unternehmensorientierte Gesetzgebung, Reformfähigkeit, Verflechtung zwischen kommunalen und regionalen Strukturen der Politik und Wirtschaft) eine immer größere Rolle für die Städte als Wirtschaftsstandorte (Brade (B), S.139).[1]

2.3 Soziales

Soziale Unsicherheit, Armut und Polarisierung kennzeichnen die 1990er Jahre. Neben den wenigen Reformgewinnern, büßte eine große Zahl der Bevölkerung mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre gesicherte soziale Position ein. Die noch in der Sowjetunion vorherrschende breite Mittelschicht war besonders von den sozialen Folgen des Übergangs von der sozialistischen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft betroffen.

Die sozialistische Klassengleichheit wurde mit dem Systemwandel aufgelöst. Im Jahre 2001 hatte das reichste Fünftel der Bevölkerung einen Anteil von 47 Prozent an den gesamten Einnahmen, das ärmste Fünftel war hingegen nur mit sechs Prozent beteiligt (Pleines, S. 36). Armut charakterisiert die Gesellschaft. Laut Pleines ist davon auszugehen, „dass Mitte der neunziger Jahre mindestens ein Viertel der russischen Bevölkerung von Armut betroffen war“ (Pleines, S. 37).

Folge von sich nur langsam durchsetzenden neuen gesellschaftlichen Ordnungsprinzipien sind Arbeitslosigkeit und soziale Desorganisation (Kriminalität und Korruption wurden zum Synonym Russlands). Damit einher ging und geht ein Imageverlust bestimmter Städte und Regionen in Folge dessen Einwohnerrückgang, Entvölkerung und Investorenabwanderung zu verzeichnen waren und sind (Brade (B), S.129).

[...]


[1] Fußend in der russischen Geschichte, bestehen in Russland allgemein viel stärkere Verflechtungen zwischen Staat und Wirtschaft, die die Stadtentwicklung entscheidend prägen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die post-sozialistische Stadtentwicklung Russlands
Hochschule
Universität Lüneburg  (Kulturgeografie)
Veranstaltung
Russland
Note
keine
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V54135
ISBN (eBook)
9783638494021
Dateigröße
863 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtentwicklung, Russlands, Russland
Arbeit zitieren
Juliane Krueger (Autor), 2006, Die post-sozialistische Stadtentwicklung Russlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54135

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